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Qntal - VIII - Nachtblume

Review von Zephir vom 23.03.2018 (1351 mal gelesen)
Qntal - VIII - Nachtblume Vier Jahre lang haben wir nichts von QNTAL gehört: Michael Popp und Syrah waren vollkommen eingespannt in ihr Mittelalter-Projekt ESTAMPIE sowie in die Arbeit mit dem Vokalensemble VOCAME. Jetzt endlich können Freunde der Elektro-Mittelalter-Marke QNTAL wieder in jene altvertraute und doch immer wieder neue, mystisch-filigrane Welt abtauchen, zu der das jüngste Output "Qntal VIII - Nachtblume" erneut die Tore öffnet.

Der rote Faden, der sich durch die vergangenen Alben I bis VII zieht, wird nun programmatisch mit der symbolträchtigen Lyrik der Romantik angereichert. Gleich der eröffnende Titeltrack 'Nachtblume' vertont das gleichnamige Eichendorff-Gedicht von 1834 auf QNTAL-typische, kongeniale Weise: Syrahs warmer Gesang wird unterlegt mit sphärischen Synthie-Sounds und orientalischem Lauteninstrumentarium, bis der frostige Elektro-Beat Eiskristallen gleich und tranceartig in die nächtliche Kulisse einbricht und sich schließlich mit dem Organischen der Stimme verbindet. Wir geben uns gleich zu Beginn des Albums eine ordentliche Eichendorff-Dosis: Weiter geht es mit 'Die Finstere Nacht'. Der Song ist noch tanzbarer, Gothic-Batcave-ähnlicher, ganz ungewohnt mit Männerstimme vertont. Das lyrisch-gemäßigte 'Music On The Waters' klingt dagegen fast wie aus der Ära "Silver Swan" (2006), während 'Monteclair' mit seinem Kontrast von Ecken und Kanten einerseits und fließenden Gesangslinien andererseits abermals Wärme und Eiseskälte gleichzeitig ausstrahlt.

Es folgt mein persönliches Lieblingslied 'Echo', das mich echogleich seit dem ersten Hören gefangen hält: Eine sanft erzählte, trotzdem dramatische Ballade mit eigenartig fremden Harmoniewechseln zwischen Strophe und Refrain, die die zwischenzeitlichen Kadenzen trügerisch als Ruhepol erscheinen lassen, nur um in der nächsten Modulation umso heftiger Gänsehaut zu verursachen. Lange habe ich nach dem vermeintlich romantischen Verfasser des Gedichts gesucht und schließlich mit höchst emotional aufgeladener Begeisterung erfahren, dass es sich dabei um Fantasy-Ikone Markus Heitz handelt (genau, der Autor der "Zwerge" und der "Albae"!). Würden Eduard Mörike und Hugo Wolf im 21. Jahrhundert leben und wirken, sie täten es nicht besser …

Jahrhunderte zurück ins Mittelalter geht es mit 'Parliament Of Fowles', natürlich in hochmoderner, bewegter Vertonung, einer guten Überleitung zum absolut clubtauglichen Abtanz-Titel 'Chint', bei dem kein Batcave-Gänger wird stillhalten können. Das folgende 'Before The World Was Made' ist ein weiterer lyrischer Titel in QNTALs mystischer Zeitreise, der mit zwischenzeitlichen Dur-Harmonien und den höchst akustisch anmutenden Saitenklängen zuerst irritierend populär wirkt, sich aber seinen Platz auf dem Album mit feingrazilen Elektronik- und Mittelalter-Elementen sowie mit ausgeklügelten harmonischen Modulationen durchaus verdient.

Bei 'O Fortuna' handelt es sich bekanntermaßen um Verse, die schon viele Male vertont wurden - nach Carl Orff kamen da beispielsweise noch CORVUS CORAX ("Cantus Buranus", 2005). Die vorliegende Version entspricht kompositorisch jener von ESTAMPIE auf dem Album "Ondas" (2000), ist aber mit mehr scharfzackigen Synthesizern eindeutig QNTALisiert. Für den Rest der Platte bleiben wir in den wirklich lang zurückliegenden Jahrhunderten: Das stilechte 'Minnelied' kommt mit sanften Gesangslinien und viel zerbrechlich-durchschimmerndem Elektro-Arrangement; das helle, nachdenklich-bewegte 'Sumervar' vertont mittelhochdeutschen Minnegesang des 13. Jahrhunderts (wenn ich recht informiert bin, handelt es sich um einen Text Ulrich von Liechtensteins). Abschließend gelangen wir mit 'A Chantar' und seinen folkigen Einschlägen noch in den seltenen Genuss eines Troubadouren-Stücks von einer der wenigen Frauen des Genres, Beatriz de Dia.

Eine eigenartig verzauberte Reise ist es, auf die uns QNTAL mit "Nachtblume" führen: Von der schwarzen Seite der Romantik über die phantastische Parallelwelt der Gegenwart zurück in die ebenso schattenreichen wie erhellten Nischen des Mittelalters. Und auch nach zweieinhalb Jahrzehnten ist die Musik noch genauso geheimnisvoll und faszinierend, so kontrastreich und polarisierend und doch so in sich geschlossen wie am ersten Tag. Jeder Schwarzromantiker, jeder Mittelalter-Fan, jeder Goth, jeder Batcave-Gänger und auch jeder Ottonormalhörer, der QNTAL schon lange liebt, sollte sich unbedingt auf diese Reise begeben.

Anspieltipps: 'Nachtblume', 'Echo'.

Gesamtwertung: 10.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Nachtblume
02. Die Finstere Nacht
03. Music On The Waters
04. Monteclair
05. Echo
06. Parliament Of Fowles
07. Chint
08. Before The World Was Made
09. O Fortuna
10. Minnelied
11. Sumervar
12. A Chantar
Band Website: www.qntal.de
Medium: CD
Spieldauer: 52:00 Minuten
VÖ: 09.03.2018

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