Focus - Focus X

Review von Wulfgar vom 24.11.2012 (3047 mal gelesen)
Focus - Focus X FOCUS sind, für diejenigen die es nicht wissen, eine der besten Progressive-Rock Bands Europas. Gegründet 1969 von den Niederländern Jan Akkermann und Thijs van Leer, machten sie bis 1978 verdammt gute Rockmusik. Dann kam eine Trennung und die unvermeidlichen Soloalben. 2001 wurde FOCUS jedoch neu gegründet, wenn auch ohne Hernn Akkerman. Dieser Tage haben FOCUS mit dem schlicht "X" betitelten Album also wieder ein Eisen im Feuer. Ob Mit dem X nun der Buchstabe oder die römische Zahl gemeint ist, bleibt wohl ein Geheimnis. Es würde aber zum leicht eigenartigen Humor der Band passen, wenn die Zahl gemeint wäre, weil es ja schließlich ihr 11. Album ist.

Ist ja auch egal. Fakt ist, dass die Scheibe genau das liefert was FOCUS berühmt gemacht hat. Nämlich die geradezu monströse Virtuosität der einzelnen Bandmitglieder, sowie der weitestgehende Verzicht auf Gesang. Wo wir gerade dabei sind, wer noch nie gehört hat wie man Gesang rein instrumental einsetzt, darf gerne mal in 'All Hens On Deck' reinhören. Das macht aber überhaupt nichts, denn was diese Typen auf ihren Instrumenten erzeugen können ist schlicht Wahnsinn. Jedes Lied strotzt nur so vor verschachtelten Strukturen und Harmoniesprüngen, die anderen Musikern die Tränen in die Guckerchen treiben würden. Dabei schaffen es die 4 Käsköppe aber trotzdem alles wie aus einem Guss klingen zu lassen, als wäre es gar keine Schwierigkeit. Es wundert nicht, dass die Musik ab und an deutlich in den Jazz hinüber schwingt. Auch das gelingt ohne Probleme und gibt dem Ganzen eine musikalische Bandbreite, die mich mit Ehrfurcht erfüllt. Schön ist auch, dass gerade wenn man meint, dass einem die vielen Versatzstücke und sonstigen musikalischen Mätzchen zum Hals raushängen, wieder in die etwas straightere Rockschiene eingebogen wird. Und dann geht für den Freund der E-Gitarre die Sonne auf. Vom Gitarrespielen hat der derzeitge Saitenmeister Jan Dumée wahrscheinlich schon mehr vergessen, als die meisten seiner Kollegen je lernen werden. Falls auch das mal langweilig wird (den Musikern), geht man eben kurz dazu über, Strukturen russischer Chormusik zu verwursten. Natürlich nur um gleich danach wieder loszurocken, als gäbe es kein Morgen. Is klar, ne?

Tja, was mache ich jetzt? Einerseits ist diese Art Musik ja nicht so wirklich Metal (wenn auch fast jede andere niveauvolle Musikrichtung). Andererseits kann ich es nicht über mich bringen, Musik, die mit derart viel musikalischem und kompositorischem Können arrangiert wurde, für irgendetwas Punkte abzuziehen. Alleine schon deswegen, weil ich wahrscheinlich nicht mal ein Zehntel aller Kniffe erfasst habe, die FOCUS hier verarbeitet haben. Deswegen enthalte ich mich diesmal auch einer Wertung, empfehle die Platte aber trotzdem uneingeschränkt jedem wahren Musikfreund. Das hier steht einfach jenseits von engstirnigen Genregrenzen. Wenn man es hört, weiß man ganz instinktiv, dass hier Meister am Werk sind. Eine vergleichbare Band ist sicherlich JETHRO TULL, auch wenn mir FOCUS definitiv virtuoser vorkommen, als die Truppe von Ian Anderson. Uii, das war heftig. Bis zum nächsten Review, proost, euer immer noch verblüffter Wulfgar.


- ohne Wertung -
Trackliste Album-Info
01. Father Bachus
02. Focus 10
03. Victoria
04. Amok In Kindergarten
05. All Hens On Deck
06. Le Tango
07. Hoeratio
08. Talk Of The Clown
09. Message Magic
10. X Roads
Band Website: www.focustheband.com
Medium: CD
Spieldauer: 51:00 Minuten
VÖ: 05.11.2012

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten