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Mariana's Rest - Ruins

Review von Humppathetic vom 23.05.2019 (472 mal gelesen)
Mariana's Rest - Ruins Melancholie, die. Substantiv, feminin. Bedeutung: von großer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Depressivität gekennzeichneter Gemütszustand. In den 90er Jahren wahrscheinlich erfunden in den verschneiten, finnischen Wäldern bei einem Brainstorming zwischen Miika Tenkula und Niilo Sevänen.

Okay, ich gebe zu, den letzten Satz habe ich mir ausgedacht. Aber es ist unbestritten: Es gibt Melancholie, und dann gibt es Finnen. Sicher - die Mitglieder von PARADISE LOST aus England oder TYPE O NEGATIVE aus den USA sind (vielleicht) auch nicht unbedingt die fröhlichsten Menschen, die man sich vorstellen kann, doch irgendwie drückt sich diese eigentümliche Traurigkeit der Nordländer noch mal ganz anders aus. Technisch gesprochen, liegt es einfach daran, wie Keyboards, Gitarren und Gesang eingesetzt werden, aber man wird das Gefühl nicht los, dass die Grundlage für diesen völlig eigenen Stil tiefer liegt, irgendwo da, wo Worte verhallen und Emotionen immer weniger greifbar werden. Ob wir von SENTENCED, SWALLOW THE SUN oder INSOMNIUM sprechen: Kommt eine Band nicht aus Finnland, hört man das sofort.

Und so verhält es sich auch mit den aus Kotka an der Ostseeküste kommenden MARIANA'S REST. Seit 2013 bestehend, brachte man 2016 das vielversprechende Debüt "Horror Vacui" (der aus der Philosophie der Antike entstammende Begriff bezeichnet die Annahme, die Natur in sich habe eine Angst vor Leere und fülle diese mit Äther aus) heraus. Melodic Death/Doom der ganz tiefen Sorte und ein erstes Indiz dafür, was man von der Band noch erwarten durfte.

Nun schreiben wir also das Jahr 2019, und MARIANA'S REST beglücken (oder verstimmen) uns mit ihrem zweiten Werk "Ruins", das nahtlos anschließt an den Vorgänger. Formell und ästhetisch ähnlich gelagert (so verwendete man auf "Horror Vacui" eine Geschichte von Jaxon Combs, die in verzerrter Klanglichkeit von einem Astronauten erzählt, der aus dem Orbit heraus die Zerstörung der Welt betrachtet (ein gleichermaßen opulentes wie hilflos machendes Schauspiel), als roten Faden und Narrativ zwischen den Liedern, so wie es sich auf diesem Album mit einem von Niilo Sevänen vorgetragenen Gedicht von Lord Byron verhält), so sehr hat man sich, wenn auch sehr subtil, einen Schritt weiter gewagt, um die Einflüsse der bekannten und von mir bereits erwähnten Landsmänner ein wenig zu minimieren, sodass "Ruins" noch weitaus eigenständiger klingt als der Vorgänger. Teemu Aalto (unter anderem INSOMNIUM und OMNIUM GATHERUM) ist abermals der Produzent, doch erklingt die Scheibe ein wenig anders. Die massive Wucht von "Horror Vacui" wurde zurückgeschraubt, und es entfaltet sich eine rohere Attitüde. Flankiert wird diese dann von einem von Timo Virkkala gespielten Cello, das der Depression immer wieder eine merkwürdige Schönheit verleiht, und neuen, subtil eingeflochtenen Einsprengseln von an Post Punk erinnernden Riffs, die mit einer Intensität, die man eher aus dem Post Rock kennt, verbunden wird - eine Melange der Stile und folgerichtig eine Ambivalenz im Hörer zur Folge habend. Doch trotz der Schönheit und punktuell positiv klingender Worte ("Remember, you are unsinkable!") haben wir es hier immer noch größtenteils mit schwerst depressiver Musik zu tun. Man fühlt sich erdrückt, in der Leere, wie am Ertrinken (passend porträtiert durch das Cover dieses Albums und des Vorgängers und durch den Nachnamen des Produzenten; Aalto bedeutet Welle), aber merkwürdigerweise ist das gar nicht mal etwas Negatives. Eine schräge angenehme Wohligkeit machte sich in mir während des Hörens breit. Vielleicht gewollt, vielleicht bin ich auch einfach meschugge.

Sänger Jaakko Mäntymaa macht dabei einen fantastischen Job und mäandert zwischen Flüstern, Keifen und tiefen Growls, die mich entfernt an den Polen Novy (ex-VADER, DIES IRAE, ex-BEHEMOTH) erinnerten. Das obligatorische Keyboard tut dann sein Übriges, und schon haben wir es mit einem fast durchgehend überdurchschnittlichen Album zu tun, was auch daran liegt, dass Nico Heininen sein Schlagzeug betont repetitiv bearbeitet, und die Finnen insgesamt eine Reife zeigen, die gerade dem DSBM, der sich ja ähnlicher Thematiken bedient, häufig abgeht.

Und jetzt stehe ich vor dem Problem, dieses Review zu einer solch gefühlvollen Scheibe passend zu beenden. Genug der Worte. Machen wird es norddeutsch: Tschüss!

Gesamtwertung: 8.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. Kairos
02. The Spiral
03. Hole In Nothing
04. The Defiant
05. Unsinkable
06. Shadows
07. Restitution
08. Omega
Band Website: https://www.marianasrest.com/
Medium: CD
Spieldauer: 55:24 Minuten
VÖ: 26.04.2019

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23.05.2019 Ruins(8.5/10) von Humppathetic

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