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Interview mit Mournful Morales von Jack Frost

Ein Interview von des vom 12.01.2016 (3250 mal gelesen)
Schon mehr als 20 Jahren existieren JACK FROST, deren Musik passenderweise als Gloom Rock charakterisiert wird. JACK FROST sind zwar mehr oder weniger ein Geheimtipp geblieben, meldeten sich Ende 2015 aber mit einem starken Düsterrock/-metal - Album zurück, das passend zum Plattentitel voller Melancholie und Poesie steckt. Wir durften Gitarrist Mournful Morales zum Album interviewen

Danke für die Gelegenheit zu einem Interview! Was macht Ihr gerade?

Mournful Morales: Gerne! Wir kommen gerade von unserem Videodreh zum Song 'Half a Man' in Graz. Ansonsten planen wir gerade ein paar Shows, um das Album zu promoten. Wir sind wie immer mit allem sehr spät dran... imgright

Ihr habt mit "Mélaina Cholé" ein neues Album heraußen. Ich finde es klasse; wie sind generell die ersten Rückmeldungen und wie zufrieden seid ihr damit?

Mournful Morales: Danke! Der überwiegende Teil der Reviews ist ausgezeichnet. Das freut uns besonders, weil wir ja auch überzeugt davon sind, dass dies unser bislang bestes Album ist. Es hat sich scheinbar bezahlt gemacht, dass wir uns damit richtig Zeit gelassen haben.

Was meint ihr im Promotext mit "...im Bewusstsein ihrer eigenen Unzuverlässigkeit selbst veröffentlicht"?

Mournful Morales: Wir hatten früher oft richtig Stress, ein Album bis zur VÖ fertigzubekommen. Weil wir undisziplinierte Bastarde sind und sehr auf Zeitfenster angewiesen sind, in denen wir arbeitsfähig sind und ein Mindestmaß an Kooperation innerhalb der Band erreichen, um Songs fertigzustellen. Am Ende waren wir dann mit dem Ergebnis recht unzufrieden, daher haben wir dieses Mal gesagt: Lasst uns doch so lange arbeiten und aufnehmen, bis wir es für richtig gut befinden. Ohne Veröffentlichungstermin, ohne Druck, ohne Label.

Eigentlich habe ich ja geglaubt, dass ihr Euch schon aufgelöst habt. Wie intensiv betreibt ihr JACK FROST?

Mournful Morales: Über weite Strecken nicht sehr intensiv, wie du dir denken kannst. Wir sind jetzt ja seit fast 23 Jahren in der selben Besetzung unterwegs, mit Ausnahme von Mr. Gloom, der nach dem dritten Album zu uns gestoßen ist. Wir hatten uns in der Vergangenheit auch mehrmals aufgelöst, aber wir sind draufgekommen, dass Trennungen nur auf Zeit sein können, weil wir nicht ohne einander können. Das hat viel Druck und auch Konflikte rausgenommen. Wenn Zeiten schwierig sind, dann machen wir eben Pause, bis wir an den Punkt kommen, wo wir richtig Lust bekommen, miteinander Songs zu schreiben. Es war dabei aber nie eine Option, Personen auszutauschen - diese Band sind wir vier und niemand ist ersetzbar.

Ihr existiert nun schon mehr als 20 Jahre als Band. Gibt es da noch Ziele?

Mournful Morales: Schwierige Frage. Natürlich gibt es immer noch das Bedürfnis, als Band erfolgreich zu sein, bloß hat sich die Definition von Erfolg über die Jahre stark verändert. In unseren 20ern hatten wir freilich Rockstar-Träume, die waren aber schnell ausgeträumt. Heute geht es uns eher darum, unabhängig zu sein und uns auch nicht ficken zu lassen. Wir fahren nicht mehr für ein paar Bier hunderte Kilometer zu einer Show, wo dann ein unmotivierter Promoter nicht fähig war, 50 Leute in den Club zu ziehen. Da bleiben wir lieber zuhause. Und wir bezahlen unsere CD-Produktionen lieber selbst, als mit Labels über Coverdesigns zu diskutieren und alle Rechte abzugeben und am Ende kaum supported zu werden. Das mag vielleicht verbittert klingen – ist es aber nicht. Es sind pragmatische Entscheidungen, die wir getroffen haben nach über 20 Jahren Erfahrung. Wir tun nur noch das, worauf wir Lust haben, und das kann gerne weniger als mehr sein.

Es hat 7 oder 8 Jahre gedauert bis zum neuen Album. Habt ihr die ganze Zeit an diversen Ideen gearbeitet oder ist das Album in einem Rutsch entstanden?

Mournful Morales: Wir haben nach dem letzten Album lange gar nichts gemacht und uns zwischendurch auch wieder einmal verkracht. Erst 2012 haben wir begonnen, wieder an Songs zu arbeiten, allerdings mit monatelangen Pausen dazwischen. Schließlich haben wir 2013 die ersten Sachen aufgenommen, dann das Studio gewechselt und einiges noch einmal aufgenommen. Wir hatten über fast zwei Jahre immer wieder Recording Sessions, in denen wir auch die alten Aufnahmen angehört und was uns nicht gefiel neu gemacht haben. Erst als wir mit allem zufrieden waren, haben wir gesagt: Jetzt können wir das Album rausbringen. Das war das erste Mal, dass wir so vorgegangen sind und ich würde es immer wieder genauso machen. Auf unseren früheren Alben war das ganz anders. Da sind die Songs in einem Rutsch entstanden und wir haben sie am Stück über zwei oder drei Wochen aufgenommen.

Werdet ihr das Album auch live promoten? Spielt ihr gerne Konzerte?

Mournful Morales: Wir werden das Album auf jeden Fall mit ein paar Konzerten promoten. Aber ich gehe nicht davon aus, dass es eine größere Tour wird. Wir waren ja im letzten Mai mit ISOLE unterwegs – da wollten wir das Album eigentlich schon fertig haben. Ich muss aber sagen, dass wir zwar sehr gerne live spielen, aber über Wochen unterwegs zu sein, brauchen wir alle nicht mehr. Soll ja auch gar nicht so gesund sein... Ich spiele lieber wenige, aber dafür erlesene Shows.

Lieber Festivals oder Clubgigs?

Mournful Morales: Kann ich mich so nicht festlegen, es hat beides seinen speziellen Reiz. Bei Clubgigs erlebt man mit Promotern wesentlich mehr unerfreuliche Dinge als bei Festivals, die meist viel professioneller ablaufen. Aber ein dampfender Clubgig kann auch wieder deutlich erquickender sein als eine Mittagsshow auf einer großen Festivalbühne.

Was ist für Dich die beste Liveband aller Zeiten und warum?

Mournful Morales: Boah, die Frage ist nahezu unbeantwortbar. Es gibt viele Bands, die mich live immer wieder umhauen, aber ALICE IN CHAINS sind zum Beispiel ganz vorne dabei. Ich hab sie zwar mit Layne Staley leider nie live gesehen, aber seit der Reunion ein paar Mal, und es war immer eine Macht. Es gibt auch nicht viele Bands, in denen ein so charismatischer Sänger und so eine eindrucksvolle Figur ersetzbar ist, aber musikalisch ist das ALICE IN CHAINS ausgezeichnet gelungen – nicht zuletzt deshalb, weil Jerry Cantrell ja am Gesang auch charaktergebend beteiligt ist. Eine meiner absoluten Lieblingsbands.

Was ist für Dich die beste Band aller Zeiten und warum?

Mournful Morales: Neben ALICE IN CHAINS und THE CULT komme ich da an JOY DIVISION nicht vorbei. Das sehr überschaubare Œvre von JOY DIVISION gehört musikalisch wie auch lyrisch zum Berührendsten, was Musik je hervorgebracht hat. Daran hat sich in 30 Jahren, in denen ich diese Handvoll Songs immer wieder höre, nicht das geringste verändert.

Passend zum Heavy Metal kommt ihr aus der Stahlhauptstadt Österreichs, nämlich Linz. Arbeitet einer von Euch im Stahlwerk?

Mournful Morales: Tatsächlich hab ich in meiner Schulzeit in den Ferien mehrmals dort gearbeitet, ebenso im Chemiewerk gleich daneben. Es mag wie ein Klischee klingen, aus der "Stahlstadt" zu kommen, aber in der Tat war die Tristesse dieser Stadt in den 1970ern der Katalysator für die Entstehung einer immens fruchtbaren alternativen Musikszene, die in Österreich bis heute ihresgleichen sucht.

Wobei Linz diese Tristesse ja mittlerweile komplett abgelegt hat. Danke für das Interview – die letzten Worte gehören Dir:

Mournful Morales: Danke für das Interview und den Support, hat Spaß gemacht! Stay tuned, vielleicht sind wir ja schon bald in einer Mehrzweckhalle near you...



[Bandfoto zur Verfügung gestellt von Carrycoal]

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