Interview mit Ben von Thanateros

Ein Interview von Krümel vom 29.07.2008 (9135 mal gelesen)
Ben Richter, Kopf der Gothic Metaller THANATEROS, stand mitten in der Produktion zum neuen Album "Liber Lux" geduldig Rede und Antwort

Ben, vielen Dank, dass ich Dich wieder mal (nach dem Interview Ende 2006) mit ein paar Fragen löchern darf!

Ben: Aber gerne doch – nur zu...

Was mich und auch sicherlich die anderen Fans von THANATEROS am brennendsten interessiert: Wann dürfen wir mit dem Release des Nachfolger des 2005er Albums "Into the Otherworld" rechnen?

Ben: Die CD wird frühestens im November 2008 und spätestens im Januar 2009 erscheinen.

Warum müssen wir solange darauf warten? Zunächst hattet ihr ja bereits im März 2007 mit den Aufnahmen begonnen, die aber dann unterbrochen wurden. Was ist geschehen, dass fast ein Jahr bis zu dem Neustart im Studio verging?

Ben: Im März 2007 haben wir lediglich Demos der Songs aufgenommen. Die eigentliche Produktion begann dann planmäßig Ende März diesen Jahres. Der Grund dafür, warum nach der letzten CD soviel Zeit verstrich, bis wir ins Studio gingen um "Liber Lux" einzuspielen ist, dass wir intern einige Änderungen vornehmen mussten.

Als neueste Mitglieder stießen ja Drummer Simon Rippin (ex-FIELDS OF THE NEPHILIM und ex-NFD) und Bassist Daniel Lechner (ex-LACRIMAS PROFUNDERE) zur Truppe. Wie ergab sich die Zusammenarbeit mit diesen beiden Musikern und was war schließlich der ausschlaggebende Grund (sowohl für Dich als für Simon und Daniel selbst), dass sie feste Bestandteile von THANATEROS wurden?

Ben: Nachdem wir uns 2007 von unserem alten Drummer verabschiedeten, waren wir auf der Suche nach einem neuen Schlagwerker. Da wir ja bereits des Öfteren mit NFD unterwegs waren und uns blendend mit den Jungs verstanden, fragte ich einfach bei Simon an, ob er sich vorstellen könnte, das neue THANATEROS Album einzuspielen. Er war sofort Feuer und Flamme. Während der Aufnahmen merkten wir dann schnell, dass wir die gleichen Vorstellungen und Ansichten bezüglich Musik und Business haben. Da er auch sehr vom neuen THANATEROS-Stil angetan und gerade bei NFD ausgestiegen war, brauchte es nur noch ein paar Bierchen und er war mit dabei... Bei Daniel lief es ähnlich. Nachdem der alte Bassist untergetaucht war und jegliche Kontaktaufnahme Fehl schlug, mussten wir uns nach einem Ersatz umsehen. Wir kannten Daniel von ein paar gemeinsamen Gigs. Auch er war ja gerade bei LACRIMAS PROFUNDERE raus. Ihm gefielen die Songs, wir verstanden uns bei den Aufnahmen prächtig und schon war er mit an Bord... Zu beiden kann ich nur sagen, dass es schön ist festzustellen, dass es noch professionell arbeitende, motivierte und fähige Musiker gibt. Gerade nach den doch sehr enttäuschenden Erfahrungen hinsichtlich einiger ehemaliger THANATEROS Mitglieder. Ich habe selten so engagierte und professionelle Musiker erlebt!

Wie gestalteten sich für Dich/Euch die Aufnahmen zur neuen Scheibe? Gibt es eigentlich so etwas wie einen Studioalltag? Oder kommen da auch des Öfteren kleine oder größere "Katastrophen" vor?

Ben: Da der Großteil der THANATEROS Mitglieder ja über ganz Europa verteilt ist, blieb uns nichts anderes übrig als "etappenweise" aufzunehmen. D.h erst war Simon für ein paar Tage da, dann kam Daniel, dann die "Iren" usw. usf. Wir waren also zu keinem Zeitpunkt mal alle zusammen im Studio. Bei Maxe und mir, die wir die ganze Zeit über vor Ort waren, lief dann alles relativ routiniert ab: Gegen 10:00/11:00 Uhr ging's los, zwischendurch mal ein kurzes Päuschen, dann weiter bis ca. 18:00/19:00 Uhr. Abends saßen wir dann meist noch für ein paar Bier zusammen. Katastrophen gab es zum Glück nicht wirklich welche... Die größte Katastrophe war, dass das Drum-Set, welches wir für Simon anmieteten nicht schwarz war, wie er sich gewünscht hätte, sondern CHAMPAGNE SPARKLE... Ach ja, auch die Höhe der Bierrechnungen kann man durchaus als katastrophal bezeichnen...

Die bist ja sozusagen der Kopf von THANATEROS. Setzt Du da eher Deine eigenen Vorstellung um bzw. durch? Oder haben die Anderen ein Mitspracherecht?

Ben: Es ist schon so, dass ich die Fäden in der Hand halte, zumal ja das gesamte THANATEROS Konzept auf meinem Mist gewachsen ist. Allerdings wäre ich ja blöd, wenn ich mich nicht um die Meinung der anderen kümmern würde. In der letzten Zeit hat es sich ergeben, dass sich Maxe immens einbringt, viele gute Ideen hat und zur Entwicklung der Band beiträgt. Es ist seit Bestehen der Band das erste mal so, dass jeder mit der Aufgabenverteilung zurecht kommt und es keinerlei Neidereien gibt oder hinter dem Rücken abgelästert wird. Es macht also gerade richtig Spaß...

Das Album wird den Namen "Liber Lux" tragen, was soviel heißt wie "Buch des Lichts". Was hat es mit diesem Titel auf sich? Wovon handelt dieses magisch anmutende Buch?

Ben: Wie der Titel schon sagt geht es um Licht. Das Licht unserer keltischen Vorfahren, das Licht magisch-schamanischer Erfahrungen und das Licht ganz persönlicher Erkenntnisse. Da Licht aber nur durch die Dunkelheit erfahrbar ist, geht es natürlich auch um den Gegenspieler des Lichts. Der Name selbst stammt aus dem Einweihungshandbuch des IOT "Liber Null". Es ist das erste Kapitel dieses Werks.

Stammen die Songs allein aus Deiner Feder? Oder waren bereits die neuen Mitglieder an den Kompositionen beteiligt? Von wem oder was wurdest Du (bzw. wurdet ihr) inspiriert?

Ben: Die Songs wurden wie jeher von mir geschrieben. Allerdings hat natürlich jeder die Möglichkeit seinen Stil in das Stück mit einzubringen. Gerade Maxe hat den Metal-Faktor herausgearbeitet. Und natürlich Simon am Schlagzeug – was der spielt ist einfach unglaublich. Musikalisch inspiriert werde ich von Vielerlei. In erster Linie natürlich von einer Vielzahl von Bands die mir gefallen. Die Bandbreite reicht hier von modernen Metal Bands über Indi-Rock Bands bis hin zu Irish-Folk Gruppen. Da bei mir aber meist Musik und Inhalt als Einheit entsteht, sind es oft auch die Textideen die mich zur Musik bringen.

Netterweise hatte ich die Möglichkeit, bereits vier Vorab-Mixe anhören zu dürfen. Dafür herzlichen Dank! Das Material wirkt insgesamt härter und metallischer, was ihr ja auch schon im Vorfeld vorhergesagt hab. Wie kam es dazu? Hat sich dies beim Songwriting einfach so entwickelt oder war das von vorne herein Deine Absicht?

Ben: Ich denke, dass THANATEROS sich das erste mal so anhört, wie es von Anfang an gedacht war. Der Sound der vorherigen CDs ist doch stark von den Vorstellungen des Produzenten geprägt bzw. mussten wir uns den Möglichkeiten unterwerfen, die wir hatten. Diesmal haben wir die Produktion selbst in die Hände genommen. Natürlich kommt dazu, dass sich auch die Songs wesentlich besser auf eine härtere Art umsetzen haben lassen, als viele Stücke auf den Alben zuvor. Eine weitere Rolle spielt dann sicherlich die neue Besetzung, die genau auf den Stil der neuen Songs zugeschnitten ist.

Ebenfalls der Gesang ist zwar immer noch sehr melodisch, jedoch wesentlich rauer ausgefallen. Wolltest Du damit die dunklere Atmosphäre betonen? Musstest Du dafür sehr an Deiner Stimme arbeiten oder ist Dir diese Facette nicht neu?

Ben: Nein, damit hatte ich keine Problem. Wer uns live kennt, weiß, dass diese Art zu singen eigentlich normal für mich ist. Ich habe einfach versucht alle Facetten meiner Stimme herauszukehren. Insgesamt ist die neue CD damit auch wesentlich näher an unserer Live-Spielweise dran. Wer uns bei einem Konzert hört und sich die neue CD kauft wird sicher nicht sagen, dass sie zu soft ist...

Kannst Du uns ein wenig zu den einzelnen Vorab-Songs sagen. Um was geht es z.B. bei 'Ardour of Will'? "Ardour" bedeutet ja Begeisterung oder Eifer.

Ben: "Ardour" bedeutet zudem "Glut" – also die Glut des Willens. Dieser Song ist im Endeffekt ein Aufruf sich von Doktrinen und Ideologien zu befreien, die uns aufgedrängt werden. Auch wenn man dadurch eventuell verteufelt und als verdammt angesehen wird. Aber da dies ja von denen kommt, mit denen man nicht konform läuft, kann man darauf sogar stolz sein.

Dort hört man zwischendurch so eine Art Beschwörungs"gesang". Was hat es damit auf sich? Welche Sprache ist das?

Ben: Ganz recht. Es ist eine alte aus dem Mittelalter stammende Beschwörungsfomel, die aus dem Baskischen Raum stammt.

Auch 'Cairn', das man bsp.weise mit Hügelgrab übersetzen kann mutet vom Titel her bereits mystisch an. So singst Du im Refrain von einem sterbenden Zeitalter... Welches ist gemeint?

Ben: Bei 'Cairn' geht es um das vergangene Licht unserer keltischen Vorfahren. Inspiriert wurde ich durch die Beschreibung der Zerstörung des letzten großen Heiligtums der Kelten durch die Römer in Manda Scotts Buch "Boudica".

'Illumination' ist mein persönlicher Favorit und meines Erachtens nach das vielschichtigste der vier Lieder. Es hat zunächst einen groovenden und rockigen Grundrhythmus, der fast "leicht" wirkt. Der ruhige Part klingt fast magisch, doch der Refrain kracht so richtig straight aus den Boxen.

Ben: 'Illumination' wird wohl der Opener von "Liber Lux". Wie Du schon sagst ist er sehr vielschichtig und so wird der Hörer gleich darauf eingestimmt, was ihn erwartet.

Zwar kenne ich die Playlist des Albums nicht, jedoch finde ich, 'No more pain' würde sich perfekt als Schlusstrack eignen, da er etwas getragener und melancholischer wirkt. Er hat sowas endgültiges... Wo wird er auf "Liber Lux" zu finden sein?

Ben: Wenn man nur die vier Songs kennt, würde das wahrscheinlich passen. Auf dem Album wird er allerdings relativ weit vorne zu finden sein. Also an dritter oder vierter Stelle.

Zum guten Schluss: Was wünschst Du Dir für THANATEROS in der Zukunft?

Ben: Dass wir die Möglichkeit haben so oft es geht live zu spielen. Und dann natürlich, dass die neue Scheibe gut ankommt, sie unzählige male verkauft wird und ich mir dann endlich ein Schloss in Schottland kaufen kann…

Bleeding4metal und ich im Besonderen wünschen Euch viel Erfolg und sagen nochmals herzlich Danke für das Interview!

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