Festival Previews
Prophecy Fest 2022

Festival Reviews 2022
A Chance For Metal Festival 2022

Area 53 Festival 2022

Livebericht Children Of Bodom (mit Insomnium und Medeia)

Ein Livebericht von Kex aus Köln (Live Music Hall) - 01.10.2013 (8755 mal gelesen)
imgleftBereits bei unserer Ankunft gegen 17 Uhr tummelt sich eine Hand voll Fans vor der Live Music Hall in Köln. Zwar bewarben die Tourplakate den Einlass für 18 Uhr, laut Ticket soll aber niemand vor 19 Uhr eingelassen werden. Vielleicht wollen die Leute aber nur Captain Borderline bewundern, der sein wachsames Auge auf die Zufahrt zur Live Music Hall gerichtet hält. Bei strahlendem Sonnenschein und verhältnismäßig milden Temperaturen lässt sich die Warterei gut aushalten, wenngleich das Wetter nicht zu finnischem Melo Death passen mag. MEDEIA, INSOMNIUM und CHILDREN OF BODOM erwarten uns zum Glück auch erst gegen 20 Uhr im Dunkeln. Dass die Metal Szene beständigen Veränderungen unterliegt, lässt sich hier am Publikum gut erkennen: Lange Haare sieht man kaum, Kuttenträger sind noch weniger anzutreffen, dafür nimmt die Anzahl der Bartträger beständig zu. Daneben fällt mir auf, dass auch hier die Unsitte, in aktuellem Bandshirt zum Auftritt zu marschieren, Einzug gehalten hat. Schade irgendwie, ich mochte es immer, neben dem offensichtlichen Bandgeschmack zu sehen, welche Schnittmengen zu anderen Gruppen besteht. Selbst alte Tour-Shirts sind rar gesät. Allerdings feiert das Publikum später alle drei Bands so gut ab, dass ich hier kein böses Wort mehr verlieren möchte. Wer einmal das Gelände der Live Music Hall betreten hat, darf dieses denn auch nicht wieder verlassen, was angesichts der saftigen Preise für Getränke beinahe schon frech ist. Zwar sind Hof und Biergarten echt schön angelegt und die Toiletten im Vergleich etwa zur Batschkapp recht sauber, das rechtfertigt aber keine 5,20 Euro für einen halben Liter Kölsch oder 2,30 Euro für 0,2 l Cola. Wasser gibt es immerhin für "nur" 2 Euro, wobei auch hier 0,2 l ziemlich unverschämt bemessen sind. Dies könnte auch die Leere vor den Theken recht gut erklären.

imgrightUm kurz vor 20 Uhr legen denn auch MEDEIA los, die damit überpünktlich beginnen. Wirkte Bassist Samuli zuvor im Interview recht müde, ist davon auf der Bühne nichts mehr zu spüren. Nach einem knappen, ruhigen Intro legt das Sextett energiegeladen los und scheint nicht mehr still stehen zu wollen. 'Cold Embrace' kommt dadurch beim Publikum auch ohne Pandaschminke und Superheldenumhänge gut an. Mit 'Iconoclastic' und 'Misery Prevails' sind auch zwei Songs vom neuen Werk "Iconoclastic" vertreten. Die Veröffentlichung ist zu diesem Zeitpunkt zwar noch drei Wochen hin, Fans können sowohl CD- wie auch LP-Version aber schon auf Tour erwerben. Die Setlist stellt einen guten Mix vom Zweitwerk "Cult" bis hin zur aktuellen Scheibe dar, von der "Quantum Holocaust World Domination" ist leider nichts zu hören. Das Publikum scheint zwar die meisten Songs sowieso nicht zu kennen, feiert den Sechser jedoch angemessen. Für die erste Vorband ist ziemlich viel los, so dass die Menge den Raum zwischen Merchandise und Bühne lose auffüllt. Die Stimmung ist so gut, dass sich schon nach kurzer Aufforderung zu 'The Unseen' ein Pit bildet, der bis zum Ende vorhält. Von Anfang an erschallen "Ausziehen!"-Rufe aus dem Publikum, die sicherlich der durchaus nett anzusehenden Laura Dziadulewicz am Keyboard gelten. Deren Können ist leider nur während der Übergänge gut zu hören, ansonsten verschwinden die Tastenanschläge nahezu ausnahmslos hinter einer starken Riffwand. Abgeschlossen wird der Auftritt mit dem "Abandon All"-Opener 'We All Fail'. Die nicht enden wollenden "Ausziehen!"-Rufe quittiert Laura Dziadulewicz im Abgang zwar mit einem Stinkefinger, dennoch scheinen MEDEIA insgesamt mit ihrem Auftritt zufrieden, ebenso wie das Publikum vor der Bühne. Dieses kann einzelne Bandmitglieder dann auch am Merchandisestand persönlich treffen, denn nach dem Konzert steht erstmal Arbeit für die Finnen auf dem Programm. (kex)
Setlist:

Cold Embrace
Devouring
Iconoclastic
Misery Prevails
The Unseen
Centurions
We All Fail

imgleftDie Umbaupause zwischen MEDEIA und INSOMNIUM gestaltet sich erfrischend kurz, was unter anderem auch daran liegt, dass MEDEIA ihr Backdrop einfach über das von INSOMNIUM gehängt haben. Die Backline wird auch einfach auf der Bühne gelassen. Praktisch. Allerdings kommen INSOMNIUM heute ohne Keyboardverstärkung daher. In der Vergangenheit haben sie sich dafür gerne mal in den benachbarten Tourbussen bedient oder einfach SWALLOW THE SUNs Tastenmann Aleksi Munter mitgenommen. Auf dieser Tour allerdings kommen die Keyboards vom Band, genauer gesagt: vom Apfel, welcher in handlicher Reichweite zu Schlagwerker Markus Hirvonen platziert ist. Wie zu erwarten war, ist die Setlist vergleichsweise kurz und knackig, wobei INSOMNIUM sich dann doch ein paar Freiheiten nehmen, die Handvoll Songs, die sie immer spielen, aufzulockern. Nach der Standard-Eröffnung 'Through The Shadows' gibt es mit 'Only One Who Waits' und 'Down With The Sun' gleich zwei Brecher, die beim Publikum bestens ankommen. Selbiges gilt freilich auch für 'The Killjoy', wenn das allerdings irgendwann einmal nicht zündet, können sich INSOMNIUM auch gleich auflösen. Richtig steil geht die Live Music Hall zu 'Unsung', so dass man auch mal sehen kann, dass der Schuppen richtig voll ist. Wie es der Beelzebub so will, schafft Leadgitarrist Markus Vanhala während 'Unsung' außerdem eine wunderbare Rückblende aufs letztjährige Summer Breeze, wo ihm während exakt demselben Song ebenfalls der Stecker aus der Gitarre fiel. Doch kaum entstöpselt, spurtet auch schon Tourmanager Sami einer Gazelle gleich auf die Bühne, macht der entfleuchten Klinke Beine und schiebt sie dem Instrument dorthin, wo die Sonne nicht scheint. Dass das ausgerechnet während Markus Solo passiert, scheint den nicht zu stören: Da sein Einsatz ja eh schon gelaufen ist, frickelt er unter dem Jubel der Menge einfach noch ein bisschen auf dem Griffbrett herum, bis es Zeit für den nächsten Song ist. Der hört auf den Namen 'Ephemeral', stammt von der taufrischen, gleichnamigen EP und kommt allerbestens an. Vielleicht auch, weil zu diesem Zeitpunkt schon ein gefühltes Viertel der Halle in den noch leicht nach Druckmaschine duftenden Shirts rumläuft, deren Rücken der Text dieses Liedes ziert. Zum Abschluss gibt es dann noch 'One For Sorrow' vom gleichnamigen Album und das immer beliebte 'Mortal Share', für das prinzipiell das gleiche gilt, was oben für 'The Killjoy' angeführt wurde. Allerdings sorgt die Reihenfolge dann doch etwas für Verwirrung, denn 'One For Sorrow' ist seit Erscheinen des Albums stets der letzte Song der Setlist. So ein ruhiger, in tiefblaues Licht getauchter Song zieht dann doch ein bisschen die Setlist auseinander, wenn direkt im Anschluss eine Breitseite wie 'Mortal Share' kommt. Trotzdem darf Ville Friman gerade hier noch einmal zeigen, dass er sich inzwischen als zweiter Sänger durchaus macht. Nur das Mikrofon könnte er ein bisschen prüder und weniger wie eine heimliche Geliebte behandeln. Wie MEDEIA haben auch INSOMNIUM ein bisschen mit der Akkustik der Live Music Hall zu kämpfen, die wirklich anständigen Sound direkt vor der Bühne nicht zulässt. Es dauert meist ein paar Takte, die Songs eindeutig zu entziffern, da gerade die Gitarrenleads gerne mal untergehen. Doch INSOMNIUM trotzen den Widrigkeiten der PA und des offensichtlich mehr als straffen Zeitplans, der keinen Raum für Frivolitäten wie ausufernde Ansagen oder gar Zugaben lässt, und legen ein gelungenes Set auf die Bühne. (contra)

Setlist:
Inertia
Through The Shadows
Only One Who Waits
Down With The Sun
The Killjoy
Unsung
Ephemeral
One For Sorrow
Mortal Share

imgrightNachdem MEDEIA und INSOMNIUM jeweils eine knappe Stunde Spielzeit bekommen haben, betreten CHILDREN OF BODOM um kurz nach zehn die Bühne. Zwischen Mischpult und Bühne steht die Menge dicht an dicht, während im hinteren Bereich die Bar in Richtung Ausgang ohne Probleme zu erreichen ist. Ausverkauft ist der Auftritt offensichtlich nicht, aber die Menge scheint dem finnischen Fünfer durchaus angemessen. Dass hier der Hauptakt ansteht, merkt man aber auch an der Bühnendeko: CHILDREN OF BODOM geben sich nicht allein mit dem größten Backdrop zufrieden, sondern platzieren quer über die Bühne verteilt eigene Scheinwerfer sowie im Hintergrund drei Platten, über die diverse Animationen laufen. Eingeleitet von ungeduldigen "Hatecrew!"-Rufen beginnen die Finnen ihr anderthalbstündiges Set mit 'Transference' vom aktuellen "Halo Of Blood" Album. Mir persönlich sagt der Song nicht unbedingt zu, aber die Menge feiert eifrig. Obwohl Frontmann Alexi Laiho sich bei der Menge entschuldigt, er sei krank, hüpft er munter über die Bühne. Von einem Kranken hätte ich eher Stillstand erwartet. Diesen Part übernimmt kurzer Hand der Rest der Band, der sich quasi kaum bewegt. Nach den Auftritten von MEDEIA und INSOMNIUM wirkt das beinahe etwas lustlos, aber Flummi Laiho gleicht dies mühelos aus. Mit 'Silent Night Bodom Night' zeigt sich, dass ein zwar kranker, aber nüchterner Frontmann durchaus eine Bereicherung für einen CHILDREN OF BODOM Auftritt darstellt. Sogar den eingefroren wirkenden Janne Warman am Keyboard lockt Laiho kurz aus der Reserve. Vielleicht liegt es am Interviewstress, den die Band vorab hatte. (Auch wir bekamen übrigens die Möglichkeit, mit Janne kurz zu sprechen.) So wie das Publikum drauf ist, könnten CHILDREN OF BODOM aber auch Playback spielen, egal was oben passiert, die Fans fressen den Finnen aus der Hand. Es folgen drei Songs der "Halo of Blood", die mich ein wenig mit dem Album versöhnen, wenngleich ich dem Titelsong nicht viel abgewinnen kann. Auch wenn das Songwriting streckenweise an PAIN erinnert (vor allem 'Sixpunder'), entdecke ich in 'Scream For Silence' etwas vom Flair der "Follow The Reaper" wieder. Für Großvolk zeigt sich spätestens jetzt, dass auf das Publikum ausgerichtete Scheinwerfer mehr Leid als Freude anrichten. Im vorderen Bereich kommt hinzu, dass der Sound recht breiig ankommt und Janne am Keyboard einiges leisten muss, um sich Gehör zu verschaffen. Die Fans juckt es nicht und feiern derweil eine Riesenparty. Dabei lässt es die Packungsdichte erstaunlicherweise zu, dass man sich von vorne nach hinten durchbewegt. Dort wird dann der Sound auch im Längen besser und auch die für CHILDREN OF BODOM-Songs so wichtigen Keys kommen zur vollen Geltung. Während 'Kissing The Shadows' angespielt wird, feiere ich innerlich, wurde dieser Song bis 2010 doch vergleichsweise selten gespielt. Mir ist klar, dass er mittlerweile zum Standardset gehört. Da ich 3 Jahre CHILDREN-Pause hatte, freue ich mir dennoch einen Ast ab. Die Setlist erstreckt sich quasi quer durch die Albengeschichte, wobei 'Lake Bodom' leider der einzige Anker zu den Anfangstagen bleibt. Besonders freut mich, dass der sonst nur auf Festivals gespielte Song 'Towards Dead End' auch mal auf einer Tour den Weg in die Setlist findet. 'Blooddrunk' braucht es da weniger in der Setlist, zumal die Blutspritzeranimation im Hintergrund eher aus einem schlecht programmiertem Computerspiel zu entstammen scheint. Umrahmt von 'Everytime I Die' und 'Are You Dead Yet?' ist das für mich, wie auch für andere Fans der Song zum Atemholen und in die Raucherpause zu gehen. Wenn auch etwas leiser, lassen sich im Biergarten der Live Music Hall die Songs beinahe am besten hören. Insgesamt ist die Setlist für mich ziemlich gelungen und so scheint es den Fans auch zu gehen. Einen vergleichsweise nüchternen Alexi Laiho werde ich wohl so schnell nicht wieder sehen, auch das ein Higlight dieses Abends. (kex)

Setlist:
Transference
Silent Night, Bodom Night
Sixpounder
Halo of Blood
Scream for Silence
Kissing the Shadows
Lake Bodom
Hate Crew Deathroll
Shovel Knockout
Dead Man's Hand on You
Are You Dead Yet?
Blooddrunk
Everytime I Die
Towards Dead End
Hate Me!
Downfall
In Your Face (Zugabe)

Fazit: Location und alle drei Bands haben durchaus Spaß gemacht, auch wenn man sich gut entscheiden musste, ob man sein Geld für Getränke oder Merch ausgeben möchte. Für nichtmal drei halbe Liter Bier gab es bereits Alben von MEDEIA oder INSOMNIUM. Obwohl MEDEIA, INSOMNIUM und CHILDREN OF BODOM alle jeweils einen anderen Bereich in der Sparte Melodic Death abdecken, schien die Kombi recht gelungen. Für einen Dienstag feierte die Meute ordentlich, sodass es eines ausverkauften Hauses gar nicht bedurfte. Dementsprechend: Das war ein gelungener Abend. Mehr Bilder zum Auftritt könnt ihr in unserer Gallerie bewundern.
imgcenter
Location Details
Live Music Hall in Köln (Deutschland)
Website:http://www.livemusichall.de/
Adresse:Lichtstraße 30
Köln
Anfahrt:Parkplätze findet man meistens in der Vogelsanger Straße (schon ab dem Underground-Club darauf achten), die einen großen Bogen um die Lichtstraße macht. Im Gelände selbst gibt es einen Freiluft-Hof mit Bierbänken und einem Imbiss.

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten



Reviews

29.06.2011 Abandon All(8.0/10) von des

27.09.2008 Cult(7.5/10) von Kex

10.11.2013 Iconoclastic(7.0/10) von Kex

30.07.2008 Same - EP(7.0/10) von Mandragora

Interviews

16.09.2008 von Kex

07.03.2009 von des

11.07.2011 von des

14.10.2013 von Kex

Liveberichte

01.10.2013 Köln (Live Music Hall) von Kex

02.03.2009 Wien (Arena) von des

Album des Augenblicks
Volltextsuche
Schaut mal!
Banner, 160 x 600, mit Claim