Proken - Dividing Times

Review von baarikärpänen vom 19.08.2023 (2939 mal gelesen)
Proken - Dividing Times Seit ich vor ein paar Jahren die "Ehre" hatte, die nachträglich doch noch veröffentlichte Rohstoffverschwendung, pardon, CD von SEVEN ELEVEN für ein Review über mich ergehen lassen zu müssen, bin ich ehrlich gesagt vorsichtig geworden, was Veröffentlichungen von 7Us angeht. Dabei hat der Medienvertrieb hin und wieder doch einige ganz nette Bands im Programm, die andernorts nicht untergekommen sind, es aber durchaus verdient haben. Aus dem Stand fallen mir da DOC HEYNE oder BATTEN DOWN THE HATCHES ein. Allerdings war das bisher immer gehobenes Mittelmaß, das knapp die Trennlinie zu "Gut" übersprungen hat. Bei 7Us wird garantiert mit der nötigen Einstellung gearbeitet und deshalb wäre dem Vertrieb endlich mal ein richtig tolles Album einer vielversprechenden Band zu wünschen. Und da kommen jetzt PROKEN ins Spiel. Denn die haben tatsächlich das Zeug, nicht nur Mitläufer zu sein, sondern mit ihrem Debüt "Dividing Times" aus der Masse der neuen Scheiben herauszustechen.

imgcenter


PROKEN sind keine Grünschnäbel, sondern Musiker, die schon bei CHANDELIER oder WAYWARD aktiv waren, obwohl mir beide Truppen nicht besonders viel sagen. Immerhin finden sich im Netz zu WAYWARD einige Videos, die ganz okay wären, wären da nicht diese schrecklich künstlich klingenden Drums. Aber das auch nur am Rande, denn mit dem Sound dieser Band haben PROKEN nur herzlich wenig zu tun. Alle Songs, die sich auf "Dividing Times" befinden, wurden während der Corona-Krise sozusagen im Home Office eingespielt (daher und wegen Corona und seiner Folgen wohl auch der treffende Titel der Scheibe) und dann im freiBadstudio (heißt wirklich so) produktionstechnisch bearbeitet. Das Endergebnis, zehn Songs die sowohl progressiv sind aber auch mit jeder Menge Melodie aufwarten, kann sich mehr als hören lassen. Durchaus auch erwähnenswert, dass eine relativ unbekannte Band wie PROKEN mit der ersten Single 'Tomorrow Is Now' bereits über 10.000 Aufrufe auf Spotify und YouTube hatte und sich selbst bei einem Riesen wie Amazon auf Platz 19 der Aufsteiger in den Rock-Charts platzieren konnten.

Nennt man das, was PROKEN machen, nun Prog Rock? Klar kann man das so nennen, aber es wäre zu kurz gefasst, denn obwohl jeder einzelne Song auf "Dividing Times" (sieht man mal von der mit einem tollen Text gegen Intoleranz versehenen Ballade 'Spoken Words' ab) schon recht frickelig (durchaus positiv gemeint) um die Ecke kommt, ist da immer dieses leicht zugänglich. Man muss wirklich kein Prog-Afficionado sein, um PROKEN gut zu finden. Nehmen wir nur zum Beispiel 'Broken Dreams'. Hier wird all das gebündelt, was den Sound von PROKEN ausmacht. Passagen, die einen guten reinrassigen Rock-Song ausmachen, dicht gefolgt von wirklich sperrig anmutenden Parts, die letztendlich aber immer in sich schlüssig wirken. Irgendwie erinnert mich das alles immer wieder an YES zu ihrer frühachtziger Phase mit Alben wie "90125" und 'Big Generator", dazu immer wieder geschickt eingestreute Wave-Elemente (im Vocal-Bereich). Also im Grunde genommen Musik, die ich schon seit Jahren so nicht mehr gehört habe. Irgendwie aus der Zeit gefallen, aber gerade deswegen frisch und bemerkenswert. Wenn es einen Song gibt, der leicht zugänglich ist, dann dürfte das 'Stick To My Words' sein. Aber genau das ist auch mein least favorite, denn hier verkaufen sich PROKEN unter Wert. Man merkt der ganzen Scheibe an, dass hier Musiker am Werk sind, die vielleicht der breiten Masse total unbekannt sind, aber nichtsdestotrotz exzellente Arbeit abliefern. Trifft auch auf Sänger Mark Tobler zu, auch wenn man sich, ehrlich gesagt, erst an die Klangfarbe seiner Stimme gewöhnen muss. Und auch mit ihren Texten haben PROKEN jede Menge zu sagen. Das reicht von der Ungerechtigkeit in dieser Welt über den Umgang mit diesem Planeten bis hin zum klaren Statement gegen verschwurbelte Wutbürger. Sympathisch, dass PROKEN ihre Lyrics recht unverkopft gehalten haben. Es dürfte einige Leute geben, die das Artwork von "Dividing Times" eher suboptimal finden, aber für meinen Geschmack hat diese Aufnahme einer Pfütze mit der Spiegelung eines Brückengeländers was.

Es ist schön, dass mit PROKEN in Deutschland eine neue Band am Start ist, die im Bereich des progressiven Rocks mit jeder Menge eingängiger Melodien, einer Szenegröße wie RPWL Gesellschaft leistet. Von deren Klasse sind die Männer noch ein Stück weit entfernt, aber "Dividing Times" ist ja auch erst das Debüt, da kann also noch jede Menge Steigerung kommen. Was zu hoffen ist! Ich für meinen Teil gebe für dieses Album, das mit jedem neuen Durchlauf wächst, acht Punkte.



Gesamtwertung: 8.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. Justice Day
02. Dependence
03. Tomorrow Is Now
04. Show Me The Way
05. Broken Dreams
06. Yesterday's Mood
07. Modern World
08. Stick to My Words
09. Dividing Times
10. Spoken Words
Band Website: www.facebook.com/proken.munich.band/
Medium: CD
Spieldauer: 57:22 Minuten
VÖ: 25.08.2023

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten