Via Ad Mortem - Requiem I: Through The Path, Over The Ruins

Review von ReviewRalle vom 30.08.2026 (526 mal gelesen)
Via Ad Mortem - Requiem I: Through The Path, Over The Ruins Mittlerweile habe ich über so viele italienische Black Metal-Bands geschrieben, dass ich Italien nun mehr als Black Metal-Oase denn als Power Metal-Nation wahrnehme. Eine Entwicklung, mit der ich vor zwei Jahren niemals gerechnet hätte, über die ich mich aber sehr freue. Bisher war jede italienische Black Metal-Band, die mir begegnet ist, fantastisch - sei es ADVERSAM, DEWFALL, STORMLORD oder eben jetzt VIA AD MORTEM (zu Deutsch: Der Weg zum Tode).

Das 2025 gegründete Trio veröffentlichte am 15.05.2026 über Northern Darkness Records sein Debütalbum, das mit einem sehr tollen Artwork und einem recht eigenständigen Stil optisch positiv hervorsticht. Die neun Songs auf "Requiem I: Through The Path, Over The Ruins" belaufen sich auf eine Gesamtspielzeit von knapp 46 Minuten; bis auf das kurze, unheilvolle Intro pendeln sich alle Tracks zwischen vier und über sieben Minuten Länge ein. Behandelt werden dabei Themen wie die Vergänglichkeit des menschlichen Daseins, die Bedeutungslosigkeit des Einzelnen im Angesicht der Unendlichkeit und die Akzeptanz der eigenen Sterblichkeit, aber auch der Verfall und Ruin von Gesellschaften sowie der Natur.

Bei diesen Themen mag man möglicherweise ein atmosphärisches Black Metal-Album erwarten, doch die Musik dröhnt vielmehr wie klassischer, blasphemischer Black Metal der 90er-Jahre aus den Boxen. Einen atmosphärischen Anstrich besitzt das Ganze dennoch - dieser dient aber eher zum Abrunden des Gesamtsounds und nicht als zentraler Dreh- und Angelpunkt.

Das wird spätestens nach den ersten paar Sekunden des ersten vollwertigen Songs 'Through The Path ...' klar, denn der gibt direkt Vollgas. Wilde, dissonante Tremoloriffs treffen auf furiose Blastbeats, einen rumpelnden Bass und herrlich krächzende Screams. Dieser klassische, rohe Black Metal wird durch gekonnte Keyboard-Arrangements sinnvoll erweitert und verleiht dem Sound der Italiener eine feine, eigene Note.

Eine reine Vollgas-Knüppel-Orgie ist "Requiem I: Through The Path, Over The Ruins" dennoch nicht: Das Trio versteht es, verschiedene Tempi innerhalb der Songs zu nutzen, um Spannungsbögen aufzubauen oder eine bestimmte Stimmung zu transportieren. Das gelingt besonders gut im längsten Stück des Albums, 'Into The Bardo', welches auch das Highlight der Scheibe darstellt. Durch diese Abwechslung bleibt die Musik selbst nach mehreren Durchläufen spannend, und man entdeckt immer wieder kleine, feine Nuancen, die man vorher noch nicht wahrgenommen hat.

Grundsätzlich ist "Requiem I: Through The Path, Over The Ruins" ein Werk, das mit jedem Hören wächst. Das soll keineswegs heißen, dass das Album beim ersten Durchgang nicht überzeugen kann - ganz im Gegenteil: Es zündet von Anfang an und wird ab da nur noch besser. Abnutzungserscheinungen? Fehlanzeige.

Die Produktion ist kühl und roh, aber dennoch hochwertig und fängt den Geist des Albums hervorragend ein.

Wer atmosphärischem Black Metal nicht genug Zwang und Rasanz abgewinnen kann, sich an klassischem Black Metal aber längst sattgehört hat, wird mit VIA AD MORTEMs Debütalbum mehr als glücklich werden. Grundsätzlich sollte aber jeder, der mit Black Metal und seinen vielen Variationen etwas anfangen kann, dem Trio mindestens ein Ohr leihen. Italien hat es mal wieder geschafft und ein Highlight der modernen Black Metal-Geschichte abgeliefert.

9/10

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood dry
Trackliste Album-Info
01. The First Steps Towards the Unknown
02. Through the Path...
03. Worshipper of Death
04. Muchita - Night in Lima
05. Into the Bardo
06. Voragine di luce
07. ...over the Ruins
08. Rib for a Rib
09. The Grace of Gnosis
Band Website: viaadmortem.bandcamp.com
Medium: CD, Digital
Spieldauer: 45:51 Minuten
VÖ: 15.05.2026

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten