Deep Purple - Turning To Crime

Review von Rockmaster vom 30.11.2021 (2081 mal gelesen)
Deep Purple - Turning To Crime Wie so vielen anderen, haben die eingeschränkten bis unmöglichen Touroptionen auch DEEP PURPLE 2020/2021 mächtig einen Strich durch die Rechnung gemacht - zumal sie in ihrem Alter eher schon zur Hochrisikogruppe zählen. Ferner waren auch die unterschiedlichen Lebensmittelpunkte ein echtes Hindernis, sich wie üblich im Studio zu treffen und Titel für ein Album zu komponieren. Da bot sich ein Album nur aus Coverversionen wohl geradezu an. Vorab gab es auf YouTube neben einzelnen anderen Titeln auch ein Video zu 'Oh Well'. Mit bluesiger Note, einer sauberen Portion Selbstironie und einem perfekten Gefühl für Timing packen die alten Herren - Fans von FLEETWOOD MAC mögen mir widersprechen - nicht nur soundtechnisch das Original von 1969 locker weg. Der Titel bietet der Band auch die Möglichkeiten, über die zusätzlichen, auf dem Original nicht vorhandenen, Keyboards beziehungsweise Hammondorgel und wähend der Solopassagen ihr Können auszuspielen und den Titel zu ihrem eigenen zu machen. Dazu illustriert, inszeniert als herrlich komische Gangster-Schnurre, das Video in etwa die Art, wie Ian Gillan die Idee eines Coveralbums bezeichnen würde, und wie es der Albumtitel "Turning To Crime" wiedergibt: Man klaut anderen Musikern ihr geistiges Eigentum, und das Equipment gleich dazu. Da werden FLEETWOOD MAC ihrer Instrumente beraubt, Ray Charles persönlich entreißt dem im Kofferraum seines Vauxhall (ein 1962er Cresta Hydramatic) gefesselten Mitch Ryder den Koffer mit den Noten, und Herr Robert Allen Zimmerman wird mit dem Transporter mit Nummernschild "OH W3LL" die Landstraße entlang gejagt, bis er erschöpft aufgibt und man ihm das Notizbuch mit den Lyrics abnimmt.



Kurzum, der Titel weckt Hoffnungen auf ein tolles Album und dem Rezensenten laufen schon das Wasser und die Lobeshymnen im Munde zusammen. Beim Hören des gesamten Albums stellt sich aber schnell heraus, dass hier durchaus der Generationenunterschied eine Rolle spielt, gehört doch 'Oh Well' neben 'Lucifer' und 'White Room' eher zu den neueren Nummern auf "Turning To Crime" - und alle wurden erstmals veröffentlicht, bevor der Rezensent und "Rockmaster" überhaupt geboren war. Hier werden eben mal zweieinhalb Jahrzehnte Musikgeschichte verarbeitet, die ersten Aufnahmen von 'Let The Good Times Roll' zum Beispiel werden auf 1946 datiert. Teils sind mir die Titel eher noch von RUSHs "Feedback" präsent als in ihren Originalversionen. 'Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu' gehört neben 'Oh Well' auch zu den Top-Titeln des Albums und kommt mit reichlich Verve daher, schön die Idee, auf dem Piano mal eben das schräg verspielte, ikonische 'Smoke On The Water'-Riff einzustreuen. Auch auf dem Klassiker 'Let The Good Times Roll' zeigt sich DEEP PURPLE von ihrer besten Seite.

Auf der anderen Seite bleibt das Gesamtalbum hinter den anfangs hoch gesteckten Erwartungen ein ganzes Stück zurück. So wirkt der Opener '7 And 7 Is' eher solide denn inspiriert, und auch die THE YARDBIRDS-Nummer 'Shapes Of Things' hätte eine stärkere Dosis DEEP PURPLE-DNA vertragen als nur Steves Gitarrensolo und Ians Drumming. 'The Battle Of New Orleans' ist stilistisch eher ein Fremdkörper, aber immerhin legen DEEP PURPLE mit Bob Segers 'Lucifer' eine flotte, und wohl auch die rockigste Nummer nach. CREAM-Fans dürften sich auf die Version ihres größten Hits 'White Room' freuen. Das Medley 'Caught In The Act' ('Going Down', 'Green Onions', 'Hot ’Lanta', 'Dazed and Confused', 'Gimme Some Lovin´') dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass DEEP PURPLE zu Beginn etwa fünfzig Titel in den Hut geworfen hatten, von denen natürlich nur eine Auswahl auf das Album passte. Hier gibt die Rentnergang nochmal alles, die kurz zusammen arrangierten Titel-Bruchstücke machen zusammen nochmal richtig Laune.

Als Fazit bleibt, wie bereits erwähnt, ein bisschen die Generationenfrage. Wer nicht wenigstens in seiner Kindheit oder Jugend einen Draht zu einigen der alten Nummern bekommen hat, dürfte zumindest mit einzelnen Titeln, denen die beiden Ians, Roger, Steve und Don nicht nachhaltig ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben, nicht restlos warm werden. Auch die fehlende Quality-Time zusammen im Studio mag hier und da eine Rolle gespielt haben. Dass DEEP PURPLE es auch in modernen "online"-Zeiten noch drauf haben, ein paar lässige Nummern im neuen Gewand rauszuhauen, haben sie unter Beweis gestellt. Für die Rock-Oldies unter uns könnte "Turning To Crime" so oder so ein großartiges Album sein. Die von mir favorisierten Nummern jedenfalls werde ich mir jederzeit wieder gerne anhören.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. 7 And 7 Is (2:29)
02. Rockin' Pneumonia And The Boogie Woogie Flu (3:16)
03. Oh Well (4:32)
04. Jenny Take A Ride! (4:37)
05. Watching The River Flow (3:03)
06. Let The Good Times Roll (4:23)
07. Dixie Chicken (4:44)
08. Shapes Of Things (3:41)
09. The Battle Of New Orleans (2:52)
10. Lucifer (3:46)
11. White Room (4:54)
12. Caught In The Act (Medley) (7:50)
Band Website: www.deeppurple.com
Medium: CD
Spieldauer: 50:06 Minuten
VÖ: 26.11.2021

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten