Elder - Innate Passage

Review von Stormrider vom 08.12.2022 (367 mal gelesen)
Elder - Innate Passage "Innate Passage", das sechste Album der zum Großteil in Berlin beheimateten, Amis ELDER ist eine Reise. Eine musikalische Reise, die man am besten mit geschlossenen Augen hören sollte, um die Bilder und Farben, die sich im Kopf abspielen, alle aufnehmen zu können. Bei nur fünf Songs, von denen der kürzeste zarte neun Minuten auf die Uhr spielt und der längste eine knappe Viertelstunde dauert, wird die heutige Hörgewohnheit der meisten Menschen allerdings auch maximal an ihre Grenze getrieben. Dabei gönnt sich die Band um Frontmann Nick DiSalvo den Luxus, keinerlei Kompromisse einzugehen, und das muss sie auch nicht, denn sie nimmt den Hörer an der Hand und führt ihn behutsam in das Sounduniversum ein, um zugleich eine Tiefe zu erreichen, die man nur erreicht, wenn man sich wirklich fallenlässt. Der Spagat gelingt, zwischen ausufernden Instrumentalpassagen, die einer langen improvisierten Jamsession gleichen, und der beständigen in-sich-Geschlossenheit der Songs. Jedoch ohne mit aufdringlichen Melodien oder sonstigen wiederkehrenden Themen allzu viele Punkte für den Hörer zu haben, an denen er sich wiederkehrend orientiert. Ähnlich wie BLIND GUARDIAN damals keinen Part auf einem Album wiederholen wollten, spielen ELDER in ihrem Bereich in einer ganz eigenen Liga. Der Stoner Rock der Anfangstage ist in Nuancen noch erkennbar, aber zumeist doch einer im Wortsinne richtigen Proggigkeit gewichen. Die Gitarren werden von Synthies flankiert, die eine verwobene Atmosphäre aufbauen, die man dann vielleicht doch wieder in Richtung Stoner denken kann, aber dafür fehlt dem Material der Staub, denn die Produktion ist klar und nicht verwaschen. Die weiche Stimme von DiSalvo mag ein wenig mehr Punch vertragen, aber im Gesamtbild trägt auch sie ihren Anteil dazu bei, dass es sich fast schon verbietet, auf einzelne Songs von "Innate Passage" gesondert einzugehen. Das Album ist als solches zu verstehen, als geschlossenes Gesamtkunstwerk. Wenn man unbedingt einen Vergleich sucht, kamen mir am ehesten noch HAKEN in den Sinn, an deren Klangwelten ich mich ab und an erinnert fühlte. Wer einen Quickie zwischendurch sucht, der wird mit ELDER im Jahre 2022 nicht viel anfangen können. Wer für eine knappe Stunde eine atmosphärische musikalische Reise antreten möchte, am besten unter Kopfhörer und mit geschlossenen Augen, der kann, darf, soll, nein, er muss das Album zumindest einmal gehört haben. Man kann am Ende immer noch feststellen, dass man es nicht mag, aber versuchen sollte man diese Reise dennoch.

Gesamtwertung: 8.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Catastasis
02. Endless Return
03. Coalescence
04. Merged In Dreams - Ne Plus Ultra
05. The Purpose
Band Website: www.facebook.com/elderofficial
Medium: CD, Digital
Spieldauer: 53:56 Minuten
VÖ: 25.11.2022

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