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Faithful Breath - Skol

Review von baarikärpänen vom 21.01.2021 (1266 mal gelesen)
Faithful Breath - Skol
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Manchmal ist man einfach versucht, Mitarbeitern eines Labels einen ganz dicken Schmatzer aufzudrücken. Besonders dann, wenn die sich um Wiederveröffentlichungen kümmern und nach einer Ewigkeit von 35 Jahren einen echten kleinen Schatz des teutonischen Stahls der breiten Öffentlichkeit wieder zugänglich machen. Wenn man sich so anschaut, was alles in den letzten Jahren wiederveröffentlicht wurde, vieles davon eher fragwürdig, dann wurde es auch mal so langsam Zeit, dass sich irgendwann mal jemand FAITHFUL BREATH angenommen hat.

Über die Geschichte von FAITHFUL BREATH sollte man eigentlich ein Special veröffentlichen, denn immerhin starteten die Jungs ihre musikalische Karriere schon 1967. Ähnlich wie GRAVESTONE machten FAITHFUL BREATH über die Jahre eine musikalische Wandlung durch, die sie vom anfänglichen Progressive Rock und Krautrock hin zum Metal führte, und damit zu Beginn der 80er Jahre in ihre wohl populärste Phase. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Begegnung mit FAITHFUL BREATH. Es war ein Konzert kurz nach der Veröffentlichung ihres wohl bekanntesten Albums "Gold 'N' Glory" (über Mausoleum). Da passte einfach alles zusammen. Das Wikinger-Image der Band, lange bevor andere es für sich entdeckten, war ein echter Hingucker. Und natürlich auch das Songmaterial. Das war Heavy Metal in Reinkultur. Trotz all der Qualität konnten sich FAITHFUL BREATH leider nicht durchsetzen. Für mich immer noch unerklärlich. Was folgte war mit "Skol" ein weiteres Studioalbum über das wenig bekannte Ambush-Label und 1987 eine wenig beachtete Live-Scheibe über Noise. Die Band löste sich schließlich auf. Sänger/Gitarrist Heimi Mikus, der leider 2014 bereits verstorbene Drummer Jürgen Düsterloh und Gitarrist Thilo Herrmann machten kurz danach mit den ebenfalls rückblickend sträflich unterbewerteten RISK für ein paar Jahre weiter, bis auch die die Segel strichen. Thilo Herrmann war danach noch etliche Jahre aktiv, unter anderem für kurze Zeit bei GRAVE DIGGER und fast ein komplettes Jahrzehnt bei den Hamburgr Freibeutern von RUNNING WILD.

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Udo Dirkschneider (ACCEPT) hatte FAITHFUL BREATH kurzzeitig unter seine Fittiche genommen und unter der Regie vom späteren Star-Produzenten Michael Wagener entstand "Gold 'n' Glory". Der sollte auch für den Nachfolger "Skol" an den Knöpfchen sitzen, war aber mittlerweile in die USA emigriert und hatte dort alle Hände voll zu tun. So fiel die Wahl auf Gerd Rautenbach. Ich kann jetzt nur raten, aber FAITHFUL BREATH dürften eine der besser verkaufenden Bands auf Mausoleum gewesen sein. Trotzdem war das ehemals angesagte Label 1985 schon in Schieflage geraten (die beste Zeit waren die Jahre 83-84) und FAITHFUL BREATH brauchten einen neuen Deal. Letztendlich landeten die Jungs beim klitzekleinen belgischen Label Ambush. Ebenfalls wenig hilfreich waren zu jener Zeit die Unstimmigkeiten innerhalb der Band. Gitarrist Andy "Bubi" Hönig hatte ein lukratives Angebot einer anderen Band vorliegen, spielte "Skol" zwar noch ein, wurde aber kurze Zeit später durch Thilo Herrmann ersetzt. Die musikalische Ausrichtung wurde im Großen und Ganzen beibehalten, ledigich an ein paar Stellschrauben gedreht. Auch auf "Gold 'n' Glory" waren mit 'Jailbreaker' und 'Don't Drive Me Mad' schnelle Stücke vertreten, die aber eher einen straighten Rock 'n' Roll-Vibe hatten. Auf "Skol" hingegen machte sich der damals angesagte Thrash und Speed Metal im Songwriting bemerkbar. Schön nachzuhören im vermehrten Einsatz der Doublebass in Songs wie 'Double Dealer' oder 'Backstreet Heros'. Was FAITHFUL BREATH zm Glück beibehalten konnten war die Kunst, dem Song einen Chorus zu verpassen, der sich sofort im Ohr festsetzte und wie gemacht war für die Bühne. Selbst die damals typische (und in vielen Fällen grenzwertige - ich sage nur 'Yesterday' von GRAVE DIGGER) Ballade 'We Want You' veredelten FAITHFUL BREATH mit einem Chorus, den man selbst nach Einfuhr eines Kasten Biers noch fehlerfrei mitgröhlen konnte. Und wo wir gerade bei alkoholischen Getränken sind, darf natürlich der Titeltrack nicht unerwähnt bleiben. Ganz egal, ob man ein Trinkhorn voller Met, einen Humpen Bier oder einen Gemüsesmoothie in der Hand hält, bei diesem Uptempo-Brecher ist gute Laune garantiert. Das die Lyrics auf dem Album zum Teil etwas flach ausgefallen sind, darf man ob des musikalischen Niveaus gerne vernachlässigen. Es ist rückblickend eine echte Schande, dass "Skol" auf einem kleinen Label erschien (Ambush hatten überhaupt nur zwei Veröffentlichungen vorzuweisen) und deswegen auch kaum beworben wurde. Wie viel mehr wäre 1985 für FAITHFUL BREATH möglich gewesen. Die Zeit stimmte, das Wikinger-Image ein genialer Einfall, und die Songs, tja, die kann man selbst nach 35 Jahren als bestens gealtert bezeichnen.

Wer sich also zwei echte Perlen des deutschen Metals ins Regal stellen möchte, entweder als Vinyl oder CD, hat dank High Roller jetzt die Chance. Sowohl "Gold 'n' Glory" als auch "Skol" wurden von Patrick W. Engel soundtechnisch überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht.



Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Start It Up
02. Double Dealer
03. Lady M.
04. Rock Rebels
05. We Want You
06. Inside Out
07. Crazy in Metal
08. Backstreet Heros
09. Skol
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 34:54 Minuten
VÖ: 22.01.2021

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21.01.2021 Skol(9.0/10) von baarikärpänen

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