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Interview mit Matthias von Thränenkind

Ein Interview von Zephir vom 13.09.2013 (3781 mal gelesen)
Mit der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers haben THRÄNENKIND nicht nur nachdenklich-melancholische Metallerseelen begeistert. Im Interview spricht Matthias (a.k.a. Nathanael) unter anderem über die emotionale Seite seiner Arbeit und die Hintergründe der Geschichte, die "The Elk" erzählt.

Erst einmal hallo! Ich freue mich sehr, dass du dir Zeit für ein Interview nehmen kannst. Wie geht es euch?

Matthias: Uns geht's sehr gut. Die letzten Wochen waren natürlich eine spannende Zeit, in der viel passiert ist. Wir verfolgen die Kommentare, Meinungen und Reviews zum Album aufmerksam und da die Rückmeldungen bisher extrem positiv ausgefallen sind, sind wir als Musiker natürlich auch sehr zufrieden.

THRÄNENKIND war einigen Leuten, wie auch mir, von der Split mit HERETOR bekannt. Das Release war im März 2010, zur gleichen Zeit habt ihr außerdem eine EP veröffentlicht. Inzwischen sind über drei Jahre vergangen. Wie sah eure Arbeit in dieser Zeit aus? Gibt es etwas, das die Entstehung von "The Elk" maßgeblich beeinflusst hat?

Matthias: In diesen drei bis vier Jahren ist natürlich viel passiert. Sowohl mit mir als auch mit der Musik. Man entwickelt sich als Mensch weiter, entdeckt neue Interessen, setzt andere Schwerpunkte im Leben. Das wirkt sich natürlich auch auf die Musik aus, die man schreibt. Es gab einige Hürden, welche überwunden werden mussten und es wollten einige Entscheidungen gefällt werden, in welche Richtung sich die Band weiterentwickeln sollte. So hat zum Beispiel unser Schlagzeuger die Band verlassen, bevor ich die Arbeit am Debütalbum begonnen hatte. Während dem Schreiben des Albums ergab es sich, dass Nils als neuer Sänger hinzukam. Später kamen noch Max, Emanuel und Florian als Musiker mit ins Boot und aus dem einstigen "Projekt" wurde eine echte Band. Auch musikalisch beschreiten wir auf "The Elk" andere/neue Wege. Das Album unterscheidet sich doch ganz gehörig von unseren früheren Veröffentlichungen. Es gibt jetzt (noch) mehr instrumentale Passagen, weniger Tremolo Picking und dafür mehr Crust- und Hardcore-Einflüsse, wobei immer noch das Hauptaugenmerk auf dichter Atmosphäre und beklemmender Stimmung liegt. Wir sind jedenfalls schon sehr gespannt, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird und welche Richtung wir einschlagen werden.

Wenn ich richtig informiert bin, ist Nils für THRÄNENKIND zum ersten Mal als Sänger in Erscheinung getreten.

Matthias: Ja, Nils sitzt sonst (mit Ausnahme einiger Background Vocals) ausschließlich hinter dem Schlagzeug. Das ist jetzt natürlich etwas völlig Neues, mitten im Rampenlicht zu stehen. Aber die Minitour im November wird zeigen, wie es sich für ihn anfühlt, live auch zu singen. Die Bandproben sehen jedenfalls vielversprechend aus.

Persönlich ist mir euer erstes Album sehr nahe gegangen. Es klingt auf hohem musikalischem Niveau sehr emotional - aber nicht kitschig, was anderen Musikern schnell mal passiert, sondern es wirkt absolut authentisch. Kann man diese Musik schreiben, spielen und singen, ohne selbst davon mitgerissen zu werden?

Matthias: Ich werde immer von meiner Musik mitgerissen. Wenn mich ein Riff oder eine Melodie, die ich spiele, nicht mitreißt, wird auch kein THRÄNENKIND-Song daraus. Wenn ich Musik schreibe, befinde ich mich meist auch in der Stimmung, die man später im Song - hoffentlich - zu spüren bekommt. Emotionalität und ein "sich treiben lassen", "mitreißen lassen" ist für mich so etwas wie der Kern meines musikalischen Schaffens und hat daher auch zentrale Bedeutung. Musik muss für mich emotional sein und die Kraft haben, den Hörer zu berühren. Das versuche ich so gut es geht mit jedem Song zu erreichen.

Dem Album liegt als Konzept eine Kurzgeschichte zugrunde, die Du selbst verfasst hast. Natürlich denkt man als Hörer unweigerlich darüber nach, wie diese Geschichte wohl entstanden sein könnte. Ich weiß, dass das nun eine sehr heikle Frage ist, aber spielen hier auch persönliche Erfahrungen eine Rolle?

Matthias: Die Kurzgeschichte ist eine fiktionale Geschichte, in welche persönliche Elemente eingewoben sind. Sie ist nicht autobiografisch, aber über weite Strecken durch persönliche Erlebnisse, Empfindungen und Gedanken geprägt, welche in die Geschichte integriert sind. Die Grundthematik, nämlich das Verhältnis von Mensch und Natur und die kritische Betrachtung unserer modernen industriellen Zivilisation, sind Themen, die mich als Anarchisten sehr beschäftigen und über die ich viel nachdenke. Für mich persönlich spielt die Natur und alle uns Menschen umgebenden Lebewesen eine große Rolle. Ehrfurcht vor dem Leben und den vielfältigen Ökosystemen unserer Erde sind für mich sehr bedeutend. Deshalb dreht sich die Geschichte und damit auch das Album um diese Thematiken. In deren Rahmenhandlung sind verschiedene andere Themen eingearbeitet, wie zum Beispiel familiäre Probleme, nostalgische Erinnerungen an vergangene Zeiten, Aufbruchstimmung und der Kampf darum, die bestehenden Verhältnisse zum Besseren zu verändern. Die Geschichte ist also durchaus durch persönliche Erlebnisse und Gedanken inspiriert, aber eben nicht genau so passiert.

Sprache und Musik sind zwei unterschiedliche Ausdrucksmittel, die auf sehr differenzierte Weise unterschiedlichste Inhalte vermitteln können. Wie sehr ist für Dich das Schreiben mit dem Komponieren verwandt?

Matthias: Ich wollte mit der Musik THRÄNENKINDs schon immer Geschichten erzählen. Die erste Demo durchzog ja schon ein Konzept. Das ist für mich nach wie vor wichtig. Natürlich funktionieren Schreiben und Komponieren auf höchst unterschiedliche Art und Weise. Sie haben jedoch gemein, dass ich mich in ähnlichen Stimmungen befinde, wenn ich schreibe oder komponiere. Klassiches Schreiben ist mir dabei jedoch meist nicht genug. Für mich fühlt es sich am passendsten an, Geschichten mit den Mitteln der Musik zu erzählen. Hierbei hat man eine vielfältige Bandbreite an Möglichkeiten, unterschiedlichste Thematiken zu verarbeiten und den Hörern nahe zu bringen.

Was ist der Wapiti-Hirsch für Dich? Ich denke da als erstes an eine Waldes- oder Naturgottheit ... oder mögt ihr die Assoziation mit dem Begriff "Gottheit" nicht?

Matthias: Der Wapiti-Hirsch (engl. elk) steht auf unserem Album als Symbol für den Zusammenstoß von Mensch und Natur. Er ist ein Schlüsselelement in der Geschichte zum Album. Die Begegnung mit dem Hirsch lässt das Geschwisterpaar, welches die Hauptprotagonisten des Albums darstellt, ihre Leben in neuem Licht erkennen. Der Hirsch hat tiefgreifenden Einfluss auf die Gedanken der beiden Geschwister. Sie nähern sich im Laufe des Albums immer mehr der wilden und unberührten Natur an, während alles von Menschenhand Erschaffene, sowie die menschliche Gesellschaft und Zivilisation immer mehr an Bedeutung verliert. Der Wapiti-Hirsch ist also weniger eine Gottheit (mit Göttern haben wir als Atheisten sowieso wenig zu tun ;)), als vielmehr ein Wegweiser hin zu einer anderen Welt, einer wilden Welt, einer zwar bedrohten, aber vielleicht realeren, bedeutenderen Welt, als unserer von Alltagstrott, Unfreiheit und repressiven Machtmechanismen bestimmten menschlichen Gesellschaft.

In welche Richtung wird euer nächstes Werk gehen? Vielleicht ist es für diese Frage noch etwas früh, aber natürlich interessiert es nicht nur mich, woran ihr momentan arbeitet.

Matthias: Tatsächlich sind schon einige Stücke für das neue Album fertig. Welche es dann letztendlich auch auf's Album schaffen und welche noch aussortiert werden, ist natürlich noch nicht entschieden, aber insgesamt stehen schon einige Ideen. Es wird wieder ein Konzeptalbum sein, so viel ist sicher. Musikalisch wird es sich - ähnlich wie "The Elk" - irgendwo zwischen atmosphärischem Metal, Crust und Hardcore Punk mit viel Post Rock und einer gehörigen Prise Melancholie bewegen. Es werden definitiv auch einige schwarzmetallischere Klänge auf unserem zweiten Album zu finden sein. Schon jetzt gibt es zwei Stücke mit ausgeprägten Blastbeat-Passagen. Man darf also gespannt sein.

Du hast gesagt, dass ihr für die nahe Zukunft auch Live-Auftritte mit THRÄNENKIND plant. Wo und in welcher Besetzung werdet ihr spielen?

Matthias: Wir werden von 7.11. bis 10.11.2013 zusammen mit den Jungs von Goldust auf Tour gehen. Dabei werden wir unter anderem in Hamburg und Berlin spielen. Desweiteren gibt es Pläne für ein Benefizkonzert in München am 27.12. Die Besetzung habe ich oben schon angeführt, Nils macht die Vocals, Max und Flo sind an den Gitarren, Emanuel am Drumkit und ich spiele Bass.

Habt ihr keine Bedenken, dass die Atmosphäre der Musik in der Konzerthalle verloren gehen könnte?

Matthias: Ganz im Gegenteil. Zum einen können die Songs auch gut für sich alleine stehen, auch außerhalb des Kontextes des Albums, zum anderen klingen sie während der Proben schon sehr fett. Ich glaube, die Stücke live zu spielen könnte ein ergreifendes und hoffentlich packendes Ereignis werden.

Mit mir freuen sich jedenfalls noch zahlreiche andere Fans auf eure kommenden Werke und Projekte! Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview. Bitte gib unseren Lesern noch ein Schlusswort mit.

Matthias: Ich möchte mich an dieser Stelle für all die begeisterten Kommentaren zu unserem Album und überhaupt zu uns als Band bedanken. In den letzten Wochen haben wir von den verschiedensten Seiten großen Zuspruch bekommen, das tut sehr gut und macht Mut, sich voller Tatendrang auf kommende Alben zu stürzen. Auch möchte ich mich bei Stefan und Arne von Lifeforce und Marco von Avocado Booking bedanken, die einfach tolle Arbeit machen. Und natürlich möchte ich auch dir danken, dass wir hier die Möglichkeit und den Raum bekommen über uns und unsere Musik zu sprechen. Vielen Dank.

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