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Rick Parfitt - Over And Out

Review von Elvis vom 23.03.2018 (2266 mal gelesen)
Rick Parfitt - Over And Out Posthume Alben haben immer einen bitteren bis tragischen Beigeschmack. Sei es, weil man einfach nur den Eindruck gewinnt, dass das Erbe eines Künstlers kommerziell nochmals ausgeschlachtet werden soll oder eben tatsächlich, weil man deutlich vor Augen geführt bekommt, wen man da künstlerisch verloren hat. Es war definitiv ein Schock, als STATUS QUO-Legende RICK PARFITT an Heiligabend 2016 doch relativ unerwartet das Zeitliche segnete. Zwar hatte der charismatische englische Rocker aufgrund seines massiven Herzinfarkts bereits im Sommer des Jahres 2016 zwangsweise alle Tour-Aktivitäten mit STATUS QUO einstellen müssen, doch schien er auf dem Weg der Besserung zu sein. Umso schlimmer, dass es dann doch jährlich zu Ende ging. Untätig war RICK PARFITT jedenfalls zuvor nicht gewesen, denn während seine Bandkollegen mit seinem Segen weiter den Tour-Zyklus pflegten, arbeitete er an seinem ersten Solo-Album. Seine Vocals und Gitarrenparts waren auch im Grunde alle im Kasten, als er von uns ging - und somit lag ein weitestgehend fertiges Solo-Album also tatsächlich in der Schublade. Es war daher letztlich dann irgendwie nur konsequent, dass man beschloss, die fehlenden Teile des Puzzles noch zusammenzusetzen. Sohnemann Rick Parfitt Jr. tat dies gemeinsam mit den STATUS QUO-Kollegen John »Rhino« Edwards, Alan Lancaster, Brian May von QUEEN und Chris Wolstenholme von MUSE.

Und jetzt liegt das musikalische Solo-Vermächtnis von RICK PARFITT mit dem - ursprünglich sicherlich sehr augenzwinkernd gemeinten - Titel "Over And Out" dann endlich zur Rezension vor. Das Schicksal hat dem Titel natürlich einen bitteren Beigeschmack mit auf den Weg gegeben, doch sehen wir selbst, ob man hier noch posthum aufs Geld schielt oder wirklich ein schönes Vermächtnis geschaffen hat. Der Opener 'Twinkletoes', bei dem Brian May u. a. auch deutlich im Background zu vernehmen ist, klingt doch auf eine angenehme Weise nach einem älteren STATUS QUO-Rocker. Der Protagonist ist gut bei Stimme, und es ist schwer, hier nicht mit dem Fuß zu wippen und gleich gute Laune zu bekommen. Ein schöner Einstieg, wie ich finde! 'Lonesome Road' ist ein bisschen weniger eingängig, aber flutscht ebenso angenehm in die Ohren. Ruhig und mit Kloß im Hals kommt dagegen dann der Titeltrack 'Over And Out' daher. Der Song mit der durchaus traurigen Message, die vom Leben nochmals trauriger gemacht wurde, bekommt eine besondere Note dadurch, dass Ricks Stimme hier schon eher schwach und brüchig klingt. Das hindert ihn jedoch nicht daran, seinen Song mit Inbrunst zu singen. Der Titel wurde seinerzeit in einer Rohform schon bei der Beisetzung von RICK PARFITT gespielt und ich bin mir sicher, dass selbst hartgesottenere Zeitgenossen dabei mehr als nur eine Träne verdrücken mussten. Ein schöner, sehr gefühlvoller Song! Für mein Empfinden kommt das Album deutlich mit einer Schlagseite in Richtung 60er rüber und schielt auch nicht nur ein bisschen in poppigere Gefilde. Das merkt man deutlich bei 'When I Was Fallen' In Love', einem schönen, ruhigeren Song, der mich sehr klar an ROY ORBISON bzw. auch dessen Beiträge zum ersten Album der TRAVELING WILBURYS denken lässt. Und das darf man als dickes Kompliment sehen, denn damit ist man schließlich in großer musikalischer Gesellschaft. 'Fight For Every Heartbeat' hat natürlich vom Titel her angesichts der schweren Herzprobleme von RICK PARFITT einen etwas beklemmenden Titel, ist aber ein sehr positiv-kämpferischer Rocker in Tradition der älteren STATUS QUO. Dagegen kommt die wiederum mit schwacher Stimme, aber vielen Emotionen gesungene Ballade 'Without You' deutlich trauriger rüber. Dennoch ist der Song unterm Strich bitter-süß. Ein echtes Highlight ist der straighte und melodische Rocker 'Long Distance Love', der für mich einer der besten Songs auf dem Album darstellt - was jedoch nicht die anderen Songs abwerten soll. Groovig wird es nochmals mit 'Everybody Knows How To Fly'. Über das nochmals solide 'Lock Myself Away' geht es dann sehr kurzweilig zum längsten und "härtesten" Song des Albums, 'Halloween'. RICK PARFITT lässt es darin mit einer leicht spukigen Atmosphäre nochmals krachen und beschließt das Album würdig.

"Over And Out" ist in der Summe ein wirkliches tolles Album geworden, mit dem der gute RICK PARFITT sicherlich auch zu seinen Lebzeiten nochmals wirklich geglänzt hätte. Umso trauriger, dass dieses schöne Stück Musik mit dem bitteren Beigeschmack veröffentlicht wird, wohl sicherlich keinen Nachfolger mehr bekommen zu können. Wer mag, der bekommt übrigens noch mehr Gegenwert mit dem preislich nur knapp über einer normalen Neuveröffentlichung liegenden Box-Set. Dieses enthält zusätzlich einen raueren Roh-Mix auf einer gesonderten CD sowie ein RICK PARFITT-Shirt in XL. Für Fans sicherlich die beste Wahl, wie ich finde. Alle anderen dürfen und sollten hier natürlich insbesondere als STATUS QUO-Fans reinhören. "Over And Out" ist ein tolles, abwechslungsreiches Album mit Herz und Seele geworden, welches hoffentlich - wenn auch nur posthum - den verdienten Erfolg einfahren wird. Das ist jedenfalls keine Veröffentlichung zum bloßen Abkassieren, sondern ein starkes Stück Musik.

Gesamtwertung: 8.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood dry dry
Trackliste Album-Info
01. Twinkletoes
02. Lonesome Road
03. Over And Out
04. When I Was Fallin' In Love
05. Fight For Every Heartbeat
06. Without You
07. Long Distance Love
08. Everybody Knows How To Fly
09. Lock Myself Away
10. Halloween
Band Website:
Medium: CD
Spieldauer: 54:32 Minuten
VÖ: 23.03.2018

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23.03.2018 Over And Out(8.5/10) von Elvis

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