Interview mit Die gesamte Band von Perchta

Ein Interview von ReviewRalle vom 06.07.2024 (4932 mal gelesen)
Frau Percht und ihre Mannen nahmen sich die Zeit, ein paar Fragen unter anderem zum Werdegang der Band sowie zum aktuellen Album "D'Muata" zu beantworten.

ReviewRalle: Hallo PERCHTA, ich freue mich sehr, mit euch ein Interview führen zu können, danke! Vorab möchte ich euch noch zu eurem bärenstarken Album "D'Muata" beglückwünschen. Es war mir eine Freude, es für Bleeding4Metal zu rezensieren.

Frau Percht: Vielen lieben Dank, die Freude liegt ganz bei uns!

ReviewRalle: Ihr seid gerade dabei, euch in der hiesigen Black Metal-Szene zu etablieren. Möchtet ihr euch unseren Lesern, die euch noch nicht kennen, bitte einmal vorstellen? Wer und was steckt hinter PERCHTA?

Frau Percht: Vorerst enstand PERCHTA als Projekt. Durch die inspirierenden Einflüsse, die uns hier in den Bergen Tirols umgeben, war es ein Leichtes, sich einfach tragen zu lassen und die Sagengestalt der Percht neu zu interpretieren und zu vertonen. 2017 verbrachten Fabio und Julia dann viel Zeit im Studio und kreierten über zwei Jahre unser Debütalbum "Ufång". Loda/Chris Knoll (ASPHAGOR/AGRYPNIE) stieß 2019 zu uns und vervollständigte als Gitarrist die Preproduktion. Max Egger (ASPHAGOR) verfeinerte das Schlagzeug und Theresa Wopfner kreierte im Studio die atmosphärischen Hackbrett- und Zither-Parts. Seit Anfang 2021 formierte sich dann die Band um Frontfrau Frau Percht, Bassist Walscher/Fabio D'Amore und Leadgitarrist Loda/Chris Knoll mit Håscht/Simon Schnückel (LICHTSPIELHAUS) am Schlagzeug, Gsell/Lukas Massinger (LICHTSPIELHAUS) an der zweiten Gitarre und Moosmandl/Christian Höll (VINSTA) am Hackbrett.

ReviewRalle: Eure Musik ist recht einzigartig und selbstständig, dennoch habt ihr sicherlich auch musikalische Einflüsse. Welche Künstler beeinflussen PERCHTA am meisten?

Gsell: Wir haben bewusst versucht, unsere eigene musikalische Linie zu finden. Durchaus hört man Parallelen aus uns prägenden Projekten im Folk/Black Metal-Bereich. Dabei kommt man unweigerlich auf Bands wie zum Beispiel LUNAR AURORA, DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT oder unsere Freunde von DORNENREICH.

ReviewRalle: Auf eurem Debütalbum habt ihr, Fabio und Frau Percht, ja noch zu zweit agiert. Wie kam es dazu, dass die Band um vier weitere Mitglieder gewachsen ist? Wie verlief das Songwriting zum Album? Mit einer sechsköpfigen Band stelle ich mir als Laie den Prozess im Vergleich zum Vorgänger, wo ihr eben noch ein Duo wart, deutlich komplexer vor.

Frau Percht: Es war eine unglaubliche Bereicherung, gemeinsam an "D'Muata" zu arbeiten. Durch zwei intensive Songwriting-Sessions, unter anderem auf einer abgeschiedenen Alm, konnten unvergessliche Momente geschaffen werden. Durch die tiefe Freundschaft, die uns verbindet, funktioniert die musikalische Umsetzung wie ein Uhrwerk, in dem ein Zahnrad ins andere greift. Eine wunderschöne Erfahrung. Neben dem kreativen Prozess kann ich mit Stolz auf fünf ausgezeichnete Musiker blicken, die dieses feministische Manifest mit mir tragen und zu 100% hinter mir stehen.

ReviewRalle: Die Musik auf "D'Muata" hört sich so an, als käme sie aus tiefstem Herzen, zumindest empfinde ich das beim Hören so. Ein Album ist ja immer eine Herzensangelegenheit, aber hier fühlt es sich noch einmal persönlicher an, geht es euch da ähnlich? Hat hier dein Beruf und Erfahrung als Hebamme einen großen Einfluss gehabt?

Frau Percht: Absolut. Dieses Album ist geprägt von Liebe, Freundschaft und tiefstem Vertrauen. Als Musikerin oder Musiker befindet man sich während des Schaffensprozesses immer in einer sehr vulnerablen Phase. Meiner Meinung nach kann man nur über Themen schreiben, die in einem was regen und auslösen. So war es auch im Fall von "D'Muata". Einige Inspirationen gewann ich selbstverständlich aus meinen eigenen Erfahrungen und Empfindungen als Mutter, Frau und Hebamme - sei es die mikrofonierte Geburt meines Sohnes in 'Ausbruch', der 'Wehenkanon', der mich bereits seit meiner Studienzeit als Geburtsmantra begleitet, oder der tiefe Auseinandersetzung mit der eigenen Mutterrolle im Titelsong 'D'Muata'. Andere Themen griff ich aus Gesprächen oder dem Weltgeschehen auf.

ReviewRalle: Werdet ihr das große Thema des Frau-Seins mit all seinen Facetten auf zukünftigen Alben noch weiter behandeln? Ich kann mir vorstellen, dass hierzu noch nicht alles gesagt ist.

Frau Percht: Von Anfang an gab es bereits drei fertig ausgearbeitete Albumkonzepte für PERCHTA, teilweise schon mit Texten und Melodien. "D'Muata" war der zweite Schritt auf unserem Weg - ein für mich unglaublich wichtiger. Im dritten Abschnitt werden wir einen anderen Zyklus behandeln und uns anderen Themen widmen.

ReviewRalle: Habt ihr schon Pläne für ein neues Album, wenn ja, gibt es Informationen, die Ihr Preisgeben könnt?

Frau Percht: Zu diesem frühen Zeitpunkt ist es uns nicht möglich, darüber zu sprechen.

ReviewRalle: Ihr hattet schon die Möglichkeit, Konzerte in Frankreich und Mexiko spielen zu dürfen. Ist das für euch noch mal ein anderes Gefühl, als vor einem deutschsprachigen Publikum aufzutreten?

Frau Percht: Mexiko war leider eine herbe Enttäuschung, da es gar nicht dazu kam. Das Festival wurde leider abgesagt. Frankreich war dafür umso spannender. Am Cernunnos Pagan Festival in Paris hatten wir nicht nur unser Frankreich-Debüt, sondern auch unseren "In Nomine Matris Tour"-Auftakt. Diesen zelebrierten wir in vollen Zügen inklusive Backstage-Band-Tattoo des "Schwesternschåft"-Symbols. Das gibt noch mal mehr Einblicke in unsere Band-Dynamik, auf die wir wirklich äußerst stolz sind und die, wie ich finde, bei jedem Live-Auftritt zu spüren ist. So auch in Frankreich, in Holland oder Deutschland. Es geht nicht darum, das Gesungene zu verstehen, es geht vielmehr darum es zu fühlen. So erkennen wir in allen Menschen vor unseren Bühnen dieser Welt ehrfürchtige, ergriffene Gesichter und haben das verbindende Gefühl, eins zu sein in diesem besonderen Moment.

ReviewRalle: Gibt es Länder oder bestimmte Konzerthallen oder Festivals, auf denen ihr unbedingt noch auftreten möchtet?

Frau Percht: Also ein großer Traum von uns wäre, Skandinavien zu erschließen. Egal ob Midgardsblot oder Inferno, Norwegen ist ein traumhaftes Land, das wir nur zu gern gemeinsam bereisen würden.

ReviewRalle: Fällt es euch schwer, die Setlist zusammenzustellen? Wie entscheidet ihr euch für die einzelnen Songs?

Håscht: Beim Zusammenstellen der Setlist wägen wir zwischen zwei Faktoren ab: Erstens, welche Songs sind am beliebtesten, also was wollen die Fans und Zuhörer auf jeden Fall hören? Und zweitens, welche Songs wollen wir unbedingt darbieten, weil sie uns am meisten am Herzen liegen und wir ihre Message gerne live präsentieren wollen? Es gibt ein paar Teile unserer Setlist, die nicht fehlen dürfen, so wie unser energetischer Opener, 'Ois Was Ma San', dessen Text und Message von unglaublicher Bedeutung ist für uns. Ebenso 'Hebamm' und 'Vom Verlanga', die wir nicht ohne Grund als Single-Auskopplungen gewählt haben. Natürlich dürfen auch ein paar Songs von "Ufång" nicht fehlen, auch das ist ein essentieller Teil der PERCHTA-Live-Performance. Alles in allem haben wir viel Zeit und Gedanken damit verbracht, die Setlist so zu gestalten, dass wir zufrieden damit sind, um unsere Live-Show für uns und unsere Zuhörer so eindrucksvoll und erfüllend wie möglich zu machen.

ReviewRalle: Wie zufrieden seid ihr mit der aktuellen Tour?

Frau Percht: Wirklich sehr. Wir sind unglaublich stolz und berührt, wie viel Aufmerksamkeit und positives Feedback "D'Muata" erhält. Auch in den Gesprächen mit den Leuten vor der Bühne wird uns bewusst, wie viel Wertschätzung uns zuteil wird. Wir schweben auf dieser wunderbaren Wolke und sind für jeden Moment dankbar, den wir mit PERCHTA erleben durften und noch erleben werden.

ReviewRalle: Was war für euch der bisher beste Gig und warum?

Frau Percht: Jedes Konzert barg etwas Besonderes. Es gab jedoch die ein oder anderen besonderen Momente, die wohl für die Ewigkeit in Erinnerung bleiben werden. Dazu zählt bestimmt unser Live-Debüt am Dark Easter Metal Meeting 2022 in München, die darauffolgende, grandiose Tour mit DORNENREICH 2022, das WGT in Leipzig 2023, wo wir das erste Mal vor mehreren tausend Leuten auftraten und natürlich nicht zu vergessen das "Heimspiel" in den Salzburger Bergen am House of the Holy 2023.

ReviewRalle: Einige von euch sind auch in anderen Bands involviert. Wie findet ihr die Zeit, in mehreren Bands gleichzeitig tätig zu sein?

Frau Percht: PERCHTA besteht aus mehr als sechs Bands - ASPHAGOR, VINSTA, LICHTSPIELHAUS, AGRYPNIE, WESEN, FIRTAN - um nur ein paar zu erwähnen. Jeder von uns spielt in mindestens einer weiteren Band. Es grenzt an ein Logistikwunder, diese Großfamilie managen zu können. Es bedarf eines hohen Maßes an offener Kommunikation, Transparenz und Vertrauen. Voller Respekt wird darauf geachtet, dass alles Platz hat, es zu keinen Terminkollisionen kommt und sich jeder und jede musikalisch weiterentwickeln und entfalten kann. Deshalb liegt uns Teambuilding innerhalb von PERCHTA so unglaublich am Herzen. Wir verbringen alle auch abseits von Bühne, Tourbus und Studio gern Zeit miteinander. Die Musik und die gleichen Visionen einen uns und wir genießen die gemeinsame Zeit.

ReviewRalle: Auf PERCHTA bin ich selber übrigens 2019 aufmerksam geworden, da ich mich ein bisschen mehr mit den Bandmitgliedern von SERENITY auseinandergesetzt habe, für die Fabio ja auch aktiv ist. Fällt es dir, Fabio, schwer, zwischen dem symphonischen Power Metal und dem Black Metal von PERCHTA zu wechseln und an Songs zu arbeiten? Was sind für dich die größten Unterschiede im Songwriting?

Walscher: Es gibt sicherlich einen großen Unterschied zwischen den Genres und der eigenen Zielgruppe und den Zuhörern, aber der musikalische Ansatz von meiner Seite ändert sich nicht. Letztlich stamme ich - musikalisch - aus keinem der beiden Genres, daher basiert mein Ansatz auf der Qualität der Musik, was auch immer das ist. Das Gleiche gilt für den Studio- und Live-Ansatz. Im Hinblick auf den Studioprozess ist das nicht schwierig, da die beiden Realitäten völlig unterschiedlich sind und der Kontext sich stark unterscheidet. Natürlich ist der Live-Ansatz anders, da es bei SERENITY eine spezifische Choreografie zwischen den Mitgliedern und in Bezug auf die Setlist-Änderungen gibt, da jeder von uns auf der Bühne singt. Bei PERCHTA liegt der Schwerpunkt der Aufführung stark auf der Atmosphäre, dem einzigartigen Erlebnis, das die Zuschauer erleben sollten, wenn sie vor der Bühne stehen und versuchen, das nachzuempfinden, was im Album festgehalten ist. Und natürlich singe ich nicht auf der Bühne, wodurch sich mein persönlicher Auftritt mehr auf meine Bassparts konzentriert. Der Prozess ist im Kern anders, denn bei SERENITY wird er vom Produzenten koordiniert, der für das jeweilige Album verantwortlich ist, und von den Musikern, die Ideen in einem Pool sammeln und dann das Material zusammenstellen und auswählen, um das Album zum Leben zu erwecken. Bei PERCHTA kümmerte ich mich um die Produktion beider Alben, und auch als Songwriter bin ich zusammen mit den anderen Mitgliedern von den ersten Ideen an involviert, sodass ich sehen kann, wie die Songs vom ersten Riff bis zum Ende wachsen während der Mastering-Sessions. Ich habe eine Sammlung von Ideen und Riffs und habe diese in Ordnern organisiert, einige gehen an PERCHTA, einige an SERENITY, andere dienen meinem Solo-Material.

ReviewRalle: Was sind eure privaten Lieblingsbands, die eurer Meinung nach mehr Aufmerksamkeit verdienen, gerne auch abseits des Metal-Kosmos?

PERCHTA: Danke für die Chance, ein paar großartige KünstlerInnen hier zu erwähnen: VOICES, PROGENIE TERRESTRE PURA, GRÀB, RORCAL, CONCRETE WINDS, WAXAMILION, VULNING und KOHLRABENSCHWARZ.

ReviewRalle: Zum Abschluss möchte ich euch die Chance geben, euch an eure Fans zu wenden und übergebe euch die letzten Worte. Danke für das Interview!

Frau Percht: Vielen Dank für die Möglichkeit auf diese interessanten Fragen. Wir lieben es, mehr Hintergründe zu unserem Schaffen preiszugeben. Viele Liedstrukturen oder Bedeutungen können somit besser verstanden werden und führen in Folge zu einem noch intensiveren Hörerlebnis. Danke an alle für das Teilhaben an unserer Kunst. "D'Muata" steht für die ganzheitliche Verbindung und so auch unser Leitfaden "Schuiterschluss da Schwestanschåft". In diesem Sinne: In Nomine Matris!

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