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Shakhtyor - Tunguska

Review von Zephir vom 12.05.2015 (2719 mal gelesen)
Shakhtyor - Tunguska SHAKHTYOR, russisch-kyrillisch transkribiert ШAХTЁP, sind keine russischen Bergmänner, wie der Name vermuten lässt, sondern drei Hamburger: Christian Herzog, Christian "Chrischan" Müller und Nils Langbehn, die in dieser Reihenfolge Gitarre, Bass und Schlagzeug spielen. Mit diesen drei Instrumenten produzieren sie einen vokalfreien Post-Sludge-Doom-Metal, der sich anhört wie schwere Dampfwalzen und fleißige Fördermaschinen.

Wieso aber der russische Name? Antreibendes Rädchen im Werk ist Gitarrist Christian, der sich nicht nur zu einer gewissen Russlandaffinität bekennt, sondern auch der Sprache mächtig ist. Den Titel des zweiten Albums, "Tunguska", erklärt er als den Namen eines Ortes in Sibirien, in dessen Umkreis es vor über hundert Jahren – am 30. Juni 1908 – zu einem bis heute rätselhaften Natur-Showdown kam, für den je nach Sinn und Phantasie der Gelehrten diese wahlweise Vulkaneruptionen, einen Meteoriteneinschlag oder gar ein abgestürztes UFO verantwortlich machen.

Mit genau dieser ursprünglichen Gewalt stürzt "Tunguska" auf den Hörer ein. Der erste Track, 'Baryon', grollt sich mit schweren Riffs und wechselweise Doom-artigen Passagen über fast zehn Minuten hinweg, während 'Pechblende' in einer Halbwertszeit von nur kaum vier Minuten im Post-Sludge-Stil mit schlappem Bass das Tempo deutlich drosselt. Hier hört man deutlich einzelne synthetische Einschübe, die den Titel akustisch untermalen: Pechblende, auch Uranpecherz genannt, ist ein stark radioaktives Mineral, das zur Herstellung von Nuklearwaffen abgebaut wurde. 'Zerfall' beginnt mit hypnotischem Getrommel und eher feinem Gitarreneinsatz, steigert sich aber im Laufe seiner Überlänge (mit zehneinhalb Minuten der längste der sechs Titel) zu einem bis zum Zerreißen gespannten, groovigen Rhythmus-Koloss mit dominantem Schlagwerk, der einen kaum zu Atem kommen lässt.

'Schlagwetter' ist noch ein Titel aus dem Bergbau, und er beginnt passend mit Soundsamples von Wind und entfernten, unterirdischen Baugeräuschen. Das kurz danach in den Blast verfallende Geschredder verkündet Gefahr: Sammelt sich unter Tage Methangas aus den Bergen, kommt es bei der kleinsten Flamme zur Schlagwetterexplosion. Der kleine Ausflug ins schwarze Metal-Genre überrascht, fügt sich aber nicht schlecht, sondern interessant in das Gesamtwerk aus Doom und Sludge.

Titeltrack 'Tunguska' ist wohl das beunruhigendste, schwerste Stück des ganzen Albums. Es reizt sämtliche Facetten von SHAKHTYORs Musik bis hin zu noisigen Störgeräuschen aus, bleibt insgesamt dem gemäßigten Tempo verhaftet und klingt damit so ursprünglich roh und gewaltig, dass man dem eigentlich nichts mehr hinzufügen kann. Außer 'Solaris', einen experimentellen Avantgarde-Titel, mit dem wir uns aus den Tiefen des Erdinneren plötzlich in den Weltenraum erheben. Übersteuerte Instrumente und möglicherweise feine synthetische Einschübe (so genau lässt es sich nicht heraushören) sorgen für eine neue Variante des SHAKHTYOR-Weltgefühls, die keinen Zweifel daran lässt, dass auch ober- oder außerhalb der Atmosphäre Unheil dräut. Und mit den letzten immer postrockiger und elektronischer werdenden Takten und russischen Sprachsamples (aus Tarkowskis Film?) verlassen uns die drei Hamburger Jungs.

Anschließend fühlt man sich, als sei man von sämtlichen existierenden Bergbaugeräten plattgewalzt und anschließend mit Raketen ins All geschossen worden. Komisch nur, dass sich das so verdammt gut anfühlt.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Baryon
02. Pechblende
03. Zerfall
04. Schlagwetter
05. Tunguska
06. Solaris
Band Website: www.facebook.com/shakhtyorband
Medium: CD
Spieldauer: 48:08 Minuten
VÖ: 24.04.2015

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12.05.2015 Tunguska (7.0/10) von Zephir

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