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Interview mit Ansgar (g.), Brenden (b.), John (v.) und Pete (d.) von Midnight Force

Ein Interview von Divine Victim vom 12.08.2020 (2302 mal gelesen)
Teil Eins: Unser Kollege Aidan hat sich in der Underground-Szene bereits in jungen Jahren ein beachtliches Social Media-Netzwerk aufgebaut. Daher lag es auf der Hand, ihm endlich den ersten Interviewjob für unser Mag zu geben. Wer seine (musik-)historisch fundierten Reviews kennt, weiß, dass er kein Freund von Oberflächlichkeiten ist und gerne in die Tiefe geht. Kein Wunder also, dass das lebendige Gespräch mit den schottisch-deutschen Epic Metallern MIDNIGHT FORCE, die er auch persönlich kennt und schätzt, etwas länger ausgefallen ist. Heute bekommt ihr den ersten Teil zu lesen, in dem ihr einiges über die Geschichte dieser talentierten Truppe, deren jüngste Releases und die gemeinschaftliche Arbeit an den Lyrics erfahrt. Viel Spaß! (gez. Blaze Breeg)

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"Gododdin"

Hallo Jungs, nach eurem fantastischen Debüt im Jahr 2018, welches besonders im Underground gepriesen wird, habt ihr einen ebenso epischen Nachfolger mit Verbesserungen auf der einen und neuen Herangehensweisen auf der anderen Seite abgeliefert. Viele sagen, dass er komplexer und ausgeklügelter ist, weswegen er mehr Umdrehungen auf dem Plattenspieler braucht als der Vorgänger. Was wolltet ihr mit "Gododdin" erreichen? Und was für einen Sound habt ihr angestrebt?

Ansgar: Vielen Dank für die freundlichen Worte. Im Großen und Ganzen würde ich dir zustimmen, dass "Gododdin" weniger eingängig ist, aber das ist einfach so mit dem Songwriting geschehen. Um ehrlich zu sein, erinnere ich mich daran, die Lieder gejammt zu haben, manche hatten wir sogar schon live gespielt, und ich hatte wirklich das Gefühl, dass sie sogar NOCH eingängiger als die alten sein würden. Aber man neigt, glaube ich, wenn man ein strahlendes neues Spielzeug hat, immer dazu zu denken, dass es doch so viel besser und leuchtender ist als die alten Sachen, die man schon hat. Also ich glaube nicht, dass wir es angepeilt haben, sondern dass es sich einfach so entwickelt hat. Generell hat man aber mit jedem ersten Album den "Luxus", die Songs ewig live zu spielen, bis man sich entscheiden muss, welche es auf das Album schaffen. Ab dem zweiten Album stellt sich dann so etwas wie ein "Zweckschreiben" ein, wobei die Lieder dann an Spontaneität einbüßen, aber an Komplexität gewinnen. (Kann durchaus ein angemessener Deal sein - der Autor) Allerdings gibt es auch Lieder von "Gododdin", wie 'Covenant' oder 'Parthia', die wir schon mindestens ein Jahr live gespielt hatten, während manche von "Dunsinane" gerade erst fertig aufgenommen wurden.

Brenden: Wir hatten immer geplant, ein Jahr zwischen dem zweiten und dritten Album vergehen zu lassen, somit hat die Quarantäne unseren Veröffentlichungsterminplan nicht wirklich beeinflusst. Jetzt werden wir aber sehen, welchen Einfluss die Extrazeit auf den Faktor "Komplexität versus Eingängigkeit" haben wird. Ich tendiere immer zu Letzterem, weil es live auch gut funktioniert, jedoch verkompliziert mein Instinkt Musik gerne, upps.

John: Also ich hab' schon immer Musik genossen, die außerhalb des Rahmens traditionellen Metals war - auf dem ersten Album wollten wir den Sound mit dem Titletrack etwas variieren und in "Gododdin" hatte es sich als natürliche Progression eingestellt, nehme ich an. Das und unsere Begierde, uns an unsere Grenzen zu treiben, resultierte dann auch darin, dass man in manchen Liedern Harmonien und Violinen wiederfindet.

Pete: Danke nochmals für die netten Worte! Ich gebe zu, dass ich die Aufnahmen von "Gododdin" mehr genossen habe als die von "Dunsinane", weil wir uns seitdem qualitativ als Band gesteigert haben und alle Lieder haben echt Spaß gemacht. "Dunsinane" hat einen echt spaßigen Vibe an sich, doch ich bin froh darüber, dass wir jetzt mehr einen Epic Metal-Style verfolgt haben. Vielleicht genieße ich Backing Vocals auch einfach zu sehr, haha!

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Von links: Brenden, Ansgar, John und Pete

Ein Blick auf die Lyrics

Nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich habt ihr einen kleinen Wandel vorgenommen. Während die Mehrheit der Lyrics auf "Dunsinane" von Fantasythemen handelte, geht es nun mehr um historische Ereignisse. Was hat euch zu der Entscheidung motiviert?

Brenden: Um ehrlich zu sein, denke ich, dass es auf beiden so ist. Ansgar hat zwei Lieder über Fantasyfilme und -bücher geschrieben und zwei weitere, von John und mir, basieren auf Fiktion. Ich würde sagen, der Hauptunterschied ist, dass ich mehr spezifisch mit der Geschichte in den "Gododdin"-Liedern bin. Ich habe weder Schauplätze noch Namen in den frühen Liedern genannt, sodass es weniger offensichtlich ist, worum sie gehen.

Ansgar: Ja, indem wir mit einer Geschichte aus dem Conan-Universum sowie der Highlander-Saga von Russell Mulcahy offensichtlich Bezug auf Fiktion genommen haben, haben wir vielleicht eher ein Fantasy-Feeling entwickelt. Und Lieder wie 'Down With The King' oder 'Witchfinder' sind, wie Brenden gesagt hat, über historische Themen, nur weniger spezifisch als zum Beispiel eine bestimmte Belagerung einer bestimmten Stadt. Mir gefällt ein gewisser Spielraum, damit der Hörer selber Interpretationen aufstellen kann, was ich selber auch mit 'In Lindisfarne It Lay' und 'Walls Of Acre' heraufbeschwören wollte - letztendlich sollten es aber zwei spezifische Ereignisse als Setting sein. Die Lieder auf dem nächsten Album werden irgendwo dazwischen liegen, also ist es wahrscheinlich ein unbewusster Prozess.

John: Ich persönlich wollte unbedingt einen Song über Piraten schreiben. Aber auch ich glaube, dass die Themen unserer Lieder das Ergebnis aus persönlichen Interessen und logischer Weiterentwicklung sind.

Pete: Als die uncoole Person, die sogar Geschichte studiert hat (Vorsicht, mein Freund! - der Editor Blaze Breeg), denke ich, wollte ich immer meine Begeisterung für Geschichte mit meiner Begeisterung für Metal verknüpfen. Auch weil es so viele tolle Geschichten aus der Vergangenheit gibt, die es alle verdient hätten, ein Lied über sich geschrieben zu bekommen! Ich mag es, uns selber als völlig überzogene Barden der heutigen Zeit vorzustellen.

Eine Sache, die mir persönlich besonders ins Auge sticht, ist, dass eure Lieder sich um weniger bekannte Ereignisse drehen. Warum habt ihr euch nicht dazu entschieden, wie ein paar gewisse Schweden, Lieder über gehypte und bekannte Inhalte, wie die Weltkriege, zu schreiben? Außerdem, wie sucht ihr die Ereignisse aus, über die ihr schreiben möchtet?

Brenden: Ich mag es, Leute auf neue Themen aufmerksam zu machen, über die sie normalerweise nichts lernen würden; da sind nie genug Lyrics in unseren Liedern, als dass sich einem das ganze Ereignis erschließen würde. So erhoffe ich mir zum Beispiel, dass sich Leute denken: "Oh Gododdin, davon hab' ich noch nie gehört" und dann das Thema nachschlagen, um selber etwas darüber herauszufinden. Ich hab' mich in der Vergangenheit schon an Texten über den Zweiten Weltkrieg versucht und obwohl alle Schlachten und Kriege, über die ich schreibe, blutig und elend sind, sind sie für mich zu aktuell und ich würde sagen, für mich zu nachempfindbar, als dass ich aus ihnen ein episch-heroisches Ereignis machen könnte - ungleich den schlammigen, grauenvollen, trostlosen Kämpfen, die sie wirklich waren. Um ehrlich zu sein, fällt mir gerade, wo ich das sage, auf, dass ich generell dazu tendiere, alles mit Schusswaffen zu vermeiden, was Texte über historische Ereignisse angeht. Schusswaffen machen einfach nicht so viel Spaß wie Schwerter, haha. Pete hat allerdings für das nächste Album einen Geschichtssong mit Geschossen geschrieben, also werdet ihr sehen, wie er dann damit umgeht. Jedoch ist dieser Song immer noch deutlich vor den Weltkriegen datiert.

Ansgar: Ich stimme Brenden zu, dass ich Schwierigkeiten habe, einen geschmackvollen und interessanten Weg zu finden, um diese Themen in MIDNIGHT FORCE-Texten zu verpacken. IRON MAIDEN haben es geschafft, einige gute Songs über beide Kriege zu verfassen; etwas in dieser Art könnte ich mir durchaus vorstellen, wie zum Beispiel 'Paschendale' oder 'Aces High' (ohne das Zitieren von faktischen Kriegsverbrechern).

John: Mir macht es Spaß, über all diese Ereignisse was herauszufinden! Die anderen wissen so viel mehr als ich, aber wenn ich etwas schreiben möchte, setze ich mich daran und recherchiere, denke darüber nach, was ich mit einfließen lasse oder auslasse und versuche, einfach sicherzustellen, dass alles verständlich und interessant ist.

Pete: Definitiv, ich habe Geschichte immer geliebt und ich liebe es, Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen. Musik ist dafür sicher ein guter Transmitter. Wenn du einen Typen nach einem Auftritt triffst, der dir sagt, dass er inspiriert wurde, ein historisches Ereignis nachzuschlagen, weil er es in einem deiner Lieder gehört hat, macht es einen sehr glücklich! (PARTHIAAA! - der Autor)

Inspirationsquellen

Etwas, das euch ausmacht, ist euer "frisch aus den 80ern"-Sound. Was sind eure Haupteinflüsse und welchen Sound habt ihr angepeilt, als ihr MIDNIGHT FORCE 2016 gegründet habt?

Brenden: Ah, damals war es die Idee, ziemlich geradlinigen NWOBHM zu spielen und ich hab' wirklich nur das geschrieben, wo ich gedacht habe, dass es mir live am meisten Spaß machen würde. Jedoch hätte ich damals nie gedacht, dass so viele Leute bei unseren Chorussen mitsingen würden. Ich bin früher via NWOBHM zur Musik gekommen, so ist es cool, endlich in der Lage zu sein, selber NWOBHM schreiben zu können.

Ansgar: Ja, als wir mit MIDNIGHT FORCE begannen, hatten wir einen generellen "NWOBHM"- und einen "frühe 80er"-Sound angepeilt. Die Epik in unserer Musik ist zwar mit unserem ersten MIDNIGHT FORCE-Song 'Crystal Talon' schon durchgeschienen, aber alles in allem haben wir uns eher als eine klassische 80er Heavy Metal-Band gesehen. Die Einflüsse hatten wir immer irgendwie im Hinterkopf - ich denke, man kann sie nicht abschütteln, wenn deine Lieblingsbands aus dieser Phase stammen. Aber ich schätze, dass wir unseren Blickwinkel etwas geändert haben. Zwischen unserer ersten EP und unseren Alben hat es sich von JUDAS PRIEST/ACCEPT mehr zu der MANILLA ROAD/WARLORD/CIRITH UNGOL-Seite des Spektrums hin entwickelt.

John: Ehrlich, wir mögen alle diese Art Sound und zu der Zeit gab es nicht so viele andere Bands, die wir kannten, die es gespielt haben, sodass wir uns entschieden haben, es einfach zu machen, weil das einfach wir sind. Tatsächlich haben wir es schon ein paar Jahre früher ausprobiert, nur ich war der Bassist und wir haben nie wirklich einen Sänger gefunden.

Pete: Als Drummer hab' ich den 80er-Sound schon immer geliebt, seitdem ich, als ich noch recht jung war, einen Haufen kitschiger AOR-mäßiger Bands auf einer Metal Compilation-CD gehört habe. Das hat mich dann zu vielen der 80er Hard Rock- und Heavy Metal-Bands geführt. Als wir erstmalig eine Band gegründet hatten, stand ich mehr auf Glam Metal und war nicht so vertraut mit dem klassischen NWOBHM-Sound wie die anderen in der Band. Ich gehe davon aus, dass ich immer noch etwas für den Drumsound von Glam Metal empfinde; ein großer markanter Snaresound, viel Hall und Toms, die Fenster klirren lassen. Ich persönlich fühle, dass der Sound der 1980er sehr gut zu dem Genre passt, welches wir anpeilen. Außerdem fühlt man sich sehr dem "späten 70er und frühen 80er"-Sound getreu, wenn man sein Album in einer alten industriellen Lagerhalle aufnimmt (wie wir es getan haben)!

Bandgeschichte

Drei Viertel von MIDNIGHT FORCE sind schottisch und ein Viertel deutsch. Wie habt ihr euch getroffen und im nächsten Schritt entschieden, eine Band zu gründen?

Ansgar: Ich habe in Glasgow studiert und alle drei Bandmitglieder an der Universität kennengelernt. Als erstes habe ich mit John gejammt, den ich durch meine "historisches Englisch"-Kurse und die Bandszene an der Uni kennengelernt habe. Wir hatten einen Bassisten und kurzzeitig einen zweiten Gitarristen, aber keinen Drummer. Pete trottete währenddessen über den Campus mit seinen Bruce-Dickinson-Gedächtnis-Bangs und einer Lederjacke. John erinnerte sich, dass er ein Musiker aus Edinburgh war, wo sie beide herkommen, und so haben wir ein Drama gefunden! Irgendwann gründeten wir DISASTER AREA, weil Pete und John auf Glam-/ Hair Metal standen, den ich ebenso mochte, und so spielten wir für ein paar Jahre viele Shows in Glasgow und Edinburgh. Leider haben wir es nie geschafft, den nächsten Schritt zu gehen, wie zum Beispiel eine Platte zu veröffentlichen oder weiter weg aufzutreten als Aberdeen. Der Bassist hörte irgendwann auf und Brenden stieß dazu. Zu diesem Zeitpunkt entschieden wir uns, dass es Zeit war, wieder von vorne zu starten, professioneller an die Sache zu gehen und der Rest, wie man so sagt, ist Geschichte. Innerhalb von vier Jahren haben wir in so vielen Ländern gespielt, zwei Alben veröffentlicht und uns einen Namen gemacht.

Brenden: Ja, ich war schon mit allen davor befreundet, aber als ich anfing, war ich möglicherweise der größte DISASTER AREA-Fan, haha. Ich habe immer in der ersten Reihe gestanden und habe bei allen Refrains mitgesungen. Das hat mich zum logischen Ersatzmann für die zwei Auftritte, die wir hatten, bevor wir unseren Namen geändert haben, gemacht. Ansgar und ich hatten uns schon an einem Epic Metal-Projekt probiert, bevor wir überhaupt zusammengespielt hatten, aber wir sind nicht richtig ins Songwriting reingekommen, ohne eine Band beziehungsweise einen Sänger im Hinterkopf zu haben.

John: Ich wollte mehr oder weniger eine Rock/Metal-Band starten und so habe ich in den örtlichen Bands und Metal-Gruppen nachgefragt ebenso wie an der Bar in der Studentenvereinigung - und um eine lange Geschichte kurz zu halten: ich hatte wahrscheinlich genug Rückmeldungen, um vier Fünftel einer Band zusammenzustellen. Es war unglaublich viel Glück, Pete zu treffen, denn ich wäre an diesem Tag fast nicht in die Richtung gegangen, in die ich gehen wollte, aber ich bin froh, dass ich es getan habe, denn dieses Gespräch hat sich ziemlich gut eingefädelt.

Pete: Ich glaube, beim ersten Mal, als ich Ansgar auf dem Campus gesehen hatte, dachte ich mir, der Typ und ich werden uns verstehen! Sehr wahrscheinlich habe ich den Standard-"Metalhead Move" gemacht und seine Patches auf seiner Jacke angeguckt und ihn als "passend" eingeschätzt! Ich kannte John aus der Vergangenheit in Edinburgh, aber wir hatten uns nicht gut verstanden - bis wir uns in Glasgow wiedertrafen (wahrscheinlich dem Fakt geschuldet, dass ich ein Idiot war, als ich ihn erstmals kennenlernte). Brenden stieß später zur Band dazu, als wir bereits befreundet waren und irgendwie wohne ich jetzt mit ihm zusammen!

"Vessel Of Darkness"

Vor kurzem habt ihr eine EP mit dem Titel "Vessel Of Darkness" veröffentlicht, was bietet sie uns? Wollt ihr uns etwas über das Endprodukt und den Entstehungsprozess erzählen?

Brenden: Nun, ich begann gerade mit der Idee für die beiden Bonustracks vor "Gododdin", nämlich 'Vessel' selbst, von Ansgar geschrieben, und eine irgendwie unvollendete akustische Version von 'Phantom Sea'. Die anderen beiden ursprünglichen Lieder, die ich mir ausgedacht hatte, sollten dann die etwas langsamere Demoversion von 'Doom Of Kiev' sein, die man dort hören kann. Und tatsächlich sollte das vierte Stück eine Zusammenarbeit mit einem Mitglied von KRAMP aus Spanien (tolle Leute) sein - das ist nicht zustande gekommen, aber wir haben immer noch die Idee, in Zukunft daran zu arbeiten. Während der Quarantäne habe ich also all meine Folk-Instrumente zusammengebracht, das Banjo, die Geige, die ich kaum spielen kann, meine achtsaitige Ukulele, die Konzertina und meine jahrzehntealte, verstimmte Familienblockflöte. Ich tat mein Bestes, all diese Instrumente über die originalen Gesangsspuren und einige Banjo/Akkordeon-Spuren und Gast-Geigen- und Flötenparts von einigen Freunden, die auf der ursprünglichen Albumversion in unterschiedlichem Maße im Hintergrund versteckt waren, zu legen. Ich und meine Mitbewohner fügten auch einige Gesänge hinzu, und am Ende beschloss ich, die akustischen Gitarren ganz herauszunehmen. Der bei weitem schwierigste Teil von allem war, meinen kleinen 20-Sekunden-Geigenpart im Intro halbwegs anständig klingen zu lassen, aber bisher hat sich niemand beschwert, also bin ich hoffentlich damit durchgekommen, haha. Der einzige andere neu aufgenommene Audio-Part auf der EP ist das Intro der Demo-Version von 'Doom Of Kiev'. Das war eine Idee, die ich für die Albumversion gehabt hatte, die ich aber damals aufgab, nachdem wir festgestellt hatten, dass wir kein Video für die Melodie machen konnten (zu viele Pferde) und dass sie nicht an erster Stelle auf dem Album sein würde, sodass ein Intro nicht wirklich den gewünschten Effekt hätte. Es sind etwa 90 Tonspuren von mir, auf denen ich schlecht ausgesprochenes altes Ostslawisch (die Sprache Kiews zur Zeit des Liedes) in verschiedenen Oktaven und Quarten und Quinten singe. Zu meiner Verteidigung könnte ich sagen, dass die Sprache seit Jahrhunderten tot ist, aber ich bezweifle, dass ich es so oder so richtig gemacht habe, haha. Es ist eine modifizierte Passage aus einem Epos dieser Sprache, der Erzählung von Igors Feldzug. Ich hatte verhängnisvoll klingende Sätze gewählt, um den Eindruck zu erwecken, als würde ein Chor in Kiew von seinem nahenden Untergang singen, wobei "Russkaya Zemlya" der Name der Kiewer Russen für ihr eigenes Land ist. Also das andere Lied, das wir draufgepackt haben, nachdem die Zusammenarbeit mit KRAMP nicht zustande gekommen war, ist eines, das die drei anderen gespielt hatten, bevor ich dazu gestoßen bin, von DISASTER AREA. Diese Band war viel mehr Glam/Hard Rock und spielte dieses Lied live als Ballade. Pete schrieb es jedoch und war irgendwie traurig, dass es nie mit DISASTER AREA aufgenommen wurde, also beschlossen meine und seine andere Band VISCERAL NOISE DEPARTMENT, eine Version davon während der Album-Sessions dieser Band aufzunehmen, wobei ich mein Bestes am Schlagzeug gab und Pete den Lead-Gesang übernahm und so viele Harmonie-Overdubs hinzufügte, wie er wollte. Diese Aufnahme existierte also einfach ohne wirkliche Pläne für eine Veröffentlichung, so schien die Verknüpfung mit DISASTER AREA wirklich gut auf diese EP zu passen, die sich im Allgemeinen sowieso sehr von den meisten MIDNIGHT FORCE-Veröffentlichungen unterscheidet.

John: Ich hab' ein zwei Scherze gemacht, um doch eine Folk-Version von 'Phantom Sea' aufzunehmen. Brenden, Pete und Mike (Petes Bruder - der Autor) haben eine Folkband namens THE TEUCHTEREERS (für Fans von Celtic Punk/Folk sehr zu empfehlen - der Autor) und ich sagte, sie sollen es ausprobieren und alles ist von dort an irgendwie eskaliert. Es ist wohl besser als das Original geworden! Den Leuten scheint es zu gefallen.

Pete: Ich hab' den Keyboard-Part auf 'Vessel Of Darkness' gespielt. Ich bin unglaublich stolz auf mich! Es ist eindeutig der beste Teil! Haha.

Neuer Stoff

Ich hatte die Ehre und das Glück, euch im März, bevor der ganze Wahnsinn losging, live in Oberhausen sehen zu können und ihr habt einen unveröffentlichten Song gespielt. Außerdem habt ihr uns über Social Media informiert, dass ihr bereits mit dem Songwriting für ein neues Album begonnen habt. Gibt es da etwas, das ihr uns über einen Nachfolger von "Gododdin" erzählen könntet? Auf was können sich Fans von MIDNIGHT FORCE gefasst machen? Oder habt ihr vielleicht noch andere spannende Pläne?

Brenden: Es war schön, dich dort zu treffen! Ja, wir hatten vor dieser Tournee drei neue Songs geprobt, zwei davon haben wir bisher live gespielt, einen bei diesem Konzert, und seitdem haben wir dank der Quarantäne einen ganzen Haufen zum Jammen bereit, wenn die Proben wieder erlaubt sind. Wir nehmen zehn Songs pro Albumsession auf (und wählen die acht aus, die am besten für das letztendliche Album geeignet sind), sodass, sobald wir anfangen, gemeinsam zu spielen, das nächste Album ziemlich schnell zusammenkommen sollte. Dies wird das erste Album sein, das wir seit Ansgars Rückkehr nach Deutschland geschrieben haben werden, also funktioniert das Songschreiben etwas anders, mit viel mehr eigenen Demos und dem Programmieren von Schlagzeugen, um uns gegenseitig Ideen zu geben. Daher wird es interessant sein, zu sehen, wie sich die Lieder von unseren eigenen kleinen Demos aus verändern.

Ansgar: Ja, Brenden hatte einen Haufen Songs geschrieben und Pete hatte auch einen neuen Song geschrieben, von denen wir zwei bereits live gespielt haben. Seitdem habe ich mit der Arbeit an neuen Tracks begonnen und Brenden hat noch mehr geschrieben ... Sobald wir endlich im selben Land/Proberaum sein können, werden wir eine Menge Arbeit haben, um zu lernen, wie man all diese Lieder spielt, haha. Dann - abhängig von Corona und mir, der in Deutschland lebt, sowie von jedermanns Arbeitsplan und so weiter - werden wir sehen, wie viele Auftritte wir spielen können, um einige dieser neuen Lieder zu performen und auszuprobieren ... Insgesamt wäre ich gerne optimistisch, dass wir unser "eine Veröffentlichung pro Jahr"-Credo beibehalten können, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand in der gegenwärtigen Krise sagen kann, wann dieses Album geschrieben, geschweige denn aufgenommen sein wird. Hoffentlich werden wir zumindest bis zum nächsten Jahr ein neues Musikvideo und einige neue Merchandise-Artikel herausbringen!

John: Die Dinge, die wir gejammt haben, liegen irgendwo zwischen dem Alten und dem Neuen, denke ich. Tatsächlich haben wir eines der Stücke live in Glasgow aufgeführt, und es schien gut anzukommen, also hoffe ich, dass das Album das auch tun wird.

Pete: Ja, es war ein fantastischer Auftritt! War wirklich gut, alle in Deutschland zu sehen! Es war nervenaufreibend, den unveröffentlichten Song zu spielen, weil wir nur sehr wenig Zeit hatten, daran zu arbeiten. Es fühlte sich ein bisschen wie der "Wir haben den Song vor fünf Minuten geschrieben"-Witz an! Wie die anderen Jungs schon sagten, es stehen viele tolle Projekte an, von denen wir hoffen, dass MIDNIGHT FORCE-Fans sie genießen werden. Es ist eine aufregende Zeit für uns!

Konzerterlebnisse

Also nächstes Jahr wird MIDNIGHT FORCE fünf Jahre alt. Welche Konzerte sind euch am meisten in Erinnerung geblieben? An welche Momente blickt ihr gerne zurück?

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Brenden: Ich glaube, wir alle mussten bei dieser Frage zweimal lesen, wow, fünf Jahre schon, da sollten wir uns wohl überlegen, wie wir das feiern können. Ich glaube immer noch nicht, dass wir den Veranstaltungsort in Glasgow, in dem wir bei unserem ersten Auftritt spielten, füllen würden, aber uns wird schon etwas einfallen. Die denkwürdigsten Momente sind für mich immer die besten und schlimmsten Momente der Tourneen, die alle Spaß machen, angefangen von den wunderbaren Zeiten, die wir bei unserem ersten Mal in Deutschland hatten, mit den netten Leuten in LIVERLESS, EXTRÄCT und LÄNDPHIL, über das vielleicht beste Konzert, das wir mit RABID BITCH OF THE NORTH in einem vollen Pub in Dublin gegeben haben, bis hin zu der Zeit, als wir alle bei unserem ersten Auftritt im Freien in Oldenburg einen Stromschlag von einem armen Physiklehrer bekamen, der wirklich sein Bestes für unseren Sound gab, während andere Mitarbeiter fehlten und die ganze Elektronik um ihn herum zusammenbrach. (bitte was?!? - der Editor Blaze Breeg)

Ansgar: Die Auftritte, die Brenden erwähnte, waren legendär! Auch die Reisen, die wir bisher unternommen haben, sind fast genauso wichtig wie die Auftritte. Wir versuchen immer, so viel wie möglich aus ihnen herauszuholen, zum Beispiel ein paar Tage extra zu verbringen, wenn wir die Gegend sehen können. Wir hatten das Glück, an einigen atemberaubenden Orten - wie Südfrankreich, Kreta oder Spanien - eingeladen zu werden, es wäre also schade gewesen, wenn wir dort nichts gesehen hätten. Das ist natürlich nicht immer möglich, aber wir versuchen unser Bestes, um etwas davon unterzubringen. Hoffentlich können wir eine große Jubiläumsveranstaltung organisieren, wenn diese Krise vorbei ist!

John: Es ist bizarr, wenn ich darüber nachdenke! Ich hatte damals größere Visionen, als wir DISASTER AREA machten. MIDNIGHT FORCE war für uns nur so ein bisschen Spaß, deshalb bin ich beeindruckt, dass es so weit gekommen ist! Das zeigt, wie weit man kommen kann, wenn man einfach das weitermacht, was einem im Leben wirklich Spaß macht - und ein oder zwei organisierte Leute hat, die natürlich auch wissen, was sie tun. (weise Worte; man merkt es euch wirklich an, dass ihr Spaß habt! - der Autor)

Pete: Es hat so viele großartige Shows gegeben, dass es schwer zu zählen ist! Ich persönlich spiele immer sehr gerne in Deutschland, da die Deutschen in einer Crowd immer gut sind; die Metal-Szene dort ist ausgezeichnet. Es ist immer schön, in Griechenland zu spielen, denn egal zu welcher Jahreszeit ich dorthin gehe, als Schotte ist da für mich immer Sommer! Im Oktober nach einem Auftritt im Meer schwimmen zu gehen, ist immer ein Pluspunkt! Wenn ich wählen müsste, habe ich Hamburg und Marseille von unseren Auftritten am meisten genossen! Hamburg war eines der größten Erlebnisse, und wir bekamen so viele positive Rückmeldungen von den Fans, dass es mir ins Auge sticht. Marseille war auch ein ziemlich großer Auftritt. Die Gegend war auch sehr schön, da wir auf dem Land in der Provence spielten. Vor einem Auftritt fühlt man sich immer gut, wenn die Kulisse gut ist!

Schlusswort

Das war der erste Teil des Interviews mit MIDNIGHT FORCE. Im zweiten Teil hat das engagierte Quartett Fragen zu den Themen Corona und Politik in Bezug auf den Metal beantwortet. Macht euch bereit für spannende Meinungen, politische Fakten sowie moralischen Zwiespalt. Keep It True!

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