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Blind Guardian - A Night At The Opera

Review von Opa Steve vom 00.00.0000 (5999 mal gelesen)
Blind Guardian - A Night At The Opera Die Könige der ProTools und Audiospuren im 3-stelligen Bereich haben wieder zugeschlagen. Schon bei der letzten aufwendigen Produktion war klar, daß sich die Wächter von dem eigentlichen Metal-Segment entfernen. Aber müssen sie den langhaarigen Hörer direkt mit kalten E-Goth-Samples erschrecken? Und müssen direkt rhythmische Stakkato-Chöre eingebracht werden, wie man sie nur von choreographierten Boy- und Girlgroups kennt?

Überhaupt wird überdeutlich, daß die Vocals an allererster Stelle stehen. Die Gitarren wirken kastriert und verbergen sich hinter Drums und einer gnadenlosen Wand von Stimmen. Zwar ist der leicht quäkende Sound bei den charakteristischen Leads unverkennbar und somit ein Trademark, welches die Band vom ersten Longplayer bis in die heutige Zeit retten konnte. Aber die Einflüsse von Mittelalter, Klassik, Soul und Musical (ja!) sind sowas von stark, daß man ohne diese bekannten Klampfen eigentlich eine völlig andere Band vor sich hat. Hinzu gesellen sich trendige Keyboardsounds und experimentelle Gitarrenlicks (z.B. am Anfang von Sadly Sings Destiny). Durch das Bedürfnis, unglaublich komplexe Produktionen zu fahren, mutieren diese Songs zwangsläufig zu großen "Bühnenstücken" wie Musicals mit Chor und Orchester. Aber dies ist so intensiv, daß es dem Metalfan wirklich schwerfällt, einen Eingang zu finden. Prinzipiell habe ich nichts gegen das Stilmittel, und Black Symphony haben schon bewiesen, daß man solche Songs auch purmetallisch und nicht minder anspruchslos dem Banger näherbringen kann. Hier entsteht allerdings ein so bunter und erzwungener Stilmix, daß sich die Krefelder konkret zwischen alle Stühle setzen. Dem Opernfan ist's natürlich zu hart, dem Musicalfan zu monoton, dem Metaller zu weit vom Schuß. Was bleibt? Wer für die pathetischen Stücke von den alten Queen ein Faible hat und trotzdem auf metallisches Ambiente steht, wird hier seinen Gefallen dran finden.

Die songwriterische Leistung ist über jeden Zweifel erhaben und die komplexen Arrangements öffnen sich noch genug, um sie schnell genug zu begreifen. Das gleiche gilt natürlich auch für die spielerische Umsetzung - allem voran der mittlerweile äußerst geschulte Gesang von Hansi. Die Produktion allerdings ist hochgradig enttäuschend. Ich kann es ja verstehen, wenn man den vielen Dutzend Studiospuren einen Platz im Spektrum einräumen muß. Wenn es aber nur noch geht, indem man die Dynamik auf ein Minimum reduziert, nichts mehr knallt und rummst, die Bässe kaum druckvoll rüberkommen und die Instrumente sich durch extreme Filter nur noch auf ihren engsten Tonbereich einschränken, wirkt die Musik auf mich leblos, klinisch, schweißfrei. Sie läßt mich kalt.

Ich will sie für ihren eingeschlagenen Weg nicht verurteilen und angesichts des hohen musikalischen Niveaus wären weniger als 7 Punkte pure Mißachtung. Dennoch werde ich mich auch weiter lieber an den alten Bangern erfreuen und lege gleich erst mal Banished From Sanctuary auf.


Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
1.Precious Jerusalem
2.Battlefield
3.Under The Ice
4.Sadly Sings Destiny
5.The Maiden And The Minestrel Knight
6.Wait For An Answer
7.The Soulforged
8.Age Of False Innocence
9.Punishment Divine
10.And Then There Was Silence
Band Website: www.blind-guardian.com
Medium: CD
Spieldauer:
VÖ: 04.03.2002

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