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Code - Mut

Review von Zephir vom 05.03.2015 (2728 mal gelesen)
Code - Mut Wer die Londoner CODE schon länger kennt, der weiß, dass sie ursprünglich aus der Black-Metal-Ecke kommen. "Nouveau Gloaming" hieß das Debüt von 2005, auf dem man knüppelte, schrammelte, brüllte und bei Live-Gigs umgedrehte Kreuze trug. Trotzdem waren CODE nie purer Black, sondern immer progressiv angehaucht mit Hang zum musikalischen Experiment. Eine entsprechende Entwicklung lässt sich demzufolge auch mit Blick über die folgenden Jahre und die beiden weiteren Alben, "Resplendent Grotesque" (2009) und "Augur Nox" (2013), nicht leugnen. Gerade die letztgenannte Platte bot schon eine Menge moderner Elemente, viel Cleangesang, lange melodische und sogar akustische Passagen.

Dass CODE in früheren Jahren den Drummer AiwarikiaR an Bord hatten, der Mitte der 90er Jahre bei ULVER trommelte, spricht für die schwarz-progressive Richtung; auch Viper von DØDHEIMSGARD wohnte übrigens mal im Hause CODE. Die neue Scheibe "Mut" ist nun allerdings ein absolutes Prog Rock-Werk geworden, was schon bei oberflächlicher Betrachtung des Musikmarktes eigentlich nicht überrascht. CODE sind nicht die Ersten, die einen solchen Weg gehen - wir kennen die Isländer SÓLSTAFIR und, um die Eindeutigkeit nochmals zu steigern, die Briten ANATHEMA. Eigentlich erinnern nur noch die Künstlernamen an den Stil von einst: Die aktuelle Besetzung von CODE besteht aus Sänger Wacian (altenglisch, bedeutet etwa so viel wie "Wächter"), den beiden Gitarristen Aort und Andras (Letzterer ist aber mit gleichnamiger deutscher Band weder verschwistert noch verschwägert), der Bassist nennt sich Syhr und der Drummer Lordt.

Auf "Mut" spielen sie nun sauberen experimentellen Post Rock. Der Albumtitel ist provokant, gemeinsam mit dem Cover und etwas Wohlwollen in der Betrachtung vielleicht irgendwie metaphysisch. Doch gibt es hier kein fünfzehnminütiges Schuhegucken, keine in Ton umgesetzten mathematischen Formeln, sondern irgendetwas dazwischen, mit allem was das neo-progressive Rockerherz begehrt: Die Musik ist von Anfang an gitarrenlastig mit deutlichen melodischen und harmonischen Asymmetrien, die Rhythmusgruppe pflegt eine ordentliche Polymetrik und der Cleangesang ist warm und expressiv. Die Lyrics liegen mir leider nicht vor, und alles ist auf Anhieb nicht verständlich, aber ein gewisses surreales Moment scheint implizit. Eigentlich, könnte man fast sagen, funktioniert dieses Konzept bei CODE fast noch besser als der Black Metal-Hybrid.

Bemerkenswert ist übrigens, dass CODE mit ihrem vierten Studioalbum endlich bei ihrem dritten Label geankert haben: 2005 war man noch bei den Finnen Spikefarm Records, die ältere FINNTROLL und MOONSORROW in der Backlist haben; 2009 wechselte man zu den mittlerweile inaktiven Tabu Recordings in Norwegen (früher dort vertreten: ENSLAVED, aber auch so richtig Eigenwilliges wie LUMSK). "Augur Nox" von 2013 lief über die Polen Agonia Records, bei denen man nun auch geblieben ist. Vielleicht bedeutet das eine Art von Angekommensein? Wie gesagt kleidet der Prog Rock-Mantel die Fünfe ausgesprochen gut. Die metallische Vergangenheit lässt sich noch gefühlsmäßig erahnen, allerdings nur die progressiv-metallische, nicht die schwarze. Warten wir ab, wo CODE weiter hinsteuern. Den Weg zurück zum wirklichen, avantgardistischen Black Metal ist bisher meines Wissens noch keine Band gegangen.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. On Blinding Larks
02. Undertone
03. Dialogue
04. Affliction
05. Contours
06. Inland Sea
07. Cocoon
08. Numb, An Author
09. The Bloom In The Blast
Band Website: www.codeblackmetal.com
Medium: CD
Spieldauer: 35:54 Minuten
VÖ: 27.02.2015

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