Victim - Planet Of Graves

Review von Rockmaster vom 01.05.2023 (1816 mal gelesen)
Victim - Planet Of Graves Wer sich vor vierzig Jahren noch in den ersten "72 Seasons" seines Lebens befand, der wird sich noch heute manchmal wünschen, dass die neuen Veröffentlichungen des guten alten Thrash Metals so klingen wie 'The Four Hoursemen', die im gestreckten Galopp das elterliche Wohnzimmer (oder doch nur das Kinder-/Jugendzimmer) zerlegen. VICTIM greifen auf ihrer ersten Langrille "Planet Of Graves" treffsicher diesen alten Sound und das alte Gefühl auf und prügeln dem Thrash-Metal-Fan acht derbe Nummern um die Ohrwaschln. Das biblische Motiv aus der Offenbarung des Johannes verfehlen sie dabei knapp, denn mit Johannes "J.J." (Gitarre und Gesang), "M.P." (Bass) und "T.G." (Schlagzeug) sind nur drei Reiter unterwegs, uns unseren apokalyptischen Untergang anzukündigen. Zu dritt klingt das manchmal ein wenig rumpelig, zumal die Jungs aus dem thüringischen Weimar authentisch bleiben und oft auf eine zweite Gitarrenspur verzichten. Die Referenz an ihr großes Vorbild ist aber zweifelsfrei erkennbar, so dass auch ein Fan wohl schon mal bemerkt hat, METALLICA solle mal ein Wochenende mit den Typen abhängen, damit sie sich erinnern, was sie (über die Jahre) vergessen haben. Wie zufällig greifen auch VICTIM H.P. Lovecrafts mystisches Motiv des Cthulhu-Kults auf, das von eben jener Band schon bedient wurde und aus dem Metal-Universum nicht wegzudenken ist.

Im Untergrund haben VICTIM schon eine Weile heftige Nackenschmerzen verursacht, was bei der Gangart durchaus nachvollziehbar ist. Ein Bier in der Hand, frontale Beschallung und ungebremste Energie, da bin ich dabei. M.P. und T.G. liefern schnörkellose, oldschoolige Rhythmusarbeit ab, die vollkommen ohne steriles High-Speed-Geballer auskommt und trotzdem zum gezielten Hinwirken auf das selbstverschuldete Schleudertrauma einlädt. J.J. gibt beim Shouten alles, inklusive Anflüge von Gesangsmelodien, aber vornehmlich volle Power, und sägt mit der Gitarre fleißig an den Ikeamöbeln der Teenager-Butze. Die Leidenschaft der Jungs stimmt, und so wie sie ihren Thrash Metal präsentieren, macht er auch echt Laune. Was mir auf "Planet Of Graves" noch fehlt, ist mehr Ideenreichtum. Das Riffing setzt sich oft aus einfachen, repetitiven Figuren zusammen und manchmal einfach nur aus abgehacktem Rhythmusspiel (was selbstverständlich zum klassischen Repertoire des Thrash-Metal gehört). Hier und da noch ein griffiges Riff würde die Songs deutlich abwechslungsreicher machen. Eine zweite Gitarre würde definitiv helfen. Auch in der zweiten Reihe würden sich ein paar hübsche Drumfills gut machen. Um sich in der harten Konkurrenz von etlichen neuen Thrash-Metallern durchzusetzen, fehlt dem VICTIM-Frühwerk noch ein wenig Eigenständigkeit, denn seien wir ehrlich: Auch das bereits erwähnte große Vorbild war erst wirklich groß, nachdem sie den Blitz geritten hatten und das Marionettenspiel beherrschten. Die Produktion des VICTIM-Erstlings ist solide und unterstreicht die Live-Qualitäten der Band. Auch hier darf man bei der nächsten Scheibe noch etwas feilen und die technischen Fähigkeiten der drei Musiker noch etwas präziser herausarbeiten.

Gesamtwertung: 6.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Die Alone
02. Planet Of Graves
03. Soul Arise
04. Temple Of Tikal
05. Cthulhu
06. Resurrection Of Medusa
07. Urge To Kill
08. Cut
Band Website: hyperfollow.com/victim666
Medium: CD
Spieldauer: 42:54 Minuten
VÖ: 00.00.0000

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