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BIWO - Life And Death

Review von derkleinekolibri vom 08.11.2022 (601 mal gelesen)
BIWO - Life And Death Was passiert, wenn sich ein unverbesserlicher Idealist schließlich mit dem befasst, was ihn bereits seit Jahren beschäftigt? Er hat eine simple, aber äußerst schwer umzusetzende Idee: Eine eigene Band muss her. So geschehen im Januar 2020, als sich Sänger und Gitarrist Sven und Bassist Justus während eines Benefizkonzertes kennenlernten. Hanno, ein früherer Schulkamerad von Justus, dem das Spielen eines Schlagzeugs kein Fremdbegriff war, wurde schnell ins Boot geholt. Man wollte mit den ersten Proben beginnen, als die dunkle Zeit über Deutschland hereinbrach und so ziemlich alles verboten wurde, was Spaß machte. Damit war auch schon wieder alles vorüber, bevor es so richtig begann. Doch Sven wäre kein Idealist, wenn er diese zwangsweise verordnete Schaffenspause nicht zu nutzen gewusst hätte. So kam es, dass er einen Song nach dem anderen aus einer Anfangsidee heraus zu einem fertigen Stück wandelte. So wuchs das Album "Life And Death". Einer Geburt stand also nichts mehr im Wege. Klar, natürlich noch unvollkommen - den letzten Feinschliff gab es dann im Sommer 2022, als Proben endlich wieder problemlos stattfinden konnten.

Alle acht Songs wurden von Sven komponiert und aufgenommen. In den Cubi Studios Bochum waren Mixing und Mastering ebenfalls das Werk von Sven Biwo, dessen Nachname kurzerhand zum Bandnamen umgewandelt wurde. Das war die Geburtsstunde von BIWO! Zu dem nun bereits existierenden Album musste ein passendes Cover-Artwork her. Das mehr als gefällige Cover entstand nicht am Computer - die Zeichnerin Gudrun Müller schwang noch ganz altmodisch den Pinsel und schuf ein prachtvolles, dem Titel angemessenes Bild. Kleiner Hinweis nebenbei: Ihr könnt dieses Kunstwerk auf einem qualitativ hochwertigen T-Shirt erwerben. Doch zurück zum eigentlichen Thema: Die CD und das achtseitige Booklet stecken in einem auf 500 Stück limitierten und handnummerierten Digipack. Zu kritisieren ist eigentlich nur, dass die Texte im Booklet kaum lesbar sind. Der Kontrast zwischen Schrift und Hintergrund ist zu gering, die Buchstaben sind einfach zu filigran.

Der erste Gedanke beim Betrachten der Track-Liste: "Was denn, nur acht Titel?" In der Tat, es sind "nur" acht Songs. Die aber haben es mächtig in sich und nach dem ersten Durchlauf verschwendet man keinen Gedanken mehr an die "zu kurze" Laufzeit. Geboten wird nämlich melodischer, klassischer Heavy Metal, der bodenständig und voller Spielfreude daherkommt. Besonders die Unkompliziertheit fällt positiv auf. Dass Sven den 80er Jahren sehr zugetan ist, merkt man schnell. Mit viel Charme und Feuer wird der Metal regelrecht gelebt. Der Geist jener Zeit beseelt jedes der acht Stücke. Diese Art von Schwermetall ist einfach - einfach genial! Diese Primitivität ist vermutlich auch der Schlüssel zum Erfolg. Zusätzliche oder gar überflüssige Spielereien, die viele Songs anderer Bands unnötig aufblähen, existieren ganz einfach nicht. Dafür aber schaffen raues Gitarrenspiel, ein hochmotivierter Schlagzeuger sowie der talentierte Bassist die Grundlage für ein solides, wohlklingendes Dreiviertelstündchen Musik vom Feinsten.

Stilsicher werden die ersten drei Songs ins Rennen geschickt Das Robuste, Raue und Unverkrampfte setzt sich sofort im Kopf fest - ebenso einige Riffs. Kein Schnickschnack überfrachtet die Titel. Und plötzlich ist er da, der erste von drei Höhepunkten auf "Life And Death": 'Mother Earth' deckt so ziemlich alles ab, was das Herz jeden Metal-Fans höherschlagen lässt. Tempowechsel, Soli, getragene Phasen, all das hebt dieses Stück in dieselben Sphären, in denen man AXEL RUDI PELLs 'Land Of The Giants' findet. Es soll nicht die einzige Begegnung der unheimlich guten Art mit mächtigen Songs der Vergangenheit bleiben. Die Eigenständigkeit der Kompositionen von Sven lassen erst gar nicht die Vermutung aufkommen, da wäre nur etwas kopiert worden. Im Song 'I' wird mit musikalischen Mitteln auf ein Problem unserer Zeit - die Abhängigkeit mancher Menschen von anderen Personen - aufmerksam gemacht. Das Gitarrenspiel trifft den Nerv des Hörers. Das war dann Höhepunkt Nummer Zwei. Er hinterlässt seine Spuren. Doch die absolute Krönung kommt ganz zum Schluss: 'Judgment Of The Gods' hat das Zeug, einen Platz in meinen Top 100 der besten Metal-Stücke zu ergattern. Wie schafft es ein Newcomer, in der heutigen Zeit tausendfacher Neuerscheinungen derart herauszustechen? Ich glaube, den Grund dafür zu kennen: Es ist die Einfachheit - nicht Primitivität (!) - die aus dem Herzen heraus solche fast schon epischen Songs entstehen lassen. Geht der CD-Player nach diesem Song in den Stop-Modus, ist der Reflex, ihn neu zu starten, kaum zu unterdrücken.

Wer diesen meinen Worten keinen Glauben schenken mag, überzeugt sich bitte selbst. Am 11. November wird die CD veröffentlicht. Zögert aber nicht zu lange, 500 Exemplare sind schnell verkauft, zumal der veranschlagte Preis äußerst moderat ist.

Gesamtwertung: 9.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Live Now
02. Fountain Of Youth
03. Win This Fight
04. Mother Earth
05. Poor Boy
06. I
07. Alone In The Dark
08. Judgment Of The Gods
Band Website: www.biwo-online.de
Medium: CD
Spieldauer: 40:44 Minuten
VÖ: 11.11.2022

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