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Interview mit Lenny von Endseeker

Ein Interview von Eddieson vom 21.09.2019 (902 mal gelesen)
Vor wenigen Tagen erschien "The Harvest", das zweite Album der Hamburger Death Metaller ENDSEEKER und das erste der Band für Metal Blade. Sänger Lenny und Gitarrist Ben nahmen sich etwas Zeit, um mit mir über ihr neues Werk zu sprechen.

Moin in den Norden! Es ist der Montag nach eurer Releaseparty. Wie geht es euch?

Lenny: Moin! Ich kann noch gar nicht richtig in Worte fassen, was da am Samstag passiert ist. Eine unfassbare Show war das! Das ist mir bewusst geworden, als ich vor Beginn draußen saß und noch ein bisschen Luft schnappen wollte. Was da an Leuten vor dem Knust stand. Einfach unglaublich. Die Show war intensiv in jeder Weise. Aus meiner Perspektive könnte ich mich jetzt mit Superlativen austoben, aber seriöser wäre es wohl Gäste zu fragen. Und jetzt hinterher … wow. Das Adrenalin wird langsam abgebaut und der Körper meldet sich. Aus meiner Erfahrung ist der zweite Tag nach so einer Show der herausforderndste. Die Muskeln verlangen nach Aufmerksamkeit. Trotzdem freue ich mich auch schon auf die Show kommenden Samstag.

"The Harvest" ist nun offiziell erhältlich. Habt ihr schon einige Reaktionen erfahren können?

Lenny: Die Reaktionen fallen bislang positiv bis sehr positiv aus. Tut gut zu hören und zu lesen, dass den Leuten gefällt, was wir tun. Mit derart vielen Reaktionen haben wir aber nicht gerechnet. Schwierig alles mitzuschneiden, was über die Platte geäußert wird. In der Presse gibt es Schwankungen zwischen Höchstpunktzahl und oberem Drittel, was die Rezensionen angeht. Das ist natürlich mega!

"Flesh Hammer Prophecy" kam über FDA Records, kurz danach habt ihr einen Deal mit Metal Blade unterschrieben. Wie kam es dazu?

Ben: Dass "Flesh Hammer Prophecy" bei Fans und Presse relativ gut abgeschnitten und uns die Türen zu dem ein oder anderen namhaften Festival aufgestoßen hat, ist auch Metal Blade nicht verborgen geblieben und so begab es sich, dass Gespräche stattfanden und man sich genauer beschnuppert hat, ob eine Paarung denn in Frage käme. Nachdem wir dann ein paar Demos der neuen Songs geschickt hatten, kam auch direkt ein konkretes Angebot, das wir unmöglich ablehnen konnten. Zufälligerweise ist der Deal mit Metal Blade so ziemlich die Erfüllung unserer intimsten Teenager-Träume und von daher ist das Ganze einfach eine große, romantische Liebesgeschichte!

Vergleicht man mal die beiden Alben miteinander, klingt "The Harvest" etwas ausgereifter und durchdachter, ohne "Flesh Hammer Prophecy" schlechtreden zu wollen. Seid ihr anders an das Songwriting zu "The Harvest" rangegangen?

Lenny: Songwriting ist eine Entwicklungssache. Mit "Flesh Hammer Prophecy" haben wir 2017 eine Scheibe rausgebracht, die das Maximum darstellt von dem, was wir zu der Zeit schaffen konnten. Die gleiche Scheibe jetzt nochmal aufzunehmen, nur mit neuen Songs, ist ja irgendwie witzlos. Mit den diversen Shows im Gepäck, die wir in der Zwischenzeit gespielt haben, und dem Zusammenwachsen als Band, haben sich natürlich auch Denkweisen und Fähigkeiten verändert. Man bekommt dann Bock, einen bestimmten Song zu spielen (den es noch nicht gibt). Den muss man dann halt schreiben. Jury ist bei uns das Komponistenmastermind. Er nimmt Demosongs auf, die wir im Proberaum dann auf uns wirken lassen. Die Texte schreibe ich dann erst im Nachhinein, wodurch sich an der einen oder anderen Stelle nochmal etwas verändern kann. "The Harvest" stellt das Maximum dar, das wir 2019 auf Tonträger bannen konnten. Ich bin sehr gespannt, wohin uns die kommenden Erlebnisse und Eindrücke musikalisch noch bringen werden.

Trotz desselben Produzenten klingt die beiden Alben recht unterschiedlich. Hattet ihr eine bestimmte Vorstellung, wie das Album klingen soll?

Ben: Ja, wir hatten sogar eine sehr konkrete Vorstellung des Sounds. Ausgehend vom letzten Album wussten wir ziemlich genau, an welchen Stellen wir was verändern wollten. Angefangen beim Gitarrensound, der auf "Flesh Hammer Prophecy" zwar mega brutal und wütend klingt, dabei aber an vielen Stellen nicht sehr differenziert und etwas verwaschen klingt. Da wollten wir mehr Klarheit, bei gleichbleibendem Punch haben. Also haben Jury und ich lange herumexperimentiert und X Pedale ausprobiert, bis wir schließlich auf den KMA Wurm gestoßen sind. Das ist quasi ein Boutique HM-2, den ein wahnsinniger Wissenschaftler namens Enrico in Berlin in seinem sinistren Laboratorium zusammenbraut. Das Teil gibt uns die Möglichkeit, unseren Sound detaillierter und transparenter einzudrehen, so dass klarer rüberkommt, was wir da überhaupt zersägen. Gegen eine kleine Gebühr in Form unserer Seele, hat KMA uns sogar extra Endseeker-Gehäuse für die Würmer spendiert. Das ist erstmal instrumental der größte Unterschied zum Vorgänger. Die Drum-Produktion lief auch etwas anders und auch Eggert hat für seine Bass-Aufnahmen etwas anderes Equipment am Start gehabt. Die zweite große Entwicklung ist aber wohl die Vocal-Produktion. Lenny klingt direkter und präsenter als zuvor und zeigt viel mehr Facetten von dem, wozu er fähig ist. Das alles hat sich wunderbar zum fertigen Albumsound ergänzt, der dann durch die magischen Hände von unserem Produzenten Ehrenbrudi Eike Freese geformt und zum Leben erweckt wurde. Eike hat unsere Vision des Sounds zu 100% geteilt und wusste genau, wie er uns dorthin bringt. Es war eine tolle Teamleistung, bei der alle ihr Bestes gegeben haben und wir sind sehr stolz und zufrieden. imgright

Genau, gesanglich hat sich zwischen den beiden Alben auch etwas verändert. Lenny singt in seinen Growls deutlich "klarer", also verständlicher. Ist es euch wichtig, dass die Texte verstanden werden oder warum kam es so dazu?

Lenny: Mir ist es schon immer wichtig, dass Text kein Platzhalter ist. Es gibt etwas auszudrücken, das von einem - zugegeben - unterhaltsamen Banner getragen wird. Die gesamte Produktion ist diesmal viel klarer, so konnte auch der Gesang anders "platziert" werden. Dennoch bedeutet klares Growling auch viel Training. Dazu kommen die tonalen Passagen auf "The Harvest". Die wurden 2017 noch nicht in der Intensität eingesetzt. Ich bin mit der Produktion auf jeden Fall super zufrieden!

Metal Archives sagt, dass es in den Texten um „Psychopathy/Violence“ geht. Was muss ich darunter verstehen?

Lenny: [lacht] Diese Beschreibung habe ich aber nicht verfasst! Ein guter Text ist in meiner Auffassung unterhaltsam und beinhaltet eine Message. Ich schreibe meine Texte aber auch so, dass der Leser oder Hörer sich seine eigene Story zurechtspinnen kann anhand identifizierter Schlagworte. Ein Textbeispiel: Der Song 'Immortalized' basiert textlich auf einem Spiegel-Artikel, den ich vor kurzem gelesen habe. In dem wurde beschrieben, dass es Wissenschaftlern gelungen sei, ein entnommenes Schweinehirn über mehrere Stunden am Leben zu erhalten. Oh wie schön, dachte ich mir. Der Traum nach Unsterblichkeit rückt also immer weiter in den Realismus. Auch, wenn diese Art der Unsterblichkeit wohl nicht vordergründig gemeint ist. Meine Zukunftsvision sieht Menschen, die so egozentrisch und "unentbehrlich" (natürlich!!) sind, dass sie ihren Verstand konservieren lassen möchten. Der Mensch nun also ein Gehirn. Ohne Sinnesorgane. In Dunkelheit. Ich habe mir vorgestellt, welches Bewusstsein ein intelligentes Lebewesen hat, das gar nicht mehr am gesellschaftlichen Geschehen teilnehmen kann. Es dient nur noch der Informationsentnahme und fristet schließlich doch ein sehr einsames Dasein. Aber man sollte dabei nicht vergessen: das wenigstens für die Ewigkeit.

Was wollt ihr generell mit dem Titel "The Harvest" ausdrücken?

Ben: Der Titel hat für uns viele Bedeutungen. Zum einen bezieht er sich auf uns persönlich und zwar jeden einzelnen von uns. Wir machen alle seit Ewigkeiten in diversen Bands Musik. Ich für meinen Teil schon seit gut 27 Jahren und in dieser ganzen Zeit hat jeder von uns immer ganz viel von sich in seine Musik gesteckt. Und jetzt, endlich, im fortgeschrittenen Alter sind wir bei unserem Wunschlabel gelandet und erhalten die unfassbare Chance, dadurch unsere Musik einem sehr großen Publikum zugänglich zu machen. Das fühlt sich ein bisschen wie die Belohnung oder eben die Ernte dessen an, was man all die Jahre vorher ausgesät hat. Das Universum gibt uns ein Stück der Energie zurück, die wir lange Zeit investiert haben und das ist einfach toll und wir sind extrem dankbar dafür. Auf der anderen Seite hat der Titel noch eine sehr düstere Bedeutung. Wir werden nämlich alle tagtäglich geerntet. Jeden Tag ein kleines Stück. Arbeit, Gesellschaft, Konsum, Kapitalismus, Social Media und so weiter, all das saugt uns Tropfen für Tropfen das Leben aus. Frisst unsere Zeit. Und am Ende kommt der Schnitter und holt uns alle, völlig egal, wie sehr wir uns vorher abgestrampelt haben und was wir glauben, erreicht zu haben. Am Ende sind wir alle gleich doll tot. Na ja, und dann ist da natürlich noch die visuelle Ebene. Ernte bedeutet, Dinge werden abgeschnitten, das Jahr neigt sich dem Ende. Tage werden kürzer und grau. Alles stirbt langsam ab. Das ist schon ziemlich Death Metal. Und Fun Fact: Am Tag des Release war Vollmond und das war … TADAAAH! HARVEST MOON, der Erntemond. Bäm!

Während "Flesh Hammer Prophecy" noch von einem epischen Intro eröffnet wurde, geht es beim aktuellen Album direkt in die Vollen. Warum diesmal kein Intro?

Lenny: Für "Flesh Hammer Prophecy" hat ein Intro einfach sehr gut gepasst. Gerade weil das Thema im letzten Song 'Possessed By The Flame' nochmals aufgegriffen wird. Für "The Harvest" wollten wir etwas anderes. Wir wollten das Album mit dem ersten Ton direkt ins Gesicht des Hörers drücken. Kein Aufbau, keine Epik. Bäm! Tatsächlich hat sich 'Parasite' erst während der Studiosession als Eröffnungstrack herauskristallisiert.

Hattet ihr für "The Harvest" noch mehr Songs in petto, also liegen noch irgendwo Songs auf Halde, oder habt alles aufgenommen, was zur Verfügung stand?

Lenny: Mehr Ideen und Riffs sind sicherlich vorhanden. Songs fertigzustellen, die man dann nicht aufnimmt, ist aber ein komischer Gedanke. Eine ENDSEEKER-Platte muss sich am Ende für uns stimmig anfühlen. Also das richtige Verhältnis der richtigen Songs zueinander. Da ist es nicht die Quantität, die zählt. Viel mehr arbeitet man an Songs so lange, bis sie das Gesamtbild einer Platte abrunden.

Ben: Es gibt generell überhaupt keine überschüssigen Endseeker-Songs. Wir haben für jede Platte exakt die Anzahl Songs geschrieben, die es unserer Meinung nach gebraucht hat. Da liegt kein Track mehr irgendwo auf Halde. Riffs ja, aber Riffs liegen ja immer irgendwo rum.

Auf "Flesh Hammer Prophecy" hattet ihr Marc Grewe (INSIDIOUS DISEASE, ex-MORGOTH) als Gastmusiker diesmal ist Mika Lagren von GRAVE dabei. Entwickelt ihr da ein Trademark, dass immer ein Gastmusiker dabei sein muss? Und mit wem würdet ihr dann unbedingt mal zusammenarbeiten wollen?

Ben: Ob das nun ein zwingender Modus Operandi wird - da legen wir uns mal lieber nicht fest. Das hat sich jetzt einfach zweimal so ergeben und es hat sich richtig angefühlt. Bedeutet aber nicht, dass wir das bei der nächsten Platte nochmal machen. Aber es ist natürlich spannend und cool, mit anderen Musikern zusammen zu arbeiten. Das ist ja irgendwie die Essenz des Musikmachens. Mit anderen zusammen etwas erschaffen. Es gibt noch ohne Ende Leute, mit denen wir gerne mal etwas machen würden, aber ich möchte ungerne durch Namedropping irgendwelche Spekulationen anheizen. Letztlich gucken wir mal, was sich ergibt. Wir schliessen jedenfalls nichts aus.

Auf dem ersten Album gab es schon eine BOLT-THROWER-Coverversion, also Death Metal. Diesmal habt ihr mit 'Symphony Of Destruction' einen Thrash-Metal-Song gecovert. Wie kam es dazu?

Ben: Metal Blade hatte die Idee, zu 'Spiritual Euphoria' eine streng limitierte 7-Inch mit einem Cover Song auf der B-Seite zu machen. Fanden wir natürlich ziemlich spitze und haben dann eine ganze Weile hin und her überlegt, welcher Song das wohl sein könnte. Letztlich wollten wir dafür gerne das Death-Metal-Genre verlassen und nach diversen Vorschlägen hat sich 'Symphony Of Destruction' durchgesetzt. Starker Song, eine der großen 90's-Metal-Hymnen und ich finde, der zündet auch im SweDeath-Gewand ziemlich gut. Sowas ist natürlich eine reine Spaßnummer und vielleicht ein guter Party-Track. Es hat großen Spaß gemacht, ihn aufzunehmen und dass Mika das Solo beigesteuert hat, ist einfach eine coole Nummer.

Ich denke, große Touren werden für euch, wegen Job, Familie et cetera nicht möglich sein, oder? Aber gibt es im Zuge des neuen Albums einige Live-Pläne für ENDSEEKER?

Lenny: "Groß" ist ja immer Ansichtssache. Ich denke schon, dass wir in Zukunft Shows und auch Touren spielen werden, die sich für uns groß anfühlen. Dabei werden wir natürlich weit weg von den METALLICA-esken 365 Shows pro Jahr sein. Dass wir live mehr unterwegs sein möchten, steht auf jeden Fall fest. Vielleicht nicht die zwei Monate am Stück sonst wo, sondern mehrere kurze Touren. We will see.

So, damit sind wir auch schon am Ende. Ich danke für die Zeit, wünsche viel Erfolg mit dem neuen Album und überlasse ENDSEEKER die letzten Worte.

Ben: Vielen Dank für deine Zeit und deinen Support! Wir wissen das sehr zu schätzen. Und vielen Dank an alle, die das hier auch noch lesen und vielleicht sogar unsere Platten hören und auf Konzerte kommen. Wir sehen hoffentlich möglichst viele von euch irgendwo an unserem Merchstand und trinken ein gepflegtes Bierchen zusammen!

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