Enter Shikari - A Kiss For The Whole World

Review von Opa Steve vom 16.05.2023 (1429 mal gelesen)
Enter Shikari - A Kiss For The Whole World ENTER SHIKARI waren als stilistische Grenzgänger schon immer ein rotes Tuch für Traditionalisten, ja nicht einmal so richtig auf "Metal" könnte man die Band festlegen. Ganze Songs kommen ohne die übliche Rock-Instrumentierung aus und entziehen sich so einfachen stilistischen Schubladen. Und ich bin sicher, dass sich die Band dessen bewusst ist, denn auf "A Kiss For The World" reizt sie genau die Elemente wieder gnadenlos aus, von denen sie sicher sein kann, dass sich der Headbanger dadurch provoziert fühlen MUSS. Schon das Intro der Scheibe besteht aus extrem grellen und schlechten Bläser-Synthies - einem Sound, der dem Metal vermutlich noch ferner steht als Alpenhörner. Aber das macht man natürlich nicht nur aus reiner Provokation, sondern die Band verkörpert durch ihre ungewohnten Sounds auch ein hohes Energielevel. Power drückt sich hier eben nicht (nur) durch Gitarrenamps aus, die auf 11 gedreht werden. Sondern durch ein fast kindliches Adrenalin bei allen Beteiligten. Tanzbar ist die Chose auf jeden Fall, und das Konzept schießt bei Songs wie 'Set Me On Fire' in epilepsieförderndes Gezappel. Aufdringliche Chöre mischen sich mit zappeligen Synthies, die fast noch mehr am Nervenkostüm zerren als die Bläsereinsätze zu Beginn. Der Gesang übertreibt es sogar hier und tendiert zeilenweise in die Metalcore-Richtung. Musik komplett im roten Bereich, dagegen mutet eine Stunde CANNIBAL CORPSE definitiv als entspannend an. Auch bei 'Leap Into The Lightning' fühlt man sich als Opfer, durch welches gerade ein paar Millionen Volt in Form von zappeligen Loops und ein überborderndes "Zappadapp Zappadapp Zappelzappeldappeldapp" aus allen Ecken schießen. In der ganzen Bandbreite, in der fette Gitarren eher eine Nebenerscheinung sind, bricht 'Dead Wood' noch in eine ganz andere Richtung aus und bietet nach billigen Bläser-Synthies nun kitschige Stakkato-Streicher aus der Konserve sowie einen 80er Vocal-Mix. 'Goldfish' hingegen bemüht einen ganz komischen Hip Hop-Crossover.

Diese Scheibe zu bewerten, ist fast unmöglich. Vor allem für ein Metal-Magazin. Definitiv handelt es sich hier um engagierte Musik mit viel Energie, aber bei mir löst dieses hektische Durcheinander von zweifelhaften Sounds eher Fluchtreflexe aus.

- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. A Kiss For The Whole World
02. Set Me On Fire
03. It Hurts
04. Leap Into The Lightning
05. Feed Your Soul
06. Dead Wood
07. Jailbreak
08. Bloodshot
09. Bloodshot (Coda)
10. Goldfish
11. Giant Pacific Octopus
12. Giant Pacific Octopus Swirling Off Into Infinity
Band Website:
Medium: CD + digital
Spieldauer: 34:00 Minuten
VÖ: 21.04.2023

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