Interview mit Paul Di'Anno von Paul Di'Anno

Ein Interview von Eddieson vom 02.10.2014 (6226 mal gelesen)
PAUL DI'ANNO ist ja derzeit noch mit seinem MAIDEN-Programm unterwegs, und machte auch in Osnabrück halt. Nach seiner Show im Bastard Club nahm er sich noch ein paar Minuten, sagte uns aber auch gleich, dass es ihm nicht gut geht und er nicht viel Zeit hat. Im Laufe des Interviews lockerte er aber etwas auf, erzählte über seine neue Band ARCHITECTS OF CHAOZ, blickt kurz über sein Leben, erzählt uns von der größten Lüge, die er über sich gelesen hat, und wovor er richtig Angst hat.

Hi Paul. Du empfängst uns mit den Worten, dass es dir nicht gut geht. Was ist los?

Paul Di'Anno: Ach, ich habe immer noch Probleme mit meinem Knie. Das geht jetzt schon seit Monaten so und wird einfach nicht besser.

Okay, dann lass uns zu einem schöneren Thema kommen. Erzähl uns doch mal etwas über die neue Band ARCHITECTS OF CHAOZ.

Paul Di'Anno: Es ist dieselbe Band, mit der ich den ganzen IRON MAIDEN-Kram mache. Wir werden im Februar das Album aufnehmen, welches dann hoffentlich im Mai erscheinen wird. Es ist großartig wieder in einer richtigen Band zu sein. Bis jetzt war es ja immer nur ich und die Band. Jetzt ist es was anderes und das ist absolut fantastisch.

Und dann wirst du mit dem MAIDEN-Sachen aufhören?

Paul Di'Anno: Nein, niemals. Das muss ich machen, sonst würden mich die Fans umbringen. Nein, das werde ich auch weiterhin tun. Aber es befindet sich grad alles in einem Wechsel. Neues Management, neue Agentur, usw. Das ist grad schon eine beängstigende Zeit.

Deine Eltern sind Italiener, du bist in England aufgewachsen ...

Paul Di'Anno: ... ja, East-London, man.

Jetzt lebst du in Brasilien und deine Band kommt aus Deutschland.

Paul Di'Anno: Ja, aber mit den MAIDEN-Sachen hatte ich auch Bands in Mexiko, Brasilien und mehr. Alles um den Preis niedrigzuhalten, damit sich die Kids auch die Show leisten können. Aber das kann ich jetzt nicht mehr machen. Ich muss etwas Geld verdienen. Ich habe in den letzten Jahren ca. 3 Millionen Dollar verloren. Das kann ich jetzt nicht mehr. Meine Frau springt mir an die Gurgel.

Um noch mal auf die Weltmeisterschaft zurückzukommen, welches Team hast du denn dann unterstützt.

Paul Di'Anno: Italien natürlich! [lacht] Ich war zwar kaum zu Hause, aber ich hatte Tickets für Spiele in der letzten Woche und einige Brasilien-Spiele. Die haben aber scheiße gespielt. Genauso, wie England.

Wenn du jetzt mal auf dein Leben zurückblickst. Bereust du irgendwas oder würdest alles noch mal genau so machen?

Paul Di'Anno: Ja, das würde ich. Ich habe keine Zeit irgendetwas zu bereuen. Das ist doch Mist. [lacht]

Was war die größte Lüge, die du jemals über dich gelesen hast?

Paul Di'Anno: Das ich tot bin. [lacht]

Wirklich?

Paul Di'Anno: Das war eines Abends, wir sind kurz zuvor aus Brasilien gekommen, ich ging die Straße runter und wollte in einen Laden. Wahrscheinlich um mal wieder Alkohol zu kaufen, oder so. Da war dieser Junge, der plötzlich weinend zu Boden fiel und rief: "Oh mein Gott, du lebst ich habe doch gelesen du wärest tot!".

In deinem Buch beschreibt dich Dennis Stratton [ex-Gittarist bei MAIDEN, Anm. d. Verf.] als Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Nach allem, was ich über dich gelesen habe, scheint das eine perfekte Beschreibung zu deiner Person zu sein.

Paul Di'Anno: Ja, das passt. Man hat doch meistens zwei Personen in sich. Wenn ich nicht auf der Bühne bin, bin ich mehr so Familientyp. Ich liebe meine Frau und meine Kinder. Aber wenn ich auf der Bühne bin, dann kann ich all das rauslassen, was mich die ganzen Tage, Monate und Jahre über wirklich anpisst. Das funktioniert! [lacht]

Was ist mit dem Demo, auf dem du angeblich 'The Number Of The Beast' singst. Gibt es das?

Paul Di'Anno: Ja, das ist ein Gerücht, welches so rumgeht. Aber dazu sage ich nichts. [lacht]

Okay. 'Remember Tomorrow' hast du für deinen Großvater geschrieben. Ist also ein sehr persönlicher Song. Wie fühlt es sich an, wenn jetzt jemand anderes diesen Song singt?

Paul Di'Anno: Das akzeptiere ich nicht. Ich kann nicht, eben weil es ein so persönlicher Song ist. Deswegen widme ich den Song jetzt jeden Abend Clive [er meint Clive Burr, ex-Drummer von MAIDEN, der letztes Jahr gestorben ist; Anm. d. Verf.]. Ich habe einen sehr guten Freund verloren. Jetzt widme ich ihm den Song, was ja auch sehr persönlich ist. Ich spreche nicht über meine Gefühle, über meine Ängste. Ich habe nicht mal geweint. Aber ab und zu erwische ich mich selbst auf der Bühne, wo ich denke, dass das alles doch etwas zu viel für mich ist. Als Clives Beerdigung war, konnte ich leider nicht hin, weil ich unbedingt zu meiner Familie nach Brasilien musste. Also, habe ich eine kleine Laudatio für ihn geschrieben, welches seine Frau auf der Beerdigung vorgelesen hat [hier unterbricht er den Satz, da seine Gefühle ihn überrennen]. Ich habe einen großartigen Freund verloren. Er war der beste Heavy Metal-Drummer der Welt.

Okay, kommen wir zu einem anderen Thema. Hast du vor irgendetwas richtig Angst?

Paul Di'Anno: Nein. Oder doch, warte. Meine Frau. Sie macht mir Angst. [lacht] Sie ist witzig aber auch beängstigend. Sie ist auch meine beste Freundin. Aber sie ist halt eine Latina, sehr temperamentvoll.

Was sind deine persönliche Stärken und Schwächen?

Paul Di'Anno: Meine Stärke ist die Musik. Immer wenn ich schlechte Laune habe, mein Knie mich wieder nervt, kann ich dennoch großartige Songs schreiben, wie jetzt mit dem ARCHITECTS OF CHAOZ. Das ist absolut großartig. Ich kann es kaum abwarten, bis das Album erscheint. Das pusht mich richtig. Im Februar gehen die Jungs ins Studio, kurze Zeit später werde ich die Vocals aufnehmen. Ich kann es wirklich kaum abwarten, wir haben fantastische Songs geschrieben. Die 4 Songs, die wir als Teaser aufgenommen haben, wurden von allen gemocht, die sie gehört haben. Und wir haben noch stärkere Songs in petto. Ich und Joey [er zeigt auf den Gitarristen, der auch im Raum sitzt] sind Genies. [lacht] Deutschland kann stolz sein, das ist eine deutsche Band. Auch wenn ich jetzt grad ziemlich müde bin, pusht mich das Ganze doch sehr. Meine Erwartungen sind ziemlich hoch und ich hoffe, ich werde nicht enttäuscht.

Das denke ich nicht. Bist du eigentlich noch in Kontakt zu früheren MAIDEN-Musikern?

Paul Di'Anno: Nein, wir leben alle auf verschiedenen Kontinenten. Ich sehe ständig andere Flughäfen. Das ist unmöglich. Der Einzige, zu dem ich noch regelmäßig gesprochen habe, war Clive. Auch wegen der Clive-Aid-Shows. Ich habe Hunderte von Clive-Aid-Shows gespielt. Als es Clive richtig schlecht ging, haben wir Geld für ihn gesammelt. Ich bin von Brasilien nach Paris geflogen, um 2 Songs mit einer französischen Band zu spielen. Wir haben nie zusammen geprobt, weil wir keine Zeit hatten, nur um etwas Geld für Clive zusammenzukriegen. Am nächsten Tag bin ich wieder nach Brasilien geflogen.

Warst du eigentlich nach deiner Zeit bei MAIDEN noch mal auf einem Konzert deiner ehemaligen Band?

Paul Di'Anno: Yeah. [lacht] Nachdem "The Number Of The Beast" veröffentlicht wurde bin ich zu einer Show gegangen. Zusammen mit meiner Mutter und meiner Schwester. Aber ich musste nach dem zweiten Song die Show verlassen, weil irgendjemand meinen Namen gerufen hat. Das war nicht sonderlich cool, weil man auch merkte, dass es Bruce nicht gefiel. Deswegen bin ich dann lieber gegangen. Also hatten meine Ma, meine Schwester und ich noch ein leckeres Abendessen.

Okay, das war es. Alles Gute für dich und die neue Band. Vielen Dank, dass du dir noch eben die Zeit genommen hast.

Paul Di'Anno: Bitte gerne!

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