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Rockharz Festival 2017

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Take off: 05.07.2017 - Review (380 mal gelesen)
Beim Rock Harz 2017 hat sich etwas getan. Zwar nur in Nuancen, aber doch merklich wurde an Kleinigkeiten geschraubt. So hat sich das Camping-Areal dezent vergrößert, was auch unmittelbar Auswirkungen auf die Anzahl der Festivalbesucher hat. Von bisher ca. 13.000 ist das Rock Harz nun auf 15.000 Zuschauer gewachsen. Die Anschläge in der Vergangenheit haben beim Rock Harz für weitere Vorkehrungen gesorgt. Der Eingangsbereich ist von Baumstämmen umsäumt und soll so den durchbrechenden Lkw Einhalt gewähren. Der geländekundige Attentäter wird darüber aber nur müde lächeln, denn das Gelände ist an mehreren Stellen mehr oder weniger leicht mit einem Lkw befahrbar, die paar Zäune ums Gelände rum sind da nicht wirklich ein Hindernis. Auch in Sachen Merchandising und Co. wird mehr geboten, die Anzahl der Geschäfte hat ebenfalls zugenommen. Ein bißchenr Luxus hat auch im VIP-Bereich Einzug gehalten, denn anstatt der zwei mobilen Toilettenhäuschen gibt es dieses Jahr einen Toiletten-Container. Dafür wurde das W-Lan abgeschafft, das Zelt gestrichen und die Stromversorgung eingestellt, was eine kleine Einschränkung darstellt. Aber das ist auch Jammern auf hohem Niveau.

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Die AFM-Label-Night macht wie in den letzten Jahren den Festival-Anheizer, wobei man auch dieses Jahr nicht nur sechs Bands an den Start gebracht hat, sondern auch die Garantie im Gepäck hat, dass es diese Bands ordentlich krachen lassen. Mit KRYPTOS eröffnen die Exoten bei AFM, denn die Band kommt aus Bangalore, Indien. Dennoch ist die Band, die im nächsten Jahr auch schon ihr 20-jähriges Jubiläum feiern darf, recht erfolgreich unterwegs und man gibt eine überzeugende Kostprobe ab und befeuert das bereits versammelte Publikum mit ordentlichen Thrash-Breitseiten.Die zweite Band ist an diesem Nachmittag BLOODBOUND, die ihre Bühne natürlich dafür nutzt, um ihr Anfang des Jahres veröffentlichtes Album "War Of Dragons" zu promoten. Bei dem gut gelaunten Publikum findet man dankbare Abnehmer und hat leichtes Spiel, so dass auch dieser Auftritt als voller Erfolg für die Band gewertet werden kann. Mit SERIOUS BLACK kommen nun Wiederholungstäter auf die Bühne. 2015 war man als Frühstarter noch im offiziellen Festivalprogramm, diesmal rockt man im Rahmen der AFM Label-Night die Bühne und darf sich darüber freuen, dass bereits viele angereist sind und der Platz vor der Bühnen daher schon ordentlich gefüllt ist. Mit der üppigen Spielzeit kann die als Nebenprojekt gestartete Band gut umgehen und kredenzt uns ein vielseitiges Programm ihres Repertoires. Die Band genießt es, ordentlich abgefeiert zu werden und ich würde mich nicht wundern, wenn die Band in zwei Jahren wieder im offiziellen Billing zu finden sein wird. Mit STAHLMANN treffen wir erneut auf Wiederholungstäter, diesmal wie die vorherige Band im Rahmen der AFM Label-Night. Mit dem neuen Album "Bastard" im Gepäck, nur diesmal ohne die gewohnte Schminke, hinterlässt man wieder einmal einen spielfreudigen Eindruck, der die Massen begeistert. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf meinen Konzertbericht der kürzlich erst absolvierten "Bastard"-Tour aufmerksam machen. Die Power Metaller ORDEN OGAN können das Rock Harz auch schon fast als zweite Heimat bezeichnen, immerhin hat man den Auftritt 2015 mit der Kamera festgehalten. Im Gepäck hat man das zwei Tage später erscheinende Album "Gunmen", zu dem es einige Kostproben zu hören gibt. So bekommt das Festival auch noch einen exklusive Höreindruck geboten, was die AFM Label-Night zusätzlich aufwertet. Mit dem Headliner DIRKSCHNEIDER hat man ein Großgewicht an den Start geschoben, auch wenn der Mann eher kurz geraten ist. Von der Setlist her habe ich keinen Unterschied zum Auftritt auf dem Rock Hard festgestellt, aber Änderungen waren auch nicht wirklich erforderlich, denn mit den ACCEPT-Klassikern sind viele von uns groß geworden, was man auch hier deutlich merkt. Textsicher ist das Publikum dabei und feiert den kleinen Mann in seinem Military-Look ab. Ein dickes Dankeschön an AFM, die tatsächlich ein tolles Band-Paket auf die Rock Harz-Bühne gebracht hat. Chapeau!


Donnerstag, 06.07.2017

Der erste Festivaltag bekommt die volle Sonnenbreitseite, so dass ich meine Entscheidung, aufgrund gelegentlicher Wolken in Quedlinburg auf die Sonnencreme verzichtet zu haben, schon früh bereue. Als Festival-Opener hat das Rock Harz mit INFECTED RAIN eine Band aus Moldawien an Land gezogen, die mit ihrem Nu Metal die Frühaufsteher zu begeistern wissen. Fronterin Lena ist gesanglich variabel unterwegs und auch nett anzuschauen. Es folgt mit APRON ein Kontrastprogramm aus Deutschland, die gute Laune bereitet, zumal die Besucher in die Show der Konfetti-Metaller einbezogen werden. Die Münchner schlagen mit ihrer diabolischen Zirkusmusik voll ein und so verwundert es nicht, dass zur Mittagszeit bereits die beste Partylaune unter den Zuschauern herrscht.

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Weiter geht es mit THE NEW BLACK, die sich nahtlos anschließen und das Publikum mit fetten Riffs und feinem Rock ’n’ Roll bedienen. Die Würzburger, sicherlich noch nicht sonderlich bekannt, überzeugen das Publikum dennoch aus dem Stehgreif und warten mit einer facettenreichen Performance musikalischer Art auf, so dass Genre-Grenzgängerauch ihren Spaß an dieser Formation finden.So kann es gerne weiter gehen, denn bis hierhin stimmt nicht nur das Wetter, sondern insbesondere auch das Bühnenprogramm.

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Die Herrschaften von NACHTBLUT haben sich dick mit Theaterschminke präpariert. Bei gut und gerne 30 Grad im Schatten ein gewagtes Unterfangen, zum Glück ist die Band der direkten Sonneneinstrahlung nicht ausgesetzt. Trotz der selbstgemachten Leiden legen die Dark Metaller aus Niedersachsen einen mitreißenden Auftritt hin und haben mit Tetzel von ASENBLUT auch noch einen Special Guest dabei. Der ASENBLUT-Sänger, eine Mischung aus Bär und Eiche, hat mit seiner Band die Bühne in 2015 gerockt und weiß, wie man das Publikum zum kochen bringt. Nach einem Stück war der Gastauftritt auch schon vorbei und wer weiß, vielleicht gbt es 2018 ein Wiedersehen. Die Jungs von NACHTBLUT dagegen haben auch die Zeit nach ihrem Auftritt redlich genutzt und flanieren, versorgt mit Longdrinks, durch den VIP-Bereich, posen für Fotos und fordern die Fotografen zu einem Armdrück-Wettbewerb auf. Es zeigt sich zwar keiner bereit, aber ein armer Tropf (manchmal ist es doof, wenn man ein rotes Hemd anhat und so aus der schwarzgekleideten Menge heraussticht, nicht wahr Daniel ;-) muss dann doch dran glauben und versagt natürlich kläglich. Die Frage, warum NACHTBLUT immer noch geschminkt durch die Gegend laufen, beantwortet sich an der nachgelagert angesetzten Signing-Session. Danach ist dann auch endlich Abschminken und Weitertrinken angesagt

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Am 11.01. war WOLFHEART noch Teil des Finnen-Dreierpacks in der Bochumer Matrix, heute geht es beim Rock Harz auf die Dark Stage. Fast passend zur Veröffentlichung des neuen Albums "Tyhjyys" rocken die Finnen merklich perfekt eingespielt das zahlreich versammelte Publikum vor der Bühne. Natürlich hat man auch Songs vom neuen Album als Appetizer dabei, wobei man die spielerische Entwicklung der Band deutlich anmerkt. Die ausgewählten Songs wirken epischer und haben einen stärkeren Fokus auf die instrumentale Seite. Auch wenn ich das neue Album (noch) nicht zur Rezension vorliegen habe, muss ich es mir unbedingt anhören, denn bei WOLFHEART hat sich definitiv einiges getan.

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Während beim nächsten Auftritt die schwedischen Power Metaller von CIVIL WAR auf der Bühne schwitzen, vergnügen sich einige Besucher mit der Wasserspende der Feuerwehr. Abkühlung tut auf jeden Fall gut und das mit Anlauf durch die Matschpfütze rutschen wird gerne wahrgenommen. Steigbügelhalter für die Gründung von CIVIL WAR war Joakim Brodén, der 2012 seinen Laden (gemeint ist natürlich SABATON) neu und vor allen Dingen professioneller ausgerichtet hat und auf die Mitglieder verzichtete, die diesen Weg in der Konsequenz nicht mitgehen wollten. Auch wenn CIVIL WAR zwischenzeitlich ein anderes Gesicht erhalten haben, gibt es für das feierwütige Publikum bei sengender Hitze ordentlich was auf die Ohren. Alle Beteiligten, auf und vor der Bühne, haben sichtlich ihren Spaß und werden diesen Auftritt in guter Erinnerung behalten.

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Die beiden Jungs von MANTAR haben ihre Signing-Session vor ihrem Auftritt absolviert, was sicherlich ein Vorteil ist, denn so kann man sich auf das Wesentliche fokussieren und danach noch ein wenig chillen. Es scheint einige Probleme beim Soundcheck zu geben, wobei die Jungs auch viel Akribie in die Abstimmung des Sounds legen. Da zuerst ie Drums abgestimmt werden, wird auch der Gig von CIVIL WAR etwas beeinträchtigt, zumindest fliegen immer wieder Soundfetzen der Drums herüber. Auch nach dem Auftritt von CIVIL WAR geht die Abstimmungsarbeit weiter und erst zum Schluss kommt noch ein kurzer Check der Gitarre und des Gesangs. Hierdurch hat sich eine kleine Verspätung von fünf Minuten eingestellt, die es in der Folge aufzuholen gilt. Wer MANTAR bereits Live gesehen hat, kennt den typischen und zugewandten Aufbau. Rechts steht das Drumkit mit Blickrichtung zum linken Bühnenrand, während links mit Blickrichtung zu den Drumms Hanno mit seiner Gitarre steht. Die beiden Protagonisten geben dann auch mächtig Gas und scheinen sich förmlich duellieren zu wollen. Hanno spielt mit fett getriggertem Gitarrensound und tiefen Growls gegen das wuchtige Drumming von Erinc, der mit seiner Dynamic und kraftvollem Einsatz nicht hinter Hanno anstehen möchte. Für die Fans ist die Vorstellung sicherlich großes (Sound-)Kino, wobei man 2017 als so etwas wie ein Hype-Jahr für MANTAR ansehen kann, denn sie sind viel Live und auf Festivals unterwegs.

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RAGE haben nun die Aufgabe, die leichte Verspätung wieder reinzuholen. Da der Sound bei Ende des Auftritts von MANTAR schon stand, kann es auf der Rock Stage nahezu nahtlos weitergehen. Die Jungs um Peavy, die sich nach dem Ausstieg von Victor Smolsky erst einmal neu finden mussten, haben mit "Blackened Karma" ein neues Album im Gepäck und somit endlich einen handfesten Grund, sich mal wieder ins Gespräch zu bringen. RAGE wirken deutlich geerdet, was nach der intensiven Zeit mit Victor sicherlich auch nötig war. Peavy wirkt glücklich und darf deshalb auch beim Rock Harz-Publikum bedanken, denn der Auftritt von RAGE wird dankbar aufgenommen. Mit der guten Mischung aus neuem Material und alten Klassikern wie 'From The Cradle To The Grave' trifft man den Geschmack des Publikums und darf einen rundum gelungenen Auftritt für sich verbuchen.

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Die Bay-Area-Thrasher von DEATH ANGEL haben zwar einen Auftritt am frühen abend ergattert, doch Abkühlung tut trotzdem Not. Während des Sets gibt es vor der Bühne eine Wasserfontäne, die sogleich vom Circle Pit mit in ihre Performance aufgenommen wird. Egal zu welcher Musik, das Publikum ist nur gekommen um zu feiern, wobei die Rahmenbedingungen auch perfekt sind.

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HAGGARD sind auch als Perfektionisten in Sachen Instrumenteabstimmung bekannt ... und deswegen kam es, wie es kommen musste. Wenn man so viele Musiker unter einen Hut bringen will, muss natürlich auch jedes Mikro und jedes Instrument abgestimmt sein und sowas nimmt natürlich Zeit in Anspruch. Trotz des ganzen Abstimmprozesses schafft die Band fast eine Punktlandung. Als alle Einstellungen stehen geht es auch sofort los. Den Auftritt von HAGGARD, insbesondere wegen der vielen beteiligten Musiker und Instrumente, hat man im Publikum mit Spannung erwartet. Endlich ist auch die Bühne mal gut gefüllt und es gibt viele Musiker in Aktion zu bewundern. Der teils sehnlichst erwartete Auftritt der Metale, die mit Mittelalter-Charme und Orchester-Ingredienzien aufwarten, ist eine weitere bunte Abwechslung zum eh schon reichhaltigen und bunten Programm des Festivals. Allein aus diesem Aspekt sind HAGGARD eine Bereicherung.

LACUNA COIL haben ebenfalls vor ihrem Auftritt ihre Signing Session absolviert, wobei mir da zum ersten Mal der handgeschriebene Zettel aufgefallen ist, dass keine Fotos gemacht werden dürfen. Was soll ich sagen? Natürlich habe ich keine Fotos gemacht, aber die Fans hat es in der Vergangenheit nicht groß gestört und auch die Musiker haben gerne posiert. Bei LACUNA COIL war die Schlange aber derart lang, dass sich das Fotografieren mit der Band schon deshalb nicht ergab. Natürlich blutet mein Herz, als Christina mit ihrem aufreizenden Lächeln so vor mir sitzt. Dafür geben mir alle Musiker artig die Hand und begrüßen mich. Beim Auftritt kommt es zum üblichen Aufmarsch der Instrumentalfraktion. Vorweg der Drummer, um die Massen schon mal zu animieren und dann die Saitenfraktion. Ganz zum Schluss entern die beiden Sänger die Bühne. Andrea Ferro, Sänger und Gründungsmitglied der 1994 entstandenen und seit 1996 unter dem Namen LACUNA COIL fungierenden Band, legt auch gleich los.
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Die Musik der Italiener, die irgendwo zwischen Metal und Gothic einzuordnen ist und durch Andreas' Nu Metal-Gesang eine weitere Färbung erhält, findet eine breite Anhängerschaft, denn vor der Bühne ist es richtig voll. Christina, die mit viel Körpersprache arbeitet und fast schon schauspielerische Fähigkeiten beweist, hat das natürlich auch erkannt und lotet die Bühne zu jeder Seite aus. Dies inkludiert auch die Nachbarbühne, was vom KADAVER-Aufbauteam mit Erstaunen zur Kenntnis genommen wird. Auch wenn Christina nicht singt, ist sie textsicher und geht mit den jeweiligen Songs mit jeder Faser ihres Körpers mit. Der Auftritt der Italiener hat ein großes Hit-Potenzial, denn 'Die & Rise', 'Heaven's A Lie', 'Blood, Tears, Dust', 'Trip The Darkness', 'Nothing Stands In Our Way' - Hier lässt Christina das Publikum mehrfach "We Fear Nothing" skandieren - oder 'Our Truth' sind Vollbedienung und Mitsing-Potenzial pur. Ein Glückgriff für das Festival!

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Das Psychedelic-Trio von KADAVER führt die Festival-Besucher zurück in die 70er und wird auf dem ein oder anderen Gesicht eines Jungspunds gewisse Fragezeichen fabrizieren. Hat man die Zeitreise auch als Junmg-Metaller irgendwie nachvollzogen, ist man auch mit dieser Spielart vertraut. Das Trio aus Berlin spielt ihren Stil recht schnörkellos und originalgetreu, ohne sich groß an den Genre-Vorbildern aufzuhalten. So kann auch ein Sprung zurück in die 70er Spaß machen und auch das junge Publikum ist von der Band ganz angetan, zumal sie auch für eine stilistische Abwechslung sorgt. Der Rock 'n' Roll der Berliner ist auch so packend und mitreißend gespielt, dass man sich auch nicht lange zieren muss und zwangsläufig und wie selbstverständlich mit der Musik mitgeht.

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ARCH ENEMY ist wie beim letztjährigen Summer Breeze am Headliner-Auftritt vorbeigeschrammt. Diesmal aber nur knapp, denn es ist kurz vor Sonnenuntergang und gefühlt hat man doch so etwas wie ein Headliner-Auftritt, wenn er auch nur eine Stunde dauert. Es ist schön zu sehen, dass die Schweden heiß wie Frittenfett sind, denn sie absolvieren ihre 60 Minuten mit viel Power und Elan, wobei Frontfrau Alissa so was von quirlig ist und ständig in Bewegung scheint. Zur vorgerückten Stunde wird der Auftritt mit einigen Feuersäulen begleitet, so dass es noch ein paar nette Schnappschüsse aus dem Infield gibt. Bei Alissa habe ich einen schlechten Tag erwischt, ständig ist die Frau entweder auf der falschen Seite, guckt in die falsche Richtung oder immer irgendwie in Bewegung. Neben dem - noch - aktuellen Album "War Eternal" werden auch ein paar Klassiker serviert, wobei insbesondere 'My Apocalypse' und natürlich 'Nemesis' nicht fehlen dürfen. Alissa hat sich mit jedem der alten Songs bestens arrangiert und lebt sie auf der Bühne aus, als wäre sie von der ersten Entstehungssekunde an dabei gewesen. Ein starker Auftritt, der bei mir ein fettes Grinsen hinterlässt.

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IN EXTREMO sind sicherlich eine Festival- und auch Headliner-Band, die als Hauptact noch mal einen raushauen können. Die Band arbeitet mit so viel Pyro, dass der Graben erst nach zehn Liedern für die Fotografen geöffnet wird. Mit spektakulären Bildern aus dem Graben ist es also schon mal Essig. Während der Show brennen IN EXTREMO wahrlich ein Feuerwerk ab und lassen es zum Ausklang - ohne FIDDLER'S GREEN unterschlagen zu wollen - noch einmal ordentlich krachen. Mit einigen Mitsing-Hymnen kann die Band zusätzlich punkten und kann nach 75 Minuten zufrieden die Bühne verlassen.

Die Erlanger FIDDLER'S GREEN sind es gewohnt, zu später Stunde die Bühne zu entern. Ihr Vorteil ist, dass sie eine treue Anhängerschaft haben, die nicht nur gerne bis in die Nachtstunden ausharren, um die Irish-Speedfolker zu sehen, sondern neben den klassischen Instrumenten auch mit Mandoline, Bouzouki, Banjo, Geige und Akkordeon musizieren. Der Instrumental bunte Mix lädt wieder einmal zu ausgelassenem Tanz ein und sollte nach einer knappen Stunde Spielzeit für die nötige Bettschwere sorgen.



Freitag, 07.07.2017

Den Frühstart legen VLAD IN TEARS hin, die für mich nur am Rande dem Genre zuzurechnen sind. Professionelles Management und konsequente Entwicklung der Band sind aber nciht zu verleugnen und auch der Auftritt hier spricht für die Band, denn er ist routiniert, engagiert und sorgt für Stimmung unter den Frühaufstehern. Mit KAMBRIUM zieht bereits zur frühen Mittagsstunde der Pogo ein. Die Band mit dem quasi-Heimvorteil - die Anreise aus Niedersachsen ist ja fast nur ein Katzensprung - kann während des Auftritts eine wachsende Fanschar vor der Bühne bestaunen, die bei dem epischen Death Metal sichtlichen Spaß entfaltet. Glücklich ziehen KAMBRIUM ab und machen Platz für die Death Metaller CYPECORE, die mit ihren blinkenden Kostümen auch optisch etwas hermachen, auch wenn das Outfit bei Tageslicht nicht so recht zur Geltung gelangen kann.

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Während die Sonne ordentlich Gas gibt und diesen Festivaltag auch von den Temperaturen zu einem Highlight macht, gibt sich EWIGHEIM auf der Dark Stage die Ehre und rocken das Publikum, das sich zwischenzeitlich zur besten Mittagszeit großflächig auf dem Gelände verteilt. Mit von der Partie ist Aushilfsgitarrist Michael Lenz von EISREGEN, der während des Auftritts seine Fluppe bearbeitet und auf besonders cool macht.

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Mit einer gehörigen Portion Abwechslung geht es im nächsten Programmpunkt weiter, denn die aus Ungarn stammenden FIRKIN stürmen die Bühne und sprühen nur so vor Spielfreude. Natürlich ist der Auftritt auf dem Rock Harz eine gute Gelegenheit, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Witzigerweise bezeichnet man sich selbst als die verrückte Irische Band, wobei der Bandname früher unter anderem ein englisches Volumenmaß für Bier war. Betrunken wirkt das Sextett dennoch nicht, denn sie können ihren Auftritt unfallfrei absolvieren und einige Punkte einheimsen.

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Wenn man sich von der Bühne abwendet und dem Auftritt von OHRENFEINDT lauscht, könnte man meinen, es spielen AC/DC auf. Auch wenn die Jungs aus St. Pauli ihre eigenen Stücke zum besten geben, ist der Schritt nach Australien nicht mehr ganz so weit. Zudem zocken die Herrschaften ihr Material absolut professionell runter und man merkt ihnen die in den über 20 Jahren entstandene Routine an. Dem Publikum gefällt es und scheinbar hat auch niemand die Helden aus Australien vermisst.

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Mit großer Vorfreude wartet das Publikum auf die Niedersachsen von UNZUCHT, die mit ihrem Gothic Metal und einigen Gassenhauern wie der Hitsingle 'Engel der Vernichtung' für ein heißes Erlebnis sorgen. Etwas Abkühlung kommt durch einen kleinen Schauer von oben, der weder das Publikum schreckt, da der feuchte Gruß begierig aufgesogen wird. Währenddessen geben Schulz und Co. auf der Bühne weiter Gas und pushen das Publikum zu weiteren Höchstleistungen.

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Nach diesem bewegenden Auftritt ist doch sicherlich erst einmal durchatmen und relaxen angesagt, oder? Ein kleiner Blick auf meinem Zettel kündigt OST+FRONT an, soll heißen es gibt Neue Deutsche Härte aus Berlin. Auf der Bühne wird es bunt, denn die geschminkten und verkleideten Protagonisten warten mit Blut, eisernen Masken, Sombrero und lustigen Schildern auf, legen RAMMSTEIN-mäßig los und haben anscheinend mit nichts was am Brett. Während sich "Hermann Ostfront" am Mikro vergnügt und Gas gibt, hebt "Eva Edelweiß" sein Röckchen und präsentiert sein Gemächt. Überhaupt ist "Eva" der Fixpunkt der Band und ständig mit irgendeinem Blödsinn unterwegs. So verwundert auch nicht, dass er mit einer Tänzerin in den Fotograben kommt und dem Publikum seinen am Tropf hängenden Urinbeutel einflößt. Wer stört sich dann noch daran, dass die Berliner, die zur Anfangszeit nahezu eine 1:1-Kopie von RAMMSTEIN waren, diesen Vergleich bis zum Schluss mit sich führen. Das Publikum bekommt was für das Auge geboten und kann zudem die Gassenhauer wie 'Fiesta de Sexo' und 'Bitte schlag mich' mitgrölen. Ja, bitte, mehr von dieser Art Auftritte!

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Mit den Coburgern VARG kommen Wiederholungstäter auf die Harzer Bühne. Der Auftritt wird selbstredend abgefeiert, wobei die Band nicht viel Federlesen macht und ihr Material in die Gehörgänge der Besucher prügelt. Natürlich wird ordentlich mitgesungen und abgetanzt, so dass der diesjährige Auftritt im Verlgeich zum letzten Mal fokussierter und songorientierter rüberkommt. Beim letzten Mal standen noch Party und Mädels im Vordergrund, aber gegen die dicht gepackte Setlist hat auch keiner Einwände.

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Mit LORD OF THE LOST kommt die nächste geschminkte Band auf die Bühne. Mit den weiß bemalten Gesichtern und der abendlichen Hitze hat man eine nicht so günstige Kombination angetroffen, dafür muss man nicht in der sengenden Mittagshitze ran. Dennoch wird es schweißtreibend, denn das Publikum möchte eine Dreiviertelstunde lang mit Gothic Metal unterhalten werden. Die Hamburger - hat man sich eigentlich mit OHRENFEINDT zur Fahrgemeinschaft verabredet? - geben selbstredend mächtig Gas und halten auch mit Schminke den Widrigkeiten des Auftritts stand, denn das Publikum geht ebenfalls gut mit und entschädigt für manche Pein.

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Über die Geschichte hinter der Band von BEYOND THE BLACK ist bereits viel geschrieben worden. Besser ist es nicht geworden, denn die "Retortenband" wurde von Jennifer kurzerhand mal ausgetauscht. Scheint aber funktioniert zu haben, denn in der Folge wurden bereits einige Gigs absolviert und auch der Auftritt hier in Ballenstedt ist routiniert und lässt den vollzogenen Komplettwechsel der Musiker nicht erahnen. Jennifer ist natürlich das optische Magnet der Band und so entstehen während der ersten drei Songs der Band von den Herrschaften im Fotograben sicherlich hunderte von Fotos, die sich ausschließlich auf die hübsche Frontfrau konzentrieren. Jennifer steht natürlich auch gerne im Fokus und die Band hält sich dezent und vornehm im Hintergrund, um nicht zu sehr aufzufallen. Den Besuchern ist es egal, sie feiern auch diesen Auftritt ab, wobei BEYOND THE BLACK durch ihre Tour mit den SCORPIONS sicherlich einigen bekannt sein dürfte.

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Vom Auftritt her gibt es jetzt einen zeitlichen Sprung, denn PAIN dürfen sich nun eine Stunde auf der Dark Stage austoben. Das Industrial-Projekt von Peter Tägtgrens ist schon lange aus den Kinderschuhen entschlüpft, bei den Fans quasi gesetzt und hier mit Spannung erwartet. Mit dem Bassisten hat Peter einen Aktivposten unter seinen Live-Musikern, denn der Kerl beackert die Bühne wie seinen persönlichen Sportplatz. Es wird sicherlich Gründe geben, warum Peter das Projekt noch nicht zur Band erhoben hat, dem Publikum ist das aber wurscht und man feiert PAIN und das in Dauerzündung befindliche Hitfeuerwerk ab.

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Bei MONO INC. höre ich immer wieder den Satz "Früher waren die mal ganz gut." und auch meine Erfahrungen sind da eher zwiespältig. Gut, dass so ein Festival prädestiniert dafür ist, dass man auch die alten Stücke von der Bühne abfeuern kann, so dass der Auftritt der Hamburger - langsam wird die Fahrgemeinschaft zu einer Bustour, oder? - dennoch mit großem Wohlwollen aufgenommen wird. Obwohl noch hell dürfen MONO INC. einige Feuersalven in den Bühnenhimmel jagen, wodurch der Auftritt seinen zusätzlichen Reiz bezieht. Mein persönliches Highlight ist aber Drummerin Katha Mia, die mit einem Lächeln Platz hinter Schießbude nimmt und sichtlich Spaß am Auftritt hat. Sie geht bei jedem Song förmlich mit und beeindruckt mich in mehrfacher Hinsicht.

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ICED EARTH haben bei mir eine kleine Geschichte im Zusammenhang mit einer abgesagten Tour,zu der ich bereits eine Karte erworben hatte. Angeblich sollte die Tour irgendwann mal nachgeholt werden und so wartete ich auf den neuen Termin. Nach etlichen Monaten der Wartezeit habe ich dann aufgegeben, meine Karte an Eventim zurückgegeben und netterweise das komplette Geld, also inklusive der beiden weiteren gekauften Karten, zurückerhalten. Doch jetzt ist es endlich soweit, Ron Schaffer ist mit seinen Mannen endlich in Deutschland und ich komme heute in den Genuss eines ICED EARTH-Auftritts. Seit dem damals ausgefallenen Konzert hat sich einiges verändert. Ich habe ICED EARTH aus den Augen verloren und Stu Block, ein wirklich genialer Sänger, mit ICED EARTH noch nicht erlebt. Der charismatische Fronter legt sich auf der Bühne mächtig ins Zeug, zeigt Emotionen und hat eine überwältigende Bühnenpräsenz. Im besten Licht sonnt sich dagegen Ron, während seine Bandkollegen bei dem eh schon bescheidenen Licht von mir gar nicht ordentlich fotografiert werden können. Während ich vor der Bühne fast die Pimpanellen kriege, kann ich aus dem Publikum heraus doch noch einige halbwegs vernünftige Fotos machen und natürlich den Auftritt genießen.Für einen Co-Headliner präsentieren sich ICED EARTH absolut würdig und hätten sicherlich auch den Headliner-Slot gut ausgefüllt.

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Dieser Platz wird von den Saalfeldern HEAVEN SHALL BURN eingenommen, die als die deutsche Metalcore-Kapazität gelten. Vor der Bühne wird es gerammelt voll und im Fotograben bleibt es leer - sieht man mal von den "Grabenschlampen" und den reihenweise angelieferten Crowdsurfern ab -, denn wie es sich für einen Headliner gehört, sollen auch die Feuersäulen zum Einsatz kommen. Dass man sich dazu passend die Setlist zusammengestellt hat, versteht sich nahezu von selbst. Die Thüringer zünden einen Smasher nach dem anderen und lassen zu den ersten drei Songs die Bühne förmlich "brennen". Nicht ohne Grund heißt die Band HEAVEN SHALL BURN, die dazu auch noch eine sehr bewegungsreiche Bühnenvorstellung bieten. Ständig ist man in Bewegung und Sänger Marcus Bischoff lehnt sich immer wieder weit über den Bühnenrand, um dem schon längst in Extase geratenen Publikum so nah wie möglich zu kommen. Hier ist ein wundervolles Zusammenspiel entstanden, Band und Publikum interagieren und scheinen sich ständig noch weiter pushen zu wollen. Nach dem Auftritt wundert man sich nur noch, dass die Jungs die Bühne nicht ganz in Schutt und Asche gelegt haben.

Nach diesem grandiosen Headliner-Finale könnte man erschöpft niedersinken. Die letzten Kräfte werden aber für die Late-Night-Slots mobilisiert. Den Anfnag machen BELPHEGOR, die als Kontrastprogramm düsteren Black Metal zelebrieren und ihr Programm in die Gehörgänge der verbliebenen Zuschauer prügeln. Den Schlusspunkt setzen dann die Piraten von MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN, die bereits neues Material vom kommenden Album "Tortuga" im Gepäck haben und mit dem immer noch zahlreich versammelten Publikum eine ausgelassene Grog 'n' Roll-Party feiern.



Samstag, 08.07.2017

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Der Freitag endete - streng genommen erst am Samstag - mit Niedersachsen aus Osnabrück, und der Samstag beginnt mit Niedersachsen aus Osnabrück. Nein, MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN eröffnen nicht den letzten Festivaltag, dafür gibt es eine fette Brise Death Metal auf die noch müden Ohren der schon hart gesottenen Frühaufstehern. DAWN OF DISEASE haben auf der Bühne Spaß, auch wenn das Publikum noch ein wenig lethargisch scheint. Damit sich die Besucher nicht groß umgewöhnen müssen - zu viel Abwechslung zur frühen Mittagsstunde schadet der spätkindlichen Entwicklung - geht es auch mit Death Metal weiter, diesmal aus Thüringen. DESERTED FEAR machen ihre Aufwartung und prügeln ihr Set nicht nur durch, sondern bekommen auch gute Reaktionen aus dem Publikum. Man muss die Jungs dann schon von der Bühne tragen, so viel Spaß haben sie an ihrem leider recht kurzen Auftritt von nur 30 Minuten. Aber wer weiß, vielleicht gibt es bald schon ein Wiedersehen im Nachmittagsprogramm und somit auch mit mehr Spielzeit. Weiter geht es mit Thrash Metal der Marke DEW SCENTED. Ob die Jungs auch taufrisch duften ist nicht überliefert, auf jeden Fall spielen sie sich in Schweiß und zelebrieren so etwas wie eine Jubiläumsfeier, denn die Niedersachsen sind mittlerweile auch schon 25 Lenze jung. Noch länger gibt es TANK. Die Londoner Band gründete sich bereits 1980 und steht - immer noch - für den New Wave of British Heavy Metal. Mit dieser Brise kommt auch endlich etwas Abwechslung auf die Bühne, immerhin war das Programm zuvor recht harsch angehaucht. Die Briten absolvieren ihren Auftritt recht routiniert und können dabei aus einem großen Fundus schöpfen.

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Bei dem nun folgenden Trio bin ich echt gespannt, was mich erwartet. Zugegeben, ich habe keinen Plan und nehme in der Folge interessiert zur Kenntnis, dass die Jungs irgendwo in und um die 70er herum verankert sind und eine Melange aus BLACK SABBATH und RUSH zelebrieren. Dazu gibt es noch eine gehörige Portion Partylaune mit sichtlich Spaß in den Backen, was eigentlich selbstverständlich ist, haben die Jungs doch den weiten Weg aus Island zur Teufelsmauer auf sich genommen. THE VINTAGE CARAVAN haben ihre Spielzeit zu einer Bühnenparty gemacht und dabei das Publikum mitgenommen, so dass unter dem Strich eine Bereicherung für das Festival steht. Ja, bitte gerne wiederkommen.

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Bier scheint einen gehörigen Raum bei der folgenden Band MR. IRISH BASTARD einzunehmen, was man in erster Linie den Songs entnehmen kann. So verwundert es natürlich nicht, dass der Sänger, der mit seinem Künstlernamen auch Namensgeber für die Band ist, immer wieder nach Bier verlangt und erst bei entsprechender "Belieferung" so richtig in seinem Element ist. Die Party geht also weiter, denn die Musik der Irish Folk Punker aus Münster ist auf Party, Party, Party ausgerichtet. Prost!

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Die Frankfurter Punkrocker SERUM 114 kommen zwar nicht in den Genuss einer Feuersäulen-Show, haben aber dafür ihre eigene kleine Pyro-Einlage, denn man kommt mit einem brennenden Bengalfeuer auf die Bühne. In Sachen Publikumsanimation sind die Jungs auch ganz weit vorne, denn die Musik inspiriert zu einer Polonaise - oder liegt das noch an den biergeschwängerten Texten von MR. IRISH BASTARD? - und Sänger "Esche" zum Hinsetzen und mit Dreck durch die Luft werfen. Musik wird natürlich auch gemacht, so dass das gierige Partyvolk vor der Bühne auch bei diesem Auftritt auf ihre Kosten kommt.

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Nun füllt es sich vor der Bühne zusehends, denn es folgt der Auftritt der Holländischen Death-/Doom-Urgesteinen ASPHYX. Die Käseköppe tingeln dieses Jahr anscheinend alle Festivals der Republik ab und scheinen richtig Bock zu haben. Die Band wird auch von den Festivalbesuchern nicht enttäuscht, denn die haben auch Bock auf ASPHYX. Die Setlist ist mit neuen und alten Sachen gespickt und beide Seiten geben mächtig Gas. Unbestritten hat man mit ASPHYX einen guten Griff getan, denn die Band hat Lust auf Festival und beweist dies mit entsprechender Spielfreude. Man hätte sicherlich auch noch länger spielen können, hat aber anscheinend zu viel Gas gegeben, denn die Setlist ist wohl schneller abgearbeitet als geplant. Auf die kurze Ratlosigkeit folgen noch zwei weitere Songs und ein etwas verfrühter Abgang. Zum Glück warten nebenan schon ...

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... MOONSPELL. Die Portugiesen haben ihre Frühwerke "Wolfheart" und "Irreligious" im Gepäck. Die Melodic Dark und Gothic-Metaller knüpfen damit an die Anfänge und gleichzeitig den Durchbruch der Band an, denn immerhin hat man es "Wolfheart" zu verdanken, dass der Start der Band mit dem Debütalbum so gut verlief. Unbestritten waren auch spätere Alben der Band erfolgreich, aber ich finde es gut, wenn sich Bands wieder ihrer Anfänge bewusst werden und den Festivalisten im Harz eine besondere Setlist bieten.

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Die nun folgende Band kann ich mir eigentlich immer wieder ansehen. Zuletzt am Anfang diesen Jahres in der Bochumer Matrix, wo den Besuchern das komplette "Winter's Gate" geboten wurde. Die Besucher hier in Ballenstedt wären sicherlich nicht böse gewesen, wenn es auch hier ein "Winter's Gate"-Special gegeben hätte. Aber andererseits hat die Band auch so einen reichlichen Fundus im Backkatalog, um die Dark Stage zu bespielen und die Fans zu erfreuen. Mit dieser ausgewogenen Mischung liegen INSOMNIUM absolut richtig, wobei Niilo Sevänen auch die Gabe hat, die Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und für die Musik zu vereinnahmen. Beide Seiten sind nach dem 45-minütigen Auftritt zufrieden und glücklich, was man den Gesichtern des Quartetts auf der Bühne ablesen und dem starken Applaus entnehmen kann.

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Es liegt bereits einige Jahre zurück, als ich GRAVE DIGGER live gesehen habe. Es muss irgendwann 2001 gewesen sein, als das Album "The Grave Digger" herauskam und der gute Chris mit seiner kratzigen Stimme die Ballade 'Silence' zum Besten gab. Er hat dann wohl auch gemerkt, dass er nicht der Balladensänger ist, denn ich habe seitdem nicht wieder mitbekommen, dass er sich an diesem Song versucht hätte. Dies trifft natürlich auch auf den Auftritt hier in Ballenstedt zu, wobei ich mich nach all den Jahren auf diesen Auftritt freue. Der gute Chris, zwischenzeitlich in die Jahre gekommen und mit schlohgrauen Haaren unterwegs, hat eine Setlist voller GRAVE DIGGER-Klassiker dabei, wobei auch das Publikum begierig ist, die Metal-Institution aus Gladbeck zu sehen und zu hören. Für das Publkum wird der Auftritt keine Enttäuschung und so richtig ins Zeug legt man sich, als "Rebellion (The Clans are Marching)" gespielt wird. Ja, man hat GRAVE DIGGER im Harz vermisst und trotz des Zahns der Zeit kann der Chris noch eine Schippe drauflegen.

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Die Folk Metaller KORPIKLAANI aus Lahti werden nicht nur bei mir mit Spannung erwartet. Die Resonanz auf die Finnen ist groß und so verwundert der Andrang vor der Bühne nicht. Der "Klan der Wildnis", so wie die Band übersetzt heißt, ist thematisch sehr naturverbunden und von der Volksmusik geprägt. Das scheint auch der Grund zu sein, warum die Band in der Heimat nicht diesen Zuspruch erfährt, wie im Ausland und insbesondere in Deutschland. Die Folk Metaller sind auf jeden Fall eine recht spezielle Band, die eine interessante Färbung nach Ballenstedt bringt. Die Finnen passen auch perfekt zum Festival im Harz, denn sie können eine Party feiern und das Publikum dazu bringen, aus sich herauszukommen. Alles scheint zu hüpfen und zu tanzen und der abschließende MOTÖRHEAD-Klassiker 'Iron Fist' ist noch ein besonderes Schmankerl insbesondere für die Fans des verstorbenen Musikers. R.I.P.!

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Schon früh macht es bei den Fotografen die Runde, dass DARK TRANQUILLITY Christopher Amott einfliegen lassen. Naja, nicht die Band selbst, sondern die Macher des Festivals natürlich, die alle Hebel in Bewegung setzen, um den in Berlin gestrandeten Gitarristen nach Ballenstedt zu bekommen, damit der Auftritt der Schweden wie geplant stattfinden kann. Hier kommt der strategische Vorteil des Festivalgeländes zur Geltung, denn der an das Gelände angrenzende Flughafen sorgt dafür, dass der Live-Gitarrist quasi bis kurz vor die Bühne geflogen werden kann. Der Auftritt findet also wie geplant und pünktlich statt und wieder einnmal ist die Freude auf beiden Seiten riesig. Die Schweden sind in Spiellaune und Mikael Stanne ein Sänger, der wahrlich jeden in seinen Bann zu ziehen vermag. Seine freundliche Mimik ist ansteckend, er fokussiert sich voll auf die vor der Bühne versammelten Zuschauer und kommt aus dem Dauergrinsen nicht mehr heraus. Wenn ein Sänger so viel Spaß hat, dann hat er in seinem Leben alles richtig gemacht, denn er hat die richtige Berufswahl getroffen und freut sich über jeden Zuhörer, der den klängen von DARK TRANQUILLITY lauscht. Neben dem letztjährigen Album "Atoma" ist die Setlist Festivalkompatibel mit einigen Hits der Band ausgestattet, wobei 'Misery Crown' natürlich nicht fehlen darf und für einen grandiosen Abschluss sorgt. Gerne wieder!

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ELUVEITIE ist eine Band, die immer wieder gerne beim Rock Harz zu Gast ist. Diesmal steht eine teilerneuerte Band auf der Bühne, denn es kam im letzten Jahr zum großen Stühle rücken. Die vakanten Stellen wie Drehleier, Violine, Gitarre und weiblicher Gesang wurden erst in diesem Jahr neu besetzt und so muss die Band noch mit leichten Abstimmungsproblemen kämpfen. Gründer Christian Glanzmann singt und spielt über die kleinen Holperigkeiten aber einfach hinweg und zeigt, dass er ein gestandener, routinierter Musiker ist, den solche Kleinigkeiten nicht schrecken können. Dieses Mal wird der Harz mit älterem Material gerockt, was auch Sinn macht, müssen sich die neuen Musiker doch von der Pike auf mit der musikalischen Bandhistorie vertraut machen. Für die Festivalisten kommt ebenfalls keine Langeweile auf, denn der Fokus lag vor zwei Jahren noch auf "Origins", während dieses Mal das Mitte August erscheinende Album "Evocation II - Pantheon" seine leichten Schatten vorauswirft. Wenn wir in der Zeitreihenfolge bleiben, dann sehen wir die Schweizer 2019 in Ballenstedt wieder. Erst einmal kann die Band nach ihrem traditionellen Abschluss 'Inis Mona' mit dem stolzen Gefühl, den Harz erneut gerockt zu haben, verlassen und gewiss sein, dass der nächste Besuch nur eine Frage der Zeit sein wird.

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Das Festival neigt sich unweigerlich dem Ende zu und so ist es auch für die Crew des Festivals an der Zeit, die Bühne zu entern und sich dem Publikum zu präsentieren. Dieses Jahr gibt es wahrlich nix zu meckern, denn die Festivalmacher haben aus den Problemen der Vorjahre gelernt, Einrichtungen und Abläufe geändert und es tatsächlich geschafft, ein Festival abzuliefern, bei dem nahezu alles geklappt hat. Probleme mit den Lautsprechern hat man ebenso in den Griff bekommen wie einen in Berlin gestrandeten Musiker. Probleme sind also dazu da gelöst zu werden, und die Festivalmacher haben die Lösungen immer gefunden. Erstaunlich auch, dass man alles still und leise im Hintergrund gemacht hat, was ein weiterer Pluspunkt für die Macher ist. Dann möchte ich natürlich noch die Security nennen, die wieder einmal einen guten Job abgeliefert hat, auch wenn die aktuelle T-Shirt-Farbe in meinen Augen eher grenzwertig ist. Aber ich befürchte, sie wird uns auch im nächsten Jahr wieder begegnen.

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Und dann war es endlich soweit, der Headliner am Samstag entert die Bühne. Die Krefelder kommen mir recht geerdet daher, obwohl sie als Hauptact an diesem Abend fungieren. Aber dieser Status ist seit langem erarbeitet und somit keine Besonderheit mehr. Hansi hat von Beginn an die Menge im Griff und weiß das Publikum mit einzubeziehen. Die Nacht ist zwischenzeitlich vollends hereingebrochen und präsentiert einen in voller Pracht stehenden Vollmond, der von den immer wieder durchziehenden Wolken leicht verdeckt wird. Als besonderes Schmankerl haben BLIND GUARDIAN das komplette "Imaginations From The Other Side"-Album auf die Setlist gehoben und ernten vom Publikum nichts als Zustimmung in Form von Jubelschreien und skandieren des Bandnamens. Dazu gibt es noch einige Bandhits aus der restlichen Schaffensphase, wo natürlich 'The Bards Song (In The Forest)' und 'Valhalla' nicht fehlen dürfen.

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Doch auch nach dem Headliner ist noch nicht Schluss, denn für die Nachtschwärmer hält das Rock Harz immer noch einen Pfeil im Köcher. Den vorletzten Part übernehmen FEUERSCHWANZ, die dem Met in allen erdenklichen Facetten huldigen, so dass man den Auftritt als lustigen Klamauk wahrnimmt, zudem ausgelassene Tänze und hochgereckte Hörner im Publikum das Salz in der Suppe sind.Eine ganz andere Hausnummer, nicht nur musikalisch, ist ALCEST, die das diesjährige Festival beschließen dürfen. Die Franzosen sammeln das restliche Publikum ein und versetzen es mit ihrem Sound noch einmal in eine besondere Stimmung. Die Postrocker bringen mit ihrer Musik und den französischen Texten zusätzlich Flair ins Festival und es ist eigentlich schade, dass diese tolle Band zu dieser späten Stunde erst auftritt und so einigen Besuchern aus den verschiedensten Gründen verwehrt bleibt. Trotz der Tonprobleme wird das Festival würdig beendet.

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Es ist vorbei, also Zeit, ein Fazit zu ziehen. Wie eingangs schon erwähnt ist das Festival etwas größer geworden, was dem Festival aber auch zum Vorteil gereicht. Zugegeben, eine weitere Steigerung der Besucherzahlen muss nicht wirklich sein, denn der doch noch halbwegs übersichtliche Charakter des Events ist das, was ich am Rock Harz so mag. Die Aufteilung des Geländes hat ein leicht verändertes Bild erhalten, es wirkt aufgelockerter, wobei auch die Anzahl der Händler zugenommen hat. Dennoch gibt es nichts zu meckern, denn die Organisation ist nahezu perfekt und wir reden hier wirklich nur von Kleinigkeiten. Tonprobleme wie in diesem Jahr kann es immer mal geben, aber auch das haben die Techniker gut hinbekommen. Nicht so glücklich war ich mit dem Pissoir kurz vor dem linken Grabeneingang zur Bühne. Bei jeder zweiten Band kamen sich erleichternde Festivalbesucher und Fotografen in die Quere, was auch nicht immer ein schöner Anblick für uns Fotografen war. Aber alles halb so wild, das Wetter passte wieder einmal, auch wenn es diesmal sogar für eine Unwetterwarnung gereicht hat. Dieser Kelch ging aber auch am Festival vorbei und so kann man zurückschauend auf das tolle Billing nur sagen, dass die Macher wieder einmal einen großartigen Job gemacht haben und wir sehr gerne 2018 wiederkommen. Warum? Mit AMORPHIS und PARADISE LOST sind zwei gewichtige Gründe schon einmal genannt. Wir sehen uns!


Pics / Bericht: RJ
Billing
Die Bands der AFM-Label-Night AM 05. JULI:

*** DIRKSCHNEIDER *** ORDEN OGAN *** STAHLMANN *** SERIOUS BLACK *** BLOODBOUND *** KRYPTOS ***


Die Bands (06. BIS 08. JULI)

*** ALCEST *** ARCH ENEMY *** ASPHYX *** BELPHEGOR *** BEYOND THE BLACK *** BLIND GUARDIAN *** CIVIL WAR *** DAWN OF DISEASE *** DEATH ANGEL *** DESERTED FEAR *** DEW SCENTED *** ELUVEITIE *** EWIGHEIM *** FEUERSCHWANZ *** FIDDLER'S GREEN *** FIRKIN *** GRAVE DIGGER *** HEAVEN SHALL BURN *** ICED EARTH *** IN EXTREMO *** INSOMNIUM *** KAMBRIUM *** KORPIKLAANI *** LACUNA COIL *** LORD OF THE LOST *** MANTAR *** MONO INC. *** MOONSPELL *** MR. HURLEY & DIE PULVERAFFEN *** MR. IRISH BASTARD *** NACHTBLUT *** OST+FRONT *** RAGE *** SERUM 114 *** TANK *** THE NEW BLACK *** THE VINTAGE CARAVAN *** UNZUCHT *** VARG *** VLAD IN TEARS ***

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