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Interview mit Hansi von Blind Guardian

Ein Interview von Eddieson vom 14.01.2013 (6277 mal gelesen)
BLIND GUARDIAN werden 25. Grund genug, mal bei Sänger Hansi anzuklingeln, um über die Band, die anstehende Box und ein Rentnerfest zu reden. Der sympathische Sänger stand Rede und Antwort.

Hansi: Hallo, hier ist der Hansi von BLIND GUARDIAN

Hi, hier ist Jan von Bleeding4Metal.

Hansi: Hey, Jan wie geht's?

Danke, soweit ganz gut.

Hansi: Ah, das hört man gerne.

Und bei euch?

Hansi: Ach, wir kämpfen uns so durch's Leben. Der Alltag hat wieder Einzug gehalten, wir sind gesund und munter aus den Winterferien zurück und befinden uns grad in diversen Vorproduktionen.

Erst mal, Glückwunsch zu 25 Jahre BLIND GUARDIAN!

Hansi: Danke schön!

Ihr habt eine steile Karriere hingelegt.

Hansi: Steil und lang, ja. Kam einen zwar nicht so lang vor. Und steil, ja, es war zwar steil, aber letztendlich hat man auch davon nichts gemerkt. Es ging immer bergauf und wir haben fast gar nichts getan, außer ein bisschen Musik gemacht. Von daher, wollen wir uns nicht beschweren.

Wenn du jetzt mal die letzten 25 Jahre Revue passieren lässt, was waren da die Highlights?

Hansi: Da gab es echt viele. Man wiederholt sich da auch teilweise. Also, für mich persönlich waren es unsere ersten Japan-Touren mit allem was dazugehört. Mit den Fans, mit der ganzen Aufregung für uns selbst, soweit von zuhause weg zu sein, und dann vor so vielen Menschen spielen zu dürfen, und auch die Nacht zum Tage zu machen, gehörte auf jeden Fall dazu. Dann, defakto unser eigenes Festival aus dem Jahre 2003. Das dazu geführt hat, dass wir unsere treuesten Fans aus Europa, vielleicht sogar weltweit um uns vereinen konnten und mit denen 3 Tage riesen Party gefeiert haben. Dann noch so diverse Plattenaufnahmen, bzw. Songwriting-Phasen einfach, auch wenn man hier alleine ist im Studio und merkt, dass man an irgendetwas Neuem arbeitet, was einen selbst überrascht, aber wo man in dem Moment, wo man anfängt zu arbeiten erkennt, okay, das wird auch was Besonderes. Das sind so die erhebenden Momente, und klar, das passiert zwar immer außer der Reihe, aber doch häufiger als man denkt.

Als ihr damals gestartet seid mit LUCIFERS HERITAGE, bzw. dann später mit BLIND GUARDIAN, seid ihr dann schon mit dem Ziel angekommen: "Okay, wir machen eine Band und wir wollen groß raus". Oder war das erst mal nur so ein Hobby und dann mal schauen was passiert.

Hansi: In dem Moment, als ich gemeinsam mit Andre angefangen habe Musik zu machen, war schon so unsere Prämisse, dass wir möglichst schnell erfolgreich sein wollten, und vor allen Dingen auch alles dafür getan haben und auch getan hätten, wenn noch andere Sachen notwendig gewesen wären [lacht]. Wir haben es dann sehr ambitioniert betrieben, und es war eigentlich auch keine Frage für uns, dass wir dann Erfolg haben würden. Dass diese Strecke dann tatsächlich noch so steinig, holperig und lang sein wird, das hätten wir nicht gedacht. Wir sind eigentlich davon ausgegangen, nachdem wir dann "Battalions Of Fear" veröffentlicht hatten, dass das alles noch schneller gehen würde. "Battalions Of Fear" hat uns dann, wenn man so will, ein bisschen Demut gelehrt.

Warum?

Hansi: Das war ein Album, das ganz gut ankam. Die Medien haben das als gutes Album, aber nicht als Haltbringer-Album verstanden, und die Plattenverkäufe waren auch dementsprechend. Man hat dann schon gesehen, um groß zu werden, gehört noch mehr dazu und da gehört auch eine Plattenfirma dazu, die überhaupt die Möglichkeiten hat, um Sachen anzuschieben. Das war damals nicht gegeben. Die Plattenfirma, das war No Remorse Records, hat getan, was getan werden konnte. Da waren eben die Möglichkeiten limitiert. Das hat man gemerkt. Ja, und die Magazine haben uns auch als eine von vielen Bands gesehen, die durchaus Potenzial hat, aber logischerweise kein MAIDEN-Level oder HELLOWEEN-Level damals auch.

Das kann euch jetzt, 25 Jahre später, wohl nicht mehr passieren.

Hansi: Och, wir haben unsere Fan-Schar und ich glaub', musikalisch haben wir auch bewiesen, dass man nach JUDAS PRIEST und SCORPIONS und IRON MAIDEN und METALLICA noch Sachen machen kann, die vielleicht ein bisschen anders sind und durchaus auch ein eigenes Trademark mit sich bringen.

Wann kam dann der Punkt, wo euch bewusst wurde: "So, jetzt haben wir es geschafft"?

Hansi: Das war, würde ich fast sagen, zwischen "Tales From The Twilight World" und "Somewhere Far Beyond". "Tales" war schon ansatzweise ein Mainstream-Erfolg, aber da hat es trotzdem noch gefehlt zum ganz großen Durchbruch. Es war erkennbar, dass sich Sachen bewegten und dass auf einmal auch andere Leute Interesse an uns zeigten. Wir haben dann die Plattenfirma wechseln müssen, weil No Remorse Records damals Konkurs anmelden musste. Da hatte man schon gemerkt, dass es ein bisschen anders war als noch 4-5 Jahre vorher, als wir mit unseren Demos hausieren mussten. Da wollte eigentlich jeder ran. Wir hatten die freie Wahl von ganz großen Major-Kompanies, über kleinere, bis hin zu den großen Independent Labels. Da wollte jeder ran und da war auch jeder dann bereit, schon etwas Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren. Das war für uns dann so der Indikator dafür, dass es doch noch weiter gehen könnte. Parallel dazu entwickelte sich dann eben auch dieser große Erfolg in Japan. Von daher war das eben so der Punkt für uns, wo wir uns dachten: So, jetzt sind wir durch.

Das ist ja ein Traum für jeden Musiker, wenn man sich das Label aussuchen kann.

Hansi: Ja, es ist ein Traum für jeden Musiker, vor allen Dingen kam es bei uns dann auch wie aus dem Bilderbuch. Mit der Faustregel: Mit dem dritten Album schaffst du es oder du schaffst es nicht. Make it or break it, sagt man im Englischen. Das hatte sich dann für uns sehr schön bewahrheitet, sodass dann an und für sich klar war: Okay, wir sind etabliert und wir können jetzt auch Sachen ausprobieren, die vielleicht nicht unüblich sind, aber die ein wenig aus dem Genre herausgehen. Wir hatten dann quasi den Freischein zur freien Selbstrealisierung könnte man so sagen, was wir dann auch, denke ich, auf den Alben danach genutzt haben. Das heißt natürlich trotzdem, dass mit jedem neuen Album immer dieser Erfolgsdruck wieder da war, weil dann kam das "Somewhere" mit 'The Bard's Song' meinetwegen drauf und den musste dann auch erst mal wieder in irgendeiner Form toppen oder was Adäquates mit dem nächsten Album schaffen, was dann möglicherweise denselben Stellenwert hat. Glücklicherweise war es dann bei "Imaginations" das ganze Album und mehr so die brachialen Geschichten darauf, die dann auch wieder noch stärker heraus gestellt haben, dass wir 'ne eigenständige Band waren. Ja, und so hat sich das dann wie ein schöner roter Faden bis heute weiter gezogen.

Ihr seid in Japan ja ziemlich groß, ebenso wie HELLOWEEN und SCORPIONS. Wie erklärst du dir, dass grad die Japaner da so drauf abfahren?

Hansi: Also, ich denke das liegt an dem eigenen Charakter, den grad jetzt deutsche Metal-Musik in den 80er und 90er hatte. Da wurde immer diese europäische Folklore auch ein bisschen eingewoben und im Vergleich zu den amerikanischen Metal-Bands entstand da doch eine etwas andere Collage. Das hat die Japaner neugierig gemacht. Die mögen zwar Attribute von amerikanischen und englischen Metal-Bands genauso, aber denen hat natürlich auch diese etwas andere Stilauslegung der deutschen Bands gefallen. Da kamen dann diese etwas netteren melodischeren Geschichten dazu und diese etwas bombastischeren Sachen. Da gab es dann Sachen, die in der klassischen deutschen Musik irgendwo schon für Furore gesorgt haben. Die sind dann da auch so ein bisschen eingearbeitet worden. Das alles führte glaube ich dazu, dass die Japaner das so gut gefunden haben. Dann, denke ich mal, dass sich Deutsche in den 80er und 90er ein bisschen anders präsentiert haben vom Charakter. Das wird den Japanern auch gefallen haben, weil da sind mentalitätstechnisch vielleicht dann auch ein paar mehr Parallelen, als zwischen einem Westcoast-Amerikaner und dem typischen Japaner.

Jetzt habt ihr 25 jähriges Jubiläum und macht den Fans ein fettes Geschenk. Eine Box mit allen Alben der Virgin-Ära + Livescheiben + Demos & Rarities. Wie kamt ihr auf die Idee? Und war für euch klar, dass, wenn es 25 Jahre sind, dann machen wir auch was richtig fettes.

Hansi: Nee, aus meiner Sicht kann man so was nur machen, wenn man sich in dem 25. Anniversary-Jahr befindet streng genommen. Die Box hat dann ein bisschen mehr Zeit in Anspruch genommen, als wir gedacht haben. Sodass wir dieses 25 Jährige schon ein bisschen überstrapazieren müssen, aber wir konnten auf halber Strecke natürlich auch keinen Rückzieher mehr machen. Ich denke, dass es legitim ist, nach 25 Jahren zurückzukucken und dann tatsächlich so eine Art Archivierung vorzunehmen und das [dann klingelt sein Handy er geht ran und ist danach etwas aus dem Konzept]. Wir hatten uns überhaupt keine Gedanken darum gemacht. Wir hatten dieses 25 Jährige und es war klar, dass wir ein "Best Of"-Album machen würden, das ist damals von der EMI so angefragt worden. In dem Zusammenhang haben die auch Interesse bekundet an diesem Box-Set. Für uns war es okay. Aber wir brauchten tatsächlich dieses 25 Jährige, ansonsten hätte es für uns keinen Sinn gemacht, diese ganze Sache zu veröffentlichen, weil wir mit Sicherheit in den nächsten 25 Jahren nicht noch mal daran gehen werden. Es ist tatsächlich ein Collective-Item speziell designed für diese besondere Situation.

Also es ist schon etwas Besonderes. Man setzt sich jetzt nicht nur hin, mastert das mal etwas neu und macht einfach ein Booklet, sondern es steckt schon viel Liebe zum Detail darin?

Hansi: Genau. Da hatte ich eben den Faden verloren. Eigentlich war die EMI schon seit 4-5 Jahren bei uns dran und wollte sowohl ein "Best Of"-Album, als auch eine Box. Wir haben es dann so geschoben, dass es mit dem 25 Jährigen übereinstimmen könnte. Wir haben dann auf der anderen Seite aber auch gesagt, wenn wir es machen, dann brauchen wir da auch ein bisschen Freiraum, um die Sachen neu zu bearbeiten, und da geht es dann eben nicht nur um's Remastern. Jetzt speziell bei den Alben "Tales" bis "A Night At The Opera" um ordentliche Remixe, aber auch um eine Adjustierung, die diese Box zu einem einheitlichen Ganzen macht.

Ist es für euch ein Unterschied, ob ihr ein normales Album veröffentlicht oder jetzt diese Box? Macht ihr euch vorher Gedanken darüber?

Hansi: Wir haben uns vorher Gedanken gemacht, aber nicht tief genug. Das wurde uns dann klar, als wir mit den Arbeiten angefangen haben. Wir haben die ganze Sache mal so auf 2 - 3 Monate Arbeit eingeschätzt. Das sind dann knapp 9 Monate geworden. Von daher haben wir uns da verschätzt. Das passiert uns bei den regulären Alben auch, aber da ist dann, auch wenn die Zeiträume riesig groß sind, die wir da in Anspruch nehmen, das Verschätzen eben doch nicht bei 200%, sondern bei vielleicht 30% oder 40%, die man nicht einkalkuliert hatte. Man hat die Sachen nicht mehr in Erinnerung, das ist bei dieser Box eben das Schwierige gewesen. Man muss zum einen erst mal natürlich chronologisch vorgehen. Dann muss man die ganzen Sachen systematisch einmal wieder katalogisieren sozusagen, um dann festzustellen, welche Sachen man überhaupt noch hat, auf welche Sachen man noch Zugriff hat und ob der Zugriff, wenn man ihn denn hat, noch ausreichend ist. Mit anderen Worten, ob die Bänder noch funktionieren. Da hat sich dann noch ein ellenlanger Schwanz gebildet, der uns teilweise zur Verzweiflung gebracht hatte. Aber ja, Ende gut, alles gut. Wir haben jetzt alles gut katalogisiert und es wird rein theoretisch die nächsten 20 oder 25 Jahre überstehen, auch wenn wir dann nicht mehr daran gehen sollten. Das Ding ist eben wirklich, dass man die Arbeiten gerade an alten Geschichten, wie 'ner "Somewhere" meinetwegen dann auch noch in der Masse unterschätzt. Wir haben auch damals schon mit vielen Spuren rum experimentiert und da war auch damals schon 'ne Menge Zeugs drauf. Auf der anderen Seite muss man schon sagen, dass die Aufnahmesituationen damals andere gewesen sind, so dass man teilweise Sachen, die man heute nicht stehenlassen würde stehengelassen hat. Und dadurch natürlich mehr Arbeit entsteht.

Jetzt habt ihr auch in euren Archiven gegraben, um Fotos, sonstige Demos oder Rarities rauszuholen.

Hansi: Ja, haben wir. Das hat auch Zeit in Anspruch genommen. Das Problem war, ich bin niemand, der besonders gut sortiert ist. Besonders, wenn es um unser Audiomaterial geht oder um Bilder. Und ich war mir überhaupt nicht sicher, was noch vorhanden ist. Glücklicherweise hatte Andre dann noch 'ne ganze Menge Bilder und so nach und nach beim Recherchieren ist dann das eine oder andere Bild wieder gefunden worden. Wir haben hier im Studio noch einen ganz guten Fundus gehabt. So war es dann auch bei den Demo-Aufnahmen. Auch da war ich mir im Klaren darüber, dass wir eigentlich schon alles in irgendeiner Form benutzt hatten, weil wir immer schon so gearbeitet hatten, dass wir nur an Songs weiter gearbeitet haben, die wir auch für bearbeitungswürdig empfunden haben, sodass es eigentlich nie konkretes B-Material von uns gegeben hat. Was dazu führte, dass da die Handlungsmöglichkeiten minimiert waren.

Wollte ich grad fragen. Jetzt sind es 15 CDs, ob es da noch hätten mehr werden können?

Hansi: Es hätte rein theoretisch noch etwas mehr werden können, aber wie gesagt, ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass wir das dann, wenn wir das so durchkatalogisieren, wie ich es mir vorgestellt gehabt hatte, nach 2 oder 3 Monaten fertig gewesen wären. Was dazu führte, dass wir überhaupt nicht an Neu-Aufnahmen gedacht hatten, weil es gibt 2 Songs, die nicht ganz fertiggestellt sind. Die man, wenn ich gewusst hätte, dass wir 9 Monate an dem Teil arbeiten, durchaus hätten auch noch fertigstellen können. Aber, wie gesagt, das war am Anfang nicht absehbar, deswegen haben wir die Kiste gar nicht erst aufgemacht. Aber das wäre es dann auch gewesen. Es gibt tatsächlich irgendwie noch Fragmente von 2 regulären Songs und einer Cover-Version, die wir zu irgendwelchen Zeiten mal aufgenommen hatten, die nicht vollendet worden sind, die man noch wunderbar hätte gebrauchen können. Da ärgere ich mich auch ein bisschen drüber, aber das ließ sich dann im Laufe der Produktion nicht mehr ändern.

Als ihr in den Archiven gegraben habt, gab es doch bestimmt 'ne Menge Sachen, die zum Schmunzeln waren oder für die man sich vielleicht etwas schämt, oder?

Hansi: Nö, schämen nicht. Es gibt so 2-3 Liveaufnahmen, die wir mitgenommen haben, auf denen ich schlecht performt habe. Für dich würde ich mich vielleicht schämen, wenn wir die veröffentlicht hätten. Aber die sind irgendwo in einer Kiste und werden nie veröffentlicht. Von daher ist es okay. Fehler gehören dazu. Und das wir am Anfang unserer Karriere nicht so begnadet [lacht] im Studio pfuschen konnten, wie heutzutage versteht sich auch von selbst. Von daher, geschämt hat sich keiner. Es gab aber so die ein oder andere Sache, die uns komplett nicht mehr in Erinnerung war. Da ist z. B. auf der "Imaginations" in 'Script For My Requiem' ein Outro von dem wir gar nichts mehr wussten. Charly hatte die Sachen immer vorbereitet [Produzent Charly Bauerfeind A.d.V.] und wir sind zu einem späteren Zeitpunkt in den Mix eingestiegen, sodass teilweise Sachen da offen gelassen worden sind, die von uns überhaupt nicht so gedacht worden sind bzw., die irgendwann mal skizziert worden sind, aber dann recht früh in der Produktionsphase verworfen wurden und die, aus welchen Gründen auch immer, dann noch auf diesen Bändern gewesen sind. Da Charly jetzt speziell die Sachen bis zu "Imaginations" in dem Sinne gar nicht kannte, waren das dann für ihn Bestandteile der Songs, und die sind dann teilweise dringeblieben. In einem speziellen Fall bei 'Journey Through The Dark' ist es hinten im Outro. Da gibt es Sachen, die wir verworfen hatten. Das ist uns aber während der ganzen Phase gar nicht aufgefallen, dass die drauf geblieben sind. Sodass die jetzt praktisch per Unfall auf dieser Box gelandet sind. Das wäre dann eher peinlich [lacht]. Auf der anderen Seite wird dann auch so ein bisschen das vermittelt, was wir vielleicht vor 20 Jahren tatsächlich im Kopf hatten.

Soweit ich weiß ist alles von euch auch auf Vinyl erschienen, bis auf die "Tokyo Tales". Können Freunde des Vinyls, wie ich auch einer bin, auf eine Vinyl-Box hoffen?

Hansi: Ich habe es zumindest angeregt, bin da aber nicht sehr weit gekommen. Wir sind jetzt mal so verblieben, dass wir im Laufe des Jahres für Vinyl-Freaks evtl. 2-3 Alben noch mal auflegen werden. Es gibt, ich glaube, tatsächlich alle Alben außer die "Tokyo Tales" und die "Forgotten Tales". Also, die Studioalben sind veröffentlicht worden, aber alles ab der "Imaginations" ist entweder auf Picture-Disc erschienen oder aber dann mehr oder weniger lieblos veröffentlicht worden, sprich da ist eigentlich der digitale Mix genommen worden, der dann wieder analogisiert wurde, was eigentlich so ein bisschen kontraproduktiv ist. Das würden wir dann, wenn es zu diesen Vinyl-Veröffentlichungen kommen würde, ausmerzen. Mit anderen Worten, man würde tatsächlich dann extra für Vinyl produzierte Master-Versionen der Alben kriegen. Ich liebäugel da momentan so ein bisschen mit der "Imaginations" und der "Nightfall", weil die gab es noch nie in Schwarz. Und als echter Vinyl-Freak wirst du es auch wissen: Nur aus Schwarz bekommt man halt eben auch das geboten, was letztendlich klangtechnisch eine Schallplatte ausmacht.

Wo siehst du BLIND GUARDIAN in den nächsten 25 Jahren?

Hansi: Wir haben angefangen vor mehr oder weniger 25 Jahren. Da gibt es ja noch eine Vorgeschichte. Es sind sicher 28 oder 29 Jahre, die wir mittlerweile unterwegs sind. Und haben uns gar keine Vorstellungen gemacht, wie lange wir an dem Thema arbeiten würden. Uns war nur klar, dass wir ambitioniert Erfolg haben würden und zwar sehr schnell. Und so ist es jetzt eigentlich auch noch. Wir machen uns keine konkreten Pläne, wir haben musikalische Visionen, die setzen wir um. Ich glaub, dass, wenn wir so weiter arbeiten, wie wir es bis jetzt gemacht haben, und alles spricht dafür, dass es so sein wird, weiter erfolgreich sein werden. Aber ein Zeitfenster haben wir uns nicht gesetzt. Ich glaube, dass wir sicherlich noch, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, die nächsten 20 oder 25 Jahre weiter musizieren werden. Und momentan sehe ich auch noch keinen Grund, was die Vehemenz und die Tourerei angeht, Abstriche zu machen. Von daher sind wir absolut offen. Da machen wir uns keine Gedanken drüber.

Momentan ist es so, dass viele Bands irgendwelche Jubiläen feiern. DESTRUCTION werden 30, ihr werdet 25, HELLOWEEN werden auch 30, KREATOR werden 30. Macht doch mal ein gemeinsames Geburtags-Festival.

Hansi: Man könnte ein gemeinsames Geburtstagsfest machen. Für einige von denen fällt das Gründungsjahr mit Sicherheit komplett in die gleiche Ära. Bei uns ist es ein bisschen anders. Wir waren von den Bands, von den etablierten Bands, die du grad aufgezählt hattest, so ziemlich die letzte. Ich glaube nach uns gab es auch noch ein paar. EDGUY z. B., aber die sind dann noch mal 5 oder 10 Jahre jünger. Ähm, ja, man könnte mit Sicherheit irgendwann mal ein Rentnerfest machen. Ob man das dann tatsächlich als Jubiläum feiern wollte, keine Ahnung.

Was habt ihr konkret für 2013 vor?

Hansi: Wir sind mitten in Produktionen für die nächsten beiden Alben. Das ist einmal das Metal-Album und einmal das Orchester-Projekt. Die werden uns auch über das ganze Jahr beschäftigen. Da würde ich mal schwer von ausgehen, dass zumindest eins der beiden Alben im zweiten Halbjahr 2014 veröffentlicht werden kann. Das wird dann das reguläre BLIND GUARDIAN-Album sein. Und im Anschluss, dann in 2015, gibt es endlich nach all den vielen Jahren das Orchester-Projekt. Da arbeiten wir jetzt, ich glaube, dann 18 Jahre dran oder so. Das reicht dann auch [lacht]. Es entwickelt sich alles sehr gut. Wir waren letztes Wochenende in Prag und haben da weitere Orchester-Aufnahmen für dieses Album gemacht, aber auch für das reguläre neue Album. Auch da werden Orchester-Geschichten drauf sein. Aber wir sind generell, was das reguläre BLIND GUARDIAN-Album angeht, in der Songwriting-Phase. Wir sind da immer noch in einem frühen Stadium.

Um noch mal kurz auf die Box zurückzukommen. Das sind ja alle schon ältere Alben. Jetzt mussten die alle noch mal gehört werden, neu gemixt werden, neu gemastert werden. Live spielen tut ihr sie ja eh. Gibt es da irgendwelche Sachen, wo ihr denkt: "Man, jetzt nerven die Songs aber"?

Hansi: Ich gewinne da relativ schnell immer Abstand. Deswegen ist das bei mir eigentlich nicht der Fall. Ich höre mir die Sachen immer an, wenn die neu sind und wenn wir live spielen. Live machen mir alle Sachen Spaß. Ich wüsste jetzt so auf Anhieb, außer wenn sie schwer sind, keine Nummern, die ich hassen würde oder wo ich das Gefühl hätte, oh Gott, die will ich nicht spielen, weil die Nummer scheiße ist. Wenn, dann bin ich scheiße und kann sie nicht singen oder jemand anderes ist scheiße und kann sie nicht spielen. Nö, habe ich nicht. Aber mag sein, dass es jemand anderes in der Band anders gegangen ist, der sich vielleicht intensiver damit beschäftigt hat oder anders. Markus mag z. B. 'Valhalla' nicht mehr spielen, ich spiele die Nummer gerne.

Ja, das ist nun mal so ein Ding in einer Band, da hat jeder seine Vorlieben.

Hansi: Ja, ich wüsste jetzt nichts, von dem ich sagen würde: da habe ich mich gegengehört. Es gibt immer Nummern, die man ein bisschen mehr mag oder weniger. Und klar, wenn ich sage, dass mir eine Nummer ganz gar nicht zusagt, dann werde ich versuchen zu vermeiden, diese live zu spielen oder überhaupt ins Programm zu nehmen. Dann gibt es andere Nummern, die fallen einfach raus, weil sie tatsächlich bisschen sperriger sind, die eignen sich dann aus diversen Gründen nicht. Aber insgesamt besteht unser Set aus 40 Nummern. Wir werden die Zeit auch nutzen, um ein paar alte Sachen aufzuarbeiten, die vielleicht noch nicht so oft gespielt worden sind, dann kommt wieder was Neues dazu. Eigentlich finde ich die Fluktuation ganz gut.

Das war es auch schon vielen Dank für deine Zeit.

Hansi: Danke für das Interview.

Alles Gute für die Box und für das neue Jahr.

Hansi: Dir auch alles Gute für dich und dein Magazin.

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