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Interview mit Jochen von Mirror of Deception

Ein Interview von Krümel vom 24.10.2006 (6004 mal gelesen)
Kurz nach Veröffentlichung des neuen Albums "Shards" stand uns Gitarrist Jochen Fopp der Doom Metal Band MIRROR OF DECEPTION für einige Fragen zur Verfügung

  Was die wenigsten wissen, MIRROR OF DECEPTION bestehen bereits seit 16 Jahren. Wie kamt ihr damals auf die Idee, eine Doom Metal Band zu gründen?

Jochen:   Es gibt uns zwar seit 1990, aber so richtig los ging es erst 2001, als das erste Album erschien. Die ganzen Demos und die erste Mini-CD, welche wir in den 90ern veröffentlicht haben, drangen kaum über Insiderkreise hinaus. Den Anlass dazu, eine Doom Metal Band zu gründen lieferten uns unter anderem Candlemass als gemeinsame Lieblingsband und die Erkenntnis, dass das, was da aus unseren Verstärkern tönt am Besten in der Doom Schublade aufgehoben ist. Zudem bin ich einfach ein melancholischer Mensch.

  Wie seht ihr euren Weg/die Karriere aus heutiger Sicht?

Jochen:   Es war und ist ein langer und steiniger Weg und es wurde uns wenig geschenkt. Aber ich würde rückblickend nur wenig ändern, selbst wenn ich die Chance dazu hätte. Denn gerade die ganzen Hindernisse, Rückschläge und Umwege haben uns, so frustrierend sie auch bisweilen waren, entscheidend geprägt und zu der Band und den Menschen gemacht, die wir heute sind.

  Von der Urbesetzung von damals sind nur noch Michael und Jochen dabei. Habt speziell ihr beide seither immer euer Ding durchgezogen?

Jochen:   Ja, wir beide waren stets die treibenden Kräfte in der Band. In kreativer Hinsicht waren auch die anderen Mitglieder immer involviert, in der aktuellen Besetzung mehr denn je. Aber gerade was Planung, Organisation, Kontakte und das ganze Drumherum angeht hatten immer wir beide die Zügel in der Hand.

  Sind MIRROR OF DECEPTION heute das, was ihr immer sein wolltet?

Jochen:   Würde ich schon sagen, sogar weiter. Wir haben unseren eigenen Stil gefunden und das findet Anerkennung. Zudem sind wir in der glücklichen Lage, regelmäßig neue CDs veröffentlichen zu können, bekommen Zuspruch aus aller Welt und konnten mittlerweile in 10 europäischen Ländern auftreten. Das ist mehr, als wir uns erhofft hatten und vielen Bands jemals vergönnt ist.

  2002 hast Du, Michael, neben der Gitarre auch den Gesang übernommen. Wirst Du auch in Zukunft weiter für die Vocals verantwortlich sein oder gab/gibt es Überlegungen, einen anderen Sänger zu verpflichten?

Jochen:   Nein, es gibt keine Pläne, einen weiteren Sänger oder überhaupt ein weiteres Bandmitglied aufzunehmen. Mein jüngster Vorschlag, einen Xylophonisten fest in die Band zu integrieren wurde sogar recht barsch zurückgewiesen. Wir haben mit Josef (Schlagzeug und Gesang) noch eine zweite Stimme und sind glücklich in dieser Konstellation.

  Es gibt relativ wenige Doom Metal Bands aus Deutschland. Woran könnte das eurer Meinung nach liegen?

Jochen:   Der Eindruck täuscht, denn im weltweiten Vergleich hat Deutschland eine sehr gesunde und aktive Doomszene. Ich könnte Dir aus dem Stand 20 oder mehr Bands aufzählen. Aber nur wenige davon können regelmäßig Tonträger veröffentlichen oder haben die Möglichkeit, so in der Presse präsent zu sein, wie wir das momentan sind. Daher nimmt man den Grossteil der Bands außerhalb der eingeschworenen Anhängerschaft leider kaum wahr. Aber ich mach es jetzt einfach, denn sie haben alle mehr Öffentlichkeit verdient: Ahab, Arbor Ira, Beehoover, Black Shape of Nexus, Bring Out Your Dead, Cold Embrace, Dawn of Winter, Doomshine, Doomthrone, Dreaming, Dust, Earth Flight, Extorian, Gorilla Monson, Grief of God, Low Mans Tune, My Shameful, Ophis, Spancer, Subversion, The Last Supper, The Walruz, Tortured Spirit, Versus The Stillborn-Minded, Voodooshock, Weed In The Head, Well of Souls, Wytchcraft und ich habe bestimmt noch einige vergessen. Viele davon findet man mit etwas Internetrecherche und die meisten auch auf MySpace.com oder MP3.de.

  Seit Anfang Oktober ist die neue Scheibe "Shards" auf dem Markt. Die Lyrics zu den Songs basieren teilweise auf Literatur Lovecrafts und Jack Londons. Wer ist bei euch für die Texte verantwortlich?

Jochen:   Es gibt keinen alleinigen Hauptschreiber bei uns, wir alle steuern Texte bei.

  Wie entstehen die Ideen zu den Songs?

Jochen:   Das ist von mal zu mal unterschiedlich, manchmal spielt man einfach so vor sich hin und plötzlich entwickelt sich daraus etwas oder man verspürt ein bestimmtes Gefühl, das man musikalisch auszudrücken versucht. Noch vorhandene Songlücken werden von den Kollegen ergänzt und mitunter entwickelt sich ein Stück dann auch mal in eine andere Richtung, als ursprünglich vorgesehen.

  In eurem Special "In eigenen Worten" beschreibt ihr die Texte der Songs ein wenig. Warum wollt ihr aber z.B. den Buchtitel, auf dessen Zeilen 'Frozen Fortune' basiert nicht nennen?

Jochen:   Weil das Buch letztlich keine Rolle spielt. Die Parallele wurde uns erst im Nachhinein klar und das war in dem Special etwas missverständlich ausgedrückt. Ansonsten bringt den Text die gelieferte Beschreibung „es geht um die komplette Zerstörung eines Lebens durch menschliche Dummheit und Ignoranz. Trotzdem ist es keine Aufforderung, sich geschlagen zu geben; im Gegenteil.“ auf den Punkt.

  Welches Lied auf "Shards" ist eurer Meinung nach das beste und aus welchem Grund?

Jochen:   „Ghost“, weil das Stück alles vereint, was Mirror of Deception ausmacht. Mächtige, schädelspaltende Riffs, wunderschöne Gitarrenharmonien, ein pumpender Bass, der nicht nach hochgestimmter Maultrommel klingt, detailreiches Getrommel im doomtypischen Klumpfußtempo und emotionaler, mitunter zweistimmiger Gesang. Und das alles wird gekrönt von einem grimmigen Text.

  Wenn ihr euer Werk im Nachhinein betrachtet: seid ihr mit allem zufrieden? Oder schließt man mit der Veröffentlichung einer Arbeit die Gedanken darum ab und lässt es einfach "sein"?

Jochen:   Wir sind sehr zufrieden und denken, dass wir das Bestmögliche herausgeholt haben. Man findet im Nachhinein natürlich immer Details, die man hätte besser machen können, aber das geht sicherlich jeder Band so. Eine Aufnahme ist stets eine Momentaufnahme und mitunter entwickelt sich der Song später noch weiter. Wenn man ihn zum Beispiel oft bei Konzerten auf der Setliste hat und eines Tages merkt, dass man ihn auch etwas anders spielen könnte oder hier noch eine Gitarrenmelodie, ein Trommelschlag, ein Basslauf oder eine zusätzliche Gesangslinie die Nummer bereichern würde.

  Welche Pläne hat die Band für die nahe Zukunft? Wird es evtl. außer den diversen Releaseparties eine richtige Tour geben?

Jochen:   Es gab nur eine Releaseparty am 20.10. in Göppingen, die anderen Dates sind reguläre Konzerte, wo wir mal Hauptgruppe, mal Vorgruppe sind und ganz unterschiedliche Spielzeiten haben werden. Es gibt Überlegung zu einer Tour im ersten Halbjahr 2007, aber da ist noch nichts spruchreif. Desweiteren ist es geplant, im Frühjahr einige exklusive, neue Songs für eine Split-LP mit den finnischen Doomern Garden of Worm, sowie unser "Ode" Cover für einen Bathory Tribute aufzunehmen. Und es laufen gerade auch erste Gespräche bezüglich einiger Gigs in England und Irland.

  Von Jochen weiß man, dass er auch der Veranstalter vom "Doom Shall Rise"-Festival ist. Was machen die anderen 3 Leutchen in der Band sonst beruflich?

Jochen:   Das Doom Shall Rise oder auch die Band sind bei weitem nicht so gewinnbringend, als dass ich meinen regulären Job dafür an den Nagel hängen könnte. Ich möchte das ehrlich gesagt auch gar nicht, denn das schafft Abhängigkeiten und zwingt irgendwann zu faulen Kompromissen. Wir haben tagsüber im öffentlichen Dienst, im Pflegebereich, in der IT Branche oder als Student zu tun.

  Verbringt ihr als Band gemeinsam viel Zeit miteinander, oder geht ihr in der Freizeit dann eher getrennte Wege?

Jochen:   Wir wohnen recht verstreut und haben abseits von Proberaum und Auftritten auch unterschiedliche Lebens- und Arbeitsrhythmen, daher gibt es neben der Band wenige gemeinsame Aktivitäten. Ab und an trifft man sich eben zu Parties, geht mal in die Kneipe oder besucht gemeinsam Konzerte.

  Welche Musik / Bands mögt ihr selbst gerne? Wer sind eure Vorbilder?

Jochen:   Wirkliche Vorbilder, denen wir nacheifern oder die wir nachahmen wollen gibt es nicht. Die persönlichen musikalischen Vorlieben sind breit gefächert und es würde Dir bestimmt jeder von uns andere Favoriten nennen. Ich habe derzeit die neuen oder noch aktuellen Scheiben von Celtic Frost, Harms Way, Necrophobic, Slough Feg, Red Sparowes und Solitude Aeturnus auf dem Einkaufszettel stehen.

  Gibt es etwas, dass ihr noch loswerden wollt, was hier noch nicht gesagt wurde?

Jochen:   Wer sich für ehrlichen, ungekünstelten Metal ohne Trendanbiederung interessiert, sollte uns mal eine Chance geben und selbst reinhören, gerade auch wenn ihr um Doom bisher immer einen Bogen gemacht haben solltet. Ihr könntet etwas verpassen!

  VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW!!!

Jochen:   Wir haben zu danken. Stay slow.

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