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Interview mit Axel Rudi Pell von Axel Rudi Pell

Ein Interview von Jukebox vom 21.03.2012 (4169 mal gelesen)
Anlässlich der Veröffentlichung der neuen Scheibe "Circle Of The Oath" galt es, dem Gitarristen aus Bochum mal wieder ein wenig auf den Zahn zu fühlen. Pünktlich zum vereinbarten Termin klingelt bei mir das Telefon und ein bestens aufgelegter Axel steht zu meinen Fragen Rede und Antwort:

Hallo Axel. Was macht der Interviewmarathon? Bist du schon gestresst davon, oder hält es sich in Grenzen?

Axel Rudi Pell: Ja, das geht ja jetzt schon seit Wochen so, aber so langsam bin ich mit allem durch. Es gehört nun mal zu meinem Job, das ist also kein Problem.

Dann fangen wir doch gleich mal mit dem Wichtigsten an: Das neue Album steht ja nun bald in den Läden, und für mich ist es nach einigen Durchläufen momentan das stärkste Album seit "Kings and Queens". Wie siehst du das selbst und wie sind die bisherigen Reaktionen?

Axel Rudi Pell: Die Reaktionen sind bisher eigentlich alle recht euphorisch. Viele sagen, dass die neue Scheibe mindestens gleich gut ist wie "The Crest". Das neue Album und "The Crest" sind für mich persönlich sogar meine Lieblingsalben von mir, während ich "Kings and Queens", das du ja gerade erwähntest, gar nicht so sehr mochte. Da fand ich "Oceans of Time" dagegen viel stärker, obwohl "Kings and Queens" natürlich auch gute Songs hat, das will ich natürlich nicht bestreiten. Aber alles in allem würde ich schon sagen, dass "Circle Of The Oath" eins meiner besten Alben ist, wenn nicht sogar das Beste.

Wie verliefen denn diesmal die Aufnahmen? Johnny (Gioeli, v.) und Mike (Terrana, dr.) wohnen ja nun doch ein Stück weit weg. Lief das wie beim letzten Mal wieder hauptsächlich über Skype?

Axel Rudi Pell: Richtig, bei Johnny lief das wieder über Skype. Wenn ich tagsüber meine Gitarren fertig hatte, bin ich dann eben abends nach Hause, wir haben nachts noch geskypet und sind zusammen die Songs durchgegangen, und er hat mir dann am nächsten Tag meistens MP3-Files auf unseren Server hochgeladen oder wir haben uns seine Aufnahmen zusammen angehört. Dann wurden entsprechend noch Ausbesserungen vorgenommen, oder eben auch nicht. Er hat zum Beispiel auch einen Song aufgenommen, bei dem ich dann einfach nur gesagt hab "Mensch Bursche, super gemacht, da muss man überhaupt nichts mehr verändern". Aber es gibt eben auch Songs oder Parts die etwas mehr Arbeit erfordern, wie zum Beispiel bei 'World Of Confusion'. Da muss man dann schon etwas mehr erklären. Mike war dagegen hier im Studio. Er wohnt ja auch schon seit etlicher Zeit nicht mehr drüben in den Staaten, sondern pendelt immer so zwischen Deutschland und Italien hin und her. Für die Aufnahmen ist er eben von Italien hergeflogen und hat seine Drums im BLIND GUARDIAN-Studio (er meint das Twilight Hall-Studio - Jukebox) in Grefrath aufgenommen.

Jetzt hast du gerade 'World Of Confusion' angesprochen. War von Anfang an geplant dass du hier ein 'Masquerade Ball Pt.II' machst, oder hat sich das beim Songwriting spontan ergeben?

Axel Rudi Pell: Das war eigentlich recht merkwürdig. Ich hatte ja auch auf "The Crest" ein 'Oceans Of Time Pt.II' gemacht, und diesmal war es genauso wie beim letzten Mal, dass ich, als ich den Song fertig hatte, gemerkt habe, dass der Chorus von der Melodie und den Keyboard-Parts her so klingt, dass man da jetzt 'The Masquerade Ball' einbauen könnte, so wie wir es damals bei 'Dark Waves Of The Sea' mit 'Oceans Of Time' gemacht haben. (Verdammt, das war Futter für meine Frau! - Jukebox) Und da wir das auf "The Crest" schonmal gemacht hatten, fiel es mir jetzt auch leichter zu sagen "Los, das machen wir jetzt einfach", weil es eben beim letzten Mal auch super funktioniert hat. Es war also von Anfang an nicht bewusst darauf hin komponiert, sondern das war mehr ein Zufall. Ich hab dann entsprechend ein etwas anderes Arrangement gemacht, hab den Song mit eingebaut, und am Ende hat auch das wieder super funktioniert.

Von wem stammt denn diesmal das Cover? Du hast ja ganz viele Jahre (1992 - 2004) mit Marc Klinnert zusammengearbeitet, der die für meinen Geschmack geilsten ARP-Cover gezeichnet hat. Wie kam es dass er die Cover nicht mehr für dich macht?

Axel Rudi Pell: Das Cover stammt diesmal wieder von dem gleichen Künstler, der auch das Cover für "The Crest" und "The Ballads IV" gemacht hat, heißt Martin McKenna und kommt aus England. Das mit Marc ist eine etwas längere Geschichte: Er hat ja in Köln gewohnt, etwa bis zur Jahrtausendwende, und ist dann aber nach Australien gezogen. Anfangs hat er dort auch noch Cover für mich gemacht, allerdings macht er Cover eigentlich nur nebenbei. Hauptsächlich macht er eher riesige Skulpturen, Dinosaurier, Batman und sowas. Für "The Ballads IV" und auch schon davor hatte ich auch wieder bei ihm angefragt, allerdings hat er mir immer gesagt dass er überhaupt keine Zeit hätte, es sei denn ich würde fünf bis sechs Monate warten, aber so viel Zeit hab ich natürlich nicht. Er bekommt aben auch andere Aufträge, die dann natürlich Priorität haben, wie zum Beispiel Aufträge von Filmstudios aus den USA. Deswegen hat das mit ihm dann leider nicht mehr hingehauen, aber ich finde die Cover von Martin McKenna auch richtig geil.

In einem früheren Interview hast du mal gesagt, dass du deine Alben eigentlich immer nur in einer Version veröffentlichen möchtest. Inzwischen ist es aber auch bei dir so, dass deine Scheiben in verschiedenen Versionen auf den Markt kommen. "The Crest" wurde zum Beispiel schon bald nach der eigentlichen Veröffentlichung nochmals im limitierten Digi neu rausgebracht, und dein neues Album erscheint nun sogar schon in vier oder fünf Versionen. Wodurch hat sich deine Einstellung dazu verändert?

Axel Rudi Pell: Richtig, ich hatte früher immer was dagegen, wenn es eine Limited Edition gab, die wirklich auf eine bestimmte Stückzahl limitiert war, und eine normale CD. Es war nämlich immer so, dass dann jeder die limitierte CD haben wollte, die aber irgendwann mal ausverkauft war. Niemand hat dann mehr die reguläre CD gekauft, sondern hat dann lieber bei Ebay oder irgendwo anders versucht, sich die limitierte Version zu besorgen, auch wenn das dann ein paar Euro mehr gekostet hat. Und das fand ich eben nicht so gut. Wenn es jetzt aber verschiedene limitierte Versionen gibt, dann sind die nun auch nicht soooo limitiert, sondern jeder der eine limitierte Version haben möchte, der sollte eigentlich auch eine bekommen, denn da werden jeweils schon mehrere tausend Stück verkauft. Es gibt dann zwar auch den ein oder anderen, der vielleicht was Großes wie das Vinyl für den Schrank haben will, aber die reguläre CD trotzdem noch haben möchte. Auf der anderen Seite gibt es aber auch die, die sagen zum Beispiel sie brauchen keinen Bonustrack oder ein Poster oder so was. Die holen sich dann lieber die ganz normale Version, und laden sich den Bonustrack dann zum Beispiel bei Musicload oder bei einer anderen Plattform runter. Was wirklich ganz Neues ist für uns allerdings dieses Boxset, sowas gab es bisher bei uns noch gar nicht. Das Teil ist dann wirklich was für den Ultra-Fan, denn da ist das Doppel-Vinyl drin, das limitierte Digi mit Bounstrack und Poster, ein zusätzliches Poster, ein lasergravierter Kugelschreiber, ein Mousepad, ein Sticker und eine Postkarte. Das ist dann also "Value for Money" und auch wirklich limitiert, ich glaube auf 1000 Stück. Das ist eben was für die Leute, die wirklich alles haben müssen...........

.......also für so Leute wie mich, die sich dann von ihren Lieblingen alles zulegen müssen und sich auch noch die Promos bei Ebay zusammenkaufen.

Axel Rudi Pell: Echt, machst du? Bekommst du die denn nicht so? Obwohl, wir machen ja jetzt gar keine Promos mehr.

Richtig, warum nicht?

Axel Rudi Pell: Wenn eine Plattenfirma heute Promos rausschickt, steht das Album morgen im Netz. Wir bzw. SPV haben damals von jeder CD ca. 2500 Promos verschickt, und dann muss man sich natürlich nicht wundern. Bei "Tales Of The Crown" war das damals ganz extrem, das Teil ist alleine bei einer Plattform 8500 runtergeladen worden, und zwar vor dem eigentlichen Veröffentlichungstermin. Ich konnte das damals sehen, weil da auf der Seite eine Statistik mit dabei war. Sowas ist natürlich nicht im Sinne des Erfinders.

Wie sieht es denn auf dem neuen Album mit den Texten aus? Bei den letzten Alben bist du hin und wieder bei dem ein oder anderen Song weg von den Fantasy-Themen, hin zu realen Bezügen.

Axel Rudi Pell: Diesmal gibt es mehr reale Bezüge. Ich hab zwar immer noch ein paar Fantasytexte drin, zum Beispiel bei 'Ghost In The Black' oder 'World Of Confusion'. Und 'Lived Our Lives Before' ist nur zum Teil Fantasy. Es sind also schon Stücke dabei, bei denen es um reale Themen geht, wie beispielsweise bei 'Run With The Wind'. Hier geht es darum, dass jemand von seinem derzeitigen Leben die Schnauze voll hat und aus diesem sozusagen aussteigen möchte, in ein anderes Land geht, vielleicht eine neue Frau kennenlernt und so weiter. Daher die Textzeile "Leave it all behind..... ". Oder auch bei 'Before I Die', bei welchem es darum geht, dass jemand am Ende seines Lebens steht, alt ist und dann merkt, dass er sein ganzes Leben lang nur gearbeitet hat, aber jetzt einfach nicht mehr das machen kann, was er früher gerne gemacht hat. Aber er möchte auf jeden Fall nochmal seine Frau in die Arme nehmen, bevor er sozusagen abnippelt. Das sind zwar alles keine realen Geschichten, aber sie werden eben so erzählt, dass sie auch in der Neuzeit spielen könnten. 'Fortunes Of War' ist dagegen eher ein Anti-Kriegs-Song. Ich gehe dabei nicht bewusst von den Fantasy-Themen weg, aber ich kann eben auch nicht immer nur über Dragons, Wizards, Kings und Demons schreiben, weil irgendwann ist das Zeug einfach durch und dann wiederholen sich die Texte einfach nur noch, und das wollte ich diesmal einfach vermeiden, weswegen ich mir für die Texte diesmal auch mehr Zeit gelassen habe. Es gab auch von Seiten der Fans immer mal ein bisschen Kritik, ob es denn wirklich immer nur diese Fantasy-Texte sein müssen und ob es denn nicht auch mal ein bisschen um was anderes gehen könnte. Aber ich bin einfach nicht der Weltverbesserer oder Sozialpädagoge, der über irgendwelche Themen diskutieren muss, das funktioniert bei mir nicht. Ich mache Musik schon immer um die Leute zu unterhalten, aber trotzdem kann man eben auch schon mal in den Liedern von Dingen erzählen, die nicht unbedingt von Fantasy handeln.

Wie hat sich denn generell deine Herangehensweise verändert? Verspürst du heute mehr Druck als früher, oder ist der Spaß an der Sache nach wie vor erhalten geblieben?

Axel Rudi Pell: Es macht mir eigentlich sogar noch mehr Spaß wie früher und der Druck von außen wird bei mir eher immer kleiner. Ich hab am Anfang meiner Karriere den Fehler gemacht mich hinzusetzen und mir selbst zu sagen, dass ich jetzt zehn bis zwölf Lieder komponieren muss. Ich hab die Songs dann auch komponiert, und manchmal ist es gelungen, manchmal aber eben auch weniger. Mittlerweile arbeite ich aber völlig anders. Ich setz mich jetzt nicht mehr mit meiner Gitarre vor mein Aufnahmegerät und muss dann einen Song schreiben, denn das funktioniert nicht bei mir. Das würde zwar auch gehen, aber das würde man dann hören, weil die Leidenschaft fehlen würde, die ich eigentlich noch habe. Wenn für mich eine Platte abgeschlossen ist, das heißt ich mach die Studiotür zu, sie ist gemixt, gemastert, die Interviews sind gemacht und wir fangen vielleicht gerade mit der Tour an - kurz danach sitz ich eigentlich schon wieder hier, und sammel Ideen. Momentan hab ich die Gitarre schon vielleicht drei oder vier Wochen nicht mehr in der Hand gehabt, aber wenn das zum Beispiel mit den Interviews dann mal alles rum ist, und man nimmt die Gitarre wieder in die Hand und dudelt irgendwas, dann kommen die Ideen einfach wieder und es kommt zum Beispiel ein cooles Riff. Und sowas nehm ich dann auf, zum Beispiel auf meinem Smartphone, einfach um die Ideen zu speichern. Es kann auch passieren dass ich beim Einkaufen bin und mir plötzlich eine Idee kommt - dann summ ich das da rein, ganz egal ob da jetzt fünfzig Leute um mich rum sind oder nicht. Und diese gesammelten Ideen setze ich dann irgendwann zu Songs zusammen, und das funktioniert gut, weil ich dann genug Ideen habe und der kreative Druck einfach nicht da ist. Ich hab dann irgendwann so viele Ideen zusammen, dass es dann locker reicht, eine Platte mit guten Songs zu komponieren. Wenn ich dann wieder eine Platte gemacht habe, fliegen die alten Ideen weg, ich suche mir also nur das Beste davon raus. Ich hab jetzt lediglich noch ein Instrumental übrig das nicht mehr auf die Platte gekommen ist, welches ich aber auf jeden Fall noch aufnehmen werde - allerdings erst, wenn ich einen Gastgitarristen dafür gefunden habe, so eine Art Duell zum Beispiel, ich weiß es aber noch nicht genau.

Das Line-Up ist mittlerweile ja ein wirklich eingespieltes Team, das scheinbar wunderbar funktioniert. Worin liegt das Geheimnis einer konstanten Bandkonstellation?

Axel Rudi Pell: Bei uns ist es halt nicht so, dass wir alle im gleichen Ort wohnen und drei oder vier Mal die Woche proben, denn sonst würden wir uns wahrscheinlich früher oder später tierisch auf den Sack gehen. Ich denke auch, dass das der Grund dafür ist, warum sich viele Bands, die räumlich ziemlich dicht aufeinander hocken, irgendwann mal zoffen und oft kein drittes oder viertes Album mehr überleben, weil sie sich auflösen. Bei uns funktioniert das deshalb, weil jeder mit dem anderen eigentlich gut Freund ist; wir mögen uns und haben Respekt voreinander. Wir freuen uns zum Beispiel richtig, wenn wir uns mal wieder treffen, zusammen proben und dann auf Tour gehen. Es ist aber dann auch wieder gut, wenn die Tour vorbei ist und jeder geht wieder in seine eigene Richtung, denn die Zeit auf Tour ist einfach sehr intensiv. Die Intensität wäre aber verloren, wenn man sich ohnehin drei bis vier Mal die Woche treffen würde. Und darin liegt wohl das Grundgeheimnis dieses Line-Ups, welches eben auch musikalisch wirklich super funktioniert.

Nun hast du ja wirklich nur erfahrene Topmusiker in der Band - wünschst du dir dabei manchmal einen Partner, der die Songs zusammen mit dir schreibt? Jeff Scott Soto hat ja damals beispielsweise auch einige Lyrics verfasst.

Axel Rudi Pell: Jeff hat damals in etwa ein Drittel der Lyrics übernommen, richtig. Ich hatte den Johnny am Anfang, als er bei "Oceans Of Time" dazu kam, auch gefragt, ob er auch Lust hätte Lyrics zu schreiben, aber das hat er gleich verneint. Er mag es nicht so sehr, Lyrics zu schreiben, und er meinte auch dass ich das viel besser kann, da er allein aufgrund seiner Herkunft gar nicht den Background dafür hat. In den USA gibt es einfach eine ganz andere Kultur, und Johnny kennt da nun mal keine alten Schlösser und Burgen und so was. Und ich kann andererseits auch keinen epischen und düsteren Song schreiben, in dem es dann aber um kalifornische Beachgirls geht. Deswegen mach ich das nun lieber.

Ihr geht demnächst auch wieder auf Tour. Was können wir da erwarten? Ihr habt beispielsweise zwischen 2003 und 2007 hin und wieder mal so ein kleines Akustik-Set eingebaut, wo ihr alle zusammen vorne an der Bühne gesessen habt, alle mit Gitarre und Mike an den Bongos. Wird es sowas in der Art wieder geben?

Axel Rudi Pell: In der Form, wie wir das damals gemacht haben, also zwei drei Songs hintereinander akustisch zu spielen, kann ich mir das momentan nicht vorstellen. Wir werden aber sicherlich den neuen Titelsong live spielen, und da kommen ja zu Beginn auch Akusitik-Gitarren zum Einsatz. Das werde ich dann aber schon alleine spielen, ich muss nur noch sehen, wie wir das etwas umarrangieren können, damit ich dann schnell von der akustischen auf die elektrische Gitarre wechseln kann. Ich hab zwar auch noch eine andere Idee im Kopf, aber dazu kann ich leider noch nichts sagen, weil ich noch nicht weiß ob es funktionieren wird. Ist also noch nicht wirklich spruchreif.

Wir lassen uns einfach mal überraschen. Auf deinen letzten Touren hast du auch immer hier bei uns in Aschaffenburg einen Abstecher ins Colossaal gemacht, welches aber bei deinen Auftritten fast aus allen Nähten geplatzt ist. Ist das der Grund dafür, dass du diesmal stattdessen in Langen spielst und nicht in Aschaffenburg?

Axel Rudi Pell: Ja, definitiv. Ich hatte zwar auf der vorletzten Tour in Aschaffenburg zwar ein paar Probleme mit dem Monitor-Mann und dem Bühnenpersonal und hab da auf der Bühne etwas rumgeschrien, was natürlich nicht so schön war. Allerdings hab ich mich dafür, wenn auch erst ein paar Monate später, bei ihm entschuldigt und es war eigentlich alles wieder ok, aber als wir das letzte Mal dort gespielt haben, hatte er dann doch einen Tag Urlaub, er war also wohl doch noch etwas angepisst. Aber daran liegt es nicht, für uns ist die Halle inzwischen einfach zu klein geworden. Gerade im hessischen Bereich, im Frankfurter Raum, haben wir lange nach einer geeigneten Halle gesucht. Früher gab es ja noch die Hafenbahn (absoluter Kultladen, R.I.P. - Jukebox), in welcher wir die vorletzte Show überhaupt gespielt haben, wenn ich mich recht erinnere, aber die gibt's ja nun nicht mehr. Und jetzt haben wir eben die Stadthalle in Langen entdeckt - keine Ahnung warum da für uns vorher noch keiner drauf gekommen ist. Das gleiche Problem haben wir ja auch in der Zeche in Bochum, nur haben wir da eben immer das Glück, dass wir da gleich ein paar Tage hintereinander spielen können, sonst wäre die für uns auch zu klein. Die Zeche ist hier in Bochum einfach Kult. Die gibt's glaub ich seit ca. 1981, und wir haben mit STEELER auch schon 1981 oder '82 dort gespielt. Daher ist das einfach Kult. Ich weiß nicht ob wir genauso viele Leute ziehen würden, wenn wir irgendwo im Ruhrpott in einer anderen Halle spielen würden. Zudem ist Bochum einfach meine Heimat, und deswegen kommen da eben auch recht viele.

Die Hälfte der Leute wird entsprechend wohl auf der Gästeliste stehen, oder?

Axel Rudi Pell: Nein, eben nicht! Wir haben da eine strikte Beschränkung, und das habe ich auch immer den anderen Bandmitgliedern, der Crew usw. gesagt. Wir haben hier in Bochum so viele Freunde und Bekannte, die können wir einfach nicht alle auf die Gästeliste setzen. Daher sage ich den Leuten immer, dass sie lieber in irgendeiner anderen Stadt zur Show kommen sollen, auch wenn sie dafür etwas weiter fahren müssen. Aber anders geht das eben nicht, sonst wäre die Gästeliste wirklich zu voll und das können wir nicht machen.

Du hattest vor ein paar Monaten mal ein Kamerateam bei dir zu Hause, welches bei dir ein schönes Video gedreht hat. Dabei ist mir deine große CD-Sammlung aufgefallen. Hast du da noch einen Überblick drüber?

Axel Rudi Pell: Ich hoffe, dass die Kameras inzwischen alle abgebaut sind und ich nicht heimlich beobachtet werde. (lacht) Ich hab da zwar noch einen Überblick drüber, aber ich kann sie inzwischen leider nicht mehr so sortieren, dass meine RAINBOW- und DEEP PURPLE-Bootlegs zeitlich hintereinander geordnet sind, obwohl ich inzwischen dafür schon einen Extra-Schrank habe. Aber der ist eben auch schon voll und so weiß ich nicht mehr wie ich das sortieren soll. Das ist wirklich furchtbar, irgendwie brauch ich da mal ein neues System. Vielleicht bekomm ich sie irgendwie mal an die Decke oder so. (lacht)

In deiner Dankesliste zu "Oceans of Time" hast du folgende Zeile geschrieben: "Thanks to all my musicians for working their butts of to make me having a big house and a Ferrari soon." Das große Haus konnte man in dem Video sehen, aber wie sieht es mit dem Ferrari aus?

Axel Rudi Pell: (Lacht wieder) Von Ferrari bin ich inzwischen weg, ich fahr einen Audi R8, den find ich auch relativ cool und fast noch besser als einen Ferrari. Da hab ich sozusagen deutsche Qualitätsarbeit. Das war damals natürlich auch eher ein Scherz.

Das war schon klar, aber man muss ja mal nachfragen. Auf deinen Gitarren hast du ja auch hinten gerne mal einen Ferrari-Aufkleber drauf.

Axel Rudi Pell: Oh ja, das stimmt. Das sind meine alten Gitarren aus den 90ern, da sind die Aufkleber noch drauf.

Verfolgst du denn die Formel 1 noch? Du warst ja mal ein großer Fan von Michael Schumacher.

Axel Rudi Pell: Nein, eigentlich gar nicht mehr, oder nur noch ganz wenig. Seit Schumacher von Ferrari weg ist, ist das eigentlich nicht mehr so mein Ding. Er fährt zwar jetzt wieder in der Formel 1 bei Mercedes, aber in den letzten Jahren hab ich, wenn es hochkommt, vielleicht zwei Rennen gesehen.

Ok, wieder zum Business: Im Promoschreiben zur neuen Scheibe steht drin, dass dein Plan schon bis 2017 steht. Das ist eine lange Zeit, was liegt denn da alles an?

Axel Rudi Pell: Ich hab da mit der Plattenfirma einfach mal locker oder grob darüber gesprochen, in welchem Jahr wir in etwa was veröffentlichen können. Wir brauchen da einfach einen groben Rahmen, damit wir das entsprechend mit den anderen planen können. Mike ist ja zum Beispiel auch viel mit TARJA und anderen Projekten unterwegs, und da braucht man einfach einen ungefähren Plan, in welchem zumindest das Jahr einer neuen Scheibe drin steht, damit man dann auch entprechend beispielsweise das Studio buchen kann. Die nächste "Ballads" ist so grob zum Beispiel für 2017 geplant. Dazu kommt auch die Geschichte mit den Festivals: Große Festivals wie das Sweden Rock, Wacken oder Rock of Ages werden meistens mitgefilmt, und danach kommen die Anfragen, ob wir das Material für eine DVD haben wollen. Wenn du da dann sagst "Ja, vielleicht. Mach mal", dann machen die sich einen riesen Aufwand, was auch eine Menge Kohle kostet, und am Ende merkt man dann, dass man das Zeug gar nicht braucht, weil die letzte DVD erst eineinhalb Jahre alt ist. Und um so was zu vermeiden, hat man den ungefähren Plan und weiß dann, in welchem Jahr wieder an eine neue DVD gedacht werden kann.

Das letzte Live-Album ist ja nun auch schon zehn Jahre alt. Steht denn da mal wieder eins an?

Axel Rudi Pell: Nein, ist eigentlich nicht geplant. Es ist allgemein bekannt, dass Live-Alben nur ca ein Drittel von normalen Alben verkaufen. Man macht Live-Scheiben zwar nicht nur, um möglichst viel zu verkaufen, sondern sollte schon regelmäßig sowas anbieten. Aber wir hatten ja zumindest bei der "The Crest" - Deluxe Edition eine Bonus-CD dabei, welche eine komplette Show enthielt, von daher seh ich dafür momentan keine Veranlassung.

Und wie sieht es mit einer zweiten Cover-Scheibe aus? In einem anderen Interview hast du mal gesagt, dass du dir sehr sicher bist, dass es da einen Nachfolger geben wird. Bist du dir da heute immer noch so sicher?

Axel Rudi Pell: Ich selbst bin mir da schon noch sehr sicher, aber ob die Plattenfirma da auch so sicher ist, weiß ich nicht. Die Verkäufe von "Diamonds Unlocked" waren für meine Verhältnisse extrem schlecht. Es sind zwar trotzdem so an die 20.000 davon verkauft worden, aber für die Plattenfirma war das eben nicht so der Renner. Im Verhältnis dazu haben wir zum Beispiel von "The Crest" bereits ca. 42.000 verkauft, und "Oceans Of Time" steht irgendwo zwischen 60.000 und 70.000. Es gibt immer wieder mal Platten, die etwas weniger akzeptiert werden, wie zum Beispiel auch "Tales Of The Crown", die irgendwo bei 24.000 liegt. Das schwankt also immer etwas, ich müsste sie also eventuell ein bisschen dazu überreden, mal sehen. Ich hätte aber auf jeden Fall Spaß dran.

2014 hast du ja 25-jähriges Jubiläum. Ist dafür etwas Besonderes geplant?

Axel Rudi Pell: Es ist was in Planung, aber ob das wirklich so realisierbar ist, weiß ich noch nicht. Ich möchte eventuell eine richtig große, fette Jubiläumsshow machen, so ähnlich wie es DORO vor ein paar Jahren gemacht hat. Wer da dann aber alles teilnehmen soll, das weiß ich noch nicht. Spruchreif ist da also noch gar nichts.

Ok Axel, dann mal vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch! Nach ein paar letzten Worte an unsere Leser sind wir auch schon durch.

Axel Rudi Pell: Ja, ich hoffe dass die neue Scheibe allen so gut gefällt wie dir und mir, wir sehen und alle hoffentlich auf Tour und können hoffentlich noch viele Jahre gemeinsam frohlocken! (lacht)

Vielen Dank, wir sehen uns in Langen!

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