Interview mit Martin Gyllengahm von Utmarken

Ein Interview von Krümel vom 12.05.2016 (7280 mal gelesen)
Aus Schweden tauchte jüngst ein Lichtstreifen am (dunklen) Folk Metal-Horizont auf. Die Truppe UTMARKEN hat bei mir mit dem gleichnamigen Debüt für Aufmerksamkeit gesorgt. Denn damit bringt der Sechser mal wieder frisches Blut in die vielfach übersättigte Szene. Also ein guter Grund, um bei Bandkopf Mathias Gyllengahm anzuklopfen und ihm ein paar Fragen zu seinem Projekt stellen.

Zunächst vielen Dank für die Möglichkeit, ein paar Worte zu wechseln! imgright

Martin Gyllengahm: Hi ihr, hier ist Mathias Gyllengahm. Danke für euer Interesse.

Weil einige Leute euch bisher bestimmt noch nicht kennen, stell' doch bitte die Band mal kurz vor. Wer sind die Menschen hinter UTMARKEN?

Martin Gyllengahm: UTMARKEN besteht aus mir (Mathias Gyllengahm, Leadvocals, Nyckelharpa), Benny Hägglund (Drums), Jörgen Wikberg (Leadgitarre), Janne Asplund (Rhythmusgitarre), Micke Andersson (Bass) und Robert Lindqvist (Keyboards).

Mathias, Du bist der Gründer der Band. Wie ich las, wolltest Du bevor es dazu kam eines Tages zurück zur Natur. Kannst Du das unseren Lesern etwas näher erläutern? Was waren die Gründe dafür und was wolltest Du damit erreichen?

Martin Gyllengahm: Es ist einfach passiert. Es war eigentlich kein Entschluss, sondern Zufall und Umstände, die nicht in meiner Hand lagen. Ich bin auf dem Land groß geworden und dachte nie, dass ich mal zurückgehen würde. Doch meine Frau und ich sind auf einen Ort gestoßen, der es uns sehr angetan hat. Manchmal wünschte ich, es wäre nie passiert; es ist kompliziert hier zu leben und sein Auskommen zu haben. Doch die gesamte Umgebung und die Menschen hier brachten uns dazu ... Wir mussten einfach für immer herziehen, ob wir es wollten oder nicht.

Wie hat dann die Band zusammengefunden? Hast Du nach den anderen Mitgliedern gesucht? Oder kanntet ihr euch schon vorher?

Martin Gyllengahm: Ich, Benny und Jörgen haben uns schon vorher durch die gemeinsame Arbeit an einem anderen Projekt (DIEVERGENCE) gekannt. Als ich dann mein Augenmerk auf das UTMARKEN-Material legte, kamen sie hinzu. Micke ist ein alter Freund von mir. Er ist ebenfalls hier aufgewachsen und wir haben schon vorher zusammen Musik gemacht. Janne spielt mit Benny in TME, so dass eigentlich nur einer von "außen" kam - unser Keyboarder Robert, den ich auf ... Facebook ... fand! Ich hatte ein Auge auf ihn geworfen, seit er etwas "like-te", was ich geteilt habe. Und ich habe bemerkt, dass er Keyboard spielt und sogar noch diesen schönen langen Bart hatte, hehe. Es ist extrem schwierig einen Keyboarder zu finden, dessen Look zu solch einer Band passt. Deswegen bin ich wirklich glücklich, dass er zu uns kommen wollte. Nebenbei kann er auch noch gut spielen, haha!

Kürzlich hat UTMARKEN das gleichnamige Debütalbum veröffentlicht. Die Reviews bisher lesen sich ja sehr gut. Habt ihr diese positiven Reaktionen erwartet?

Martin Gyllengahm: Aufgrund der Aufmerksamkeit, die ich schon früh während des Schaffensprozesses erhielt, habe ich schon geahnt, dass ich da an etwas Gutem dran bin. Dass es aber möglich würde, alles auf dieses Level zu bringen, ist weit mehr, als ich mir je vorstellen konnte ... Was die Leute nicht wissen, ist, dass mit Ausnahme der Drums (die in einem richtigen Studio von Benny gespielt und aufgenommen wurden) ich nahezu alles in Eigenregie hier bei mir mit einem sehr einfachen Equipment gemacht habe. Ich habe das Album aufgenommen und sogar gemixt und gemastert; ich habe sogar selbst den Master zur Fertigung ins Werk gebracht. Allerdings hatte ich durch Benny und Micke tolle Hilfe, und Benny hat alle Drums erledigt. Jörgen spielte alle Solos. Ihre Bemühungen und Unterstützung dürfen nicht verkannt werden. Aber ... insgesamt ist alles hier draußen hauptsächlich durch mich entstanden. Traktoren und Lastzüge sind hier außerhalb des "Studios" zwischen den Aufnahmen herumgefahren. Wenn ich die Reviews in diesen großen Magazinen lese ... Ich kann es immer noch nicht fassen. Es ist absolut verrückt, diese Produktion widerspricht allen Regeln wie man ein Album erschaffen sollte. Die Produktion ist meiner Meinung nach in einigen Gesichtspunkten ein bisschen zu kurz gekommen, aber in Anbetracht der Umstände und des Zeitrahmens ... Es hätte gar nicht möglich gewesen sein dürfen, so etwas zu machen. Ich kann es nicht glauben, dass ich sowas habe aufziehen können. Also, um auf Deine Frage zu antworten: beides - ja und nein.

Wie wichtig ist Dir die (konstruktive) Kritik von Fans oder Zines?

Martin Gyllengahm: Manche Leute wollen sich einfach nur beschweren, einige Menschen mögen komplett andere Dinge als ich. Manche wollen, dass das Material exklusiver sein soll; wie ein erlesener Wein, an dem die Schickimickis schlürfen können. Und so weiter und so weiter ... Ich gebe nicht viel auf diejenigen, die sowieso niemals das mögen werden, was ich mache. Andererseits interessiert es mich sehr, was die Hörer denken; also jene, die ich mit meinen Sachen wirklich anspreche.

Leider können nur wenige Leute die schwedischen Lyrics der Songs verstehen. Aber ich denke, es ist eine Art Konzept oder zentrales Thema, oder?!

Martin Gyllengahm: Die Texte handeln von Themen wie das Überleben der Menschheit, Freiheit, Ehrfurcht vor der Natur, etwas Folklore. Und vielleicht ist die Hauptkomponente, die örtliche Mentalität einzufangen und sie extrem zu übertreiben. Eine Menge Melancholie ...

Hast Du einen Lieblingssong auf dem Album? Wenn ja, welchen und warum?

Martin Gyllengahm: 'Till Skogs' (was übersetzt soviel heißt wie: In Die Wälder) ist mein Favorit. Es geht darum auszubrechen, seinen eigenen Weg zu gehen. All den Wahnsinn hinter sich zu lassen, raus in die Wälder zu gehen und niemals zurückzukommen! Ein einfaches Leben zu führen, aber eines in Freiheit. imgleft

Und andererseits - gibt es ein Stück, welches Du am wenigsten magst?

Martin Gyllengahm: Ja, normalerweise überspringe ich 'Bleka Toner', wenn ich die CD anhöre. Nach dem halben Song passt es nicht mehr wirklich. Es ist zu "nett".

Du hast das Album unter dem Banner von Einheit Produktionen veröffentlicht. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Hat man Dich "gefunden" oder hast Du selbst nach einem Label gesucht?

Martin Gyllengahm: Ich stand in Kontakt mit Thor Joakimsson, der Trollmusic führt. Er hat Einheit einen Tipp gegeben ... Ich war zwar irgendwie auf der Suche, aber nicht aktiv. Bevor ich mit Einheit in Kontakt kam, war noch nichts in trockenen Tüchern.

Wie finanzierst Du/ihr die Band und das Leben? Bzw. hast Du/habt ihr normale Jobs?

Martin Gyllengahm: Ach ja, Arbeit und der Alltag ... Ich möchte darüber nicht viel erzählen. Die Band hat uns bisher nur Geld gekostet und wird es auch weiter tun, soweit ich das vorhersehen kann. Im Großen und Ganzen sind wir ganz normale Typen mit normalen Jobs, Familien, Kindern und all das.

Plant ihr ein paar Live-Shows oder sogar eine Tour, um das Album noch mehr zu promoten?

Martin Gyllengahm: So gesehen, war es ein ungünstiger Zeitpunkt für die Veröffentlichung der Scheibe. Die Reviews waren ja wirklich überall nett und werden uns sicherlich helfen, Auftritte zu bekommen. Aber als die Reaktionen reinkamen, waren die ganzen Sommerfestivals schon ausgebucht. Nach dem, was so im Hintergrund vor sich geht, müsste es glaube ich dennoch möglich sein, ein paar spektakuläre Shows zu spielen. Außerdem habe ich bereits begonnen, am nächsten Album zu arbeiten.

Traditionsgemäß gehören dem Musiker die letzten Worte. Du kannst all das sagen, was Du schon immer sagen wolltest ...

Martin Gyllengahm: Vielen Dank für die Möglichkeit des Interviews und viel Glück für eure künftige Arbeit. Ich möchte mit einem hiesigen Sprichwort enden: Es ist nie zu spät aufzugeben. Das bedeutet, dass Du erstmal einfach mit deinem Kampf weitermachen kannst. Du hast später immer noch die Möglichkeit aufzugeben.

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