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Metallica - S&M2

Review von Blaze Breeg vom 12.08.2020 (2403 mal gelesen)
Metallica - S&M2 Wenn ich an das überaus magere Metal-Jahr 1999 zurückdenke, fallen mir spontan zwei Live-Alben ein: "Scream For Me Brazil" von BRUCE DICKINSON und "S&M" von METALLICA. Damals, als ich so taufrisch war wie der Kollege Divine Victim heute, hat mich vor allem das letztgenannte Doppelalbum tief beeindruckt. Ja, das Konzept "Metal mit Orchester" war nicht neu - man denke zum Beispiel an RAGE und "Lingua Mortis" (1996) -, aber "S&M" spielte in puncto Opulenz und Massenwirkung in einer gänzlich anderen Liga. Nicht zuletzt der kommerzielle Erfolg von METALLICAs Kollaboration mit der San Francisco Symphony im Berkeley Community Theatre hat zudem zahlreiche Künstler zu ähnlich ambitionierten Projekten inspiriert. In der Metalszene ist die Qualität von "S&M" bis zum heutigen Tage recht umstritten, weil manche Fans grundsätzlich wenig mit Klassik anfangen können, das Zusammenspiel von Band und Orchester als reichlich unharmonisch wahrnehmen oder METALLICA aus Prinzip seit dem schwarzen Album bescheuert finden. Nun, ich gebe offen zu, mit 17/18 hat mich allen voran die "S&M"-Version von "Nothing Else Matters" emotional ziemlich aufgewühlt.

Nach 20 Jahren gibt es nun eine Neuauflage, die mit Sicherheit erneut polarisieren wird: Am 6. und 8. September 2019 gastierten METALLICA und abermals die San Francisco Symphony im hypermodernen Chase Center in Mission Bay, einem Stadtteil von San Francisco - ein echtes Heimspiel für alle Beteiligten! Hier möchte ich das Intro des Konzertfilmes hervorheben, in dem hollywoodreif die faszinierende Schönheit der kalifornischen Perle in Szene gesetzt wird. Bereits vor dem ersten Ton war ich recht zuversichtlich: Ich hatte James, Lars, Kirk sowie Robert kurz vor ihrem Klassik-Intermezzo zweimal live im Rahmen ihrer WorldWired-Tour gesehen und mich von ihrer ausgezeichneten Form überzeugen können. Eine erste kleine Ernüchterung gab es jedoch gleich beim Blick auf die "S&M2"-Setlist: Elf der 20 Songs waren schon auf "S&M" zu hören - hier hätte ich mir mehr Variation gewünscht, um die beiden Releases allein auf dieser Ebene nachdrücklicher voneinander abzugrenzen. Warum man auch anno 2019 auf 'Creeping Death', immerhin einer der besten Metalsongs aller Zeiten, '...And Justice For All' oder 'Blackened' verzichtet hat, ist mir ein Rätsel. Aber gut, hier kann es die Band selbstverständlich nie allen recht machen. Immerhin gibt es zu Beginn der zweiten CD jeweils ein Stück der russischen Komponisten Sergei Prokofiev (1891-1953) und Alexander Mosolov (1900-1973), die Abwechslung versprechen.

"S&M2" beginnt standesgemäß mit der Gänsehautnummer 'The Ecstasy Of Gold', die nach dem Tod ihres Schöpfers Ennio Morricone im vergangenen Monat noch mehr Emotionen als sonst hervorruft. Es folgt, wie auf "S&M" im Jahr 1999, 'The Call Of Ktulu' - ein epischer, dramatischer Song, der wie kaum ein anderer im METALLICA-Kosmos nach einem Klassik-Arrangement schreit. Bereits an dieser Stelle ist deutlich: Die Live-Atmosphäre wird gut eingefangen, der Sound ist überragend, alle Instrumente sind gut hörbar - besser geht es nicht! Das Klangbild ist differenzierter und weniger wuchtig als bei der ersten Kollaboration von James, Lars und Co. mit der San Francisco Symphony. Gleichzeitig weiß man als Hörer: "S&M2" ist eine Herausforderung, weil man ausgesprochen viele Details geboten bekommt, die man am besten in Ruhe im heimischen Musikzimmer genießen kann. Auffällig ist der Umstand, dass die Protagonisten am Anfang der beiden Shows im Chase Center sehr stark auf Nummer sicher gehen: An dritter Stelle folgt nämlich Cliff Burtons Signature-Song 'For Whom The Bell Tolls'. Bei dieser, schon 1999 gut arrangierten, Nummer zeigen sämtliche Beteiligten, was in ihnen steckt. Ich muss zugeben, dass James sicherlich schon einmal besser bei Stimme war, nichtsdestotrotz ist auch auf dieser Ebene noch alles im grünen Bereich. Der Konzertfilm besticht spätestens zu diesem Zeitpunkt mit einem sehr angenehmen, für meinen Geschmack nicht zu hektischen Schnitt, der nicht zuletzt die Begeisterung der Fans regelmäßig in den Mittelpunkt rückt. Zudem zeigen die Bewegtbilder: METALLICA haben richtig Spaß. Kritiker, Kritikaster und Neider mögen den vier Herren nachsagen, was sie wollen - auf der Bühne ist das Quartett weiterhin eine Wucht, und vielleicht besser als je zuvor.

Erfreulicherweise folgen nach dem eingangs genannten Standard-Trio zahlreiche Nummern, die wir nun erstmals mit Orchester genießen dürfen, darunter drei von der gutklassigen letzten Studioplatte "Hardwired ... To Self-Destruct", die inzwischen auch schon wieder vier Jahre auf dem Buckel hat. Die Frage, warum METALLICA das recht unspektakuläre 'Confusion' statt 'Spit Out The Bone' oder 'Hardwired' auf die Setlist gepackt haben, sei erlaubt. Als großes Highlight auf CD 1 entpuppt sich 'The Day That Never Comes' von "Death Magnetic": Für mich funktioniert der Track live immer ausgezeichnet, hier mit der San Francisco Symphony wächst er jedoch über sich hinaus. Großartig ist der Bläser-und-Streicher-Einstieg, richtig mitreißend Kirks späteres Solo, das sich mit weiteren Streicher-Attacken misst. Interessanterweise stammt das zweite "S&M2"-Highlight ebenfalls vom oben genannten 2008er-Werk: 'The Unforgiven III' überstrahlt die gesamte zweite CD dank eines in jeder Hinsicht gelungenen Arrangements, welches aus der Nummer - in dieser Form - die vielleicht beste METALLICA-Ballade aller Zeiten macht. Ja, das packt mich noch mehr als seinerzeit "Nothing Else Matters" - dies liegt auch am enorm gefühlvollen Gesang von James, der mich ganz tief berührt.

Bemerkenswert ist sicherlich der Vortrag der "St. Anger"-Komposition 'All Within My Hands'. Vom meist geschmähten 2003er-Album hätte man wohl eher die Live-Klassiker 'Frantic' oder den Titeltrack erwartet, die im Rahmen der WorldWired-Tour im Wechsel auf der Setlist standen. Aber: Die Band hat hier jedoch alles richtig gemacht, da auch dieser Song durch ein einfallsreiches Arrangement auf eine höhere Ebene gehievt wird - wer hätte das gedacht? Insgesamt betrachtet bleibt festzuhalten, dass gerade die Nummern aus der zweiten und dritten Reihe im Chase Center enorm aufblühen. Auch wenn ich mich wiederhole: Schade, dass METALLICA nicht mehr gewagt haben. Dass es sich trotzdem lohnen kann, Songs eine zweite Chance im klassischen Gewand zu geben, zeigt 'Master Of Puppets': Die 2019er-Version überzeugt mich im Gegensatz zum ersten "Versuch" 20 Jahre zuvor komplett, weil das Zusammenspiel zwischen Band und Orchester harmonischer ist, insbesondere der Chorus - immerhin einer der ikonischsten in der Metal-Geschichte - entfaltet seine volle Kraft.

Alles in allem ist "S&M2" sowohl im Audio only- als auch im Video-Outfit ohne Frage eine qualitativ hochwertige Angelegenheit, die jedem, der sich für das Paket "Metal und Orchester" erwärmen kann, ans Herz gelegt sei. Meines Erachtens ist das Zusammenspiel der Musiker durchgängig (noch) harmonischer als 1999, der oben gepriesene Top-Sound ist neben dem bildmächtigen Konzertfilm ein weiteres Kaufargument. Songs, die im klassischen Gewand überhaupt nicht zünden, finden sich auf "S&M2" nicht. Lediglich 'Anesthesia (Pulling Teeth)' mag man vielleicht als ebenso überflüssig empfinden wie die insgesamt sechsminütigen Ansprachen, die ein wenig den Flow stören. Bei mehr Einfallsreichtum in puncto Setlist hätte ich vor diesem Hintergrund sicherlich einen Blutstropfen mehr gespendet. Der Ausklang mit 'Nothing Else Matters' und 'Enter Sandman' ist einfach zu vorhersehbar, um in nicht enden wollende Begeisterungsstürme auszubrechen. Ich deutete es bereits an, als monumentalen Rausschmeißer noch einmal 'Creeping Death' zocken, das wäre nicht übel gewesen ...

Gesamtwertung: 8.5 Punkte
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Trackliste Album-Info
CD1:
01. The Ecstasy Of Gold
02. The Call Of Ktulu
03. For Whom The Bell Tolls
04. The Day That Never Comes
05. The Memory Remains
06. Confusion
07. Moth Into Flame
08. The Outlaw Torn
09. No Leaf Clover
10. Halo On Fire
(Spielzeit 67:31)

CD2:
01. Intro To Scythian Suite (Ansprache)
02. Scythian Suite, Opus 20: The Enemy God And The Dance Of The Dark Spirits (von Sergei Prokofiev)
03. Intro To The Iron Foundry (Ansprache)
04. The Iron Foundry, Opus 19 (von Alexander Mosolov)
05. The Unforgiven III
06. All Within My Hands
07. (Anesthesia) Pulling Teeth
08. Wherever I May Roam
09. One
10. Master Of Puppets
11. Nothing Else Matters
12. Enter Sandman
(Spielzeit 76:19)
Band Website: www.metallica.com
Medium: CD, DVD
Spieldauer: 143:50 Minuten
VÖ: 28.08.2020

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