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Interview mit Pär Sundström; Chris Rörland von Sabaton

Ein Interview von Elvis vom 12.10.2012 (3959 mal gelesen)
Bassist Pär und Gitarren-Neuzugang Chris standen uns vor der Luxembourg-Show der "Swedish Empire"-Show Rede und Antwort - lest selbst, warum SABATON nicht über Drachen singen, keine französischen Songs schreiben und wie lange die Band sich noch selbst gibt, bis sie die Festivals endlich als Headliner beehrt. Viel Spaß mit diesem sehr erhellenden und ausführlichen Interview!

Schön, Euch auf der "Swedish Empire" Tour zu treffen! "Carolus Rex" ist wirklich ein sehr starkes Album geworden. Es hat mich ein wenig überrascht, dass Ihr es auf diese Weise gemacht habt, bei der ersten Pressemeldung war ja sogar anzunehmen, dass Ihr es nur auf Schwedisch aufnehmen würdet. Habt Ihr das wirklich mal in Erwägung gezogen?

Pär Sundström: : Wir haben das extra auf diese Weise damals geschrieben, damit die Leute glauben können, es sei nur auf Schwedisch. Deswegen haben wir es zunächst auf diese Weise angekündigt. An sich haben wir aber nur gesagt, es werde auf Schwedisch erhältlich sein, nicht, dass es nur auf Schwedisch erscheinen solle. Das sollte die Leute ein bisschen verwirren. Es gab aber keinerlei Überlegungen, es nur auf Schwedisch zu veröffentlichen. Die Grundidee war, dass es auf Englisch sein sollte, aber ein wenig Bonus auf Schwedisch dabei sein sollte. Dann fanden wir jedoch heraus, dass es wirklich ziemlich cool war auf Schwedisch und nahmen das ganze Album so auf. Ursprünglich sollten es vielleicht nur zwei Tracks sein, aber da es so gut klang, machten wir dann doch das ganze Album.

Ist es sehr anders oder einfacher, in Eurer Muttersprache zu schreiben und zu singen?

Pär Sundström: : Es ist einfacher, so zu schreiben und auch so zu singen. Es fühlt sich viel natürlicher an, auf Schwedisch zu singen. Von daher, ja, es ist einfacher, es in seiner Muttersprache zu machen. Allerdings muss man dann natürlich in verschiedener Hinsicht noch perfekter sein. Trotzdem, es ist einfacher (lacht).

Spielt Ihr denn auf der Tour auf Songs auf Schwedisch oder gibt es nur die englischen Fassungen zu hören?

Pär Sundström: : Wir haben vor dem Beginn der Tour beschlossen, dass wir etwas auf Schwedisch spielen werden. Das machen wir jetzt jeden Abend, wobei die Reaktionen durchwachsen sind. Es gab Leute, die wollten gerne, dass wir auch außerhalb Schwedens etwas in unserer Sprache spielen, die sind natürlich glücklich. Es gibt genauso Leute, die sich fragen, was jetzt auf einmal los ist. Letztlich können wir aber nun mal nicht alle glücklich machen, so machen wir ein paar Leute richtig glücklich, und da wir den Rest der Show in Englisch spielen, machen wir die meisten Leute glücklich. Wir versuchen einfach, so viele wie möglich glücklich zu machen (lacht).

Die Setlist ist also nicht fest, wenn ich das so höre, oder?

Pär Sundström: : Wir haben irgendwas in die 20 - etwa 23 oder 24 - Songs für die Tour einstudiert. Die spielen wir nicht alle, an ein paar Stellen der Show können die Fans entscheiden, was sie hören wollen. Wir wechseln also definitiv. Zudem spielen wir auch in verschiedenen Ländern unterschiedliche Songs, je nachdem, welche dort besonders populär sind.

Warum habt Ihr in manchen Songs deutsche Passagen eingebaut, z.B. 'Gott mit uns'?

Pär Sundström: : Zu der Zeit, über die wir singen, das schwedische Imperium, gab es viele deutsche Söldner in der schwedischen Armee. Im Feld wurden deswegen viele deutsche Worte gebraucht. 'Gott mit uns' war dabei so eine Art Losung oder manchmal sogar ein Kriegsschrei. Schweden sprachen damals oft auch Deutsch, zumindest ein wenig - die, die für längere Zeit bei der Armee gewesen waren.

Kurz vor dem Album-Release hattet Ihr diesen doch recht drastischen Wechsel im Line-Up. Ich war mir selbst auch nicht sicher, was ich davon halten sollte, aber nachdem ich Euch z.B. beim "Bang Your Head" Festival gesehen habe, waren sämtliche Zweifel weggeblasen.

Pär Sundström: : Letztlich ging das natürlich nicht so schnell vonstatten, wie die Leute es erlebten. Der Prozess hat im Endeffekt Jahre in Anspruch genommen. Im Grunde ging es um die Frage, was wir mit SABATON anstellen würden. Während Joakim und ich dafür waren, weiterhin mit der Band diese langen, ausgedehnten Touren zu machen, waren die anderen Jungs eher dagegen und wollten das nicht mehr. Es lag daran, dass sie nun Familien hatten und nicht mehr so lange unterwegs sein wollten. An diesem Punkt schieden sich die Geister. Ich konnte die Band nicht bergab gehen sehen, Joakim ging es genauso. Wir sagten also, ok, so sieht's aus, auf diese Weise möchten wir es weitermachen, wir möchten auch in Zukunft viel spielen, weil die Band ansonsten sterben wird. Es gab lange Gespräche darüber, wie wir dieses Problem lösen könnten, aber im Ergebnis gab es keine Lösung, der wir alle zustimmen konnten. Ich verstehe jeden, der andere Prioritäten hat, wie Familie und alles in dem Zusammenhang, aber sie verstanden auch unsere Prioritäten. Wir haben haben keine Familien, wir haben die Band. Das ist das, was wir die letzten zwölf Jahre getan haben. Wir MÜSSEN das tun, es gibt nichts anderes sonst, dem wir uns zuwenden könnten! Darauf lief es am Ende hinaus, und es war ziemlich schwierig zu Beginn, das zu verkünden. Das Label stellte sich auch quer, denn sie wollten nicht, dass das von unserem neuen Album ablenken sollte. Die Medien sollten sich lieber darauf konzentrieren, nicht darauf. Viele hatten eine Menge Angst vor diesem Schritt, insbesondere Promoter, die fürchteten, dass niemand mehr zu den Shows kommen würde. Festivals wollten uns teils aus dem Billig streichen. Nachdem wir jedoch ein paar Shows in den USA gespielt hatten, Kritiken und YouTube-Links draußen waren, fingen die Leute an, sich zu beruhigen. In Amerika konnten sie feststellen, dass wir nicht weniger Karten verkauften. Dasselbe galt für die europäischen Shows, die sich auch nicht schlechter verkauften als vorher. Das Album ging höher in die Charts als jedes andere unserer Alben vorher. Im Ergebnis haben sich die Leute jetzt beruhigt und spätestens wenn sie uns live sehen, stellen sie fest, dass wir sicherlich den richtigen Pfad eingeschlagen haben.

Eine spannende Frage, wie ich finde, weil ich letztes Jahr mit den "alten" Bandenmitgliedern in Andernach ein Interview geführt habe - das war die Show, wo Ihr vorher die Hosen und alles andere verloren habt, falls Ihr Euch erinnert.

Pär Sundström: : (lacht)

Ich habe da z.B. mit Roxx von Metalfactory.ch gesprochen, den Du ja auch kennst, u.a. von Eurem Besuch im dortigen Militärmuseum. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die anderen Jungs außer Joakim und Dir gar nicht so sonderlich an den ganzen Militärthemen interessiert waren, stimmt das?

Pär Sundström: : Ja, das stimmt, letztlich waren es vor allem Joakim und ich, die sich dafür interessieren. Das ist absolut richtig analysiert.

Ich habe sie letztes Jahr gefragt, ob es noch irgendwas gibt, was SABATON auf dem Weg nach oben stoppen kann. Seit ich Euch das erste mal gesehen habe, ging es immer nur aufwärts. Gibt es noch was?

Pär Sundström: : Es gab letztlich nur eins, was uns noch aufhalten konnte, nämlich wir selbst. Nachdem wir das jetzt überwunden haben, sind wir sozusagen wieder in der Spur (lacht). Und die Straße ist klar!

Ein interessanter Punkt in dem Zusammenhang, den wir auch festgestellt haben - und ich möchte den Vorgängern jetzt nicht auf die Füße treten - ist, dass die "neue" Band viel hübscher geworden ist.

Pär Sundström: : (schwerer Lachanfall)

Chris Rörland: : (schwerer Lachanfall)

Roxx meinte nur, ich sollte Euch mal anschauen, Mädels würden Euch sicherlich zukünftig viel lieber mögen.

Pär Sundström: : Wonach wir Ausschau hielten, waren Leute, die es liebten, zu spielen. Das war eigentlich die ganze Idee und die Art von Leuten, die wir haben wollten. Außerdem wollten wir gern Leute, die erwachsen genug sind, um zu wissen, was sie da tun. Am liebsten ungefähr in unserem Alter und nicht zu alt. Wir wollten, dass die Band auf der Bühne voll Energie ist, das wäre z.B. mit 45jährigen Kerlen nicht dasselbe gewesen, sondern eher eine Enttäuschung. Wir haben jetzt nicht unbedingt nach den hübschesten Jungs Ausschau gehalten (Lachanfall)! Aber ich stimme Dir vollkommen zu, wir sehen super aus (lacht)!

Ihr klingt jedenfalls absolut fantastisch und an der Energie auf der Bühne kann man auch nichts aussetzen. Das ist ja immer eine Wechselwirkung zwischen Band und Publikum.

Pär Sundström: : Das Augenmerk lag bei uns vor allem auf Leuten, die gerne die Songs spielen wollen, ob nun vor Publikum oder nicht. Auch beim bloßen Üben solltest Du Spaß haben, denn wenn es Dir da keinen Spaß macht und nicht klappt, geht es erst recht nicht auf der Bühne. Beim jetzigen Line-Up merkten wir schon bei den Proben, dass es cool sein würde. Es wurde von Show zu Show besser, und nachdem wir jetzt ungefähr 50 Shows hinter uns haben, merken wir jeden Abend immer noch, dass viele Sachen immer besser werden.

Man spürt, dass die Chemie zwischen Euch auf der Bühne stimmt.

Pär Sundström: : Absolut!

Chris, wie fühlt es sich nach über 50 Shows jetzt denn an, Mitglied bei SABATON zu sein?

Chris Rörland: : Ich liebe es! Es gibt nichts Besseres, was ich tun könnte, ich liebe die Jungs einfach. Pär und Joakim habe ich schon vorher gekannt, da ich in einer anderen Band war und wir insofern schon mal gemeinsam aufgetreten waren. Es war schon cool, als sie mich fragten, ob ich der Band beitreten wolle. 110%, lasst uns loslegen! Ich liebe es immer noch, und das ist das, was ich tun möchte, bis ich sterbe. Auf der Bühne zu stehen ist das absolut Größte, ich liebe es, die Fans zu sehen, es ist einfach nur klasse!

Warst Du so was wie ein Fan der Band, bevor Du Mitglied wurdest?

Chris Rörland: : Fan wäre wohl zu viel gesagt, aber ich kannte die Songs und mochte sie sehr. Für mich war's daher gar keine Frage, als die beiden mich fragten. Auch nach 50 Shows macht es mir nicht weniger Spaß als zu Beginn. Der Spaß nimmt eher nur zu, gerade wenn man die Energie auf der Bühne spürt.

Wo wir es eben hatten, interessierst Du Dich für die Militärthemen bzw. warst Du selbst auch dabei?

Chris Rörland: : Ich war beim Militär und fuhr dort einen großen Truck mit Munition und Bomben, das hat Spaß gemacht. Über die Geschichte weiß ich jetzt nicht so viel, aber ich lerne ständig dazu. In der Schule ist mir das immer ziemlich auf den Wecker gegangen, aber jetzt ist es echt toll, mehr darüber zu erfahren.

Ich weiß genau, was Du meinst. Es ist ein himmelschreiender Unterschied, wenn Du nicht dazu gezwungen bist, Dich damit auseinanderzusetzen.

Chris Rörland: : Ganz richtig, das macht enorm viel aus! Gerade auch die Reaktionen des Publikums, wenn man die entsprechenden Songs spielt, sind je nach Land echt fantastisch.

Soweit ich weiß, würdet Ihr ja gerne mal eine Show am Strand in der Normandie spielen, so wie Ihr es ja in Polen schon auf dem Schlachtfeld getan habt, um das es bei '40:1' geht. Glaubt Ihr, dass es immer noch eine Möglichkeit für die Zukunft ist, und ist es letztlich nicht vielleicht sogar etwas geschmacklos, so etwas zu tun?

Pär Sundström: : Ich denke, es ist richtig, das zu tun. Ansonsten würden wir die ganze Band als solches nicht machen. Wir singen über diese Themen, weil sie Teile der Geschichte sind, wenn sie in Vergessenheit geraten, werden sie am Ende sonst sowieso nur wiederholt. Von daher denke ich, dass es absolut richtig ist, das zu tun. Wenn ich davon ausgehe, was ich bei zahllosen Menschen weltweit gesehen habe, ist es so, dass am Ende niemand Anstoß daran nimmt, was wir tun. Es ist mehr so, dass wir diese Menschen der Geschichte ehren. Ich bin sicher, dass wir das tun könnten. Einige Leute wären bestimmt davon angepisst. Ich bin nicht sicher, ob das möglich ist, aber ich werde eines Tages sicherlich dorthin reisen. Zumindest in der Nähe müsste das jedenfalls möglich sein. Es wäre jedenfalls sehr interessant, dort zu sein. Und es wäre natürlich eine Idee für eine Show. Derzeit sind SABATON in Frankreich leider nicht groß genug, um so etwas auf die Beine zu stellen.

Vielleicht solltet Ihr mal einen Song auf Französisch machen, aber das würde wohl ziemlich seltsam klingen.

Pär Sundström: : Also wenn ich Joakim sage, er soll auf Französisch singen, wird er ziemlich… sauer werden (lacht). Das ist ein bisschen schwer für ihn, um es zu lernen.

Was ich mich schon seit Jahren frage: Ihr habt diese ganzen kriegs-zentrierten Themen. Mit "Carolus Rex" z.B. hätte ich selbst jetzt nicht direkt gerechnet. Meint Ihr nicht, dass es irgendwann mal schwierig wird, Themen für Songs zu finden?

Pär Sundström: : Da wir über Krieg singen und es in der Natur des Menschen liegt, sich gegenseitig umzubringen, werden wir wohl nie ohne Material dastehen, unglücklicherweise. Auch wenn mir das gewissermaßen fast gefallen würde. Natürlich könnten wir andere Sachen finden, aber wir mögen dieses Thema. Ich weiß genau, dass wir genug Material haben, um mehr Alben wie dieses zu schreiben. Unser liebstes Thema sind selbstverständlich die beiden Weltkriege. Es geht nicht um Mythen oder Geschichten, sondern um Fakten. Die Leute wissen, was passiert ist, wo es passiert ist, an welchen Tagen oder zu welcher Zeit. Es geht also nicht um irgendwelche Legenden. Hierbei wissen die Leute ziemlich gut Bescheid, was Sache war.

Das ist ja auch generell interessanter als z.B. über Drachen zu singen.

Pär Sundström: : Ganz richtig, über Drachen singen andere schon und das ist auch nicht wirklich so spannend. Meine Songs mag ich am liebsten auf der Realität basierend, auf Fakten. Es gibt keine Drachen, das ist ein Fakt. Ok, zumindest so weit wir es wissen (lacht). Falls wir natürlich auf einmal doch welche finden sollten, überlege ich mir das vielleicht noch mal anders. Das wäre dann aber eine interessante Wendung (lacht). Da's nach derzeitigem Stand aber keine Drachen gibt, bleiben wir lieber bei den Kriegen, denn die hat's wirklich gegeben.

Nachdem Ihr ja z.B. schon vor JUDAS PRIEST oder IRON MAIDEN gespielt habt, gibt's noch irgendwelche großen Bands, mit denen Ihr gerne mal die Bühne teilen würdet?

Pär Sundström: : Ich möchte gerne auch eine andere Generation von Metalheads erreichen. Wenn wir auf Tour sind oder Festivals spielen, gibt es eine Generation von Metalfans, die außen vor bleibt. Uns fehlen die Leute, die in den 70ern oder früher aufgewachsen sind. Diese Generation würde ich gerne erreichen, die Fans z.B. von DEEP PURPLE oder RAINBOW. Alle anderen Fans können wir irgendwie erreichen, aber ich denke, dass eine Generation verloren sein wird, wenn einige der älteren Bands einmal weg sind. Viele dieser Leute schauen nicht mehr nach neuen Bands. Wenn ihre Legenden abtreten, werden sie keine neuen Bands mehr finden. Wir werden zehn bis fünfzehn Jahre warten müssen, bis eine neue Generation herangewachsen ist. Wenn wir diese Leute erreichen könnten und mit einer Band touren könnten, die das zustande brächte, das wäre wirklich hochinteressant. Natürlich möchte ich gerne die großen Arenen spielen, ob nun mit JUDAS PRIEST, AC/DC, IRON MAIDEN oder METALLICA, aber deren Fans können wir auf irgendeine Weise auch sonst erreichen. AC/DC wäre toll. KISS wäre auch toll.

KISS wären wohl eher zurückhaltend, Euch mitzunehmen, die Supports waren die letzten Jahre meistens eher bescheiden. Auch wenn die Band an sich keine Angst davor haben muss, an die Wand gespielt zu werden.

Pär Sundström: : Manche Bands sind so drauf, ja. Ich sehe es an sich andersherum, ich möchte für SABATON eine großartige Supportband. Die Fans sollen ihren Standard lieber hoch ansetzen und wenn sie am Ende des Abends nach Hause gehen, sollen sie insgesamt einen verdammt guten Abend gehabt haben, nicht nur eine tolle SABATON-Show und zwei lahme Stunden davor. Unser aktuelles Package ist wirklich gut, WISDOM machen ebenso wie ELUVEITIE eine tolle Show. Bei so starken Bands im Gepäck können wir uns nicht erlauben, auf der Bühne faul zu sein. SABATON-Fans sollen eine rundum tolle Show genießen können, sei es nun, dass es einfach ist, an die Tickets zu kommen, die Venue halbwegs erreichbar ist, sie sich willkommen fühlen, gute Bands zu sehen bekommen, am Merchandise nett behandelt werden und am Ende noch freundlich verabschiedet werden. All das macht eine gute Show aus, nicht nur das, was die Band auf der Bühne tut. Es gibt schon genug Bands, die sich nur darum scheren, was sie selbst auf der Bühne tun. Wenn die Fans nach Hause gehen, sollen sie aus meiner Sicht auf so vielen Ebenen wie nur möglich zufrieden sein.

KREATOR habt Ihr in Andernach letztes Jahr ja auch schön an die Wand gespielt, obwohl sie Headliner waren.

Pär Sundström: : Für mich geht es nicht darum, in irgendeine Konkurrenz zu treten, sondern auf der Bühne das zu tun, was ich am meisten liebe.

Es ist gut, das tun zu können, was man liebt.

Pär Sundström: : Wenige Leute können das tun.

Was sind Eure nächsten Pläne nach dieser wieder einmal langen Tour?

Pär Sundström: : Heute geben wir die Termine für den nächsten Abschnitt der Europa-Tour bekannt gegeben. Wir arbeiten auch an weiteren Tourabschnitten weltweit. Etwa im Oktober nächsten Jahres wollen wir dann die Tour beenden, um das neue Album zu schreiben. Wir haben dafür schon jede Mengen Ideen, sie es inhaltlich, musikalisch, optisch oder vom Titel her, aber Musik schreiben wir derzeit keine, wir sind ja schließlich auf Tour und haben noch einige Shows vor uns (lacht). Circa 130-150 Shows, wenn ich das recht in Erinnerung habe.

Kannst Du mir spontan sagen, wie viele Shows SABATON bis heute etwa gespielt haben?

Pär Sundström: : Seit dem Anfang der Band? Das müssten etwa 600 gewesen sein. Die 500 haben wir irgendwann letztes Jahr überschritten. Die nächste große Feier wird dann die 1000. Show werden.

Allzu lange werden Ihr dafür ja nicht brauchen...

Pär Sundström: : Nein, ich denke mal, ca. drei Jahre (lacht). Ok, vielleicht nicht ganz.

Ihr seid ja jetzt bei Nuclear Blast. Das ist schon ein ziemlicher Schritt nach vorn im Vergleich zu vorher, nicht wahr?

Pär Sundström: : Absolut, das war ein notwendiger Schritt für uns, da wir zu wenig Ausstrahlungswirkung hatten und vor allem auch von den Medien nicht ernst genug genommen wurden. Ohne Nuclear Blast könnten wir viele Orte, an denen wir jetzt sind, niemals erreichen. Viele Festivals nahmen uns vorher auch nicht für voll. Jetzt ist das ganz anders.

Grade von der Promotion her ist das ein richtig starkes Label, für Euch war das auf jeden Fall der richtige Schritt. Eigentlich sogar zwingend, wenn Du mich fragst.

Pär Sundström: : Wir sind sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit und sie sind sehr zufrieden mit uns. In vielerlei Hinsicht sind sie es nicht gewohnt, mit einer Band wie SABATON zusammenzuarbeiten. Wir sind einfach gewohnt, alles zu 100% selbst zu machen. Wir haben mit einem kleinen Plattenlabel angefangen, bei Blakk Lodge, da kamen wir kaum über Schweden hinaus. Wir mussten das also selbst bewerkstelligen, d.h. Interviews ausmachen, Demos versenden, wir haben echt viel in dem Bereich gemacht. Booking Agenturen zu finden, Festivals zu kontaktieren, das meiste von SABATON haben wir wirklich selbst gemacht und ich bin froh darüber. Es war gut, dass wir nicht gleich von Anfang an bei einem großen Plattenlabel untergekommen sind, denn jetzt wissen wir sehr viel über das Business. Wir haben eine Organisation um SABATON herum geschaffen, die die gesamte Band ohne Management, ohne Plattenlabel am Laufen halten kann. Mit Nuclear Blast können wir daher jetzt richtig gut zusammenarbeiten.

Ihr habt also immer noch die volle Kontrolle über die Band und das Label redet Euch auch nicht rein, wenn ich das richtig verstehe?

Pär Sundström: : Wir haben zu 100% die Kontrolle und Nuclear Blast ist damit auch sehr zufrieden. Es gab da nie irgendwelche Reibereien und für alle Ideen unsererseits waren sie letztlich immer dankbar. Wir sind gemeinsam ein sehr starkes Team. Wir waren auch ziemlich glücklich, dass wir die Re-Armed Versionen der alten Alben bei dem Label veröffentlichen konnte, da wir in der Lage waren, die Rechte für die Alben von unserem alten Label zu kaufen.

Was mich in dem Zusammenhang schon immer interessiert hat, sind die alten Platten in irgendeiner Form remastert worden?

Pär Sundström: : Nein, es sind dieselben Alben mit eine paar Bonustracks, kein Remastering in irgendeiner Form. Wer die Alben schon hat, kann die Bonustracks als Download kaufen.

Wo Du das sagst, glaubst Du, dass illegale Downloads SABATON im Endeffekt schaden?

Pär Sundström: : Mit jedem Album verkaufen wir mehr Platten, die Band wächst ja weiterhin. Wir wachsen also zumindest mehr, als die Piraterie zunimmt. Trotzdem sind die Verkäufe bei weitem nicht das, was sie z.B. für eine Band von SABATONs Größe vor fünfzehn Jahren gewesen wären. Wir sind aber auch froh über all die Aufmerksamkeit, die wir übers Internet bekommen, denn ohne die wären wir wohl nicht da, wo wir jetzt sind. YouTube z.B. hilft uns sehr, insbesondere auch, weil etwa die Fans aus Archivmaterial jede Menge eigene Musikvideos für die Band machen. Das hilft uns schon sehr und wir haben die Plattenfirma auch angewiesen, dass nichts davon gelöscht werden soll, wo die Fans Energie investiert haben. Wenn jemand wirklich Arbeit hineingesteckt hat, sind wir ja froh darüber, dass es so gekommen ist. Natürlich sind wir an einem Punkt angekommen, an dem einem als Band zum Überleben kaum eine andere Möglichkeit bleibt, als entsprechend zu touren. Eine Band, die nicht tourt, ist keine Band mehr. Sie kann ihre Mitglieder nicht mehr intakt halten und die Band am Laufen halten. Sie bekommt die Studios nicht und findet auch keine Zeit mehr, um Songs zu schreiben. Jede Band, die nicht viel auf Tour ist, wird nicht überleben. Das ist die Realität des Musikbusiness und die Aussicht für die Zukunft. Wir haben das auch gesehen, als wir mit unseren ehemaligen Mitgliedern über die Zukunft der Band gesprochen haben. Wenn wir den anderen Weg eingeschlagen hätten, also nicht meinen bzw. Joakims Weg, hätte die Band noch ein oder zwei Alben gemacht und wäre dann nicht mehr in der Lage gewesen, auf die aktuelle Weise zu bestehen. Wir hätten für zu viel Geld Festivals spielen wollen und es hätte so viel mehr erfordert, alles am Laufen zu halten. Genau das sieht man bei anderen Bands, bei denen ständig die Mitglieder wechseln, die touren einfach nicht genug. Die Leute brauchen dann einfach eine zusätzliche Beschäftigung.

Anders kann man wohl Musik heute nicht mehr als Vollzeit-Job ausüben.

Pär Sundström: : Wenn Du 18 Jahre alt bist, brauchst Du nicht viel. Im besten Fall hast Du Eltern, bei denen Du wohnen kannst und hast nicht Deine eigenen Rechnungen zu bezahlen. Wenn Du mal 30 bist, brauchst Du ein Einkommen. Du musst für Deinen Lebensunterhalt sorgen, und die einzige Weise auf die das geht, ist es nun mal, Geld zu verdienen. Geld verdient man als Band heute aber nicht mehr mit den Alben, sondern nur durch entsprechende Tourneen.

Wie wichtig ist in dem Zusammenhang Merchandise?

Pär Sundström: : Das ist sehr wichtig. Es ist die zweitwichtigste Einnahmequelle für eine Band. Dabei haben wir vor allem zwei Probleme. Zum einen gibt es Bootlegs, je verbreiteter das Merchandise wird. Zweitens gibt es die Konzessionsgebühren. Die sind bei den Hallen teils so stark angestiegen, dass man wenig anderes machen kann als selbst die Preise anzuheben und damit wieder die Fans stark zu verärgern. Das, was ich selbst am schlimmsten finde, sind die Konzessionsgebühren. Wir kommen aus Schweden und zahlen daher schon die höchste Mehrwertsteuer in ganz Europa auf alles, was wir verkaufen. Das stellt uns vor eine fast unlösbare Aufgabe. Im Grunde müssten wir höhere Preise haben als alle anderen Bands, was wirklich schwierig ist.

Ihr habt ja in der Vergangenheit echt versucht, die Preise für die Fans erträglich zu halten.

Pär Sundström: : Richtig, leider gibt es manchmal Venues, die uns nahezu zwingen, entsprechend viel zu kassieren. Das macht mich echt aggressiv.

Die Fans glauben dann, die Band versucht sie abzuzocken.

Pär Sundström: : In den großen Hallen hast Du teils Preise, die fast 100% höher sind. Davon steckt sich jedoch jemand einen großen Teil in die eigene Tasche. Das fängt langsam an, bis in die kleineren Hallen durchzusickern. Als wir 2006 mit Touren anfingen, gab es eine kleinere Halle, die uns dafür etwas abgeknöpft hat. Heutzutage sind es jede Menge davon.

Bei den Festivals wird es ja wohl ähnlich aussehen.

Pär Sundström: : Ja, aber das ist eine andere Sache, da wir ja nicht mit unseren eigenen Leuten anreisen. Dafür etwas zu verlangen ist schon okay, wenn auch nicht das, was dann letztlich kassiert wird. Dann bezahlt man immerhin für einen Service. Wenn Du aber ansonsten zwei oder sogar vier Leute mitbringst, um Merchandise zu verkaufen und je nachdem gar nicht erlaubt bekommst, das zu tun, zahlst Du am Ende ja trotzdem für das Personal. Auch wenn es dann jemand anders verkauft.

Aus Deiner eigenen Sicht, wie lange wird es dauern, bis SABATON der Headliner bei den Festivals sind, z.B. beim "Bang Your Head"? Sagen wir einfach mal, so im Bereich 12.000 bis 15.000 Besucher?

Pär Sundström: : (nach kurzem Überlegen) Ein Jahr, bzw. ein Album. Das hoffe ich zumindest. Wir sind schon bei verschiedenen Festivals Headliner gewesen, die größer waren als dieses. Nach dem nächsten Album sollten wir an diesem Punkt angekommen sein.

Das ist auch meine Meinung.

Pär Sundström: : Das "Bang Your Head" ist etwas speziell, da es eher auf ehrwürdige Bands abzielt und nicht so auf die jüngeren Bands. HAMMERFALL waren vor zwei Jahren der Headliner.

Na ja, dieses Jahr war u.a. EDGUY der Headliner, und wer das mitträgt, hätte lieber Euch als Headliner engagieren sollen.

Pär Sundström: : Ich sag's ja, ein Album. Wir haben eine Show, die geeignet ist, um jede Bühne weltweit zu headlinen. In Polen haben wir diesen Sommer vor 600.000 Leuten den Headliner-Slot gespielt und in Falun, unserer Heimatstadt, haben wir bei unseren eigenen Festivals natürlich auch Erfahrung. Hinbekommen können wir das bei jedem Festival weltweit.

Chris Rörland: : Wir haben einfach auch Fans, die 100% hinter uns stehen. Ein dickes Dankeschön an dieser Stelle an alle da draußen, nicht nur von meiner Seite, sondern auch seitens der neuen Bandmitglieder! Ich hätte es niemals so erwartet, das ist einfach überwältigend.

Ihr habt auch einfach einen absolut wiedererkennbaren Sound. Das macht eine große Band aus.

Pär Sundström: : Eine Identität ist einfach unabdingbar.

Noch ein paar letzte Worte für unsere Leser?

Pär Sundström: : Ich möchte vor allem all jenen danken, die unvoreingenommen zu den Shows mit dem neuen Line-Up kommen und nicht sagen, es sei vorher besser gewesen. Das war es nämlich nicht und wir sind jetzt besser als jemals zuvor.

Chris Rörland: : Ich kann mich nur nochmals wiederholen und für all den Support danken.

Danke für das Interview, viel Erfolg heute und in Zukunft, es gibt wohl nichts mehr, was Euch noch aufhalten kann!

Pär Sundström: : Danke!

Chris Rörland: : Danke!

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Danke ;-) Mein Verschwinden traf ja mit dem Verschwinden eines nicht unerheblichen Publikumsanteils zusammen - Kreator mussten doch was hinlegen, damit sie gegen die Vorlage überhaupt noch anstinken konnten ;-)
(12.10.2012 von Elvis)

Ich liebe deine Fanboy-Interviews :-)) Aber die Aussage zu Kreator in Andernach ist sehr gewagt, denn Kreator haben nach Sabaton eine der besten Shows geboten, die ich von ihnen je gesehen habe (du hast das nur nicht mehr mitbekommen, denn du warst auf einmal weg ;-))
8/10   (12.10.2012 von Opa Steve)

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