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Devin Townsend - Empath

Review von Opa Steve vom 31.03.2019 (954 mal gelesen)
Devin Townsend - Empath Was ist wohl das Konzept hinter "Empath"? Vor allem wohl, dass es kein Konzept gibt. Dass die Scheibe vermutlich sehr persönlich ist, erkennt man auch daran, dass Devin den Zusatz PROJECT oder BAND wieder gestrichen hat und dieses Album einfach nur unter DEVIN TOWNSEND veröffentlicht. Mit einer bewährten Schar an Gastmusikern aus seinen Schaffensperioden ist die Scheibe aufgepeppt, darunter - selbstverständlich - Anneke Van Giersbergen und Che A. Dorval für die weiblichen Vocals, aber auch Chad Kroeger und Devins ursprünglicher Arbeitgeber Steve Vai haben ihren Teil beigetragen. Und die Musik? Die kann man wohl als "Deconstruction" in Zehnerpotenz bezeichnen. Schon 'Genesis' hat in seinen sechs Minuten so viele Stilarten untergebracht, dass der Song wie ein Trailer seines bewegten Lebens wirkt. Im Zeitraffer werden Kirchenchöre, Prog Metal, STRAPPING YOUNG LAD-Lärm, Film-Epik, Disco und Funk verwurstet. Was eine Achterbahnfahrt, bei der man am Ende das Gefühl hat, schon ein ganzes Album gehört zu haben. Das darauffolgende 'Spirits Will Collide' lässt einen in seiner ruhigen Art dann endlich mal aufatmen und runterkommen. Eine absolut eingängige Rock-Ballade, die in ihrer Unaufgeregtheit wirklich ein ganz krasser Kontrast ist. Doch keine Sorge, "Empath" ist in Summe doch mehr als verschroben, birgt aber tolle Momente aus allen Schaffensperioden. In 'Sprite' meint Devin, er müsse als Intro den Märchenonkel geben. Der Song selbst erinnert an die Phase von "Accelerated Evolution". 'Hear Me' hingegen ist so brutal, wie er seit dem Ende von STRAPPING YOUNG LAD selten nochmal einen Song geschrieben hat. In 'Why?' greift er ganz tief in die käsige Kiste von Musical-Filmen der 50er Jahre. Der Song lässt mich so ratlos zurück wie die Hühnergeräusche zum Start von 'Borderlands'. Auch dieser Titel ist in seiner Art so durchgeknallt wie einige "Deconstruction"-Songs, hat aber dann die faszinierende Ruhe und feine Wohlklangwolken wie auf "Terria". In eine ähnliche Kerbe schlägt 'Singularity', welches mit seinen 23 Minuten das letzte Drittel des Albums ausfüllt. Es startet leise und zart, entwickelt sich zu einem operesken Bombast mit Tenorstimme, bevor die Verzerrer eingeschaltet und die Chöre arrangiert werden. Zur Mitte hin kippt der Titel dann stilistisch in Richtung "Physicist", bevor dem Hörer wieder zart-kitschige Melodien Filmszenen im Kopf hervorrufen, die in Technicolor-Farben ein Liebespaar der Nachkriegszeit auf einer Frühlingswiese zeigen. Der Song endet dann durchgeknallt mit vertrackter Rhythmik, murmelnden Stimmen und immer wieder eingestreutem Bombast. Man hat noch diverse Déjà-vus bei den Gesangsmelodien, als hätte man sie auf "Terria" oder "Accelerated Evolution" schon mal gehört, und der Song endet irgendwie, als erklängen gerade drei verschiedene Stile gleichzeitig.

Mir tut der Disponent leid, der diese Scheibe in irgendeine Rubrik einsortieren muss. "Empath" ist ein wilder Ritt von harmonischen Chören bis zu wildem Extreme Metal, aber vor allem mischt die Scheibe so ziemlich alles an Stilen, die Devin jemals angepackt hat. Das Ding ist ein Riesenzirkus und kaum dazu gedacht, am Stück gehört zu werden. Die musikalischen Ideen schäumen nur so über, und zwischen laut, leise, hart, soft, schnell und langsam schwebt immer dieser schelmische Charakter Devins, für den stilistische Grenzen ohnehin nie existierten. Ich muss aber dazu sagen, dass die Scheibe nicht so rund reinläuft wie manche Meisterwerke, die in sich stilistisch konsistenter waren. Mit den reinen Bombastchören wie in 'Requiem' komme ich nicht wirklich klar und auch die ständige Stilhüpferei von 'Genesis' ist zwar geil gemacht, aber auch irre anstrengend. Besonders gut hingegen gefallen mir das durchgeknallte 'Singularity', das meist straight ballernde 'Hear Me', aber auch das eingängige 'Spirits Will Collide' übt auf mich eine angenehm friedliche Sogwirkung aus. Vielleicht gerade deswegen, weil es der Ruhepol schlechthin einer überbordenden Scheibe ist.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. Castaway
02. Genesis
03. Spirits Will Collide
04. Evermore
05. Sprite
06. Hear Me
07. Why?
08. Borderlands
09. Requiem
10. Singularity
Band Website: www.hevydevy.com
Medium: CD
Spieldauer: 1:14:15 Minuten
VÖ: 29.03.2019

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