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Interview mit Mona und Thomas von High Fighter

Ein Interview von des vom 30.08.2019 (704 mal gelesen)
HIGH FIGHTER haben für ihr neues tolles Album "Champain" ihr Soundspektrum erweitert und lieferten eine abwechslungsreiche, kraftvolle Platte, die sich weit über die Genregrenzen des Sludge hinaus wagt. Sängerin Mona Miluski und Drummer Thomas Wildelau gaben bereitwillig Auskunft über den Entstehungsprozess und freuen sich auf die kommende Tour - auch wenn die Welt bald untergeht.

Hallo zusammen, freut mich, dass ich ein Interview mit Euch machen kann. Das letzte Interview mit Euch ist schon eine Weile her. Was hat sich in der Zwischenzeit getan?

Thomas: Ja, das ist in der Tat etwas her... Drei Jahre, wenn ich mich recht entsinne - auf dem Summer Breeze Festival 2016! Das war ein cooler Gig, ich erinnere mich gut! In den letzten 3 Jahren hat sich einiges getan. Zum einen waren wir seitdem viel unterwegs, haben viele Festivals und Touren sowohl in Deutschland als auch in sämtlichen europäischen Ländern gespielt. Dadurch haben wir viel Live-Erfahrung gesammelt und High Fighter als Live-Band geformt. Zum anderen haben wir uns zum Ziel gesetzt, wie auch schon in unserem damaligen Interview angedeutet, ein neues Album zu schreiben. Über den Jahreswechsel 2016/2017 haben wir uns beispielsweise ein Haus an der Küste in Dänemark gemietet, um Songs zu schreiben und Ideen weiter auszubauen. Seitdem haben wir parallel zum Touren immer wieder an Ideen gefeilt, beziehungsweise neue Songs geschrieben. Das hat sich im Prinzip bis Anfang diesen Jahres fortgesetzt, bevor wir die Vorproduktion zu "Champain" starteten, um dem Album vor dem Studio-Aufenthalt den letzten Schliff zu geben.

Ein grandioses neues Album habt ihr da! Wie zufrieden seid ihr damit? imgright

Thomas: Vielen Dank für das Kompliment! Im Großen und Ganzen sind wir echt zufrieden mit dem Ergebnis, zumal wir mit Jan Oberg von Earth Ship - der sei hiermit ganz herzlich gegrüßt - einen technischen Konterpart im Studio hatten, mit dem die Arbeit sehr angenehm und gleichzeitig aber auch sehr produktiv war. Trotz der langen Vorbereitungs-Phase im Vorfeld und dann auch später in der Vorproduktion, bis hin zur Studiozeit, muss ich zugeben, dass es auf dem Album für mich persönlich keinen Song gibt, der mir jetzt zum Halse raushängt. Ganz im Gegenteil: Ich höre gerne rein und zwar in jeden einzelnen Song. Fragt sich nur, wie lange das noch anhält... lacht

Das neue Album heißt "Champain", was ein Kunstwort ist; was bedeutet der Titel? Worum geht es thematisch in den Songs?

Mona: "Champain" erzählt die Geschichte eines Anti-Helden. Jemand, der im Leben immer wieder fällt, oder fallen gelassen wird. Ich glaube, sehr viele Menschen können sich in dieser Geschichte ganz individuell wieder finden. Sei es, dass man unter Depressionen, Ängsten, mentalen Schmerzen, einer gewissen inneren Leere und Einsamkeit leidet oder litt oder im Leben von persönlichen Beziehungen enttäuscht wird. Doch man steht immer wieder auf, schöpft Kraft aus dem Schmerz. Champain ist Stärke und Schwäche zugleich. Es ist der Champion in uns, der oder die sehr viel Leid und Schmerz erfährt, doch daraus immer wieder neue Kraft schöpft um weiter zu machen.

Mona, was sofort auffällt, ist, dass Du auf "Champain" keischgrölst. Hast Du Dein Herz für Black Metal entdeckt?

Mona: Haha, nein. Dem Black Metal, so wie vielen anderen musikalischen Einflüssen, bin ich schon längst verfallen. Im Songwriting-Prozess hat sich relativ schnell ein roter Faden eingeschlichen, in dem die Jungs eben instrumental härter und brutaler vorgelegt haben. Das hat mir natürlicherweise einen gewissen Boden verschafft, und meine Vocals sich dementsprechend auch härter angepasst. Was mir viel bedeutet, ist die Freiheit in unserer Musik, die wir uns selber schaffen. Ich mag es, mich stimmlich auszuprobieren, und vor allem gefällt es mir, mich in allen Facetten meiner Stimme ausleben zu können, ohne neben all dem Gekreische dennoch auch nie meine Blues-, Grunge- und Stoner-Wurzeln zu vernachlässigen.

Überhaupt habt ihr einen ziemlich radikalen Wechsel im Sound vollzogen, "Champain" klingt fluffiger, mit breiterer Bühne, weniger undergroundig. Ihr habt fette Background Vocals und einen mörder Drumsound. Warum der Stilwechsel?

Thomas: Ja, der Sound des Albums gefällt uns wirklich gut. Jan (Oberg) hat schon einige Alben produziert/mit produziert, deren Gesamtsound uns gefiel. Unter anderem ist da zum Beispiel das aktuelle Album von DOWNFALL OF GAIA, "Ethic Of Radical Finitude". Oder aber auch die Produktionen seiner eigenen Band EARTH SHIP. Das gefiel uns. Und da wir Jan auch schon seit einiger Zeit kennen, nicht zuletzt durch gemeinsames Touren, haben wir ihn dann auch angesprochen. Sein Sound und der härtere Charakter unserer aktuellen Songs passt unserer Meinung nach gut zusammen und ergeben eine funktionierende Synergie. Die Background Vocals stehen etwas mehr im Vordergrund und nehmen durchweg eine präsentere Rolle ein, als bei "Scars & Crosses". Die meisten Backings hat Mona selbst eingesungen. Einige Backings hab ich auf diesem Album auch wieder eingesungen. Neben unterschiedlichen Harmonien gibt es auf "Champain" diesmal auch Kombinationen aus Screams und klarem Gesang, bei dem Mona und ich uns ergänzen.

Mona: Wir klangen zwar noch nie so fokussiert und brutal wie auf "Champain", haben jedoch nie über einen Stil-Wechsel gesprochen oder diesen bewusst entschieden. Es hat sich im Songwriting ganz einfach so ergeben, und sich für alle gut angefühlt, diesmal die etwas härtere Seite des HIGH FIGHTER zu zeigen. Wobei du bei uns eigentlich nie von einem wirklichen Stil-Wechsel sprechen könntest, denn den haben wir schon immer, teilweise innerhalb eines Songs mit diversen unterschiedlichen Stilen auch auf vorherigen Platten vollzogen. Wir haben uns noch nie im Genre festgelegt, und das wird wahrscheinlich auch nie passieren. Du hast bei uns schon immer ein sehr weites Feld zwischen Stoner, Blues, Hardcore, Doom, Sludge und Metal vorgefunden, wir mixen diverse Stile in einen Sound. Das verschafft uns ebenso sehr viel Freiheit, und keine Notwendigkeit von Stilwechseln zu sprechen oder sie dann erklären zu müssen. Wer weiß, vieleicht wird unser drittes Album ja komplett anders klingen als erwartet. Wir dürfen es uns, aufgrund unserer Stil-Mix-Freude und Genre-Offenheit, eben auch erlauben! lacht

Euer letztes Album "Scars & Crosses" habt ihr in 5 Tagen live eingespielt. Das war dieses Mal wohl nicht der Fall, oder? Wie war die Herangehensweise?

Thomas: Ein paar Tage mehr waren es bei "Scars & Crosses" glaube ich schon. Bei "Champain" war es im Übrigen nicht viel anders, was die reine Aufnahmedauer angeht. Das Album wurde, wie bei "Scars & Crosses", live aufgenommen. Allerdings mit einer entscheidenden Ausnahme: Wir haben instrumental in einem Raum zusammen live eingespielt. Die Gitarren wurden aber nicht live über die Amps abgenommen. Wir haben die Gitarren-Signale im Nachhinein im selben Raum "gereampt", also die aufgenommenen Gitarren-Spuren erneut abgespielt und über Boxen abgenommen. Das begünstigt im Endeffekt den Mix. Unter anderem speziell für die Drums, da während der Aufnahme nichts anderes im Raum zu hören war als die Drums selbst. Dadurch konnten sie sich räumlich entfalten, somit ergibt sich ein ungestörtes Drum-Signal. Das erklärt wahrscheinlich auch ein Stück weit den "mörder" Drumsound aus deiner vorherigen Frage. Eine technische Maßnahme, die für analoge Instrumente wie Akustik-Drums, die einzig und allein auf den Raum, in dem sie gespielt werden, reagieren, ausschlaggebend ist. Rein spielerisch aber war es für uns als Band dieselbe Herangehensweise wie bei "Scars & Crosses".

Ihr habt Euch immer als "Do It Yourself Band" gesehen. Trifft das immer noch zu?

Thomas: Ja, absolut. Es hat sich seit unserer Gründung nichts geändert in unserem Aktions-Radius, was die Kanalisierung und Entscheidungskraft unserer Projekte angeht. Auch als wir den Deal – sowohl damals mit Svart Records als auch aktuell mit Argonauta Records - und dem neuen Album eingegangen sind, hat sich in der Hinsicht unserer Selbständigkeit nichts geändert. imgleft

Inwieweit seht ihr es als Eure Aufgabe, eine Message zu vermitteln oder die Welt zu verändern?

Mona: Wir verstehen uns weder als politische noch aufklärende oder ermahnende Band. Unsere Musik wird von den verschiedensten und sehr persönlichen Einflüssen im Leben geprägt, ohne eine verbindliche Message vermitteln zu wollen. Ich teile beispielsweise meine Texte sehr ungern, da ich eben nicht schwarz auf weiß aufdrängen möchte, was ein anderer daraus zu verstehen hat. Bei uns geht es eventuell mehr um das Gefühl, was jeder für sich empfindet wenn man unseren Sound hört oder Energien spürt, wenn man auf einer Show von uns ist. Auch wenn unsere Message vielleicht nicht weltbewegend wäre, beteiligen wir uns dennoch gerne daran, jeder ganz individuell und wie es einem eben im Alltag möglich ist, zumindest ein Stücken die Welt in Ordnung zu bringen, auch wenn dies zu schaffen leider utopisch ist.

Wie lange macht die Erde das alles noch mit?

Mona: Leider nicht mehr lange...wie auch. Die Welt, allem voran die Menschheit, geht schon längst zu Grunde.

Freut Ihr Euch schon auf die nächste Tour?

Thomas: Klar! Wir freuen uns immer aufs live Spielen! Das treibt unseren Motor an. Dadurch lebt die Band! Jeder von uns will auf die Bühne lacht, Wir brauchen auch den Kontakt zum Publikum, zu den Leuten, das spornt einen ja zusätzlich an.

Mona: Wir sind gerade vom SonicBlast in Portugal zurück, gefolgt von einer Tour mit DOPETHRONE. Das war eine ordentliche Sause! Wir arbeiten derzeit an vielen weiteren Shows, über die Dates könnt ihr euch am besten auf unserer Facebook Seite informieren.

Danke für das Interview, die letzten Worte gehören Euch:

Mona und Thomas: Vielen Dank Bleeding4Metal, dass wir wieder bei euch sein durften. Zieht euch unser neues Album und eure Dosis "Champain", stay high!

Fotocredit: Basti Grim

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