Seven Spires Winter Wonder Tour 2023

Ein Artikel von Cornholio vom 20.02.2023 (7459 mal gelesen)
imgcenter


"Oh boy, what a ride!" - das könnte mein persönliches Fazit für diese Tour sein.
Aber ich fange am besten vorne an. Ganz vorne. Wenn euch das zu viel Geschwafel ist, dann scrollt einfach ein paar Absätze nach unten.

Prolog

imgleft Eigentlich habe ich die ganze Sache hier Tobi Sammet von AVANTASIA zu verdanken. 2019 habe ich AVANTASIA in Gießen bei einem Open Air gesehen, es war das erste Konzert meiner damals fast neunjährigen Nichte, dementsprechend war ich recht weit hinten und hatte sie oft auf meinen Schultern. Als dann 'Book Of Shallows' angespielt wurde, war ich überrascht ob der harschen Vocals, die Mille von KREATOR auf CD übernahm. Ich horchte nicht nur auf, sondern blickte auch auf und sah zum ersten Mal Adrienne Cowan, hauptberuflich Sängerin von SEVEN SPIRES. Die Band hatte damals erst ein Album draußen ("Solveig"), das zweite war vermutlich kurz vorher fertiggestellt worden. Ich verlor sie allerdings dann, vermutlich nicht zuletzt durch Corona, aus den Augen, habe mir aber die dritte Scheibe "Gods Of Debauchery" irgendwann im Dezember 2021 geholt. Allerdings war ich mental damals nicht in der Lage, mich neuer Musik zu widmen, zu der Zeit hatte ich auch eine Auszeit hier vom Bleeding genommen. Ab etwa April 2022 ging es für mich persönlich wieder bergauf, und im Juli sah ich abermals AVANTASIA, damals bei einem Open Air in Fulda, und wieder zog Adrienne mich in ihren Bann. Ich erinnerte mich also an "Gods Of Debauchery", und ohne zu übertreiben, seit Juli 2022 höre ich das Album nahezu jeden Tag! Ich tauchte also tiefer in die Welt von SEVEN SPIRES ein, und entdeckte "Emerald Seas" und später dann auch das bereits angesprochene Debüt "Solveig". Mittlerweile hatte ich mich in einer Fan-Community auf Discord angemeldet und wurde dort mit offenen Armen empfangen.

imgright Als die Band dann am 27. Juli bekanntgab, dass sie zusammen mit Headliner TWILIGHT FORCE und Anheizer SILVER BULLET auf Europatour gehen würde, war für mich klar: ich muss da hin! Ich wohne in der Nähe von Frankfurt, also war Mannheim (28.1.) ein No-Brainer. Köln (31.1.) ist auch nicht sooo weit, und warte mal, Osnabrück ist zwar nicht so ganz um die Ecke, aber ein Samstag (21.1.). Gruß an dieser Stelle an Fabian, der ungefähr genauso bekloppt ist wie ich! Und in Berlin (11.2.) wohnt eine ehemalige Schulfreundin, die könnte ich ja mal besuchen. Und wenn ich schon mal in der Gegend bin, kann ich auch das letzte Konzert der Tour in Hamburg (12.2.) mitnehmen. So kam es dazu, dass ich die drei Bands im Rahmen der "Winter Wonder Tour 2023" gleich fünf Mal sehen sollte. Und es gab einige aus der genannten Discord-Community, die zehn und mehr Konzerte mitnehmen würden.

Das härteste war wirklich das halbe Jahr Wartezeit. Und das, obwohl ich Adrienne vorher zwei Mal treffen konnte. Einmal Ende August bei AVANTASIA in Coburg (Gruß an Timo, tausend Dank an Cara) und im September in Oebisfelde bei Wolfsburg, wo sie mit MASTERS OF CEREMONY ein Konzert gab. Trotzdem war die Zeit sehr lang, aber endlich war es so weit. imgright

21.1. Osnabrück, Bastard Club

Mittags um eins ging es los. Einen Tag vorher noch den selbstgemachten SEVEN SPIRES Heckscheibenaufkleber ans Auto angebracht (danke an Sven für's Plotten und an Alina für's Kleben!), Cola, Energydrinks und ein paar Müsliriegel eingepackt, und ab ging die Fahrt. Wir waren rechtzeitig vor Ort, um uns noch von der Qualität des McDonald's am Hauptbahnhof zu überzeugen, und wir waren auch danach noch in der Lage, in die erste oder zweite Reihe zu gelangen. SILVER BULLET aus Finnland legten gut los. Drei Alben haben die fünf Musiker im Gepäck, das Debüt "Screamworks" wurde gar nicht berücksichtigt und vom zweiten Album "Mooncult" sowie vom erst am Vortag erschienenen "Shadowfall" waren jeweils drei Lieder vertreten. Schon bei meinem ersten Konzert stahl Leadgitarrist Hannes Horma allen anderen die Show. Die Band hatte sichtlich Spaß, und das nicht nur an diesem Abend. Insgesamt standen SILVER BULLET eine gute halbe Stunde auf der Bühne.

imgleft Nach einer kurzen Umbaupause war es dann so weit: mein erstes Livekonzert von SEVEN SPIRES. Die Setlist kannte ich schon, denn Adrienne hatte vorher auf Twitch vier Mal ihre Probe von zu Hause aus gestreamt. Los ging es mit dem Intro 'The Wanderer's Prayer', ehe die Band zu den Klängen von 'Gods Of Debauchery' die Bühne enterte. Und die Bühnenpräsenz der drei Musiker war einfach unglaublich. Sei es Bassist Peter de Reyna, der mehr als einmal nicht die sechs Saiten seines Instrumentes zupfte, sondern tappte, wie man es sonst nur von Gitarrensoli kennt, oder Gitarrist Jack Kosto, der nicht nur in Sachen Rhtyhmusgitarre überzeugte, sondern auch seine Soli bravourös darbot. Von der Qualität von Adrienne Cowan als Leadsängerin konnte ich mich ja bereits in Wolfsburg überzeugen, aber bei "ihren" SPIRES blühte sie noch einmal mehr auf. Ein Highlight der Setlist herauszuheben, ist mir kaum möglich, auch wenn "Unmapped Darkness" aus persönlichen Gründen für mich immer etwas Besonderes sein wird. Doch auch der Banger "Succumb" oder das epische "This God Is Dead" (im Original mit Roy Khan, hier auf Tour mit Kristin Starkey, die als Special Guest Abend für Abend mit TWILIGHT FORCE auf der Bühne stand) haben mich jedes Mal vollends umgehauen.

Ich bin ehrlich, TWILIGHT FORCE gingen nie so richtig an mich, die waren irgendwie immer ein bisschen "drüber". Aber das weiß man, und die sieben Musiker/innen nehmen sich glücklicherweise auch nicht besonders ernst. Man singt von Drachen und Schwertern wie einst RHAPSODY, aber ich war noch völlig geflasht von der Band, wegen der ich eigentlich da war. Außerdem nutzte ich die Zeit für die eine oder andere Unterhaltung etwas weiter hinten im Club.

Nachdem TWILIGHT FORCE ihre etwa 75 bis 80 Minuten absolviert hatten, standen alle drei Bands den Fans noch für Fotos und eine Plauderei zur Verfügung. imgright Das war, so viel möchte ich vorwegnehmen, an jedem Abend der Fall! Mal länger, mal nicht so lange, aber die Musiker nahmen sich immer Zeit für die Fans - eine tolle Sache! Ich unterhielt mich kurz mit den vier Leuten von "meinem" Headliner und wir machten uns gegen 11 oder halb 12 auf den Heimweg. Durch eine Sperrung kurz vor Kassel dauerte dieser zwar etwa anderthalb Stunden länger als geplant, aber zu zweit im Auto war das halb so schlimm. Um halb Fünf glaube ich war ich dann daheim.

28.1. Mannheim, MS Connexion Complex

imgcenter


Eine Woche später ging es dann ins fast benachbarte Mannheim. Das war nicht nur für mich besonders, sondern vor allem für SEVEN SPIRES und Adrienne Cowan, sie feierte an dem Tag ihren 28. Geburtstag. Ihr zu Ehren waren über 20 Fans aus ihrer Discord-Gruppe mit am Start, einige davon aus weiter Ferne nur für diesen Gig angereist (aus vielen Teilen Deutschlands, darüber hinaus aus England, Schottland, Slowakei, Österreich, Finnland, ja sogar aus den USA). Wir trafen uns vorher zum gemeinsamen Essen und schauten uns dann zusammen das Konzert an. Die Location war deutlich größer als der Club in Osnabrück, allerdings bei weitem nicht ausverkauft. Aus dem Grund fehlten die Intimität und die entsprechende Atmosphäre etwas, aber die Auftritte der drei Bands machten einiges wett: Es war (natürlich) fabelhaft. Glücklicherweise hatte ich auch daran gedacht, meine Platten und CD-Booklets mitzunehmen, um sie von der Band signieren zu lassen, was sie bereitwillig machten. Mannheim war vielleicht das beste Konzert auf der Tour, das wurde mir von mehreren Leuten bestätigt, die dem Tross zu zehn bis 15 Gigs nachreisten. Aufgrund der Community war es auf jeden Fall etwas ganz Besonderes!

31.1. Köln, MTC

imgleft Für das Konzert im Kölner MTC hatte ich mir den Nachmittag und den darauffolgenden Vormittag frei genommen. Vorher noch mit Freunden getroffen und gemeinsam in die Innenstadt gefahren, einen Döner bei Poldi gegessen und ab ging die Post. Relativ spontan lief noch mein Kollege Mr.Metalsson ein, auch er wollte sich als eingefleischter TWILIGHT FORCE-Fan den Gig nicht entgehen lassen.

imgright Der Club ist deutlich kleiner als die beiden Locations davor, was dem Konzert aber eine angenehme Atmosphäre verlieh. Und auch wenn die Ansagen sowie die Setlists immer die gleichen waren: langweilig wurde es nie. Ob bei SILVER BULLETs 'The Witches Hammer', bei SEVEN SPIRES' 'The Cabaret Of Dreams' oder bei TWILIGHT FORCE' 'Flight Of The Sapphire Dragon', es hat eigentlich sogar von Mal zu Mal mehr Spaß gemacht. Im Nachhinein konnte ich mit SPIRES' Gitarrist Jack Kosto ein paar Worte zum neuen Album wechseln, aber so richtig wollte er sich nicht in die Karten schauen lassen. Es wird vermutlich wieder ein Konzeptalbum aus dem gleichen "Universum" geben, aber ob die Scheibe dieses Jahr noch erscheinen wird, ist noch offen. Naja, am 17.3. kommt ja erstmal das Live-Album raus.

11.2. Berlin, Frannz Club

Mein Trip nach Berlin eineinhalb Wochen später war eigentlich ganz anders geplant. Ich wollte mich mit einer ehemaligen Schulfreundin treffen, die dort wohnt. Allerdings musste sie berufsbedingt kurzfristig absagen, sodass ich drei Tage alleine in der Hauptstadt war. Züge waren gebucht, Ticket in der Tasche, absagen war also nie wirklich eine Option. Ich machte also eineinhalb Tage die Stadt allein unsicher (Sehenswertes gibt es dort für mehrere Tage) und fieberte auf den Samstag hin, an dem das Konzert stattfinden sollte. imgleft Im Vorfeld hatte ich spontan noch ein Meet & Greet gebucht, wo sich die Band exklusiv Zeit nimmt, um sich Fragen von Fans zu stellen, Sachen unterschreiben zu lassen und einen kleinen Blick hinter die Kulissen zu geben. Das war eine tolle Gelegenheit um Bilder mit der Band zu machen, außerdem plauderten wir (meine Wenigkeit und zwei weitere Fans) eine gute halbe Stunde mit Adrienne, Jack, Pete und Chris über das Leben auf Tour, Gott und die Welt, dies und das.

Dabei erfuhr ich, dass Drummer Chris Dovas, der ja nicht nur mit DOVAS seine eigene Band am Start hat, sondern auch letztes Jahr in Abwesenheit von Gene Hoglan auf der US-Tour für TESTAMENT die Felle verdreschen durfte, den ehemaligen OZZY-Drummer Tommy Aldridge als sein großes Vorbild angibt. Daneben standen Chuck Schuldiners DEATH Pate für seinen extremen Musikgeschmack, den er nicht selten auch bei SEVEN SPIRES einfließen lässt. Bassist Peter de Reyna steht auf die Tech-Death Band OBSCURA und auf klassische Musik, während Gitarrist Jack Kosto derzeit sehr auf HIRAES und deren Album "Solitary" abfährt. Die musikalischen Vorbilder von Adrienne sind übrigens Shagrath (DIMMU BORGIR), Roy Khan (CONCEPTION, ex-KAMLOT) und Adam Lambert (QUEEN). Sehr informativ und herzlich obendrein. imgright

Dem Konzert selbst, zumindest SILVER BULLET und SEVEN SPIRES, konnte ich aus der ersten Reihe folgen, der Tag war für mich nicht nur deswegen ein ganz besonderer. Musikalisch alles beim Alten, aber langweilig wurde immer noch nicht. Ganz hohes Niveau, vom ersten Ton des Openers bis zum TWILIGHT FORCE-Signature-Song 'The Power Of The Ancient Force'.

12.2. Hamburg, Knust

imgcenter


Am folgenden Morgen (naja, es war schon Mittag) ging es mit dem Zug rüber nach Hamburg, um dort im Knust die letzte Show der Tour zu sehen. Nur einen (Back-) Steinwurf vom Millerntor-Stadion entfernt traf ich relativ spontan meine Schwester, die am Tag drauf beruflich in der Hansestadt zu tun hatte. Umso cooler, dass sie mich nach einem kleinen Abendessen zu dem Konzert begleitete. Wir waren zwar nicht in den vorderen Reihen zu finden, aber genossen die Auftritte der Bands trotzdem, und zumindest ich sang einmal mehr bis zum Stimmverlust mit. Meiner Begleitung fiel neben dem omnipräsenten SILVER BULLET-Leadgitarrist Hannes die tolle Stimme von Sänger Bruno Proveschi auf, der übrigens aus Südamerika stammt. Zu den musikalischen Qualitäten von SEVEN SPIRES kam sie dann etwas ins Schwärmen. "Die muss sich Patrick [ihr Mann, mein Schwager] unbedingt ansehen!" Anmerkung dazu: Ihr Gatte ist hobbymäßiger Schlagzeuger, er hätte sicher großen Gefallen an dem Drumming von Chris Dovas. Auch die Variabilität von Sängerin Adrienne Cowan lobte sie in den höchsten Tönen. Von Death-Metal-Growls bis hin zu Engelsgesang, was sie draufhat ist einfach unfassbar. "Und das alles auch noch live darzubieten, super!", so oder so ähnlich. TWILIGHT FORCE musste sie sich allerdings klemmen, da sie am nächsten Morgen fit sein musste, aber immerhin kam sie noch in den Genuss von Sänger Alessandro Conti (TF-Künstlername "Allyon"), der die zweite Strophe und den folgenden Refrain von 'Succumb' im Duett mit Adrienne sang. Gänsehaut durch und durch! TWILIGHT FORCE selbst wurden dann während ihres Auftritts von SILVER BULLET und SEVEN SPIRES "gecrasht", die als Elfen und Drachentöter verkleidet die Bühne enterten und so für freudige Verwirrung sorgten.

imgcenter


Doch leider ging auch diese Show viel zu schnell zu Ende, und so bin ich am Ende dieses Tourtagebuches angekommen. Ich habe mich noch von dem halben Dutzend Fans, die ich im Laufe der Tour kennenlernen durfte, und von den vier SPIRES verabschiedet und trat mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Weg in Richtung Hotel an. Ich bin sehr dankbar, dass ich die tollen Musiker kennenlernen durfte, ebenso die vielen Fans, mit denen ich bis davor (fast) nur online in Kontakt war. Es waren absolute unvergleichliche, großartige drei Wochen, und im Nachhinein ärgere ich mich sogar ein bisschen, "nur" fünf Konzerte der Tour besucht zu haben. Bochum und Hannover wären irgendwie auch machbar gewesen... Aber alle Bandmitglieder haben hoch und heilig versprochen, dass sie wieder den Sprung über den großen Teich machen werden, sobald sich die Gelegenheit ergibt. Vielleicht sogar noch in diesem Jahr. Der Fokus der Band liegt aber erstmal auf der US-Tour mit ELUVETIE und OMNIUM GATHERUM im März, auf der sie zwar der Opening Act sind, sich aber mit großer Sicherheit den einen oder anderen neuen Fan erspielen werden.

imgcenter


Setlist SILVER BULLET:
01. Shadow Of A Curse
02. She Holds The Greatest Promise
03. The Ones To Fall
04. The Thirteen Nails
05. The Witches Hammer
06. Forever Lost

Setlist SEVEN SPIRES:
01. The Wanderer's Prayer
02. Gods Of Debauchery
03. Oceans Of Time
04. The Cabaret Of Dreams
05. Succumb
06. Unmapped Darkness
07. In Sickness, In Health
08. Dare To Live
09. This God Is Dead (mit Kristine Starkey)

Setlist TWILIGHT FORCE
01. Dawn Of The Dragonstar
02. Twilight Force
03. Dragonborn
04. Thundersword
05. Flight Of The Sapphire Dragon
06. Enchanted Dragon Of Wisdom oder Long Live The King
07. Winds Of Wisdom
08. Twilight Horizon
09. At The Heart Of Wintervale
10. Blade Of Immortal Steel
11. The Power Of The Ancient Force

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten