Interview mit Moritz und Marosch von Layment

Ein Interview von JoS vom 17.04.2007 (8469 mal gelesen)
Nach einer erfolgreichen Releaseparty gaben sich Drummer Moritz Schuster und Sänger Marian "Marosch" Schmidt die Ehre um mit mir ein ein wenig über das Debüt und die Releaseparty zu quatschen

  So, 3 Bier und 4 Tequila nach Konzert Ende sitz ich nun endlich Backstage, Marosch (Schmidt/voc.) trägt schon wieder einen total beschissenen Hut und wieder trinken gerade das Matrix Bier, damit es nicht schlecht wird. So, also ihr habt euer Debütalbum herausgebracht, sprich: Ihr schafft es nicht nur Liveaufzutreten und davon Demoaufzeichnungen zu publizieren, nein, ihr schafft auch ganze Alben. Wie zufrieden seit ihr im großen und ganzen mit der Albumsleistung?

Marosch:   Geil, ne, hat Spaß gemacht, Reviews sind super, besser als je erwartet. Die anderen Reaktionen sind auch alle super, die Leute konnten heute alles mitsingen, selbst Dinge die sie noch nie gehört haben können, weil sie nagelneu sind.

Moritz:   Also wir sind gespannt auf die Reaktionen der Fans, weil wir die ja noch nicht haben, da das Album heute zum ersten Mal verkauft wurde. Die Reaktion der Presse ist einwandfrei, da sind wir hunderprozentig zufrieden mit. Aber natürlich, wir haben "Traces“ schon in der Tasche, unser nächstes Album. Wir werden Ende des Jahres ins Studio gehen und das Album aufnehmen und haben heute auch schon einige Songs gespielt und so zufrieden, wie wir mit "Declaration“ sind, würd ich sagen: Da geht noch was!

  Also, ihr habt, wenn ich mich recht erinnere, über zwei Jahre an dem Ding aufgenommen, oder?

Moritz:   Naja, nicht ganz, 1 ½ Jahre. Eigentlich ja nur zwei Wochen, das dann aber über fast zwei Jahre. Das muss man wirklich so sagen. Was eine Milliarde Gründe hatte, vielleicht zehn, die man benennen kann...

Marosch:   Ein paar davon hießen Euro mit Vornamen...

Moritz:   ...Ja, definitiv, einige hießen Euro mit Vornamen, andere Arbeit mit Nachnamen, viele auch Organisation.

Marosch:   Es war einfach verdammt schwierig das alles so auf die Reihe zu kriegen, und im Endeffekt hat es geklappt und die Reifezeit hat im Endeffekt viel dazu beigetragen, dass das Album so ausgereift ist, wie es jetzt ist!

Moritz :  Was ich jedenfalls mal gerne klarstellen möchte, ist dass in den Medien ja oft gesagt wird, LAYMENT gibt’s seit elf Jahren, hatte also eine lange Reifezeit und so weiter. Was man aber ganz klar sagen musst ist, LAYMENT war eine Band, oder ein Projekt, ein Spaßdingen von jungen Leuten, die erst einmal Musik machen wollten und das hat sehr gut funktioniert, hat sehr viel Spaß gemacht und damals waren die meisten Leute, die heute LAYMENT ausmachen noch nicht mit dabei und dann wurde aus verschiedenen Gründen ad acta gelegt und im Endeffekt wurden LAYMENT erst vor knapp vier Jahren wieder ins Leben gerufen und seit dem werden große Sprünge gemacht und LAYMENT gibt es eigentlich schon seit elf Jahren, aber eigentlich kann man nicht sagen, dass das Album elf Jahre gereift ist.

Marosch:  Nein, definitiv nicht. Man muss sagen, dadurch, dass wir jetzt in einer ‚neuen’ Konstellation sind, sind ganz neue Stile und Einflüsse hinzugekommen, ganz neue Arten Musik zu machen. Ich zum Beispiel, als Sänger, bin jetzt erst seit vier oder fünf Jahren dabei und habe da eine ganz andere Vorstellung was ich an mich für Forderungen stellen kann, was ich von meinem Gesang erwarten kann. Songwriting generell. Dementsprechend sieht das was wir jetzt machen natürlich etwas anders aus, als das was wir früher gemacht haben. Dazu muss man auch sagen, dass LAYMENT früher zwei Sängerinnen hatten, nacheinander. Die männlichen Vocals sind also mit mir erst in die Band gekommen. Von daher hatten wir dort einen sehr starken Umbruch vor vier Jahren und wir hatten uns auch von vorneherein alles aggressiver und straighter zu machen...

Moritz:   ...es sollte einfach ins Ohr gehen. Man kann sagen, dass LAYMENT eigentlich drei oder vier Band Namen hätten haben sollen, sie hießen am Anfang auch VALORENEN, hätten eigentlich noch mehrere Bandnamen haben können. Nur LAYMENT sind irgendwie immer LAYMENT geblieben und trotz aller Line Up und Stilwechsel, weil es halt eine Sache von sehr jungen Leuten gewesen ist, die halt immer älter geworden sind, musikalisch und menschlich gereift sind, LAYMENT bleib trotzdem LAYMENT. Und so haben wir auch einen alten Song auf dem Album. ‚Armies’ ist von 1999, sogar noch älter, von vor 1999. Der ist uralt und trotzdem noch geil. RockHard sagt, das ist der Totalausfall. Egal, wir finden es geil. Es halt live Laune gemacht, alle singen ‚No one can save us’ (Refrainzeile des Songs – red.) und wir haben Spaß. RockHard findets scheiße, wir findens gut und auf dem Album sind auf jeden Fall zwei bis drei Songs, die aus dem letzten Jahrtausend stammen. (lacht)

  Seien wir dankbar, dass wir im Millenniumszyklus aufgewachsen sind, so können wir behaupten, Songs aus dem letzten Jahrtausend zu haben. So, es war ja gewünscht, dass ich kein Konzept für dieses Interview habe, also dachte ich mir, ich mache es wie mit meinem Leben und renn vollkommen Konzeptlos drauf los.

Marosch:   Am besten du tippst das alles Wort genau ab, total authentisch. Mit so ein paar extra ‚Ähs’. Äh, äh, äh, äh (klingt in dem Moment wie eine Robbe)

  Apropos Einflüsse. Ich weiß ja von einem deiner Brüder, ich weiß nicht mehr welchem, ich verwechsle die ja immer wieder. In zwischen hab ich’s zwar drauf, aber das war davor. Auf jeden Fall weiß ich, und ich denke, da bist du mit eingeschlossen, dass ihr sehr viel mit JETHRO TULL aufgewachsen seit. Kommt also aus dem alten, progressiven Rock.

Marosch:   Nicht nur progressiv, kann auch nur Rock sein. Zum Beispiel ANIMALS, DEEP PURPLE und natürlich JETHRO TULL. JETHTO TULL waren Muttermilch, ich war mit elf auf meinem ersten JETHRO TULL Konzert, viel SANTANA. Mein Vater hat selbst eine Radiosendung, in der er Rock aus seiner Zeit präsentiert. Aus dem letzten Jahrtausend (allgemeines Gelächter). Klar ist man damit großgeworden, aber Einflüsse gibt es auch andere.

  Ich weiß von dir, zum Beispiel, dass du auch Hardcore hörst.

Marosch:   Ja, auch. Ich hör alles (lacht).

  Armies’, zum Beispiel, hört man ja ne ziemlich starke Powermetal Seite.

Moritz:   Das kann man so nicht sagen. Der Haupteinfluss für LAYMENT ist immer LAYMENT. Aus dem original Line Up ist nur Tobi (Schmidt/git. – Red.) übrig geblieben, der Rest kannte aber LAYMENT auch vorher schon.

Marosch:   Die meisten Leute standen im Publikum.

Moritz:   Also ich war 1999, richtiger Die-Hard Fan. Ich war immer in der ersten Reihe, bei jedem Konzert. Und wenn man dann im Proberaum sitzt und grade mal keine Idee kommt, dann sagt man so: „Hey, da war doch dieses geile Stück von damals!“ und betrachtet das dann von einer anderen Seite und kommt dann doch zu einem Song, der einem echt gut gefällt. Dementsprechend ist der Haupteinfluss von LAYMENT halt LAYMENT...

Moritz:   Ich möchte an dieser Stelle bemerken, dass wir uns nicht nur selbst kopieren. Wir schreiben auch viele neue Stücke, aber der Stil LAYMENT ist natürlich bei uns drin. Ich bin zum Beispiel total kontrastgeil, also ich mag Kontraste. Und man wird bei uns immer Kontraste finden. Sei das nun die Strophe im Powermetal und der Refrain, im, äh, keine Ahnung. Du wirst Kontraste finden. Du hast nen Stück, dass wird offiziell als Powermetal geführt, es ist aber nicht bloß purer Powermetal. Ich hasse Schubladendenken.

  Das ist ja an eurem Album sehr interessant. Es ist ja, im Prinzip, ein Faustschlag gegen alle Schubladendenker. Ich war ja auch schon sehr amüsiert, als ich eure Promo bekam und auf der Labelbeilage Dark-Power Metal las. Weil: 'Crossroads’ ist nen Vikinglastigersong, 'Wake up’ ne Hardrockballade.

Moritz:   Mein Vorschlag für nen T-Shirt wäre ja, der wurde aber Bandintern nicht angenommen, wäre METAL!

Marosch:   Wir könnten das ganze Contrastic-harmonic and epic Metal fistfuck nennen.

  Wäre das nicht mal eine Idee für eine EP: Einfach alle Stilistika aufs Cover?

Marosch:   Problem! Wir sind da schon relativ vielfältig. Ich denke das Ziel dieser Vielfältigkeit ist einfach, sich nicht einschränken zu lassen. Kommt jetzt jemand an und meint: "Das ist aber Powermetal.“, dann sagen wir: "Ja und?“. Oder es kommt jemand und meint: "Das ist aber modernern, Corelastiger.“, dann sagen wir: "Na und?“ Wir machen uns da selbst keine Grenzen. Wenn es natürlich ein Stück gibt, welches nicht zu uns passt, das nicht zu LAYMENT passt, das uns einfach nicht gefällt oder wir sagen : „Das ist zwar geil, aber das sind nicht wir.“, dann ist das nicht LAYMENT, aber die meisten Stücke die wir schreiben sind LAYMENT...

Moritz:   ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass alles, was wir schreiben, LAYMENT ist!

  Das heißt, ihr sortiert gar nicht aus, sondern wir kriegen jeden scheiß zu hören, den ihr je verzapft habt?

Moritz:   Joa, aber das wird sich ändern. Wir haben jetzt schon 14 Stücke und auf dem Album werden 12 Song erscheinen, sprich: Euch bleiben zwei schlechte Songs erspart... (lacht)

  Das heißt dann wahrscheinlich auch, dass wenn ihr in höhere Plattenregionen aufsteigt es irgendwann eine Bonusedition des zweiten Albums geben wird mit ‚Hidden-schlechten-Track’?!

Moritz:   Ja genau. Nein! Wir würden ja gerne eine Doppel-CD machen...

Marosch:   ...mit DVD-Digi-Pack und ausklappbarem Drachen.

  Moment mal, Drachen sind nicht euer Gebiet.

Marosch:   Stimmt, das war ja deins. (lacht)

Moritz:  Wobei, es gab damals den LAYMENTsong, wie hieß er noch?

Marosch   'On Dragons Wings’. Und es gibt ‘Metal Queen’ (geben seltsame Geräusche von sich). Wie du siehst gibt es auch Songs von früher, die wir nicht wieder aufgreifen

Moritz:   Und das aus durchaus gutem Grund.

Marosch:   Es ist natürlich so, dass wir unserem Stil treu zu bleiben versuchen und das fällt uns eben sehr leicht, weil wir in diesem Stil auch schreiben.

 Sehr interessant an der Entwicklung ist auch, ich mein, ich kenne euch seit Januar 2006.

Marosch:   Wir kennen uns doch nicht erst 1 ½ Jahre JoS. Ich weiß nicht, wann ich dich das erste mal Richtung Klo getragen hab (Lange Geschichte – Red.), aber das ist schon länger her.

  Wie auch immer, ich würde sagen wir kennen uns nun seit 1 ½ Jahren und ich muss an dieser Stelle feststellen, an deiner Gesangsleistung hat sich sehr, sehr viel getan. Vor allem was die gutturalen Shouts angeht, die haben sich sehr stark verändert, die Stimme ist rauer geworden, du singst nicht mehr nur Musical auf der Bühne.

Marosch:  Hehehe, Vergangenheit ist Vergangenheit, und die lässt man ruhen. Natürlich, ich habe früher Musicals gemacht und es ist natürlich klar, dass man dann erst einmal einen Werdegang durchleben muss von „Ich möchte das das unbedingt schön ist“ bis zu „Leck mich, ich sing das wie ich da bock drauf hab.“.

  Ich denke mal, diese Musical Vergangenheit ist gar nicht schlecht. Ich kenn das ja von mir, man singt im Proberaum und hat da keinen Problem den Ton zu halten und dann steht man auf der Bühne und macht nen bisschen Mätzchen, schon gibt’s ein Problem. Beim Musical muss man ja eh beides können.

Marosch:   Ich würde niemals behaupten, das meine Musicalausbildung schädlich gewesen wäre. Natürlich ist das in einer gewissen Art und Weise untrue. Aber hey, ich war jung. Aber ich hatte Spaß dran gehabt und genauso mach ich jetzt diese Musik.

  Wo seht ihr denn jetzt persönlich die Zukunft von LAYMENT? Es gab da ja vor Kurzem die Diskussion ob es einen Underground als solchen gibt. Ich, als Musiker, kann auch verstehen, dass die Bands da rauswollen. Denn einerseits ist Musik ein ziemlich teures Hobby, andererseits möchte man ein gewisses professionelles Level halten. Wie seht ihr das?

Marosch:   Wir machen natürlich keine Musik um Geld zu verdienen und wir spielen auch gerne kleinere Hallen.

Moritz:  Es geht primär darum, dass wir uns sehr darüber freuen, wenn wir viele Leute erreichen und viele Leute daran Spaß haben. Das war heute super, es war toll, dass 500 Leute hier standen und unsere Musik abgefeiert haben. Wir fahren aber auch wieder ins Lux in Ratingen und spielen vor 50 Leuten und das ist auch in Ordnung.

Marosch:   Man ist eine Band und gehört zu dieser Musikszene und ob man den Underground nun verlässt oder nicht, ist mir persönlich, vollkommen egal.

Moritz:   Es wäre cool wenn einige Leute die CD kaufen würden und ein wenig Kohle übrig bleibt, sodass wir die nächste Scheibe noch besser produzieren können und eine noch bessere Bühnenshow machen können, denn Equipment und Techniker, die kosten alle Geld und wenn das Geld dafür da wäre, dann wäre das schön und wenn nicht, dann ist das auch in Ordnung.

Marosch:   Ich weiß auch nicht, ob man den Underground jemals verlässt. Selbst wenn ich wahnsinnig berühmt werden sollte, würde ich wahrscheinlich immer noch die gleichen Jugendzentren Konzerte besuchen, weil mir das einfach total gefällt. Auch mit den Bands, vor allem bei uns aus der Umgebung, zusammenzuarbeiten und die mir die jungen Bands anzugucken. Wir haben in Herne eine große Musikszene auch an Underground- und kleinen Bands, aber auch größeren Bands. Und ich möchte mich von so was nie distanzieren.

  Ihr habt da ja heute auch ein wichtiges Statement gesetzt in dem ihr sozusagen die Creme de la Creme des Underground eingeladen habt und es ist ja auch erstaunlich voll geworden. Bei DAMAGED JUSTICE (spielten um 17.30 Uhr – Red.) waren es schon ca. 70 Leute.

Moritz:   Das waren mehr, bei DAMAGED JUSTICE waren es schon über 200 Leute, bei uns über 500. Insofern war das ein wichtiges Statement. Wir brauchen keine Band, der man 2000 € in den Rachen schieben muss. Es gibt auch Bands in eurer Umgebung, die auch gut sind, und es sind viel Leute gekommen und genau das war der Plan.

  Anschließend verlor man sich noch in Fachgesprächen über den Underground im Ruhrgebiet. Danke an LAYMENT so far.

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