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Strapping Young Lad - Alien

Review von Opa Steve vom 06.03.2005 (4527 mal gelesen)
Strapping Young Lad - Alien Die irren Kanadier um Devin Townsend und Gene Hoglan haben es wieder getan! STRAPPING YOUNG LAD liefern mit "Alien" ein neues Output ab, welches sich mal wieder gewaschen hat. Nach der doch recht trockenen Produktion des Vorgängeralbums "SYL" spürten Devin und Gene beim Songwriting mal wieder so richtig Lust auf infernalisches Chaos, und so verwundert es nicht, dass "Alien" den Zuhörer ähnlich in Bann zieht, wie seinerzeit das "City"-Album.

Der Opener 'Imperial' knallt schon unglaublich böse. Aggressive Riffs, supertighte Drums (von Gene wurde das gesamte Album übrigens in 3 Tagen eingezimmert) mit durchschlagenden Triggersounds, und ein dichtes Instrumentalgefüge aus zig Spuren, Hall, Samples und Effekten bilden die undurchdringliche Basis, auf der Devin seine markanten Vocals - gerne auch mal gleich 4- oder 5-fach - draufsetzt.

Der komplette Wahnsinn wird auch von Devins Vorliebe für herrlich ausgearbeitete Harmonien genutzt, die sich in dem Geballer als typisches Trademark, wenn Devin irgendwo seine Songwriting-Finger irgendwo im Spiel hat, wunderbar integrieren. So wiegt und stampft sich 'Imperial' abwechselnd durch totale Raserei mit Gekeife und durch großartige Chöre mit Harmonieparts. 'Skeksis' hingegen überfordert den Zuhörer streckenweise durch wahnwitzige Rhythmuswechsel und Bridges. Gene hält mit seinem fast mathematischen Geprügel alle Fäden in der Hand und führt den Hörer durch dieses vermeintliche Chaos. Hochpräzise Achteltriolen auf der Doublebass fügen sich passend zu vertrackten Riffs und Offbeats ein, und die Shuffle-Chöre im Mittelteil tragen ebenfalls nicht gerade zu mehr Klarheit bei. Diesen Titel muss man sich mindestens 10 mal geben, bevor man zielsicher mitgehen kann.

'Shitstorm' (was ein Einfall....) setzt der Raserei noch einen drauf und bläst mit seinem coolen Groove unbarmherzig wie eine Death Metal Kombo, aber abgedreht, wie es nur der olle Kiffer aus Kanada gestalten kann, aus den Speakern. Absoluter Wahnsinn und einer der besten Strapping-Songs, die ich je gehört habe. Eine kluge Entscheidung von Century Media, ausgerechnet diesen Hammertrack vorab als Appetithappen zu veröffentlichen.

Nach diesem Gewitter gibt es in Form von 'Love?' einen erholsamen Track mit einem echten Stadionrock-Refrain, der auch auf Devins Soloalbum "Terria" nicht weiter aufgefallen wäre. Herrlich poppig.

Zwei Songs später ist bei 'We ride' der Titel Programm. Ein cooler Doublebass-Speeder geht steil nach vorn, ist melodisch, hat unglaublich Drive, und beim Riff sieht man förmlich die Kolben des V6 auf und ab fliegen. Kurz, prägnant, und ohne viel Spielerei macht dieser Titel einfach nur Spass auf Speed und ist ebenfalls eine Erholung von dem ansonsten extrem abgedrehten Material. Mit noch entspannender Wirkung umschmeichelt später gegen Ende des Albums 'Two Weeks' die geplagten Ohren des Zuhörers. Völlig chilliges Akustikgeklampfe, und grandiose Gesangslinien entführen den Zuhörer in eine - man höre und staune - STRAPPING YOUNG LAD Ballade. Diese endet allerdings in einem sehr verstörenden Tritonus mit merkwürdigen Hintergrundtönen, denn Devin plante dieses Stück nach eigenen Worten nur ein, damit sich der Zuhörer noch schlechter fühlt als beim Rest des Albums. Den Mann soll einer verstehen.

In 'Possessions' kommen einem übrigens ein paar Stimmen auf einmal sehr vertraut vor, wenn man Fan des gesamten Dunstkreises der Townsend-Family ist: remember ZIMMERS HOLE? Die auf ihrem letzten Album '1000 Miles Of Cock' besungen haben? Irgendwie klingt dieser ordinäre Mädelchor schwer nach den 'Cocktease Twins', die Devin damals für ZIMMERS HOLE arrangierte. Auf dem Making-Of-Video von "Alien" sieht man zwar etwas mehr als nur Twins, aber die akustische Ähnlichkeit ist verblüffend.

STRAPPING sind es leid, immer an "City" gemessen zu werden. Mit "Alien" haben sie den Sprung aus dem Schatten des Überalbums so weit geschafft, dass sie für genug neuen Gesprächsstoff in der Neuzeit sorgen werden. "Alien" ist unglaublich vielseitig, klasse produziert, knallt wie Sau, und liefert dem Zuhörer Komplexitätsgrade, die er normalerweise nur von der DEVIN TOWNSEND BAND gewohnt ist. Es kann kräftig nach vorn abgehen, es kann den Zuhörer in akustisches Chaos und Verwirrung stürzen, es lullt ein, und es verblüfft immer wieder. Wie Gene schon im Interviews erzählte: das Gefühl war einfach da, und das Album ging einfach so von der Hand. Ein wirklich treffsicheres Stück abgefahrenen Extrem-Metalls, welches sehr viel zu Entdecken bietet. Übrigens wird es von diesem Album eine Limited Edition geben, welcher noch eine Menge Bonus-Material wie z.B. das ausführliche Making-Of beiliegen wird. Ach ja: wenn ihr euch zum ersten Genuss irgendwas in die Birne zieht, könnte das in einem bösen Trip enden, wenn das letzte Stück 'Info Dump' nach beinahe 10 Minuten zarter Geräusche zum totalen digitalen Lärm mutiert. Die spinnen, die Kanadier...

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood dry
Trackliste Album-Info
01. Imperial
02. Skeksis
03. Shitstorm
04. Love?
05. Shine
06. We ride
07. Possessions
08. Two weeks
09. Mega bulldozer
10. Zen
11. Info dump (instrumental)
Band Website: www.strappingyounglad.com
Medium: CD
Spieldauer: 54:40 Minuten
VÖ: 21.03.2005

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