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Take off: 16.08.2012 - Review (4636 mal gelesen)

Intro


imgleftIn Anbetracht der massiven Regenfälle im Norden dieses Jahr durfte man schon gespannt sein, wie sich die Anfahrtssituation im Süden gestalten würde. Die Jahre zuvor zeigte sich zumindest, dass die Anreise zum Summer Breeze Open Air mit gutem Wetter steht und fällt. Der Wettergott schien es gut mit den Organisatoren gemeint zu haben und ließ die Fans bei mildem Klima in der Regel nicht länger als 2-3 Stunden warten. Hervorragende Bedingungen für einen guten Festivalstart also. 2-3 Stunden? Mehr nicht? Doch, es gab da wohl eine Fraktion, die es nicht mehr lernen wird: Die Frühanreisenden, die sich bereits Dienstagnacht in die Schleusen stellten, sorgten auch in diesem Jahr wieder für einen Rückstau, der sich gewaschen hatte. Wenn es heißt, vor 10 kommt keiner rein, kommt auch keiner rein. Ende. Das möge man sich dick, spiegelverkehrt auf die Stirn tätowieren und sich nicht beschweren, dass man armes Häschen sieben Stunden stehen musste. Die erste Hürde überwunden kamen die nächsten spannenden Fragen auf. Wie würde sich das Camping in diesem Jahr gestalten? Würde auf den reservierten Flächen alles glatt ablaufen? Unser erster Eindruck vom Campground A (dort waren die vorab gebuchten Flächen anzutreffen) war recht positiv, wenngleich einige der Bewohner fehlende Dixie-Schlüssel bemängelten. Schnell lernten sie auch, dass es geschickter war, die Dixies nicht in Richtung des Weges zu positionieren, um sich ungeliebte Nutzer von außerhalb vom Leib zu halten. Neben dieser Neuerung zeigte sich, wie die Jahre zuvor auch, dass sich am Stopfen auf den Flächen B-J nichts änderte und K-N mal wieder nur lose gefüllt waren. Selbst von N musste man nicht länger als eine halbe Stunde laufen, weshalb es mir unverständlich ist, dass man sich auf Biegen und Brechen so früh vorne einweisen lässt. An dieser Stelle ein Lob an die Ordner, die in diesem Jahr in der Mehrzahl der Rückmeldungen positiv wegen ihrer Geduld erwähnt wurden.

Der reibungslose Auftakt zum Zeltaufbau war schonmal ein gutes Omen für das Summer Breeze Open Air 2012. Was erwartete die Breeze Besucher in diesem Jahr sonst noch Neues? Zum fünfzehnjährigen Jubiläum war selbstverständlich jeder auf den Abschluss gespannt. Vor allem darauf, ob es wie zum Zehnjährigen ein fulminantes Feuerwerk geben würde. Bis dahin sollte es aber noch eine Vielzahl Bands geben sowie, neu in diesem Jahr, den Summer Breeze Catwalk. Hier konnte sich jeder über mehrere Festivaltage präsentieren, um dann Freitag für das ausgefallenste Outfit zwei VIP-Tickets zu gewinnen. Am Mittwoch hielten sich die Selbstdarsteller abgesehen von zahlreichen Adamskostümen und Bananen in Grenzen. Neben dem Catwalk war selbstverständlich der New Blood Award am Start, auf den ich mich mit drei Favoriten aus der engeren Auswahl besonders freute. Vor allem, weil in diesem Jahr weniger schrottige Bands antraten. Das Partyzelt hatte sich im Übrigen erneut vergrößert und war wieder zu seiner alten, weißen Farbe zurückgekehrt, nur um sich nachts in eine bunte Lightshow zu verwandeln. Etwas dezenter waren da die Wasserstände gehalten, bei denen man sich für 1,50 wie im Jahr zuvor günstig mit Wasser eindecken konnte. Ganz Schlaue entdeckten natürlich schnell, dass es in der Nähe größerer Dixiestationen auch kostenfrei zugängliche Wasserhähne gab, und konnten sich so mit Wasser günstig versorgen. Auch beim Essen galt es, wer sucht, findet: Zu den Perlen zählten neben dem Handbrot in diesem Jahr auch der Vegetarix, der auf Wunsch sogar vegane Zusammenstellungen im Preisspektrum von 3,00 bis 5,00 Euro zauberte. Den Ochs am Spieß musste man wieder weit draußen suchen, fand ihn aber in der Nähe eines der auf dem Campground befindlichen Summer Breeze Supermärkte.

Fehlt sonst noch was zum leiblichen Wohl? Dixies schienen, mit Ausnahme von J, reichlich vorhanden zu sein, genauso wie die Wasserversorgung vom letzten Jahr beibehalten wurde. Im Nachteil hier aber wie auch im Vorjahr Rollifahrer und Krückengänger, da diese teils durch Wasserschlachten teils durch die übliche Verschlammung nicht an die Wasserhähne herankamen. Der Behindertencampground bekam in diesem Jahr generell etwas mehr negative Kritik, da Ladestationen für Sauerstoffgeräte und E-Rollis um Längen zu knapp ausfielen. Da freute dann umso mehr das Lob, dass um die Mischtürme herum die Tribünen rege genutzt werden konnten und durften. Für einen gelungenen Start durfte auch das Engagement der Grabenschlampen nicht fehlen, die bereits am ersten Abend während der Nuclear Blast Label Night einen klasse Job machten. Was sonst noch alles geschah, könnt ihr bei den Bands oder in "Haebs Tagebuch" lesen. Setlisten findet ihr unter dem Rückblick der Summer Breeze Open Air Homepage. Weitere Bilder findet ihr in unserer Gallerie.(kex)


Mittwoch



Haebs Tagebuch


imgleftDa stehen wir also, mitten in der Warteschlange zu meinem nun mehr drittem Summer Breeze. Nach einer überraschend stress- und vor allem staufreien Anfahrt (mit Schrecken denke ich da an mein erstes Breeze im Jahre 2008 zurück) warten wir ca. 2 Stunden bis wir schließlich an der Einlass Kontrolle gebeten werden auszusteigen, damit das Auto auf etwaige Glasbehälter oder sonstiges gefährliches Spielzeug untersucht werden kann. Da die Kontrolleure trotz Stress freundlich sind kommen wir der Bitte gerne nach... nur um danach auf den wirklich hintersten Platz (G) gelotst zu werden, wo man zu allem Überfluss auch noch mit den Nachbarn um jeden Millimeter an Gelände kämpfen darf. Da stehen wir drüber, Party machen wir trotzdem! Die Wartezeit wurde natürlich genutzt um ausgiebig den Inhalt der Festival-Tüte zu begutachten. Eine Sache fällt sofort auf: Wo ist der Festival-Guide? Der restliche Inhalt ist nicht sonderlich spektakulär, lediglich die Ohrstöpsel verdienen eine Erwähnung, die sind qualitativ nämlich sehr gut. Endlich sind die Zelte aufgebaut, Pavillon steht, Grill ist angefeuert und das erste Bier fließt. Kurz, alle Sorgen der Anfahrt sind vergessen, wir freuen uns auf das bevorstehen Festival. Frisch gestärkt und gut betankt brechen wir auf um die ersten Bands zu besuchen. RAGE und BULLET spielen souverän, aber irgendwie stimmt der Ton nicht so ganz, schieben wir es zunächst auf den Alkohol. TANKARD ist natürlich ein Fest und sorgt für einen würdigen Abschluss des ersten Abends.

imgleftOBSCURE SPHINX
Ich möchte betonen, dass in diesem Jahr die Vorauswahl aus 20 Bands endlich mal ein Niveau erreicht hat, das mich auf einen angenehmen Bandcontest hoffen ließ. So waren denn auch mit ARSIRIUS, OBSCURE SPHINX und AMOEBA gleich drei meiner favorisierten Bands unter den besten sechs zu finden. ARSIRIUS konnte ich mir leider nicht anschauen, doch zu dem Auftritt der Polen fand ich rechtzeitig den Weg ins Zelt. Schnell wurde deutlich, dass der rätselhafte Name Programm war. Der Stil ist schwer einzuordnen. Elemente aus Stoner-Rock und Doom fanden sich gleichermaßen wie aus dem Bereich des Noise. Beeindruckend war aber weniger der Stil an sich, als die Intensität, mit der die Songs gen Publkum transportiert wurden. Über Schönheit lässt sich sicher streiten, aber Fronterin Zofia verbog sich derart beeindruckent in sämtliche Richtungen, die der dreidimensionale Raum uns Menschen zur Verfügung stellt, dass Undercut und Fetzengewand hinter ihrer hoch gepresst und technisch verzerrten Stimme schnell in den Hintergrund traten. Auch der Rest der Band wirkte zumindest in der Gestik recht expressionistisch. Das Gepose des Bassisten hätte einen Siebensaiter vermuten lassen. Wer genau hinsah, merkte das von fünf existierenden nur 2 Saiten gespielt wurden. Zumindest während der Hauptposingphase. Insgesamt beeindruckte mich das, was die Polen hier präsentierten. Mag die Stimme der Sängerin im Kontrast zu den sphärisch gehaltenen Midtempo Elementen gestanden haben, so entstand doch eine Atmosphäre, die vielerlei Emotionen hochkommen ließ und diese verstärkte. So stellt sich der sonst harte Drogen vermeidende Ottonormalverbraucher höchstwahrscheinlich einen LSD-Tripp vor. Komplexität und Intensität des Auftritts von OBSCURE SPHINX wurden denn auch belohnt. Am Morgen erschollen die Klänge im Rahmen des New Blood Award über den Campground. So sehr mir die Musik am Nachmittag noch zusagte, zum Frühstück brauchte ich sie definitiv nicht! (kex)

AMOEBA
imgrightProgressive Death Metal, Death Core, Metalcore mit Death-Einflüssen, die Liste von Stilzuweisungen im Übergang zwischen Death Metal und Metalcore ist so lang wie aussagelos. Wo man AMOEBA einordnen möchte, bleibt letztlich herzlich egal, denn die Franzosen stellten binnen weniger Akkorde unter Beweis, dass ihr Land mehr vorzuweisen hat als avantgardistische Schwarzmetall-Projekte. Bereits während des Soundchecks wurde deutlich, dass die Hand voll Besucher im Partyzelt ein völlig anderer Stil erwartete im Vergleich zu dem, was zuvor OBSCURE SPHINX ablieferten. Mochten die Growls zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz tief hinab, änderte sich dies mit offiziellem Konzertbeginn rapide. Direkt und kompromisslos knüppelten Schlagwerk und Gitarren voll auf die Zwölf. Dabei wechselten schnelle Blastbeats und rhythmische Passagen sich angenehm ab, während abgrundtiefe Growls aus der Kehle des Fronters erschollen. Ganz ehrlich, das hätte ich dem jungen Herrn im Longsleeve und dreiviertel Skaterhose dann doch nicht zugetraut. Lästig waren dann schon eher die Töne, welche etwas zu hoch gepresst die Kehle des Gitarristen verließen. Bitte, ihr habt einen guten Frontmann, stellt das ab! Auf der negativen Seite sind desweiteren ein fünf Saiter zu verzeichnen, der während des ganzen Auftritts von einem fähigeren Bassisten sicherlich auch durch einen Viersaiter hätte ersetzt werden können, sowie das fruchtlose Gepose zwecks Feedback Erzeugens, das zu keinem Ergebnis aber zu einem durchaus lachhaften Anblick führte. Davon abgesehen gefiel mir der Auftritt von AMOEBA ziemlich gut. Zwar wurde im Publikum primär interessiert mitgenickt, zugleich entbrannte aber direkt vor der Bühne ein wilder Moshpit, der den alten Zeiten der APOKALYPTISCHEN REITER alle Ehre gemacht hätte. Fazit: Die Franzosen werde ich mir durchaus nochmal anschauen. Song zum Reinhören: Der "Rausschmeißer" 'Martyrdom', zu dem das Schlagzeug nochmals mächtig fetzte. (kex)

BULLET
imgleftTja, was schreibt man über den Auftritt von BULLET? Bei mir haben die Schweden einen ähnlichen Status wie TANKARD erreicht. Roadmovie Feeling, der unterbewusste Wunsch nach Bier und Heavy Rock vom Feinsten: Genau das bieten die Mannen um den noch Bauch besitzenden Hell Hofer und leiteten damit die Höhepunkte der Nuclear Blast Label Nacht ein. Was BULLET seit jeher auszeichnet, ist die Tatsache, dass deren Mucke im Gegensatz zu den Thrashern aus Frankfurt auch auf CD noch hörbar ist. Die Krönung des ganzen zeigt sich dann jedoch live. Man musste nicht besoffen sein, um mit BULLET eine geniale Party feiern zu können. 'Roadking' wurde dann selbstverständlich im Purpurmantel und mit Szepter präsentiert, was vielleicht nicht ganz zu den Motorradklängen vom Band passen wollte. Aber das darf ignoriert werden, denn BULLET verkörpern derart Bier trinkende Männlichkeit, dass auch ein Auftritt im Tuetue nicht fehl am Platz gewesen wäre. Hell Hofers Stimme erklomm derWeil eine Sprosse nach der anderen auf dem Weg zur Stimmbelastungsgrenze und die Menge feierte begeistert ihre Stars. Da tat es auch keinen Abbruch, dass bereits 20 Minuten vor Schluss die Band von der Bühne verschwand, um sich ausgiebig feiern zu lassen. Wäre sicherlich nicht nötig gewesen, doch so kam mal ein bisschen Abwechslung in die Show. Denn eines haben BULLET auch hier mit den Äbbelwoikönigen gemeinsam: Show und Setlist sind sehr träge in ihrer Änderbarkeit. Neue Songs wie 'Full Pull' oder 'Rolling Home' fetzten und wurden entsprechend dankbar aufgenommen, doch waren es vor allem die großen Hits, die, wie auch bei allen Auftritten im Jahr 2011, im Vordergrund standen. Natürlich feiere ich als Fan gerne zu Songs wie 'Heading For The Top' oder 'Bite The Bullet'. Das geht aber nur, weil das Publikum bisher immer grandios war. Bis BULLET also den gleichen Status wie TANKARD haben werden, müssen noch einige Alben ins Land gehen. Wobei man aus den derzeitigen Werken wesentlich mehr herausholen könnte. Dennoch, der Auftritt war ein Bombenauftakt für das Summer Breeze Open Air und zugleich ließen BULLET an einer Tatsache absolut keine Zweifel: Diese Band besitzt Hoden bis zum Boden! (kex)

RAGE
imgrightWenn RAGE spielen, sollte man volles Haus erwarten. Dass im Partyzelt vor Beginn der Show des deutsch-weißrussischen Trios selbst vor der Bühne noch gut Boden sichtbar war, mag daran liegen, dass der hartgesottene Fan mitbekommen gehabt haben könnte, dass der Mittwoch ganz im Zeichen des 25-jährigen Bestehens von Nuclear Blast stand. Das wiederum bedeutet, dass fast ausschließlich Songs der Alben dieses Labels auf der Setlist standen. Die Anwesenden störte das jedoch merkbar wenig, flogen doch bereits während des Soundchecks Wasserbälle und wasserballähnliche Möglichkeiten zur Empfängnisverhütung durch die Menge vor der Bühne. Was zählt ist aber auf der Bühne, und da tun sich RAGE seit Jahr und Tag keine Blöße. Gut gelaunt wurde das Programm runtergeschrammelt, unterbrochen von den Ansagen des exzellent aufgelegten Peavy Wagner, den auch eine fehlende Setlist nicht aus dem Konzept bringen konnte. Bis der verantwortliche Laufbursche eine neue herbeizauberte, lieferte Gitarrist Viktor Smolski eine zuverlässige Informationsquelle, welcher Song den jetzt an der Reihe sei. Hatte man sich dann auf den zu spielenden Titel geeinigt, wurde dem Publikum dieser mit sattem, basslastigem Sound entgegengeblasen, so dass die Doublebase den vorderen Reihen sanft den Kehlkopf massierte. Trotz der (für meinen Geschmack) deutlich zu modernen Setlist schwappte die Stimmung vom Publikum auf die Bühne und zurück, wobei Ansagen wie "dieser Song ist ein bisschen autobiographisch und erzählt von meinem Liebesleben. Er heißt: 'Serial Killer'" für den ein oder anderen Lacher sorgten. Auch, wenn wirkliche Perlen nicht auf dem Programm standen, kam doch zumindest bei den Klassikern 'Higher than the Sky' 'Straight to Hell' und 'Refuge' Nostalgiestimmung auf. Gerade zu 'Higher than the Sky' rauschten die Crowdsurfer, darunter auch ein pinkes und plüschiges Exemplar, in Massen gen Bühne.Alles in allem ein spaßiger, wenn auch durch die bestenfalls gut gemeinte Setlist für die ganz eisernen Fans etwas flacher Gig, der größtenteils von der Stimmung vor und auf der Bühne lebte. Leider konnte ob der Songauswahl Viktor Smolski nur selten zeigen, was er an der Gitarre wirklich drauf hat. (contra)

imgleftNach einer gelungenen Aufwärmphase durch die Newbies, MUNICIPAL WASTE und BULLET durften zur voran gerückten Stunde die deutschen Metal-Urgesteine RAGE zeigen, was sie können: Wunderbar straighten Heavy Metal, der durch die gekonnten Kapriolen von Riffgott Viktor Smolski ab und an aus seinem eigentlichen Fahrwasser gehoben wird. Als Einstimmung für das diesjährige Summer Breeze also eine fast ideale Besetzung. Davon zeugte auch die ansehnliche Meute vor der Bühne. Doch ein Wehrmutstropfen blieb auch im Dinkelsbühler Partyzelt wieder nicht aus. Man sollte ja eigentlich meinen, dass RAGE wirklich genug unglaublich geile Songs hätten, um eine Stunde Auftrittszeit ausschließlich mit Hits zu füllen. Aber statt dessen verdaddelt das Trio die erste Hälfte des Gigs mit Songs, die man jetzt nicht zu deren Klassikern oder auch nur zu den mitgröhl-tauglichen zählen würde. So plätscherte die erste halbe Stunde zwar gekonnt (wie immer) aber eben nur mäßig interessant am Publikum vorbei. Aber dann! Tja, dann ist es auf einmal so, als ob Smolski, Wagner und Hilgers einen Schalter umlegen und sie hauen einen Hit nach dem anderen aus den Verstärkern. Auf einmal merkt man den unbändigen Drang, die Matte wehen zu lassen und sich in den Pausen dazwischen die Seele aus dem Leib schreien. Dafür sorgten 'Great Old Ones', 'Soundchaser' und der Live-Evergreen 'Higher than the Sky'. Mein Wunsch für die Zukunft wäre mal eine Setlist, die nur aus solchen wirklich geilen RAGE-Songs besteht, an Material dafür mangelt es doch nun wirklich nicht. (Wulfgar)
7 von 10 Punkten für einen guten Auftritt mit einer zu 50% katastrophalen Setlist.

TANKARD
Falls jemand, warum auch immer, diese Band nicht kennen sollte, TANKARD kann man sich so vorstellen: ein dicker Mann philosophiert bei hoher Lautstärke über Alkohol, während seine drei Freunde einen derartigen Krach machen, dass man sich als Normalsterblicher an den Kopf fasst. Da man aber auf einem TANKARD-Konzert ist, ist man kein Normalsterblicher und der Krach kein Krach, sondern Thrash. Und ein dicker Mann steht da nach wie vor, 60 Kilo weniger hin oder her. Der Zulauf war zwar größer als noch zuvor bei RAGE, allerdings hatte man auch hier noch überraschend viel Luft zum Atmen. Da allerdings TANKARD spielten, ist es vollkommen irrelevant, wie viele Leute theoretisch noch ins Zelt gepasst hätten. Die Anwesenden machen per Definition so viel bierseligen Lärm, dass es der Lautstärke, die ein maximal gefülltes Zelt überhaupt machen kann, asymptotisch nahe kommt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Soundcheck, den TANKARD noch schul(band)mäßig mit Bierdose in der Hand selbst machen, bereits frenetisch bejubelt wurde. Von der Bühne gingen die Frankfurter dann auch nur pro forma, damit Gerre für den Opener 'Zombie Attack' noch einmal auf die Bühne rennen konnte. Der Rest des Auftrittes ist eigentlich schnell erzählt: Wahnsinnsstimmung, eine fantastisch aufgelegte und energiegeladene Band, die über die Bühne wetzt und zwischen gefühlt jedem Song eine neue Dose Bier aufmacht. Dazu eine ordentliche Portion Witz und Selbstironie in den Ansagen ("für uns alte Säcke ist Mitternacht doch keine Uhrzeit") und eine exzellente Setlist, die neben Evergreens auch einiges vom neuen Album "A Girl Called Cerveza" beinhaltete. Nicht nur die vorderen Reihen bejubelten und gröhlten jedes Lied mit, zum Auftakt von 'Empty Tankard' wundert es ein wenig, dass das Zelt der hüpfenden Masse überhaupt standgehalten hat. Ein Lob an die Konstrukteure. Und ein Lob an TANKARD, die einen Heidenspaß machten. (Contra)


Donnerstag



imgleft

Haebs Tagebuch


Aufwachen, Kater und Regen, genau so muss das sein. Wie jedes Jahr bleibt auch heuer mein mehr als dilettantisch aufgebautes Zelt trocken und die einzige Sorge bleibt der Grill und der Nachschub an Bier, schließlich müssen die Kopfschmerzen irgendwie bekämpft werden. Nach ausgiebigem Frühstück begeben wir uns zum Bühnengelände, heute haben wir einiges vor und mittlerweile scheint die auch wieder die Sonne. Zwei Dinge fallen uns fast sofort auf: Wie am Vortag auch schon wirken die Sicherheitskontrollen sehr lasch und der Sound scheint bei einigen Bands nicht wirklich zu stimmen. Ich bin auf dem Gebiet kein Experte aber viel zu oft war der Bass zu stark. Ansonsten gibt es einige Veränderungen zum Vorjahr: Der äußere Biergarten wurde innerhalb des umzäunten Bühnengeländes gelegt, er musste Schließfächern weichen. Diese konnte man gegen Gebühr für den Tag mieten. Die Essensmeile besteht wie jedes Jahr aus denselben Geschäften und Angeboten. Ins Auge sticht nur ein Knallbunter Cocktailstand mitten auf dem Gelände und die doch recht hohen Preise, sowohl Getränke als auch Essen. Sehr zu empfehlen ist das Handbrot, wirklich lecker. Absolut unverschämt waren die Preise am Buritos-Stand mit fünf Euro aufwärts für wirklich mikrige Portionen. Abstand nehmen sollte man nach eigener Erfahrung von den XL-Chickenburgern und dem Döner, ansonsten kann man alles essen, wenn man bereit ist die teuren Preise zu bezahlen.

BE'LAKOR
Zugegeben, BE'LAKOR sah ich mir nur an, weil ich am frühen Morgen sonst nicht viel zu tun hatte. Dennoch war die Musik der Australier durchaus angenehm anzuhören. Der Eröffnungsgig auf der Mainstage wurde zunächst mit gemäßigter Zuschauerzahl gespielt. Etwa bis zum ersten Wellenbrecher füllten mutige Frühaufsteher die Fläche zwischen Bühne und Mischturm. Dabei gab es die erste Überraschung: Der Sound vor der Mainstage war trotz leichter Brise wirklich gut! Wer hätte das gedacht. Die Songauswahl eignete sich hervorragend, ein spätes Frühstück/frühes Mittagessen zu sich zu nehmen. Der Fokus der Musik lag vor allem auf von Melodie getragenen Parts, während die Deathpassagen eher drucklos aus den Boxen erschollen. Ich habe zwar keine Vergleichswerte, aber mich beschlich der Eindruck, dass die Band einen späteren Spielplatz mit etwas mehr Publikum durchaus favorisiert hätte. So wirkte der Auftritt etwas unmotiviert und wurde durch ein verfrühtes Ende (5 Minuten reichen doch locker noch für einen weiteren Song!) auch nicht unbedingt aufgepeppt. Fazit: Das ist eine Band für den späten Abend, auf kleiner Bühne, die das Festival zwar nicht unmittelbar beendet, aber das Ende zumindest angenehm einleitet. Sollte ich BE'LAKOR auf einem solchen Spielplatz begegnen, werde ich sicherlich erneut ein Ohr riskieren.(kex)

MÅNEGARM
MÅNGEARM bildeten einen ganz schönen Kontrast zu BE'LAKOR. Schade, dass ich mein Frühstück schon intus hatte, denn die Mannen um Erik Grawsiö brachten musikalisch nur wenig Spannendes auf die Bühne. Sicher, für die Uhrzeit, den eher geringen Bekanntheitsgrad und den ersten Festivaltag war es durchaus voll vor der Bühne. Doch gerade eingefleischten Fans dürfte es aufgestoßen sein, dass sonst für MANEGARM-Auftritte entscheidend prägende Violinpassagen auf Gitarre und Gesang übertragen wurden. Es mutete schon merkwürdig an, einen Song wie 'Eternity Awaits' ohne Violine zu sehen. Die Lücke, die Janne Liljekvist gerissen hatte, wurde an dieser Stelle mehr als deutlich. Dass die Schweden es dennoch nicht verlernt haben zu begeistern, zeigte sich im letzten Viertel des Auftritts. Mit 'Nattsjäll, Drömsjäl' war ein Song mit einem echt guten Groove am Start und ein wenig vermochte man den magischen Flair früherer Auftritte in der Luft zu spüren. Weniger gefiel mir persönlich dann das neue 'Hordes Of Hel'. Sicher, die Chorgesänge der Schweden nahmen die Band mit, aber ohne die folkigen Parts wirkte der Auftritt doch etwas nackt und belanglos. Hier hätte ich mir doch ein wenig mehr erwartet. Fazit: Diese Band habe ich wohl zu spät kennengelernt. Bevor es keinen charismatischen Ersatz, musikalisch wie auch in der Bühnenpräsenz, für Janne Liljekvist gibt, muss ich mir MANEGARM vorerst nicht mehr anschauen.(kex)

NAPALM DEATH
Während auf der Main Stage langsam, aber sicher der ICED EARTH-Rohbau in die Höhe wuchs, schickten NAPALM DEATH sich an, die auf Jon Schaffer und Co wartende Menge zu unterhalten. So richtig gelingen wollte dieses Unterfangen den Gentlemen rund um Frontbrite Barney Greenway allerdings nicht. Zu offensichtlich war es, dass sie für einen nicht unerheblichen Teil des Publikums lediglich Umbaupausenbeschallung darstellten. So gaben leider nur die vorderen Reihen die Energie auf die Bühne zurück, die NAPALM DEATH mit britischem Akzent und rohem, knüppelhartem Sound ins Publikum pusteten. In Gänze sprang der Funke von Barney, der seine Texte zwischenzeitlich auch gerne mal auf dem Boden liegend und wild zuckend zum Besten gab, nicht auf das Publikum über. Moshpits und Crowdsurfer waren zwar in ordentlichem Maße vorhanden, aber im Großen und Ganzen regierte Zurückhaltung, die auch die Tatsache, dass außer Barney die gesamte Band am Boden festgewurzelt zu sein schien, nicht linderte. Immerhin: musikalisch bekam man genau das geboten, was man von NAPALM DEATH zu erwarten hatte: beinhartes Gedresche ohne Schnickschnack, kurze, in bestem Birmingham-Englisch vorgetragene Ansagen, Klassiker der Marke 'Suffer The Children' und zum Abschluss gar das Epos 'You Suffer'. Wenn man sie mag, kann man mit NAPALM DEATH nichts falsch machen. Auch live nicht. (Contra)

ICED EARTH
imgrightIn langsam abklingender Tageshitze trieben mich die US Metaller das erste Mal vor die Main-Stage. Obwohl nur eine halbe Stunde vor Gig Beginn konnte man noch bequem bis in die 3. Reihe laufen ohne drängeln zu müssen. Ich wäre wahrscheinlich irgendwann vor Neugierde auf den neuen Frontmann Stu Block einfach geplatzt, aber Riff-Gott sei Dank legten die Combo um Chef Schaffer rechtzeitig los - Und wie sie loslegten. mit "Dystopia" knallten sie direkt einen der ganz neuen Songs in die Menge und Stu Block ließ einige der Anwesende Metalheads mit offenen Mündern stehen. Generell schien es den sympathischen Kanadier nicht ansatzweise zu bedrücken, das Erbe von Front-Gigant Matt Barlow antreten zu müssen. Auch nicht während er klassische Barlow Hymnen wie 'Burning Times', 'I Died For You' und 'Watching Over Me' performte. Außerdem wurden mit 'Wolf', 'Anthem' und 'Pure Evil' auch noch einige meiner persönlichen Favoriten gespielt, wofür ich diesen Gig lange in Erinnerung beahlten werde. Insgesamt entwickelte sich der Gig zu einem einzigen Siegeszug für Band und auch für Stu Block. Er verdient seinen Platz bei ICED EARTH und wird der Band hoffentlich lange erhalten bleiben. Ein paar tausend vollkommen begeisterte Metalheads und Crowdsurfer im Sekundentakt sprechen da eine sehr deutliche Sprache. (Wulfgar)
10 von 10 Punkten für eine Stunde pure Awesomeness und den eindeutig besten Gig des Festivals!

imgleftMit ICED EARTH kam der Headliner der Herzen und so war es schon eine halbe Stunde vor Beginn gerammelt voll vor der Main Stage. Für mich persönlich war es das erste Konzert der Post-Barlow-Ära, und ich bin mit Sicherheit nicht der einzige, der den Auftakt seines Nachfolgers Stu Block auf der neuen Scheibe "Dystopia" mit Vorsicht genossen hat. Aber Jon Schaffers neues Schäfchen wusste auf dem Summer Breeze absolut zu überzeugen. Mit Dauergrinsen, viel Elan und einer großartigen Stimmleistung trieb er das Publikum immer wieder an, zeigte dabei eine beeindruckende Bühnenpräsenz und ein noch viel beeindruckenderes Stimmspektrum. Nicht nur die Songs von "Dystopia" brachte Block sauber rüber, auch die Klassiker von 'Burning Times' über das Falsett-Monster 'Ten Thousand Strong' bis hin zum epischen 'Watching Over Me' kamen perfekt an. Der Sound hatte zu Beginn zwar noch mit einigen Haklern und einem etwas zu leisen Mikro zu kämpfen, ICED EARTH haben aber schon viel zu viele Konzerte auf dem Buckel, um sich davon aus dem Konzept bringen zu lassen. Professionell und abgezockt präsentierten sich die Jungs um Mastermind Schaffer (dessen Haare, zuletzt noch ehrwürdig ergraut, heute in sattem Schwarz daherkamen) in Einheits-Kuttentracht und allerbester Laune. Das Publikum nahms dankend hin, ging zu den schnelleren Songs ordentlich ab, sang die ruhigeren euphorisch und emotional mit und crowdsurfte bis zum bitteren Ende. Ein Riesenlob an dieser Stelle an die Grabenschlampen, die die schier unüberschaubare – und spätestens ab 'Ten Thousand Strong' für die vorderen Reihen extrem nervige – Masse an Crowdsurfern sanft und sicher über die Barrikade hievte. (Contra)

DIE KASSIERER
imgrightNiemand von uns würde sich im Freibad freiwillig einen dicken Mann mit mäßiger Bauchbehaarung anschauen wollen, der mit einer Becksdose in der Hand auf einem Podest steht und die Hosen runterlässt. Dennoch fanden sich viele, nicht nur männliche Vertreter, zu DIE KASSIERER im Partyzelt ein, um ein ebensolches Spektakel zu betrachten. Wegen der mäßig gelungenen Einlasskontrollen blieb mir zumindest der Anblick der heruntergelassenen Hosen erspart, denn 'Mein Schöner Hodensack' wurde dem Volk bereits präsentiert. Seinen Bauch präsentierte Fronter "Wölfi" der Menge das ganze Konzert über. Man mag es kaum glauben, diese dankte es ihm unter anderem mit Texthilfen zu 'Das schlimmste ist, wenn das Bier alle ist'. Kaum zu glauben, aber wahr: Der Song hat mehrere Strophen und kompetent abgesungen, kann man dazu eine mordsmäßige Party feiern. Glücklicherweise ging das Bier nicht aus, wie sonst hätten so viele Leute enthusiastisch Lieder wie 'Sex mit dem Sozialarbeiter' oder 'Ich töte meinen Nachbarn und verstecke seine Leiche' mitgröhlen können. Um der Gleichberechtigung willen wurde 'Mach die Titten raus, ich will wichsen!' die Ansage "Sexismus ist gemein" vorangestellt, zu einem Kanon wie in diesem Jahr bereits bei Berliner Auftritten geschehen, kam es aber nicht. Wurscht, die Stimmung war Bombe, was sich in wildem Gehopse äußerte – so sehr, dass es von der Zeltdecke nur so herabtropfte. Crowdsurfer ließen sich von dem Gehüpfe aber mal so gar nicht beeindrucken. Einer nach dem anderen wurde von den Grabenschlampen aus dem Publikum gepflückt und gegen Ende des Auftritts hatte ich echt Mitleid. Fazit: Mein Gehirn blutete, ich hatte Spaß und vielleicht werde ich mir das ganze nochmal geben. Schade aber, dass 'Das Leben ist ein Handschuh' keinen Eingang in die Setlist fand.(kex)

SUBWAY TO SALLY
Wenn die letzten Reste der Dämmerung langsam der Nacht weichen, haben die Potsdamer U-Bahner fast ideale Auftrittsbedingungen. Genauso kam es auch gegen Ende des ersten Festivaltages dann auch. Eine gewohnt reichlich erschienene Meute (olé olé, Kiddieparty) harrte schon vor der Main Stage, obwohl sich ein Stückchen weiter die schweizer Folk-Lawine ELUVEITIE abrackerte. Mehr oder weniger pünktlich ging das Spektakel um die deutschen Urgesteine dann los, das nicht nur für mehrere tausend tanzende Fans sorgte sondern auch für eine kleine Runde Crowdsurfen von Eric Fish (sogar bäuchlings). Generell hatten SUBWAY TO SALLY die Stimmung von Beginn an fest in der Hand, so dass auch das leicht narzisstischen Gelaber des Fronters nicht weiter störte. Begleitet wurde die Show wie üblich von einem reichen Repertoire an Bühnenpyros und Feuerspucken. Wirklich positiv fiel aber der fantastisch abgemischte Sound auf, so dass die zahlreichen Facetten dieser Band auch tatsächlich mal zu hören waren. Sogar Frau Schmitts Geige war diesmal super zu hören. Bei der Songauswahl verließen sich die Brandenburger auf das bewährte Konzept aus ein paar neueren Songs ('Kämpfen Wir!', 'Das Schwarze Meer'), die von einigen älteren Klassikern ('Mephisto', 'Wenn Engel Hassen', 'Kleid Aus Rosen') durchsetzt waren. Den stimmungstechnischen Höhepunkt bildete wie schon so oft der Klassiker 'Veitstanz'. Insgesamt war es ein solider Gig ohne große Überraschungen aber mit bombiger Soundqualität.(Wulfgar)
8.5 von 10 Punkten weil der Auftritt super war, aber durchaus mal etwas frischen Wind vertragen könnte.

GHOST BRIGADE
imgleftWas ist die perfekte Musik um das Partyzelt zwischen zwei Partykrachern wie DEN KASSIERERN und den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS zu leeren? Genau, ein absoluter Stilbruch in Richtung möglichst friedlicher Musik. Mit GHOST BRIGADE war damit eine Band am Start, die diese Anforderungen mehr als gut verkörperte. In blaugrünem, gedimmten Licht präsentierte die Finnen friedliche Melodien zwischen INSOMNIUM und KATATONIA. Mochte man von der Optik mit rotem T-Shirt, Basecap und kurzer Hose mehr an den Fronter einer Skater-Punk-Band denken, verkörperten Mimik und Gestik den bestens zur Musik passenden Ausdruck. Ruhe bis hin zur Lähmung, Entspannung bis hin zum sphärischen Entrücktsein, genau dies ließ sich im Gesicht von Manne Ikonnen ablesen, wenn es denn mal aus dem Schatten hinaus in die blaugrüne Lagune gedreht wurde. Zugleich gestaltete sich der Gesang recht emotional. Nicht so abgefahren wie bei Polin Zofia von OBSCURE SPHINX am Tag zuvor, doch schon mit entsprechendem Druck, dass klar wurde, hier soll Inhalt transportiert werden. Die fast schlaffe Körperhaltung und die streckenweise recht monoton ausfallenden Passagen führten in Kombi aber leider mehr dazu, dass für Textunkundige die Songs dann weniger berührend waren. Dennoch lieferten GHOST BRIGADE einen Auftritt, der zum Nachdenken anregte und eine angenehm entspannde Pause zwischen zwei Extrembands verschaffte. Schade, dass die GRINDFUCKERS sich im Hintergrund mit aufgeblasenen Palmen und die Atmosphäre störenden Scheinwerfern an der Seite der Bühne bereit machten. Fazit: Schöner Geheimtipp für KATATONIA-Fans, sowie Liebhaber ruhiger, melodischer Songs mit emotional angehauchtem Gesang.(kex)

EXCREMENTORY GRINDFUCKERS
imgrightWas erwartet man von einer Band wie den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS? Genau, eine riesige Party mit viel Spiel und Spaß. Der Bühnenaufbau stand diesmal ganz im Zeichen sämtlicher Aufblasgummi-Objekte, die sich an südlichen Stränden so finden lassen und passend dazu wurde in Hawaii-Hemden und Badehose performt. Hört sich schonmal ganz gut an. Irritierend war für mich allerdings die Lustlosigkeit beim Soundcheck. Sicher, wer zwei Jahre in Folge und in vier Jahren dreimal am Start ist, den verlässt irgendwann auch die Lust. Doch war es schon Schade, dass die im letzten Jahr etablierten "Schön muss sie sein" - Gesänge mal so gar nicht aufgegriffen wurden. Ob den GRINDFUCKERS die Lust an ihrem eigenen Witz vergangen war? Der Auftritt an sich machte dann doch recht viel Spaß, was vor allem aber an den Fans lag. Die Band selbst schoss Klassiker um Klassiker um die Ohren, viel Zeit für Amüsantes zwischen den Songs blieb da nicht. Mich beeindruckte in diesem Jahr mal wieder die Crew, zeigte diese doch intensiven Einsatz, indem während 'Crack' zig Wasserbälle aufgeblasen und in die Menge verschossen wurden. Diese nahm die Geschenke aber eher geizig denn euphorisch auf. Trotz mehrerer Aufforderungen seitens der Band wollten die Fans nicht frei mit den Bällen spielen. Schade eigentlich. Die Aktion war toll, der Umgang damit eher nicht. Nach 45 Minuten war der Auftritt auch schon wieder vorbei. Alle Klassiker, die sich der EXCREMENTORY GRINDFUCKERS Fan so wünschen kann, waren am Start und trotzdem blieb ein bisschen Wehmut zurück. Es ist zu hoffen, dass die GRINDFUCKERS nur einen schlechten Tag hatten, denn die liebevolle Verkleidung etwa von Sänger H!m in Gummiente und Taucherbrille oder Pempas Hawaii-Hemd mit Kette und Kleinmädchen-Sonnenbrille war schon ein kleines Sahnehäubchen unter den bisherigen Breeze-Auftritten. An den Auftritt von letztem Jahr kamen weder Band noch Fans heran, dennoch platzte das Partyzelt aus allen Nähten und so mancher unbeleckter Gast stand fassungslos und leicht verloren am Ende des Auftritts vor der Bühne herum. In den Gesichtern dieser unvorbereiteten Besucher stand zu lesen: "Welche Welle hat mich denn da jetzt überrollt?" Solider Auftritt, aber ein paar Jahre Abstinenz werden den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS sicherlich nicht schaden. (kex)

IN SOLITUDE
imgleftSelten habe ich mich binnen weniger Sekunden in eine Hippieatmosphäre versetzt gefühlt, wie es IN SOLITUDE mit Bühnenbeleuchtung und "Installation" schafften. Dunkelblaues Licht ließ die Bühne beinahe die Instrumente verschlucken und verstärkte somit sämtliche olfaktorischen Reize. Geplant? Mit Sicherheit, denn noch bevor sich den Instrumenten auf der Bühne gewidmet wurde, wurde erstmal ordentlich geräuchert. Unmittelbar vor Beginn des Auftritts wurden dann nochmals kräftig Räucherstäbchen am Bühnenrand verteilt und schnell war klar, dass IN SOLITUDE kein gewöhnliches Konzert abliefern würden. In Kombination mit der düsteren tiefblauen Beleuchtung entstand eine leicht gespenstische Atmosphäre, die den Stil der Schweden gut wiedergibt. Gespielt wurde entspannter Heavy Metal, der durch beinahe hymnische Gesangspassagen eine recht mystische Stimmung verbreitete. Der Gesang an sich erinnerte an eine (deutlich) verbesserte Version von THE RAMONES 'Pet Cemetary', unterstrichen von deutlich komplexeren Gitarrenparts. 'Demons' als Auftakt des Auftritts zu wählen erwies sich denn als geschickte Wahl, denn die vorsichtig antreibenden Schlagwerkpassagen ermöglichten es Neuhörern in die Musik reinzuhören und sanft in die okkulte Welt von IN SOLITUDE einzutauchen. Die Songauswahl war vor allem vom Zweitwerk "The World. The Flesh. The Devil." geprägt. Vom Debüt schaffte es lediglich 'Witches Sabbath' in die Setlist, welches aber einen durchaus energetischen Abschluss bildete. Sicher, unmittelbar nach den EXCREMENTORY GRINDFUCKERS nach 1.00 Uhr war das Zelt dann eher leer. Doch gerade die gedimmte Beleuchtung, die hymnischen Passagen und der extravagante Kleidungsstil von Fronter Hornper stellten den perfekten Ausklang eines gelungenen Festivaltages dar. Nicht zu vergessen, dass die Schweden live eine unglaubliche Energie in ihren Auftritt steckten, die in den Aufnahmen so zwar zu erahnen, aber bei weitem nicht so intensiv zu spüren ist. (kex)


Freitag



Haebs Tagebuch


imgrightDer nun mehr dritte Tag des Festivals. Es scheint, der Regen in der vorletzten Nacht ist das einzige an schlechtem Wetter dieses Jahr, obwohl sich viele eine Abkühlung wünschen bei gefühlten 40 Grad im Schatten. Es ist wirklich sehr heiß, vor allem die Fans auf dem Bühnengelände bekommen die volle Hitze zu spüren, Schattenspender waren nämlich Mangelware. Zum Glück gibt es bei den Toiletten-Häuschen die Möglichkeit sich kostenlos Wasser zu besorgen. Wo wir gerade bei den Toiletten sind: Es sind sich wohl alle Einig, dass hier dieses Jahr ein verdammt guter Job gemacht wurde, sogar Toilettenpapier war ausreichend vorhanden. Kennt man so nicht, ist super, weiter so! Ebenfalls neu dieses Jahr: der "Catwalk". Wo dieser stattfand ließ sich entweder via Mund zu Mund Propaganda oder über das kostenpflichtige Programmheft herausfinden. Leider war dies zeitgleich mit DARK TRANQUILLITY, was es wohl erklärt warum ein vergleichsweise unspektakuläres Kostüm prämiert worden ist. Der Klomann machte vielleicht im Vergleich zu den Massen an Adamskostümen was her. Gegen den Anonymous Bierdosen-Ritter, die 5.0-Dose oder sogar gegen die recht fantasielosen Bananen, die übers Gelände liefen, konnte er nicht anstinken. Im nächsten Jahr sollte dieses Event, wenn man es schon dabei haben muss, nicht zeitgleich mit einer sehr guten Band stattfinden lassen.

CROWBAR
imgleft"Schau dir CROWBAR an, der Frontmann ist der Hammer. Geh nah ran und achte auf sein Gesicht, es lohnt sich." So ähnlich war die Anweisung und wenn nicht ständig der Kamerawagen vor Kirk Windstein hin und her gependelt wäre, wäre der Eindruck, den dieser kleine Mann hinterlassen hat, noch sympathischer gewesen. Nach Jahren der Absage hatte sich denn gegen halb drei bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein auch eine recht stattliche Menge vor der Mainstage angesammelt, um die Urgesteine endlich auf dem Summer Breeze Open Air zu bewundern. Das Wetter mochte zwar so gar nicht zu den schweren Gitarrensounds passen, doch nickten die Fans die Songauswahl der Amerikaner wohlwollend ab. Diese erstreckte sich quer durch die Albengeschichte vom Jahr 1993 bis zum letzten Longplayer 2011, welcher aber keinesfalls im Übermaß vertreten war. Dass die Musik bei diesem Helligkeitsgrad trotzdem so intensiv wirkte, war nicht nur der drückenden Hitze zu verdanken. Emotional untermalten Windsteins charakteristischer Gesang die schweren Riffs. Schatten suchten die Besucher, welche sich bis zum zweiten Wellenbrecher angesammelt hatten, vergeblich, aber so mancher schien diesen auch gar nicht zu brauchen. Tatsächlich entdeckte ich neben einigen lasziven Tänzern auch so manches headbangendes Exemplar. Bei der Schwüle war mir dies nicht nachvollziehbar, wenngleich CROWBAR einen durchaus spannenden Auftritt lieferten. Fazit dennoch: Diese Band gehört in eine geschlossene Halle, dort wirkt die Musik um einiges intensiver. Dennoch Hut ab, wie gekonnt dem gute Laune Wetter musikalisch ein Schnippchen geschlagen wurde.(kex)

NILE
Auf der Bühne machte sich Ägyptophilie breit, als die vier Technical-Deather von NILE Aufstellung bezogen und ohne Intro ansatzlos ihr hochverzocktes Todesblei in die Menge feuerten. Bei den Temperaturen am späten Freitagnachmittag dürften sie sich wie zuhause gefühlt haben, die heimeligen 37 Grad ohne den geringsten Schatten vor der Bühne sorgten dafür, dass die Grabenschlampen wieder den allseits beliebten Wasserwerfer auspackten. Bei der Hitze versandete allerdings auch der Großteil der Bewegung im Publikum und dadurch, dass die drei beweglichen Teile der Band die Gesangspflichten unter sich aufteilen, blieb auch auf der Bühne jegliche Bewegung aus. Allerdings produzieren NILE jetzt auch nicht unbedingt klassische Tanzmusik. So zockten die Profipharaonen ihre Setlist herunter, ohne sich auf der Bühne groß zu verausgaben. Dabei schien gerade Karl Sanders zumindest ein wenig angeschickert, witzelte herum ("this song is from the album called "Ithyphallic". It's called... 'Ithyphallic'".) und freute sich darüber, dass seine Ansagen ab und an mit Halleffekten belegt wurden. Nicht nur er wurde von den Meistern im Turm verwöhnt, auch das Publikum durfte sich eines exzellenten, drückenden Soundes erfreuen. Lediglich der Bass wurde ab und an vom Schlagzeug und den extrem tief gestimmten Gitarren übertönt. Die Setlist, ein Querschnitt durch die gesamte Bandgeschichte, lies kaum Wünsche offen, von "Black Seeds of Vengeance" bis "At the Gate of Sethu" war von jedem Album etwas dabei und dürfte damit junge wie alte Fans erfreut haben. (Contra)

HEIDEVOLK
imgrightIm Großen und Ganzen hatte man zwar noch anständig Platz, doch vor der Bühne stand man dicht an dicht gedrängt, als HEIDEVOLK sich anschickten, das Partyzelt zu erobern. Party stand hier eindeutig im Vordergrund, denn der zweistimmige, sehr melodische Folk-Metal der Holländer eignete sich perfekt zum ordentlich Abgehen und kam dementsprechend bestens an. Obwohl sie ihre Texte ausschließlich in ihrer Muttersprache präsentieren, zeigten vor allem Sänger Joris und Basser Rowan sich des Deutschen absolut mächtig und unterhielten die Menge prächtig. Diese zeigte sich mindestens genauso textsicher, obwohl der Großteil der anwesenden Fans nicht aus den niederen Landen zu stammen schien. Vor allem bei schnelleren Songs wie 'Saksenland' kochte das Zelt. Als zum Abschluss der Evergreen 'Vulgaris Magistralis' angestimmt wurde, sang das Publikum den Refrain noch weiter, lange nachdem HEIDEVOLK die Bühne bereits verlassen hatten. Die Musik muss man zugegebenermaßen zwar mögen, an der Stimmung während des Auftrittes gab es jedoch absolut nichts zu rütteln. (Contra)
Für mich als Unbeleckte in Sachen HEIDEVOLK war das Konzept des doppelten Gesangs durchaus gewöhnungsbedürftig. Dennoch entdeckte ich hier wieder eine Band, die mir auf dem ein oder anderen Festival gerne wieder unterkommen darf! (kex)

BEFORE THE DAWN
imgleftIn der Abenddämmerung startete das Parallelprogramm zu SIX FEET UNDER auf der Painstage und passender hätten die Lichtverhältnisse im Partyzelt kaum sein können. Seitlich beschien die untergehende Abendsonne die anwesenden Fans, von vorne warmes Scheinwerferlicht und dazu der melancholische Opener 'Exordium' vom aktuellen Album "Rise Of The Phoenix". Im halbleeren Partyzelt verbreitete sich eine Atmosphäre der Ruhe und fast wollte man zu träumen Beginnen. Gekonnt leiteten Tuomas Saukkonen und seine Mannen zu 'Pitchblack Universe' über und zeigten Neulingen direkt die Richtung an: Abgrundtiefe Growls zu melodischen Death Metal Klängen. Die Eingängigen Refrains sprangen direkt auf die Fans über, welche sich recht textsicher in dem (zu diesem Zeitpunkt) erst seit vier Monaten auf dem Markt befindlichen Album bewegten. Zwar machten die Fans mächtig Stimmung, doch etwas enttäuscht war ich doch, dass sich eine Kamera ständig im Hintergrund bewegend auf der Bühne befand, während Keyboard Sounds mehr vom Band kamen. Sicher, diese werden sonst auch von Mastermind Saukkonen eingespielt, aber für einen Liveauftritt macht es schon mehr her, wenn ein echtes Instrument auf der Bühne steht. Für Altfans sicher auch enttäuschend war die geringe Auswahl richtiger Kracher. Aus den ersten Jahren schaffte es lediglich 'Unbreakable' auf die Setlist, welches aber immerhin mit voller Energie ans Publikum gebracht wurde, das es prompt mir frenetischem Jubel dankte. Angenehm bei dem Konzert viel vor allem die warmherzige Begrüßung auf, die dann zuließ, dass der Fokus mehr auf der Musik als auf Publikumsinteraktion lag. Ach ja, und wie hätte es anders sein können, so manchen Fan, den man bei BEFORE THE DAWN sah, traf man anschließend auch bei INSOMNIUM wieder. Diese Kombi hat sich definitiv bewährt.(kex)

INSOMNIUM
imgrightAls die Finnen von INSOMNIUM zu den Klängen des Intros 'Inertia' die Bühne betraten, war das Partyzelt bereits rappelvoll. Nicht zu Unrecht, denn die vier Jungs um Fronter Niilo Sevänen haben sich mit ihrer melancholischen Interpretation des Melodic Death Metals einen exzellenten Ruf in der Szene erarbeitet. Ihr bis dato letztes Werk "One for Sorrow" hat sie auch im Mainstream des Metal bekannt gemacht, so dass hier ein ganz anderer, jüngerer Altersschnitt zu erkennen war, als ich es von ihren Konzerten bislang gewohnt war. Die Stimmung war über solche Zweifel absolut erhaben. Schon während des Soundchecks ließen sich sogar die Grabenschlampen zu kleinen Crowdsurfing-Einlagen hinreißen. Mit 'Only One who Waits' gaben INSOMNIUM gleich zu Beginn einen absoluten Kracher zum Besten, der ordentlich Bewegung ins Zelt brachte. Der Sound mochte mit der kochenden Stimmung allerdings so gar nicht mithalten: Während den ersten paar Songs versumpften die Gitarren, so dass von den eigentlich glasklaren und melodischen Leads nicht viel am wichtigen Ende der PA ankam. Das besserte sich jedoch, kurz nachdem Mikael Stanne sich die Ehre gab, vor seinem eigenen Auftritt mit DARK TRANQUILLITY 'Weather the Storm' zusammen mit Sevänen zum Besten zu geben. Mit fortschreitender Setlist, die auf das Publikum bestens zugeschnitten war, wurde der Sound merklich besser, so dass die bombastischen 'The Killjoy' und 'Unsung' bestens zündeten. Lediglich ein kleiner Zwischenfall, als Gitarrist Markus Vanhala der Stecker aus seinem Instrument fiel, unterbrach den Fluss ein wenig. Sein Kollege Ville Friman wusste mit der Situation allerdings bestens umzugehen und übernahm mitten im Solo für seinen ausgefallenen Nebenmann. Trotz exzellenter Stimmung blieb am Ende ein fader Beigeschmack ob der festivalgeschuldet stark eingedampften Setlist (keine Songs aus der Zeit vor "Above the Weeping World") und dem anfangs miesen Sound, der viele Punkte kostet, da die Gitarrenleads für den einzigartigen Klang von INSOMNIUM zentral sind. (Contra)

DARK TRANQUILLITY
Wer kam eigentlich auf die Idee, den Beginn des Auftrittes von DARK TRANQUILLITY exakt mit dem Ende des von INSOMNIUM aufeinanderfallen zu lassen? Beide Bands bedienen einen quasi gleichen Fanblock, so dass es nicht verwunderlich war, dass man ab der Sekunde, in der INSOMNIUM ihre letzte Note spielten, eine Völkerwanderung vom Partyzelt hin zur Party Stage beobachten konnte. Es wird seinen organisatorischen Grund gehabt haben und bei dem, was die Schweden aufs Parkett legten, war es im Nachhinein auch egal. War es im Zelt eben noch voll gewesen, spottete diese Beschreibung dem Andrang vor der kleinen Bühne jeder Beschreibung. Selbst vor der Main Stage fanden sich Massen an Fußvolk ein, um DARK TRANQUILLITY zumindest auf der Leinwand sehen zu können. Mikael Stanne hatte sich bei INSOMNIUM bereits aufgewärmt, war wie üblich allerbester Laune und hochagil, ging mit dem Publikum auf Tuchfühlung und kündigte jeden Song lang und breit an. Unterstützt wurde er dabei von perfekt gemischtem Sound (schloss man die Augen, hatte ein ums andere Mal das Gefühl, die Schweden gerade von der Platte zu hören) und einer pompösen Videoleinwand, die bei DARK TRANQUILLITY inzwischen zum Standardrepertoire auf jeder größeren Bühne gehört. Das Publikum ließ sich schnell anstecken und gröhlte durch die Bank weg mit. Die Setlist machte das aber auch zum reinen Vergnügen. Der Großteil der Songs stammte von den letzten beiden Alben "Fiction" und "We Are the Void", aber auch das Verlangen nach Vorsintfluchtlichem wurde mit großzügigem Beimengen von Klassikern wie 'The Sun Fired Blanks' und 'The Wonders at Your Feet' bedient. (Contra)

MORGOTH
imgleft"Wollt ihr Metal? Wollt ihr so richtig alten Death Metal? Ja?" Ja, wir wollten! Zumindest am Anfang war bei einigen der Fans noch eine gewisse Euphorie vorhanden. MORGOTH, die Urgesteine. Klar, das wollte man sich nachts als eine der Perlen des Summer Breeze Open Airs gönnen. Platz hatte man um die Uhrzeit mehr als genug, der Wellenbrecher wurde zwar erreicht, aber die Fans füllten das Partyzelt eher lose. Dies lag sicher nicht ausschließlich daran, dass CORVUS CORAX parallel die Painstage beehrten. Eher ist anzunehmen, dass das Jungvolk auf dem Breeze die Band nicht so genau kennt. Dem entsprechend lag der Altersdurchschnitt dann auch eher über der dreißig in Richtung vierzig. Viel sehen konnte man von Marc Grewe und seinen Mannen zu Beginn allerdings nicht, da Dauernebel, Rotlicht und Blitzgewitter im Wechsel die Sicht zunächst erschwerten. "Habt ihr Lust auf Heavy Metal? Habt ihr noch Bier?" Ja, wir hatten. Aber wichtiger noch, wir wollten die Band hören und da gab es einiges auf die Mütze. Gespielt wurde eine Auswahl von 1988 ('Pits Of Utumo') bis 1993 ('Resistance'), die sich durchaus hören lassen konnte. "Wollt ihr Death Metal? Habt ihr Spaß? Wollt ihr richtig harten Death Metal?" Irgdwann verjagten die immer gleichen Ansagen dann doch so manchen Altfan aus dem Zelt. Ärgerlich besonders, dass (wegen des Alkoholpegels?) diese Sorte Ansagen dann auch noch unnötig in die Länge gezogen wurde. Vielleicht hätten MORGOTH einfach ein bis zwei Stunden früher auftreten sollen, denn musikalisch gesehen war der Auftritt ein Fest. "Habt ihr Lust auf Death Metal? Ja? Ihr seid großartig! Wollt ihr richtigen Death Metal?" - Nein, gegen Ende wollten weder ich noch meine Begleiter mehr. Sicher, bis zum Ende hatten wir durchgehalten, aber mehr, weil das Duo Swart- Kelekidis posierte bis zum Umfallen und Frontmann Grewe zumindest während der Songs zu Hochform auflief. Sicher war das hier kein Glanzauftritt, den MORGOTH hier ablieferten, aber Lust auf mehr machte das Quintett schon. (kex)

imgrightEISREGEN
Langsam aber sicher machte sich bei mir dann doch der Party-Koller bemerkbar, so dass ich mich am Freitag nur für sporadisches Reinhören hier und da und schließlich für das Thüringen-Todeskommando EISREGEN begeistern konnte. Die Ver- und Anwesenden im Partyzelt waren doch schon sichtlich vom Festivaltag selbst und natürlich von reichlich Alkoholeinfluss gezeichnet. Egal, die Truppe um Herrn Blutkehle enterte jdenfalls guter Dinge die Stage und legte (nach einem 'Eine Kleine Schlachtmusik'-Intro) den Song 'N8verzehr' auf die Saite. Generell wurden eher ruhigere Songs ausgewählt, was mir persönlich aber sehr gut gefiel, weil es der Stimmung im Zelt sehr entgegen kam. Möglicherweise lag es auch daran, dass EISREGEN direkt nach MORGOTH zockten und diese in Sachen Härte wohl kaum hätten überbieten können. So konnte man mit 'Das Liebe Beil' und 'Scharlachrotes Kleid' auch mal die gediegeneren EISREGEN-Songs genießen und mit 'Eisenkreuzkrieger' und 'Elektro-Hexe' war auch etwas Kontrastprogramm dabei. (Wulfgar)
8 von 10 Punkten für einen, wie schon gesagt, gediegenen Gig zu später Stunde. Eigentlich genau wie es für EISREGEN passt.


Samstag


Haebs Tagebuch


imgleftDie Sonne brennt immer noch gnadenlos. Umso entsetzter müssen wir feststellen, dass die Verantwortlichen für die Schließfächer, obwohl wir innerhalb der Öffnungszeiten ankommen, nirgends zu finden sind und wir nicht an die (wohlgemerkt nicht kostenlos) gemieteten Schließfächer können, in denen unsere kostbare Flüssigkeit lagert. Schlecht! Super und von allen positiv aufgenommen ist das Engagement der "Grabenschlampen": Nicht nur konnte man beobachten wie allzu aggressive Crowdsurfer zu Recht gewiesen wurden, es wurde auch regelmäßig für Abkühlung gesorgt. Ein großes Lob dafür. Gerade den Auftritt von BETONTOD machte dieses Engagement noch großartiger! In der Zwischenzeit haben wir auch mit einigen Leuten geredet, die direkt neben den Schließfächern auf einem eigens gemieteten Platz campen. Großteils waren sie zufrieden, nur der angemietete Platz sei zu eng bemessen; außerdem hätten nachts irgendwelche Vandalen ihre dazu gemieteten Toilletenhäuschen umgeworfen: Liebe Festivalbesucher, es ist ja beinahe normal, etwas auszurasten, aber es ist dann doch nicht ok, seinen gesunden Menschenverstand gegen das Festivalbändchen einzutauschen. Schon gar nicht, weil man der Meinung ist, "Elite-Camping" bekämpfen zu müssen.

BETONTOD
imgrightFrüher Morgen, brennende Gluthöllenhitze +3, und eine meiner Favoritenbands muss auf die Bühne. Ganz toll! Naja, hilft nichts: Wer feiern kann, der kann auch mal einen Hitzschlag riskieren. In praller Sonne und bei bester Laune kamen die Rheinbergener Punks auf die Bühne und hielten sich wegen der knapp bemessenen Zeit nicht lange mit Rumgelaber auf, sondern traten mit 'Schwarzes Blut' gleich ordentlich aufs Gas. Dieses Tempo wurde dann auch beibehalten und erreichte spätestens bei der Nationalhymne aller Kampftrinker ('Glück Auf') seinen Höhepunkt. Auch wurden einige neue Songs gezockt die beim Publikum ausnahmslos gut ankamen. Bei so viel Partypotential kam es dann irgendwann einer göttlichen Segnung gleich, dass die Grabenschlampen recht bald den Feuerwehrschlauch anwarfen (an dieser Stelle auch nochmal vielen Dank dafür) und für dringend benötigte Abkühlung sorgten. Was war sonst noch? Ach ja, Frontman Meister kletterte im Bühnenaufbau herum, ich hatte wieder Lust auf eine Hopfenkaltschale und der Gig war leider viel zu schnell wieder vorbei. (Wulfgar)
9 von 10 Punkten dafür, dass die sympathischen Niederrheiner so einen geilen Auftritt aus so einem schlechten Slot machen.

TANZWUT
imgleftDer einzige Gig der mich ein wenig enttäuscht hat, war derjenige von TANZWUT. Eigentlich kann ich die Synthese aus Mittelalter- Folk- und Elektronik-Elementen sehr gut feiern, aber diesmal war irgendwie der Wurm drin. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob es einfach an der sehr frühen Auftrittszeit in prallem Sonnenschein lag oder vielleicht an der Songauswahl (trotz 'Ihr Wolltet Spaß' und 'Bitte Bitte'), jedenfalls kam bei mir überhaupt keine Stimmung auf. Daran konnten auch die aufwendige Bühnendeko und ellenlange Polonaisen im Publikum nichts ändern. Ich will nicht behaupten dass das ein allgemein gültiges Phänomen war, aber mich konnten die Berliner nicht mal bis zum Ende des Gigs bei der Stange halten. Schade, schade!(Wulfgar)
5 von 10 Punkten. Beim nächsten Mal wird's besser.

UNLEASHED
Die Schweden von UNLEASHED hatten ob ihres Platzes im Billing eine schwere Aufgabe abbekommen. Die drückende Gluthitze um 15 Uhr sorgte dafür, dass viele potentielle Zuschauer sich lieber ein kaltes Bier und ein schattiges Plätzchen auf dem Campground suchten, als sich in den Backofen vor der Pain Stage zu stellen. Als Gegenmaßnahme gab es Death Metal und Wasserwerfer. Mit basslastigem Sound und eingängigen Refrains eroberten die vier Mannen um Frontschönheit Johnny Hedlund das Publikum schnell, trotz der hohen Temperaturen flogen die Haare im Akkord. Band und Fans steckten sich gegenseitig mit guter Laune an, das Bier floss aus den Hörnern der Band auch gerne mal in die Menge und Partystimmung machte sich breit. Dabei zog sich ein Credo durch die gesamte Setlist: Songtitel = Refrain. Auch für Unkundige machte dies das Mitgröhlen leicht, denn wenn 'The Longships are Coming' angekündigt wurde, konnte man sich sicher sein, dass der Text sich derartig gestalten würde: "The Longships are Coming, The Longships are Coming, The Longships are Coming, The Longships are Coming." Dem Publikum war derlei fehlender Tiefgang allerdings vollkommen egal, denn wer bei UNLEASHED komplexe Muster und tiefschürfende Philosophie sucht, ist dort eh fehl am Platz. Die Songs wurden einer nach dem anderen abgefeiert, insbesondere 'Wir Kapitulieren Niemals' brachte den Schweden Höchstnoten auf der Sympathieskala. "AMON AMARTH-light" fasst den Auftritt erschöpfend zusammen, das ist jedoch alles andere als missbilligend gemeint. UNLEASHED schafften es mühelos, das Publikum trotz menschenfeindlicher Temperaturen mitzureißen und zeigten, dass sie nicht umsonst seit über 20 Jahren zu den Großen des Genres gehören.(Contra)

SEPULTURA
"Wie geht's dir, Summer Breeze?" Mit einer kleinen, persönlichen Note begrüßte Sänger Derrick Green das in Maßen vor der Main Stage aufgelaufene Publikum. Die Temperaturen, die seit UNLEASHED nur unmerklich gesunken waren, machten sich auch hier bei den Zuschauerzahlen bemerkbar. Die brasilianischen Thrash-Urgesteine ließen sich das jedoch nicht anmerken und feuerten mit fettem Sound eine Breitseite nach der anderen ins Publikum. Mit 'Refuse/Resist' stand schon früh ein echter Brecher in der Setlist, was die Fans vor der Bühne direkt zum Crowdsurfen veranlasste. Allerdings auch nur direkt vor der Bühne, denn bereits einige Meter weiter hinten lichteten sich die Reihen. Füllen wollte sich der Platz zwischen den Bierständen nur langsam. Spieltechnisch gesehen zeigten sich SEPULTURA in exzellenter Form, auch der Sound ließ nichts zu wünschen übrig. Gerade das mit Eloy Casagrande neu besetzte Schlagzeug ballerte wohlgefällig aus den Boxen, aber auch der scharfe Gitarrensound und der drückende Bass wusste zu gefallen. Die Hitze zeigte allerdings deutliche Wirkung: vor der Bühne war zwar ordentlich Bewegung in der Menge, dafür, dass SEPULTURA Headbangermusik par excellence machen, fehlte allerdings immer noch viel. Auch auf der Bühne regierte häufig Stillstand, Gitarrist Andreas Kisser schien gar mit dem Boden fest verwachsen zu sein. Vielleicht hatte er aber auch nur einen schattigen Platz gefunden und wollte den niemals wieder hergeben. Greene tat zwar sein bestes, für Stimmung zu sorgen und feuerte das Publikum immer wieder an. Seine beeindruckende Statur, mit der er sich vermutlich auch in jedem Basketballteam wohl fühlen dürfte, reichte aber nicht ganz aus. Zumindest, bis er als letzten Song das legendäre 'Roots Bloody Roots' ankündigte, was auch dem letzten den Boden unter den Füßen wegzog. Es dürfte auch den freundlichen jungen Mann neben mir zufrieden gestellt haben, der, mit Baseballkäppi, Hipsterbrille und Tanktop verziert, der Welt im Allgemeinen und mir im Besonderen mitteilte, dass er ja nur hier sei, um 'Roots' zu hören, dann würde er ja auch wieder gehen. Genau deswegen spielen sie das ja auch am Ende. (Contra)

imgrightASPHYX
Mit mittlerweile über 20 Jahren Bühnenpräsenz dürfen sich die Niederländer von ASPHYX durchaus als Urgesteine des Death Metal bezeichnen. Als die ersten Akkorde des Openers 'The Quest Of Absurdity' vom Debüt Album "The Rack" dürften manchem Altmetaller die Augen feucht geworden sein. Gleichzeitig musste man bei dem einsetztenden Blitzlichtgewitter Angst vorm Erblinden zu kommen. Eins machten das Quartett deutlich klar: Die Haare mochten teils komplett ergraut sein, aber wer auf Altersmüdigkeit schloss, hatte weit gefehlt. Rohes Todesblei schoss aus dem Schlagwerk und geradezu frisch entsprangen die Growls aus van Drunens Kehle. Schnell war vergessen, dass ASPHYX ihren Auftritt erst mit 15 Minuten Verzögerung starten konnten. Weshalb, wusste nichtmal die Band selbst, was sichtlichen Ärger hervorrief. Dieser war jedoch schnell vergessen, denn Klassiker wie 'MS Bismarck' rissen das Publikum genauso mit, wie das neuere 'Der Landser (German Version)'. Das Luftgitarrengepose ließ beinahe eine wirkliche Gitarre in den Händen van Drunens vermuten, während er mit seinen Kollegen bangte, was der Nacken hergab. Der Elan auf der Bühne war so groß, dass das doch recht zahlreich erschienene Publikum kaum hinterher zu kommen schien. Die Stimmung war so gut, dass selbst Plumpe Hey-Rufe perfekt funktionierten, genauso wie ausgelutschte "Ihr seid genial!" Ansagen. Der Fokus der Setlist lag einerseits auf den Anfangsjahren 1991/92 auch mit einigen Songs von "Last One On Earth", andererseits wurden auch einige neuere, deutlich näher im Doombereich angesiedelte Songs von dem in diesem Jahr erschienenen "Deathhammer" gespielt. Die Fans nahmen alle Songs dankbar auf und wurden zum Abschluss mit dem Klassiker 'The Rack' belohnt. Fazit: Energetische Auftritt, der mich zwar nicht immer musikalisch mitriss, aber durch Bühnenpräsenz stark zu überzeugen wusste. (kex)

ASP
Da ist man kaum angekommen, da steht schon wieder das Ende des Summerbreeze vor der Tür. Grund genug eine leicht melancholische Stimmung zu entwickeln. Und welche Band könnte diese Stimmungslage wohl besser bedienen als die Frankfurter Gothicrocker ASP? Davon konnte ich mich auch schon beim diesjährigen Rockharz Festival überzeugen. Nur das der Auftritt beim Summerbreeze noch übertroffen werden sollte. Von Anfang an stimmte die Chemie zwischen Band und Publikum, so dass Herr Spreng bester Laune war und ausgiebig mit den Fans kommunizierte (ein Beispiel: Fans: Ausziehen! Ausziehen! - ASP: Glaubt mir, das will keiner sehen. Aber wenn die ersten 3 Reihen anfangen mache ich mit.) Das und die Tatsache, das neben ein paar Songs vom aktuellen Album "Fremd" (z.B. das großartige 'Wechselbalg') ein Hit nach dem abgefeuert wurde ('Schwarzes Blut', 'Ich Will Brennen', 'Werben', 'Und Wir Tanzten'), ließen das Konzert zu einem Höhepunkt dieses Tages werden. Mich ließ es in einer seeligen Sphäre vollkommener Zufriedenheit zurück, so dass ich es lange nicht vergessen werde. Es hat einfach alles gestimmt und so war das ASP-Fan Gemisch wieder einmal "...zu Sensation prädestiniert, eine magische Verbindung und ein Teufelselixir". (Wulfgar)
9.5 von 10 für einen grandios/gloriosen Auftritt des Meisters der Dunkellyrik. Bitte mehr davon!

VALLENFYRE
Selten ist mir eine Band untergekommen, die ein derart breites Spektrum an Songs bei nur einem offiziell herausgebrachten Studioalbum besitzt. Noch seltener hatte ich den Eindruck, dass zu dieser Musik kein Foto der Welt passen wird, um auch nur im Ansatz die Stimmung des Auftritts so einzufangen, dass ein passendes Bild entsteht. Mein persönliches Highlight des diesjährigen Breeze, sogar den phänomenalen Auftritt von ICED EARTH in den Schatten stellend, waren die Engländer von VALLENFYRE. Bereits bei PARADISE LOST konnte man Frontmann Gregor Mackintosh und Adrian Erlandsson in Aktion bewundern - und merkte es den beiden kein bisschen an, dass sie zuvor bereits die Mainstage rockten. Mackintosh hatte hier zwar kein Saiteninstrument in der Hand, was manchem Fan zwar ungewohnt vorgekommen sein mag, aber seiner Bühnenpräsenz keinen Abbruch tat. Warm begrüßte er die Fans, kommentierte liebevoll jeden der zu spielenden Songs und versuchte ständig mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben. Das Partyzelt war recht leer, nichtmal halbvoll, aber wer sich am Samstagabend dort befand, wurde Teil eines ganz besonderen Auftritts. Mit ihrer Mischung aus Doom und Death zogen Engländer das Publikum mal hinab in emotionale Tiefen, mal erreichte das Set eine Geschwindigkeit, bei ein Nackenbruch unabdingbar zu sein schien. Wurde zunächst mit dem etwas gesetzteren 'All Will Suffer' begonnen, steigerte sich die Geschwindigkeit bei 'Ravenous Whore' ins unermessliche. "This is our fastest Song" war eine Ansage, der die Band kompromisslos nachkam. Vielleicht lag es am Textinhalt ("This is abaut a really horrible woman"), dass mit allem losgeknüppelt wurde, was sich auf der Bühne befand. In krassem Kontrast dazu bewegte sich dann 'The Grim Irony', welches das gesamte Publikum in die Knie zu zwingen schien. Mackintosh gab denn auch zu, dass dieser Song wohl eher kein Festivalgig sei. Aber auch hier war noch Steigerung, denn 'Seeds' "the most miserable Song ever played on Summer Breeze" stand den Anwesenden ja noch bevor. "A Fragile King" wurde so mit fast allen Songs und all seinen Facetten dargeboten und zwang nicht zuletzt wegen Mackintoshs herzlicher Publikumsinteraktion jeden der Anwesenden VALLENFYRE ins Herz zu schließen. Schade, dass die Zukunft des Quintetts derzeit ungewiss ist.(kex)

AMON AMARTH
imgleftEin weiser Mann sagte einst: "Jeder Amon-Gig läuft im Prinzip gleich ab: Sie kommen auf die Bühne, sind zwei Stunden lang awesome und gehen wieder." So auch hier, auch wenn sie nur 75 Minuten Spielzeit hatten und dementsprechend nur 75 Minuten lang awesome waren. Hätte ich nicht als Tatsache gewusst, dass sich Menschen auf dem Campground und im VIP-Bereich aufhalten, wäre ich ohne Umschweife der Illusion unterlegen, dass jeder – wirklich jeder – sich für den Headliner eingefunden hatte. Wer hier zu spät kam, musste mit einem Platz an einem der hintersten Bierstände vorlieb nehmen, die Masse an Menschen drängte sich bis kurz hinter die Soundtürme dicht an dicht. Gefühlte 50.000 Mann (wenn AMON AMARTH spielen, ist man ein Mann, ganz egal, was der Hausarzt behauptet) wollten sich von den Schweden bespaßen lassen. Die kamen dieses Jahr zwar ohne Drachenboot oder Jomswikinger, warteten dafür aber mit einer Pyroshow auf, die sich gewaschen hatte. Schon zum Opener 'War of the Gods' wurde mehr Schwarzpulver in den Nachthimmel geblasen, als in mittelschweren bewaffneten Konflikten des Industriezeitalters. Zwar fiel das Mikrofon während der ersten Songs kurzzeitig aus, Frontbart Johann Hegg ließ sich davon jedoch wenig beeindrucken und feuerte die Menge ordentlich an. Die nahm das Angebot dankend an, feierte jeden Song ab und brüllte die Hits von 'Death in Fire' bis 'Guardians of Asgaard' wie ein Mann mit. Als dann auch noch die Ansage kam, dass dies die letzte Show der "Surtur Rising"-Tour war und man beim nächsten Auftritt auf dem Breeze ein neues Album im Gepäck haben würde, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. AMON AMARTH würdigten die Begeisterung mit einer Bombensetlist, die neben Evergreens auch etwas ausgefalleneres wie das ruhigere 'Under the Northern Star' und den Brecher 'Victorious March' (wie immer hierzulande mit auf Deutsch vorgetragener erster Textzeile) beinhaltete. Am Ende steht zu Buche, das AMON AMARTH live eigentlich wirklich immer gleich sind. Aber eben großartig. Sie wissen, was sie tun, tun das abgezockt, mit viel Energie und einem Hünen am Mikrofon, der so unfassbar männlich guuuuuuuuut sagen kann, wie sonst allerhöchstens Vin Diesel mit Halsschmerzen. (Contra)


Fazit



Haebs Tagebuch


imgrightVöllig fertig von einem wirklich guten Festival bauen wir unser Camp ab und fahren langsam auf die Straße. Dabei wundern wir uns wie jedes Jahr über das Rücksichtslose Verhalten vieler Festivalbesucher und den Zustand, in welchem Sie ihre Camps zurücklassen. Naja wir freuen uns erstmal nur auf unser Poster, was wir aber nicht bekommen, weil uns die Security sehr schroff an die Ausgabestelle am Ausgang verweist, da es hier am Müllcontainer direkt keine mehr gibt. Hätte man auch netter sagen können, aber gut, letzter Tag, kein Bock mehr, kann man verstehen. Wer weiß, was der sich schon alles hat anhören müssen. Den Catwalk hätte man sich irgendwie sparen können. Er war ja dann doch ziemlich unspektakulär und kaum besucht. Der Sound war ok, mit manchmal zu viel Bass, aber das kennen wir ja aus den Vorjahren. Echt gut waren da die mitgeliferten Ohrstöpsel, die weit entfernt von billig waren. Solides Gummi, das den Sound recht gleichmäßig herabdrosstelte. Der Campplatz könnte angenehmer eingewiesen werden. Auf G war es ziemlich eng, während hinten raus wieder viel Luft war. Als wir dann endlich auf der Heimfahrt sind, sind wir zufrieden und glücklich. Enge Zeltplatzbelegung hin oder her: Das nächste Summer Breeze ist schon fest eingeplant.

Pro und Contra


Stimmung: genial. Sound: genial. Einlasskontrollen: welche Einlasskontrollen? So die kurze Version eines Fazits. Die lange Version folgt:
Zunächst fällt auf, dass die groß angekündigten Neuerungen selbst alten Festivalhasen nicht mal so ein bisschen ins Auge sprangen. Beispiel Catwalk: Wann, wo und wie dieser von statten gehen sollte, war nur denjenigen klar, die sich ein Programmheft kauften. Das tat ich nicht und so hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung, wo der ominöse Catwalk denn nun zu finden war. Im Nachhinein fand ich dann heraus, dass er parallel zu DARK TRANQUILLITY abgehalten wurde, auch eine Aussage über die vom Veranstalter eingeräumte Bedeutung dieses Events. Neu war auch, dass eine Hundebetreuung eingerichtet wurde. Auch bei zahlreichen Nachfragen fand sich niemand, der seinen Hund dort abgegeben hätte. Wohl aber war im Polizeibericht zum Festival zu lesen, dass die Polizei einen in einem Wagen eingeschlossenen Hund befreite. Gut, die reservierten Campingflächen waren kaum zu übersehen, was einerseits an der hohen Dixiedichte lag, andererseits aber auch an der wenig sinnvollen Umzäunung, die bis Donnerstag keinen graden Weg von der Campfläche B zum Festivalground ermöglichte.

Auf einem Festivalgelände vier Bühnen aufzubauen, von denen auf dreien quasi permanent gespielt wird, und diese Bühnen so zu beschallen, dass sie sich nur in einem kleinen Bereich gegenseitig übertönen, ist eine klasse Leistung. Dann mitten auf das Gelände einen Promostand zu packen, der Schnaps ausschenkt und einen derartigen Lärm macht, dass man vorm Partyzelt die Band im Partyzelt nicht mehr hören kann, ist das exakte Gegenteil. Der Ficken-Likör-Stand war allerdings neben den extrem laschen Einlasskontrollen mein einziger großer Kritikpunkt. Ok, und das Bier hätte besser sein können. Aber wir sind hier auf einem Festival, bring dein eigenes mit. Durch die Security konnte man sowieso locker zwei, drei Dosen schmuggeln.

Das Positive überwiegt aber deutlich: in fast allen Fällen exzellenter Sound (wobei sich dieser bei vielen Bands ein, zwei Songs lang erstmal einpendeln musste) und grandiose Stimmung selbst bei Pisswetter (an exakt einem Tag von vier, dafür aber richtig!), respektive Temperaturen jenseits der 30 Grad. Die Setlists der meisten Bands bewegten sich auf deutlich überdurchschnittlichem Festivalniveau und der Anteil an Menschen, die ich mal freundlich ausgedrückt in der Kategorie "Nein" zusammenfasse, hielt sich erfreulich gering. Auch der Bauch freut sich: die Verpflegung auf dem Festivalgelände war sowohl reichlich vorhanden und anständig, als auch preislich auf fairem Niveau. Mit Ausrutschern nach oben und unten. Als ich den Chinamann ansteuerte und die Kombination aus Preis und Portionsgröße sah, ließ ich meine Füße mich flugs zum nächsten Burger tragen. Selbstverständlich bin ich nicht mal im Ansatz dazu gekommen, sämtliche Fressbuden zu testen, was vor allem daran lag, dass ich bereits am ersten Tag bei Vegetarix hängenblieb. Auf einem Metalfestival einen rein vegetarischen Imbiss aufzubauen ist von einem Klischeestandpunkt aus gesehen mutig, aber wenn man es richtig macht, dann kommt diese Offenbarung aus Reis, Falafel und Gemüse dabei heraus.
Nun kennt das Breeze bereits seit einiger Zeit den veganen Burgerwagen, aber der Vegetarix punktete dann doch vor allem, damit, dass hier Fleich nicht durch Sojazeugs ersetzt wurde. Ich habe mich selten auf einem Festival freiwillig derart gesund ernährt.

Die wasserwerfenden Grabenschlampen sind keine Neuerung, aber nach wie vor herzlich willkommen. Überhaupt erledigten die Jungs in rot ihren Job unaufgeregt und erfrischend freundlich. Ganz anders als die Kollegen an der Schleuse zum Festivalgelände, die zwar ebenfalls unaufgeregt und erfrischend freundlich waren, dabei ihren Job aber nicht erledigten. Mit fortschreitender Festivaldauer wurde aus anfangs noch vernünftigem Abtasten ein "einmal Hüfte, einmal Beine"-Gewische, das mehr Alibi als Security darstellte. Gut, dem Ansturm zu späterer Stunde muss man Herr werden, da muss es schneller gehen, das sehe ich ein. Warum von mehr als zehn Schleusen dann aber nur eine Handvoll aufgemacht werden, das erschließt sich mir selbst nach reiflicher Überlegung nicht. Aber was solls. War man einmal drin, hatte man Spaß bis unter die Achselhaare. Vom New Blood Award, der auf gewaltig hohem Niveau daherkam, bis hin zum grandiosen Abschluss durch AMON AMARTH und ihre ozonlochverachtende Pyroshow. Abgerundet wurde das Ganze durch (größtenteils) gutes Wetter, gutes Essen, gute Preise beim guten Merch (zumindest im offiziellen Zelt. Auf der Händlermeile habe ich mehr als einen Stand schallend lachend verlassen) und ein paar exzellenten Ideen der Orga. Angeführt sei hier nur das Ready to Rock-Camp, das mit seinen immergleichen, grünen Igluzelten zwar an ein überdimensionales Salatfeld erinnerte, aber auch Besuchern ohne Transportmöglichkeit, ohne Zelt oder ohne Bock auf Zeltaufbau die Möglichkeit des Campens einräumte.
Mit Abschluss des Summer Breeze fuhr ich dann um eine Weisheit reicher heim: man kann aus jedem Bandnamen ein kurzes, dummes Lied machen. Ob "Amon Amarth, ba-di bidibi" oder "Eis, Eisregen, ding ding dingedinge-ding-ding-ding", es geht alles.
(Contra)

Für euch waren unterwegs (von links nach rechts): Contra, kex, Wulfgar und Haeb (nicht im Bild)
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Billing
Folgende Bands sind bisher bestätigt:

ICED EARTH - PARADISE LOST - RAGE - DARK TRANQUILLITY - AMON AMARTH - ARCH ENEMY - DIE APOKALYPTISCHEN REITER - SUBWAY TO SALLY - ASP - BORN FROM PAIN - ELUVEITIE - BULLET - CORVUS CORAX - TANZWUT - INSOMNIUM - u.v.m.

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