Interview mit INCULTER von Inculter

Ein Interview von derkleinekolibri vom 22.01.2024 (2744 mal gelesen)
Am 8. Dezember 2023 veröffentlichten INCULTER ihr Album "Morbid Origin". Nach unserem Review boten uns die Norweger freundlicherweise an, ein Interview zu machen und uns Rede und Antwort zu stehen. Daniel Tveit, der Schlagzeuger, nahm sich für uns Zeit und herausgekommen ist das:

Aus unerfindlichen Gründen seid ihr in Deutschland noch relativ unbekannt. Stellt euch bitte kurz vor, wie ihr als Band zusammengefunden habt und was ihr vor "Morbid Origin" gemacht habt.

INCULTER: Hi! Ich bin Daniel, der Schlagzeuger von INCULTER. Also, INCULTER ist eine Thrash Metal-Band aus Fusa in Norwegen. Anfänglich bestand die Band aus drei Leuten: Gitarrist und Sänger Remi, der das einzige noch verbliebene Gründungsmitglied ist, Even am Schlagzeug und Cato, der große Bruder von Even (bei SEPULCHER und REPTILIAN bedient er den Bass). Nach der Veröffentlichung einiger Singles, der EP "Stygian Deluge" und dem Album "Persisting Devolution" verließ Even aus persönlichen Gründen die Band. So kam es, dass Remi und Cato mich fragten, ob ich nicht das Schlagzeug übernehmen wolle. Darüber war ich äußerst erfreut. Während des Erschaffens von "Fatal Visions" fanden wir, dass die meisten Songs verbessert werden sollten, und zwar durch Hinzufügen einer zweiten Gitarre. So kam dann Lasse 2018 zur Band. Ein Jahr später veröffentlichten wir "Fatal Visions". Leider entschied sich Cato irgendwann dafür, die Band zu verlassen. Das muss 2022 oder so gewesen sein. Seitdem sind wir offiziell ohne Bassisten. Immerhin gelang es uns, Remis Bruder Bård einzuarbeiten und ihn wenigstens für die Live-Shows nach Catos Abgang zu gewinnen. So kommt es, dass der Bass auf "Morbid Origin" von Remi eingespielt wurde.

Spielt ihr auch in anderen Bands oder habt ihr Solo-Projekte am Laufen? Wenn ja, wo?

INCULTER: Natürlich. Remi hat ein relativ junges Ein-Mann-Band-Ding namens MORAX am Laufen. Es ist ein wirklich gutes, obskures Heavy Metal-Projekt, das ihr unbedingt antesten solltet. Es weckt Erinnerungen an BLUE ÖYSTER CULT, gemischt mit MERCIFUL FATE und gewürzt mit IN SOLITUDE. Seine EP "Rites And Curses" erschien im vergangenen Jahr. Ich habe zwei Projekte mit Bård und Cato sowie Andreas (gehört zu den Live-Formationen von GAAHLS WYRD und ABBATH): SEPULCHER und REPTILIAN. REPTILIAN spielen Death Metal, während SEPULCHER ein Thrash/Death/Punk-Ding ist. SEPULCHER haben gerade die EP "Veins Of The Void" veröffentlicht. Ich empfehle das jenen Leuten, die Thrash wollen, der aber kein echter Thrash ist.

Habt ihr mit eurer Art von Musik in Norwegen Schwierigkeiten, sie zu produzieren oder live zu spielen?

INCULTER: Überhaupt nicht. Natürlich wird es im Verborgenen viele Menschen geben, die Metal im altbekannten Stil mögen. Aber wenigstens in Oslo und Bergen (besonders Oslo) widmen sich etliche Leute neuen und interessanten Bands, hören sie und besuchen deren Livekonzerte. Im Endeffekt gibt es keine negativen Erfahrungen und es ist toll, dass es so ist. Ich vermute, auch in anderen europäischen Ländern wird unsere Art der Musik von vielen Menschen gemocht.

Reicht die Musik aus, um damit euer Leben zu finanzieren oder müsst ihr nebenbei auch andere Jobs erledigen? Und wenn ja, was tut ihr außerdem?

INCULTER: In der Tat, wir werden nicht reich durch unsere Musik. Derzeit studieren noch alle offiziellen Mitglieder der Band. Remi und Lasse studieren IT, ich hingegen Geografie. Obendrein gehen wir alle Teilzeitjobs nach. Das Leben kostet halt Geld, leider.

Möchtet ihr gerne so leben wie die populärsten Bands der Welt oder ist es euch lieber, weiter im Underground zu bleiben?

INCULTER: Es ist nicht unbedingt besser, dem Underground anzugehören, aber es bietet den Vorteil, Musik zu machen, die einem auch wirklich gefällt und nicht dadurch bestimmt wird, immer mehr verkaufen zu wollen. Wäre es so, dass wir einen solchen Status erreichten, würden wir uns nicht dagegen wehren, aber wir arbeiten definitiv nicht darauf hin. Am besten wäre es, wir könnten von unserer Musik gut leben, das würde uns schon reichen. Keinesfalls möchten wir uns dem Mainstream-Publikum anbiedern, das Musik nur im Hintergrund laufen lässt und jedem Trend nachrennt, der ihm von den reichen Menschen eingeredet wird.

Was halten eure Familien von eurer Musik? Unterstützen sie euch bei der Arbeit und bei Liveauftritten?

INCULTER: Sie stehen voll und ganz hinter uns. Wo sie können, unterstützen sie uns. Unsere Eltern besuchen unsere Liveshows und hören sich unsere Musik an. Es ist aber nicht so, dass sie NEKROMANTHEON und DARK ANGEL kennen und denken "INCULTER spielen einige verrückte Riffs", sie unterstützen uns auf eine unheimlich freundlich Art und Weise. Anfangs fand ich es nervend, als wir unseren Eltern noch alles zeigen mussten, was wir taten, aber mit dem Erwachsenwerden sehen wir es als sehr nett an, dass sie sich für unsere Tätigkeiten interessieren.

Was haltet ihr von den Streamingplattformen, auf denen eure Musik kostenlos angeboten wird?

INCULTER: Ich persönlich halte die Betreiber für zwielichtig und geldgeil, aber das ist nicht sonderlich neu im Kapitalismus. Lange Zeit widerfuhr Künstlern viel Ungerechtigkeit, aber auch jetzt haben die großen Streamingdienste kein Interesse daran, auch nur irgendetwas daran zu ändern. Prinzipiell habe ich nichts dagegen, dass Musik kostenlos angeboten wird - denn ich mag es nicht, wenn Kunst, egal welcher Art, auf finanzielle Barrieren trifft und dadurch nicht für jedermann zur Verfügung steht. Wie auch immer, es ist wie es ist: Künstler investieren immens viel Zeit und Geld, um Musik zu produzieren, zu veröffentlichen und live zu spielen, aber für Lebensmittel braucht es eben auch Geld. Die Streaminganbieter müssten den Künstlern doch einiges mehr an Geld vergüten. Wenigstens das sollten sie ändern.

Wer hat euer Logo erschaffen und wer ist für das fantastische Cover-Artwork verantwortlich?

INCULTER: Remi hat das Logo kreiert. Gezeichnet wurde das Cover von Alvar Baptist. Er ist ein unglaublicher Künstler, über den ihr euch unbedingt bei Instagram informieren solltet. Wir freuen uns, mit ihm zusammengearbeitet zu haben und darüber, was aus dieser Zusammenarbeit entstanden ist. Es machte viel Spaß, mit einem solchen Ausnahmekünstler das Cover gemeinsam zu gestalten und über Ideen, Skizzen und Farbschemata zu diskutieren.

Wo spielt ihr lieber live - in kleinen Clubs, Konzerthallen, großen Stadien oder unter freiem Himmel?

INCULTER: Bisher haben wir noch nicht in großen Stadien gespielt, sodass es schwierig ist, das zu beurteilen. In kleinen Clubs gibt es meistens die besten Gigs, da die Energie schnell auf das sehr nahe Publikum überspringt. Das Publikum und wir sind dann Teil eines Ganzen, so lehrt uns die Erfahrung. Und durch die direkte Interaktion mit den Gästen spüren wir, wie wir spielen und wie dies beim Publikum ankommt, es aufnimmt und in die Musik eintaucht. Auch unter freiem Himmel haben wir schon einige gute Erfahrungen sammeln können. Bei größeren Events kommen wir gut damit klar, getrennt vom Publikum zu sein und so gesagt "die Setlist abzuarbeiten". Natürlich klappt es auch hier, dass der Funke überspringt, wenn nur die Energie unserer Musik stimmt.

Dürfen wir darauf hoffen, dass ihr dieses Jahr in Deutschland spielt? Falls das der Fall ist, könnt ihr uns schon Termine nennen?

INCULTER: Wir hoffen darauf, auch mal wieder in Deutschland auftreten zu können. Es ist schon lange her, dass wir beim Morbid Catacombs Fest in Berlin dabei waren. Das muss 2018 gewesen sein, oder so. Leider gibt es derzeit keine Planungen diesbezüglich. Aber wenn ihr ein bisschen Werbung bei den Veranstaltern macht, könnte das dabei helfen, 2024 in Deutschland durchstarten zu können.

Arbeitet ihr bereits an eurem vierten Album?

INCULTER: Die Arbeiten werden bald starten. Hoffentlich dauert die Fertigstellung diesmal nicht so lange wie für "Morbid Origin". Sollte nicht wieder eine Pandemie alle Zeitpläne durcheinanderbringen, wird der Nachfolger von "Morbid Origin" nicht so lange auf sich warten lassen.

Welche Band ist für jeden von euch die wichtigste in der Welt des Heavy Metals, des Hard Rocks und aller Subgenres?

INCULTER: Wahrscheinlich nicht nur eine einzige Band. Es gibt so viele tolle Bands da draußen, die ihr eigenes Ding machen, sodass man sich nicht nur auf eine einzige Band festlegen kann. Allerdings inspirierten uns einige der üblichen Verdächtigen: SLAYERs Lombardo-Ära, die alten SEPULTURA, DARK ANGELS' "Darkness Descends" und METALLICA der 80er Jahre. Aber auch norwegische Bands wie OBLITERATION, AURA NOIR und NEKROMANTHEON nahmen einen großes Einfluss auf unser Schaffen, besonders während der Anfangszeit von INCULTER. Remi und Lasse würden vermutlich auch noch ANTICHRIST und SABBAT nennen. Ich persönlich zähle zu den wichtigsten Bands aller Metal-Genres MORBID ANGEL, YOB und MORBUS CHRON. Aber die wirklich wichtigste Band in der Welt des Heavy Metals ist: INCULTER!!!

Herzlichen Dank für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen und das "objektive" Statement am Ende eurer Ausführungen.

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten