Zérak - Wings Unchained | |
|---|---|
| Review von derkleinekolibri vom 30.06.2026 (693 mal gelesen) | |
Tief im Inneren unseres Heimatplaneten herrschen Drücke und Temperaturen, die nötig sind, um aus den in Jahrmillionen zuvor sich aus organischen Überresten und Kohlenstoffverbindungen umgewandelten Kohlenstoffkristallen Diamanten zu erzeugen, die später durch vulkanische Aktivitäten an die Erdoberfläche gelangen.Doch es bedarf nicht immer eines solchen Zeitaufwands, um Diamanten herzustellen. Im Süden Deutschlands fanden 2017 die Gitarristen Chris Frank und Uwe Saußele zusammen und begannen mit der Entwicklung erster progressiver, metallisch klingender Kompositionen, denen weitere Genres einverleibt wurden. Ihre Visionen teilten binnen kurzer Zeit ebenfalls Steffen Singler (Bass), Christopher Carapetyan (Schlagzeug), Alison Zick (Gesang) und Christian Wick (Keyboards), und seit 2018 prägen die Klänge digitaler und analoger Keyboards sowie klassischer Tasteninstrumente die faszinierenden Klangwelten des Sextetts. Am 22. Juni 2024 bewiesen ZÉRAK beim Hammerschlag-Festival in der Niedernhaller Kelter, diesmal mit der neuen Frontfrau Meike Fischer, auf welch hohem Niveau sie bereits angelangt waren. Dem Publikum verrieten sie, dass sie an einer fast halbstündigen EP arbeiteten. Doch sie beließen es nicht bei der Ankündigung, sondern spielten mit viel Herzblut am Ende ihres Auftritts stattliche 18 Minuten davon und ließen mich (und einige andere) mit offenem Mund im Gastraum stehen. In einem anschließenden Vier-Augen-Gespräch mit Uwe Saußele erfuhr ich mehr vom Konzept der geplanten EP. So blieben wir darüber hinaus in lockerem Kontakt und schließlich trudelte dank Chris Frank das Promo zu "Wings Unchained" bei mir ein. Mit knapp 30 Minuten Spielzeit hat man hier ein Progressive Metal-Epos kreiert, welches in fünf Parts aufgegliedert daherkommt. Schon der sanfte Einstieg in diese hochkarätige Veröffentlichung raubt einem fast den Atem und regt den Körper zur Produktion des Kuschelhormons Oxytocin an. Keine zwei Minuten später wird Serotonin ausgeschüttet und eine knapp 30-minütige Wohlfühlphase nimmt ihren Lauf. Der Metal übernimmt das Ruder und dann setzt Meikes Gesang ein. Von diesem Moment an ist man inmitten tiefgründiger Klanglandschaften, die sich vor einem auftürmen. Nichts ist dem Zufall überlassen, alles passt ins harmonische Gesamtbild von "Wings Unchained". Ein Melodienreigen vom Feinsten, durchsetzt von Meikes unfassbarer Stimme, die dafür sorgt, dass sich jedes noch so kleine Härchen aufstellt. Die Vielfalt der eingesetzten Instrumente - unter anderem eine Hammond-Orgel und ein wohlgestimmtes Piano - lässt jede Sekunde zu einem Erlebnis werden. All das, die Emotionalität, die Härte, die Sanftheit, das Verspielte und noch viel mehr war bereits beim Hammerschlag-Festival durchaus erkennbar, doch was ZÉRAK in den vergangenen zwei Jahren daraus machten, ist - passend zum Namen des damaligen Festivals - ein Hammer. Diese sechsköpfige Formation gehört auf die großen Bühnen der Welt! Hoffentlich gerät die Veröffentlichung dieses Diamanten nicht während der Fußball-Weltmeisterschaft ins Hintertreffen. In den vergangenen Monaten habe ich mir angewöhnt, Promos zum allerersten Mal zu hören, wenn ich zwischen ein und drei Uhr meine Schlafposition eingenommen habe. Schlafe ich währenddessen ein, handelt es sich überwiegend um durchschnittliche Musik. Höre ich trotz der Müdigkeit alles bis zum Ende durch - so wie bei ZÉRAK - steht für mich fest, dass es sich um etwas Außergewöhnliches handelt. Hört man "Wings Unchained" mit Kopfhörern, zeigt sich, mit welcher Akribie den Instrumenten Töne entlockt wurden. Wer dabei keine Gänsehaut bekommt, dem ist nicht mehr zu helfen ... Gesamtwertung: 10.0 Punkte
| |
| Trackliste | Album-Info |
| 01. Wings Unchained Part 1 - Chained 02. Wings Unchained Part 2 - Sea Ghosts 03. Wings Unchained Part 3 - Janus Face 04. Wings Unchained Part 4 - Escape 05. Wings Unchained Part 5 - Salvation | Band Website: Medium: EP Spieldauer: 29:45 Minuten VÖ: 01.07.2026 |
Alle Artikel
Tief im Inneren unseres Heimatplaneten herrschen Drücke und Temperaturen, die nötig sind, um aus den in Jahrmillionen zuvor sich aus organischen Überresten und Kohlenstoffverbindungen umgewandelten Kohlenstoffkristallen Diamanten zu erzeugen, die später durch vulkanische Aktivitäten an die Erdoberfläche gelangen.
