Red Cain - Näe'bliss

Review von Opa Steve vom 10.06.2023 (1670 mal gelesen)
Red Cain - Näe'bliss Das Quintett aus Calgary mit osteuropäischen Wurzeln hat angesichts ihrer Mühen und Komplexität bei den Kompositionen wieder einen guten Arbeitseifer vorgelegt und veröffentlichte nach "Kindred: Act II" nun "Näe'Bliss" als wichtiges drittes Album. Drei Songs daraus sind bereits als Single erschienen, was bei den überladenen Songs ein geeignetes Format darstellt, sich in verdaulichen Häppchen dem Sound der Band zu nähern. Was auf dem Longplayer in annähernd 37 Minuten geboten wird, ist nämlich von allem sehr viel. Das sind sehr viele stilistische Einflüsse, sehr viele Emotionen, sehr viele Noten und sehr dichte Arrangements. Man gewinnt den Eindruck, dass keine Minute, keine Strophe und kein Takt ausreichend prall gefüllt sein konnte. Die Bandbreite an benennenswerten Stilrichtungen geht von BLIND GUARDIAN-Bombast ('Fisher King') bis zu einer fast überzogenen Theatralik wie in 'The Man Who Can't Forget'. Bindeglied der überbordenden Songs sind die immer wieder sehr anspruchsvollen Läufe und Licks und das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Musiker. Von mathematischer Komplexität eher entfernt bedienen die proggigen Elemente des Bandsounds vor allem die Überraschungseffekte und gar opulente Mengengerüste. Beispielhaft kann man sich hier mal die fast sieben Minuten von 'Blight' geben, welches durch die ständigen und sehr anspruchsvollen Läufe extrem progressiv klingt, aber sich dann in der Strophe zu weiten Teilen als typischer "Ein-Ton-reicht-Song" entpuppt, der nach all den Kapriolen lediglich komplexe Rhythmik variiert. Der Song erscheint nicht nur wegen seiner Spieldauer lang, sondern auch weil trotz aller Spielfreude und instrumentaler Ansprüche keine Spannung aufkommt. Und das ist das erste Problem, warum RED CAIN auch mit "Näe'Bliss" nicht in die Speerspitze der episch-progressiven Combos aufsteigen wird. Die Songs müssten dem Hörer mehr erzählen, anstatt vor Ideen überzuquellen. Viel erzählen möchte hingegen Sänger Evgeniy Zayarny, der aber bei seinem fast übertriebenen Ausdruck in den Vocals über das gesunde Maß hinausgeht und in Grenzen vorstößt, wo auch er als eigentlich guter Vokalist in die Überforderung gelangt. Völlig aus der Reihe tanzt dann noch 'We Are Chaos', welchem man anmerkt, dass sich die Band diversen Black Metal-Einflüssen öffnet, was aber a) stilistisch nicht zu der Band und dem restlichen Material passt, und b) das garstige Gekeife in Kombination mit eingestreuten Chillout-Leads und simplen Harmonien schon bisschen komödienhaft rüberkommt.

"Näe'Bliss" bietet viel Epik, aber auch viel Sonstiges. Eigentlich zu viel. Definitiv haben RED CAIN einen Signature-Sound geschaffen, den man nicht vergleichen kann. Auch ist technisch alles überdurchschnittlich. Aber da das Album theatralisch überfrachtet scheint, ist es auch für den Hörer schwer verdaulich. Vielleicht verbirgt sich hier ja noch ein Grower, der mit den Monaten der Gewöhnung noch einen verborgenen strahlenden Effekt entwickelt.

Gesamtwertung: 6.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood dry dry dry dry
Trackliste Album-Info
01. Fisher King
02. Blight
03. The Great Hunt
04. We Are Chaos
05. Sightblinder
06. The Man Who Can't Forget (Part I)
07. Crane Of Malkier (Part II)
08. Fires Of Heaven
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 36:56 Minuten
VÖ: 02.06.2023

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten