Gravety - Of Cults And Chaos

Review von derkleinekolibri vom 02.06.2026 (631 mal gelesen)
Gravety - Of Cults And Chaos Während sich ein Großteil der Menschheit nichts daraus macht, die Atmosphäre des Heimatplaneten immer mehr zu verseuchen, schafft es eine fünfköpfige Truppe aus Saarbrücken, gesegnet mit dem Namen GRAVETY, mit ihrem dritten Album "Of Cults And Chaos" eine eigene, vollkommen schadstofffreie Atmosphäre aufzubauen. Bereits das Vorgängeralbum "Bow Down" (2021) hat mich seinerzeit so sehr geflasht, dass ich Kevin Portz, den Sänger, kontaktierte, um das Vinyl zu bestellen. Das war im Januar 2022. Wegen Lieferschwierigkeiten bat mich Kevin um etwas Geduld. Ende 2022 hatte ich meine Bestellung gedanklich bereits ad acta gelegt. Was den Saarländern allerdings sehr hoch anzurechnen ist, sie haben meinen Vinylwunsch nicht vergessen und so schrieb mich Kevin im Oktober 2023 an, ich könne das Album nun haben. Prompt bekam ich auch noch eine mit der Sieben nummerierte LP. Dieser tolle Umgang mit Musikfans muss unbedingt gelobt werden. Und umso lieber habe ich mich darauf eingelassen, das nun am 5. Juni 2026 erscheinende Album zu rezensieren.

Simon Schmitts Viersaiter führt uns in das 41 Minuten und 12 Sekunden lange Geschehen ein: 'Lament For The Unknown' baut sich langsam auf, Lukas Didion am Schlagzeug hält sich anfangs noch gekonnt zurück, ebenso strahlen Philipp Alberts und Gernot Gebhards Gitarrenriffs noch eine gewisse Ruhe aus. Kevin Portz' (teils geheimnisvolle) Stimme ist die exakt passende Ergänzung zu den vier Instrumenten, die alleine schon einem eine Gänsehaut verpassen. 'Cryptor's Calling' zieht im Tempo an und verbreitet gekonnt eine leicht depressive Stimmung. Bereits nach diesem zweiten Stück erkennt man, warum das Quintett seine Musik als Thrash'n'Doom Metal bezeichnet. So gut wie GRAVETY mit 'The Forgotten Village' klangen QUEENSRŸCHE nur in ihren allerbesten Zeiten, wobei es bei diesen niemals einen Möwenschrei in einem ihrer Songs gab - bei GRAVETY schon. 'Bane In The Black Cloud' markiert den ersten Höhepunkt - das Stück ist derart vielschichtig, dass ein zehn Zentimeter hoher Baumkuchen dagegen wie ein missglückter Versuch wirkt.

Das düstere Timbre in GRAVETYs Musik rührt daher, dass sie als Fans von H. P. Lovecraft und John Carpenter ein mysteriöses Wesen namens Cryptor in ihre acht Songs eingebettet haben.

'Cosmic Truth' und 'Outpost 31' brillieren in insgesamt zehn Minuten mit den Finessen der Musiker, mit denen sie ausgestattet sind. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt. Erklingt 'Brotherhood Of Sleep', denkt man gewiss nicht ans Schlafen, sondern ist ganz verzaubert von der Klangfülle des siebenten Titels. Äußerst klug, den allerbesten Song des Albums, 'Into The Mouth Of Madness', am Ende erklingen zu lassen. Wer nach dieser Hymne nicht versucht ist, "Of Cults And Chaos" erneut zu hören, ist entweder taub oder in den Schlagersümpfen des bayerischen Rundfunks gefangen und droht in diesen zu versinken.

Das Coverartwork ist gelungen, verleitet den Betrachtenden zu genauerem Hinsehen - herrlich, diese kleinen Details, die sich auftun. In den Credits wird man schließlich noch darauf hingewiesen, dass Tina Gebhard und Andrea Herber-Portz 'Cryptor's Calling' mit ihren Stimmen unterstützten. Es folgen noch etliche Namen, die zum Gelingen des Albums beitrugen. Diese hier einzeln aufzuführen, würde zu weit gehen, aber wenn ihr euch das Album zulegt, könnt ihr es selbst nachlesen.

Wer seinen musikalischen Horizont erweitern möchte, dem seien GRAVETY ganz klar empfohlen! Die Jungs werden sicher nicht enttäuscht sein, dass ihr von ihnen selbst nach 19 Jahren des Bestehens noch nichts gehört habt, jetzt aber mit ihnen abhebt. So ist das halt im Underground der Metal-Szene ...

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood dry
Trackliste Album-Info
01. Lament For The Unknown
02. Cryptor's Calling
03. The Forgotten Village
04. Bane In The Black Cloud
05. Cosmic Truth
06. Outpost 31
07. Brotherhood Of Sleep
08. Into The Mouth Of Madness
Band Website: www.facebook.com/gravety
Medium: CD, LP, Digital
Spieldauer: 41:12 Minuten
VÖ: 05.06.2026

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten