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MANOWAR - hinter den Kulissen der "Death to Infidels Tour"

Ein Artikel von Odin vom 07.02.2010 (8923 mal gelesen)

Nachlese zum ersten Teil der Tour


Dass MANOWAR eine große Inszenierung sind, will ich hier gar nicht mehr diskutieren - nur dank der Konsequenz, mit der die Herren ihre Show durchziehen und ihr Image pflegen, sind sie Gegenstand von Diskussionen. Um große Emotionen zu entfachen, muss man polarisieren, mit Extremen spielen. Das tun sie, denn sonst wären sie nur eine Band unter vielen.

In der Tat stellt sich Joey DeMaio im Interview in eine Reihe mit anderen erfolgreichen Rock-Dinosauriern, als es um das 30-jährige Bandbestehen in diesem Jahr geht:

"We're going to play till we die. I mean this is the beauty being a musician. You can play and enjoy music all of your life as long as you want to. And we're having fun. I mean, if you look at the ROLLING STONES, if you look at AC/DC all the classic bands, the SCORPIONS, they are playing and having more fun than ever, even DEEP PURPLE. That's the joy of heavy metal."


Was eine MANOWAR Show ausmacht und warum die Leute sie sich ansehen sollen, beantwortet er für mich überraschend unverkrampft:

"Oh it's fun, it's just fun! And it doesn't matter if you are old, it doesn't matter if you're young, it doesn't matter if you're happy or you're sad. When you get there you will have fun. And I want all the people [...] to give it a chance and come down and see it; one time you have to try. If you don't like it, you don't ever have to come back. But you should come down here, because we'll totally kick your ass!"


Nicht ganz so viel Spaß dürfte Joey allerdings mit einigen Vorfällen auf der Tour gehabt haben: In Fürth ging eine Stinkbombe hoch, in Ludwigsburg und Offenbach musste das Konzert wegen Bombendrohungen unterbrochen werden. Alle Fans wurden auf die Straßen verfrachtet, alles von der Polizei abgeriegelt und durchsucht. Anschließend konnte es immerhin weitergehen. In Hannover kamen dann auch nach dem Aufbau und vor dem Soundcheck der Band Spürhunde auf die Bühne und suchten diese ab. Wie an verschiedenen inoffiziellen Stellen zu lesen ist, stürzte Eric außerdem in Offenbach in den Bühnengraben und schlug heftig mit den Rippen auf den Subs auf. So wies er auch beim Soundcheck in Hannover entschuldigend mit gequältem Lächeln auf seine Schmerzen hin, die man ihm auch deutlich ansah. Beim abendlichen Auftritt merkten zumindest Wiederholungsbesucher, dass Eric gehemmt war, viele hohe (anstrengende) Passagen herunter transponierte und spätestens beim obligatorischen Axt-Duell zum Ende des Sets ('Black Wind, Fire and Steel', Eric hält beide Gitarren, während Karl und Joey darauf spielen) schwer pumpen musste. Immerhin: kein Konzert wurde abgebrochen oder abgesagt, nur der Auftritt bei Stefan Raab ("TV Total") fiel aus.

Am 30. Januar 2010 waren Joey DeMaio, Eric Adams, Karl Logan und der zwischenzeitlich zurückgekehrte Ur-Drummer Donnie Hamzik also zur vorletzten Deutschland-Show der "Death to Infidels Tour" in Hannover. Im Rahmen des "Ultimate Fan Package", das für lockere 150 Euro erworben werden konnte, wurden dabei etwa 20 Fans den ganzen Nachmittag und Abend mit einer Sonderbehandlung bedacht.

Das Ultimate Fan Package


Schon frühzeitig wurden die Fans ins Warme gelassen, konnten ungestört im Merchandise stöbern, bekamen persönlich gewidmete Autogrammkarten und je ein Tour-Shirt sowie Tour-Poster geschenkt. Zum MANOWAR-Soundcheck durften die Ultimate Fans dann ebenso in den Innenraum wie die VFIPs (Very Fucking Important Persons) vom Mikrofon- und Funktechnik-Ausstatter Sennheiser. In einer ausführlichen Tour zu allen Stationen vom Front-of-House Mischpult (mit Engineer Jeff Hair) über das programmierte Licht und die Instrumenten-Backliner bis zum Monitor-Mix und dem Recording (MANOWAR spielen nicht eine Note, die nicht aufgenommen würde) an der Bühnenseite wurde alles besichtigt und von der Crew ausführlich erläutert. Während später zwischen HOLYHELL und MANOWAR die Bühne mit einem schwarzen Vorhang komplett verhüllt wurde, brachte ihr Guide die Ultimate Fans auf die Bühne, wo sie nach einiger Zeit von der Band im fertigen Bühnenoutfit begrüßt wurden. Nach ein paar Gruppenfotos ging es für die begeisterten Metalheads wieder in den UFP-Bereich an der Seite des Fotograbens, von wo sie schon die beiden Supportbands gesehen hatten und auch den Rest der Show noch genießen durften.

Die Meet & Greet Gewinnerin


Neben den Fans und Gästen gab es noch eine exklusive Gewinnerin, die alleine - von einem RTL Kamerateam begleitet - alle Stationen genießen durfte. Lena hatte darüber hinaus das aufregende Vergnügen, den Bandbus inklusive DVD-Sammlung und Kühlschrank (aus dem sie vom Tourmanager ein Bier angeboten bekam) unter die Lupe zu nehmen: "Es ist ein einmaliges Gefühl, wirklich mal in so einem Tourbus zu sitzen!" Auch beim persönlichen Meet & Greet der VFIPs mit MANOWAR durfte Lena dabei sein, bekam eine Autogrammkarte mit Widmung und als Einzige noch ein exklusives Foto mit der Band auf der Bühne. Insgesamt kassierte Lena nach ihrer Zählung acht Küsschen von Joey und sollte sich zwei Mal ausziehen (wozu es aber nicht kam), während sie den ganzen Nachmittag von Tourmanager Norman betreut wurde, der sich als sehr zuvorkommend erwies und für Gewinnerin und Kamerateam sehr viel möglich machte, wenn auch nicht alles; beim Soundcheck musste die Kamera ausgeschaltet bleiben, weil die Herren Künstler in ihren Freizeitklamotten nicht gefilmt werden wollten.

Grundsätzlich ist es aber schon als außergewöhnlich und exklusiv zu bezeichnen, dass das Management überhaupt ein Kamerateam derart offen hinter die Kulissen schauen lässt, denn eigentlich ist die Sparte Video ausschließlich Neil Johnson als langjährigem Hof-Produzenten vorbehalten. Wie der ganze Rest der insgesamt 64-köpfigen Roadcrew kam aber auch Neil sehr freundlich und hilfsbereit rüber, stieg vor dem MANOWAR Gig sogar mit dem RTL Kameramann auf die Subs und feuerte die Fans mit seinem Megafon an, damit es noch ein paar schöne Publikumsbilder gab - eine seiner Standardübungen für die DVD-Produktionen.


Die Show



Ein persönliches Novum für mich: das erste MANOWAR Konzert mit Sitzplätzen. Zu Beginn wurde von der Tribüne auch noch rege Gebrauch gemacht, selbst während der MANOWAR Show saßen und standen dort noch einige Leute. Insgesamt war der Besuch mit etwa 2.200 Fans eher überschaubar in der geräumigen AWD Hall, was vielleicht auch die begrenzt gute Laune mancher Musiker erklärt.

METALFORCE eröffneten den Reigen mit ihrem True-to-the-core Metal, der eher plump daher kommt, aber halt irgendwie passt. Mit dem Material bin ich nicht vertraut, bei den Fans in den ersten Reihen jedoch kommt der Deutschland-Fünfer gut an und spielt sich souverän durch die halbe Stunde Spielzeit. Zugaben gab es keine, schließlich war auch bereits zeitlicher Verzug zu korrigieren - bei HOLYHELL sollte dann zwar auch keine gefordert, aber dennoch eine gespielt werden...

Von Anfang an griff die Security konsequent durch, wenn Kameras im Publikum auftauchten. So wurden schon während METALFORCE mindestens zwei Besucher in den Vorraum begleitet, wo sie ihre Kamera in der Asservatenkammer abgeben mussten, um sie später dort wieder abzuholen. Auch die Ultimate Fans im Graben durften nicht fotografieren - aus Sicht der Presse ein erfreuliches Vorgehen, da bei der Qualität der heutigen Digi-Knipsen sonst einfach kein Interesse mehr an mühsam erarbeiteten Bildern besteht. Aus Sicht der Fans natürlich unnötige Härte, aber es geht eben nicht um einen Clubgig des lokalen Untergrunds, sondern um eine teure und aufwändige, durch und durch professionelle und ergebnisorientierte Produktion, auch wenn das viele nicht wahr haben wollen.

Maria Breon und HOLYHELL boten dann deutlich mehr - sowohl zum Ansehen als auch an musikalischem Wert. Die Kritik an der Zusammenstellung ("Casting") von großen Einzelmusikern zu einer Band, die damit eher als Projekt zu gelten hat, möchte ich nicht teilen, denn das Ergebnis ist stimmig. Rhino ist an der Schießbude über jeden Zweifel erhaben - nicht umsonst gilt MANOWARs 'The Triumph of Steel' weithin nach wie vor als Höhepunkt ihres Schaffens -, Francisco Palomo spielt sich an den Tasten in Trance, bis er davon aufwacht, dass er das vordere Keyboard vom Ständer geschmissen hat, und Joe Stump beschert sich und dem Publikum einen Frickel-Orgasmus nach dem anderen. In Sachen Songwriting gibt es ebenfalls nichts zu meckern, aber natürlich kann man es nicht jedem Recht machen und so erschienen vielen True Metal Fans die symphonischen Töne von HOLYHELL eher als ein unpassender Tagesordnungspunkt.

Dass der Sound bei einer MANOWAR Produktion amtlich ist, muss man eigentlich nicht extra erwähnen. Zwischenzeitlich hatte ich aber das Gefühl, dass Joe Stumps Gitarre etwas unterging, bis sie beim nächsten Solo wieder zum Vorschein kam. Ansonsten klang alles glasklar und ohne Spitzen aus den Boxenwänden, wodurch die Lautstärke trotz des hohen Levels auch bei MANOWAR erträglich blieb. Während HOLYHELL hatte ich gar die Ohrstöpsel vergessen, was ich erst bemerkte, als ich nach dem ersten Song wieder aus dem Fotograben (und damit vor den Subs) raus war... Joey sagte dazu im Interview:

"People make the mistake and think that we play super loud like we're trying to break the world record every night. It's a comfortable loud, so it's anywhere from 110 [dB] up to 126 [dB], maybe a little higher, but we would never want to hurt anybody's ears so we recommend people wear earplugs."


MANOWAR intonierten dann 'Call to Arms' noch während der schwarze Vorhang hing. Nach ein paar Takten fiel dieser und gab den Blick frei auf das übliche Bühnen-Setup (zum Glück inzwischen ja wieder ohne Vikingerschiff) und kurz darauf auch einen etwas steifen Eric Adams. Wirklich anmerken ließ er sich die Schmerzen nicht - sicherlich stützen die engen Lederklamotten auch gut - aber so aktiv und vital wie sonst war seine Bühnenperformance nicht, und das liegt sicherlich nicht (nur) am Alter... Zum Ende des Songs schwenkten sie dann noch rüber in den eigentlich-immer-so-gewesen Opener 'Manowar', da anders eigentlich kein Set beginnen kann.


Die Setlist der Tour legt großes Gewicht auf die letzten beiden Alben und natürlich die aktuelle EP, was alte Hasen eher enttäuscht, aber dem Publikum insgesamt angemessen zu sein scheint. Man kann auch nicht immer nur die Klassiker spielen, auch wenn MANOWAR davon genug hätten. Froh war ich, die echten Hammersongs von "Warriors of the World" ('Hand of Doom', 'House of Death') sowie "Gods of War" ('Sleipnir', 'Loki') zu hören. Insofern war ich mit dem Gig durchaus zufrieden, auch wenn manche Parts ihre Längen hatten (Bass-Solo, 'Swords in the Wind', das aber immerhin etwas knackiger rockte als aus der Konserve).

Andere "Evergreens" durften natürlich auch nicht fehlen, und so holte Joey vor 'The Gods made Heavy Metal' einen volltrunkenen Fan aus der ersten Reihe (im Bild rechts) sowie ein paar Mädels auf die Bühne. Der Junge hätte eigentlich kein Bier mehr trinken sollen, aber er leerte die angebotene Dose tapfer, wenn auch gemächlich bis zum letzten Tropfen, nachdem sein Wacken-Shirt durch ein angemesseneres Tour-Shirt ersetzt worden war. Zum Glück konnte er dann doch ein bisschen Gitarre spielen. Den Song stand er aber nur - wie immer gnädig im Mix runtergeregelt - unter Joeys steter Anleitung durch. Die zurückhaltenden Mädels waren leider auch nicht wirklich eine große Hilfe - aus Köln erreichen uns da ganz andere Bilder.

Ebenso ein altbekannter Tagesordnungspunkt sind Joeys Ansprachen. Inzwischen ist die deutsche Version aber noch deutlich länger geworden, anscheinend lernt und praktiziert er wirklich fleißig. Der Einstieg allerdings ging mir etwas auf den Keks, denn er sprach ein Mädel im UFP-Graben an, er könne sie leider nicht nehmen, weil ihr Freund ja bei der Army sei und da draußen sein Leben riskiere. Man müsse alle tapferen Soldaten respektieren, die auf der ganzen Welt die Freiheit verteidigten und so weiter und so fort. Diese amerikanische Einstellung kann ich nicht so pauschal teilen, denn etwas differenzierter sollte man das schon betrachten. Auf deutlich mehr Gegenliebe stieß dann auch die Aktion, mitten in 'Die for Metal' abzubrechen und die gewalttätigen Moscher und Poger zur Ordnung zu rufen; ich bekam es erst gar nicht richtig mit, aber plötzlich stand Joey mit dem Mikrofon am Bühnenrand und forderte die Idioten auf, sich zu benehmen oder die Halle zu verlassen - sie könnten gerne ihr Geld wieder bekommen, sollten aber respektieren, dass alle hier seien, um Spaß zu haben. Nicht zuletzt könnten sie (die Fans) ja auch die Mädel nicht abschleppen, wenn sie mit gebrochener Nase im Krankenhaus lägen. Klare Ansage und trotzdem noch die Kurve zum typischen MANOWAR-Stil geschafft - wie gesagt, man muss so ein Image durch und durch leben.

Musikalisch gab es keine echten Überraschungen, keine Ausfälle, aber auch keine große Leidenschaft und nur persönliche Höhepunkte (für mich: 'Loki' und 'House of Death'). Der gesamte Tag bestätigte für mich, dass MANOWAR eine konsequente Inszenierung von Anfang bis Ende sind und leben, dabei ein paar Starallüren haben, aber persönlich wie auch ihre Crew durchaus höflich, freundlich und zuvorkommend sind. Eigentlich dachte ich, durch den Blick hinter die Kulissen noch mehr an dem Schein zu kratzen, der die Band unter Fans umgibt, aber irgendwie ist daraus nichts geworden. Im Gegenteil: Bei aller Show sind es doch nicht nur leere Phrasen, sondern die Herren machen sich wirklich was aus ihren Fans, auch wenn das große Erlebnis natürlich immer nur einzelne haben können. Alleine dass der Tourmanager den gesamten Nachmittag für die Gewinnerin eines RTL-Gewinnspiels zur Verfügung steht und kurzfristig Dinge ermöglicht wie die Besichtigung des Tourbusses, ist beachtlich. Schließlich dürfte der Mann noch ein, zwei andere Sachen zu tun haben bei so einer Produktion - aber auch das gehört natürlich irgendwie wieder zu der Inszenierung, die die Band ausmacht.

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