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Ein Rückblick...

Ein Artikel von Cornholio vom 10.03.2019 (150 mal gelesen)
Ich möchte das Thema vom Kollegen T-Roxx etwas aufgreifen, werde mich aber nicht mit Tonträgern befassen, sondern meinen Eindruck der Szene versuchen, so gut wie möglich wiederzugeben.

"Früher", das ist für mich Anfang der Neunziger, und ich war im "besten" Teenager-Alter (meine Eltern können das sicher bezeugen). Meine zweieinhalb Jahre ältere Schwester hatte durch ein paar Freundinnen schon zwei, drei Jahre vorher Musik angeschleppt, und ehe ich mich versah, hab ich nicht mehr mit Kassettenrecorder samstags mittags bei HR1 "Sport und Musik" versucht, Beatles-Lieder aufzunehmen, sondern hatte ein paar Tapes von GUNS 'N ROSES und LED ZEPPELIN. In der Schule hat mich ein Klassenkamerad dann mit weiterer Musik versorgt, PEARL JAM und NIRVANA auf einer Cassette, auf einer anderen SEPULTURA und METALLICA. Schwesterchen brachte dann Anfang 1994 so einen langhaarigen Kerl mit nach Hause, der mich dann weiteren Combos näher brachte, hier waren primär BLIND GUARDIAN, MANOWAR, RUNNING WILD und OZZY OSBOURNE angesagt. Geile Mucke, das muss ich wohl nicht extra noch erwähnen!

Irgendwann durfte ich dann mit den beiden mit zu einem BLIND GUARDIAN-Konzert, und wenn nicht schon vorher, so war es doch spätestens da um mich geschehen, die Krefelder waren gerade auf ihrer "Imaginations"-Tour.

So kam eins zum anderen und wir gingen regelmäßig auf Konzerte, öfters auch ohne meine Schwester. Aber wir hatten nie Angst, 100 Mark oder mehr zahlen zu müssen, auch gab es sowas wie Pre-Sale und Vorkaufsrecht bei 'nem Newsletter-Abo noch nicht (wie auch, ohne Internet?). Ozzy in Offenbach 1996 hat ziemlich genau 50 DM gekostet, METALLICA im gleichen Jahr in der Festhalle 66 Mark, da musste ich mein ganzes Taschengeld für zusammenkratzen. Aber es war geil, auch wenn es "nur" die Tournee zum "Load"-Album war.

Die Bravo war schon lange durch das RockHard und den "Nu Rock und Metal Hammer" (so hieß der damals!) abgelöst worden, und auf diesem Wege bildete ich mich weiter. Es kamen HELLOWEEN, STRATOVARIUS, IRON SAVIOR, GAMMA RAY, natürlich auch die "Großen" wie IRON MAIDEN, MEGADETH, SLAYER dazu. Man fieberte nur so auf die nächste Ausgabe von RockHard und Hammer hin, um neue Bands zu entdecken (ab und zu waren ja CDs bei den Magazinen mit dabei) und um zu wissen, wer als nächstes in der Gegend auf Tour ist. Parallel dazu gab es natürlich auch das EMP-Magazin, damals als reiner Vertrieb von Musik und Band-Merchandise, und langsam fing auch eine kleine Firma mit dem Namen "Nuclear Blast" an, sich in diese Richtung zu spezialisieren.

Regelmäßig, meistens jede Woche, mindestens aber alle zwei Wochen wurde der Frankfurter Musikladen (RIP) angesteuert, um eben jene neuen und heiß ersehnten Veröffentlichungen zu erstehen. Mit dabei war natürlich der Discman, um die Scheiben direkt auf der Heimfahrt in der S-Bahn zu hören. Und was gab es da? Die normale CD und vielleicht noch ein Digipak mit einem oder maximal zwei Bonustracks. Box-Sets waren entweder noch nicht erfunden oder zu teuer, die ganzen limited Editions wie Earbook, Digibook, Extra-Bonus-CD oder -DVD mit Live-Aufnahmen drauf, alles moderner Schnickschnack. Man kaufte das Album, gegebenenfalls als Digi, und fertig. Ich meine, im Musikladen gab es auch die Möglichkeit, Konzertkarten zu kaufen, aber ich meine nicht von Anfang an. Sicher bin ich mir da nicht mehr. Die "Großen" (siehe oben, Ozzy und METALLICA) haben wir entweder bei einer normalen VVK-Stelle geholt, oder eben dort angerufen und sie per Post geordert.

Am Wochenende bin ich regelmäßig ins Black Inn gefahren, samstags war da immer Hard'n'Heavy Night, und auch da entdeckte man neue Musik, und natürlich fand man dort auch Gleichgesinnte, und bei einigen entwickelten sich Freundschaften, die teilweise heute noch bestehen! Ab und zu ging es auch ins Fillwood, das es so auch nicht mehr gibt, und zwischendrin auch mal in die Live-Arena in Münster bei Dieburg, aber auch diese Location ist nicht mehr. Nach Frankfurt ins Speak Easy oder ins Final Destination auf der Zeil hat es mich nie verschlagen, keine Ahnung warum ...

Ich möchte diese Zeit nicht missen, es war eine schöne Zeit, viele der erwähnten Sachen gibt es so einfach nicht mehr. Der Grund dafür ist die Modernisierung, Globalisierung, Digitalisierung, nennt es wie ihr wollt.

Heute gibt es neue Alben in bis zu fünf oder mehr verschiedenen Varianten. Als Sammler will man natürlich so gut wie alles haben, aber die meisten "großen" Packages kosten mindesten 50 €. Das sind grob gerechnet die Konzerte von METALLICA und Ozzy 1996 zusammen! Natürlich heißt es dann "Angebot und Nachfrage", aber ich finde es traurig.
Genau so traurig wie die Tatsache, dass Bands pro Klick auf YouTube, Spotify oder Deezer nullkommairgendwas Cent bekommen. Das ist doch lächerlich!! Natürlich muss der Künstler dann irgendwann sehen, wo er bleibt, und aufgrund von weniger verkaufter Alben gibt es dann zum einen diese Special Editions, die Konzerte werden teurer (unter 30 € gibt es mittlerweile kaum noch was), und die Preise für's Merchandising sind, nett ausgedrückt, eine absolute Sauerei! Als ich, wie gesagt, Mitte der Neunziger, angefangen habe, beim EMP zu bestellen (Nuclear Blast gab es glaub ich noch nicht oder fing gerade an), haben die Shirts 20 oder 30 DM und die Longsleeves meine ich 'nen Fünfer mehr gekostet. An die Merch-Preise bei Konzerten kann ich mich leider nicht erinnern, aber ich schätze mal auf 25 bis 35 Mark. Und die Qualität der Lappen damals war größtenteils deutlich besser als der heutige Kram! Mein allererstes Longsleeve aus der ersten EMP-Bestellung habe ich noch ("Journey Through The Dark"-Longsleeve von BLIND GUARDIAN), und ich habe es immer noch regelmäßig an. Langsam franst der Stoff am Hals etwas aus, aber hey - das Ding ist etwa 25 Jahre alt!!! Als es BOLT THROWER noch gab, haben die ihre Shirts auf den Gigs noch für richtig faire Preise verkauft, 15 € oder vielleicht 20 € für die Shirts.

Und heute? Ich hab es ehrlich gesagt schon verdrängt, aber im Dezember bei NIGHTWISH in Frankfurt waren es 40 oder 45 €. Und das schlimmste dabei ist: Die Leute kaufen das! Wenn nur jeder zweite oder besser noch zwei von dreien mal gerade auf den großen Konzerten keine überteuerten Shirts kaufen würden, dann würden die Preise auch wieder sinken. Ist doch immer so, Angebot und Nachfrage. Aber es gibt ja immer Leute, die sich ein Souvenir von "ihrem" Konzert mit nach Hause nehmen wollen. Verstehe ich, hab ich ja auch oft gemacht bzw. mache es auch noch teilweise (kommt halt auf den Preis an). Aber die absolute bodenloseste und dreisteste Frechheit waren dann leider wieder NIGHTWISH. 40 oder 45 € für ein Shirt bei dem Konzert in der sehr gut gefüllten Festhalle in Frankfurt, drei Wochen später gibt es die gleichen Shirts (mit Tourdaten natürlich) in ihrem Shop für nur noch 25 €. Als Fan fühle ich mich da ordentlich verarscht, habe das auf Facebook im entsprechenden Posting auch kommentiert und der Admin der Seite hat auch noch versucht, alles auf die Veranstalter zu schieben. Natürlich müssen Bands sehen, wo sie bleiben, aber das Konzert an sich kostet schon irgendwas zwischen 80 und 100 € pro Karte, muss dann noch der Fan gemolken werden? Offensichtlich muss er das, traurig, traurig ...

Von diesen überteuerten Meet & Greet-Dingern will ich gar nicht erst anfangen. Ich glaube, das haben die Merch-Götter Kiss gestartet, oder? MANOWAR und DREAM THEATER sind auf den Zug aufgesprungen, mittlerweile - und das hat mich doch sehr enttäuscht - gibt es das auch bei AYREON im September. Kost' halt mal eben 50 € zusätzlich (wenn's reicht), und nicht vergessen - jeder nur ein Kreuz, ääh, ein Foto und ein Cover o. ä. unterschreiben. Warum sind die Musiker so abgehoben? Oder sind sie das gar nicht, sondern haben nur herausgefunden, dass man damit Kohle machen kann? Die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren. Früher gab es im besagten Musikladen regelmäßig Autogrammstunden, wo ich mit sämtlichen Band-Utensilien hingefahren bin und mir stolz wie Bolle alles von GAMMA RAY, BLIND GUARDIAN, RHAPSODY oder IRON SAVIOR habe unterschreiben lassen.

Ach ja, die guten alten Zeiten, irgendwie war früher doch alles besser, oder?

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