The Birthday Massacre - Fascination

Review von Opa Steve vom 25.02.2022 (1494 mal gelesen)
The Birthday Massacre - Fascination Die Kanadier THE BIRTHDAY MASSACRE waren schon immer Grenzgänger zwischen glitzerndem Breitwandrock wie frühe EVANESCENCE und elektronischem Pop. Das Händchen für tolle Hooks in Verbindung mit Chibis verträumt-naivem Gesang findet dabei sofort den Zugang zum Hörer und durchläuft die Emotionen von gelöster Romantik bis zu einer gothic-ähnlichen Sehnsucht, die gelegentlich durch wahnsinnig fette Kombinationen aus dicken Synths und undurchdringlichen Overdrive-Wänden gepusht wird. Die Umschreibung "Elektro Rock" wird hierfür oft bemüht, da die Synthies ganz klar das führende Instrument darstellen. Und in der Variation der Zutaten ist es so, dass THE BIRTHDAY MASSACRE in ihrer 20-jährigen Geschichte schon öfter mal den Schwerpunkt verschoben haben. Das sehr elektronische Frühwerk "Violet" hatte die poppigen Elemente noch stark reduziert und orientierte sich noch sehr an den Indie-Einflüssen der 90er. Bei "Pins And Needles" waren die Gitarren dann fast gleichberechtigt, und die Musik fand dort statt, wo sich die Welten des Pops und des harten Rocks treffen. In dieser Richtung ging die Entwicklung dann zehn Jahre noch etwas in Richtung 80er Pop mit Stil, ohne aber die harten Gitarrenwände komplett aufzugeben. In diesem Geist muss man auch das neue Album "Fascination" verstehen. Der romantische Pop der MTV-Phase ist dort in Songs wie 'Dreams Of You' oder 'One More Time' so stark und eindeutig vertreten wie selten. Aber THE BIRTHDAY MASSACRE schaffen es auch, ihre sonstigen Trademarks beizubehalten, und man findet ihre Historie in dieser Scheibe auch Song für Song wieder. Da sind die superfetten Gitarren von 'Stars And Satellites', das mit den zurückgenommenen Synthie-Leads auch TYPE O NEGATIVE gut zu Gesicht gestanden hätte. Und allein dieser Kontrast spiegelt schon die Bandbreite wieder, mit der Chibi und ihre Jungs agieren. Düsterheit und gelöste Pop-Stimmung gehen hier Hand in Hand, genauso wie raumfüllende Riffs und kitschige Elektronik. Auch die Gothic-Einflüsse sind wieder wohldosiert enthalten: Das tanzbare 'Like Fear, Like Love' hat feine Leads und einen charttauglichen Chorus zum Niederknien. Diese ganzen Genrespitzen sind eingebettet in die wohldosierte und effektive Mischung aus Ohrwürmern, kalter Elektronik und leichtfüßigem Pop. Und da liegt generell bei THE BIRTHDAY MASSACRE der Hase im Pfeffer: Man muss sich auf diese immer wieder unbekümmerten Vibes und diese glitzernden Sounds mit drei Schichten Creme und buntem Krokant einlassen können. Die eher ernst und pathetisch agierende Metalwelt wird sich diesen Sound nur schwer erschließen können. Auch für mich, der schon das eine oder andere Album der Band im Regal stehen hat, zündet "Fascination" nicht so gut wie manch andere Scheibe. Vielleicht kam dieser Wurf nach dem Vorgänger "Diamonds" auch einfach zu schnell. Trotz vieler guter Ansätze und echter Highlights kann ich in dieses Album nicht so eintauchen wie in viele ältere Songs. Man landet immer wieder in zu seichten Gewässern. Positiv ist aber, dass Chibi die vermutlich beste Gesangsleistung in der Historie von THE BIRTHDAY MASSACRE abgeliefert hat und sich stimmlich einen deutlich größeren Umfang als üblich zutraut. Wer als Metalhead in seinen vier Wänden auch gern mal heimlich seine romantische Ader ausleben möchte, kann durchaus mal ein Ohr riskieren.

Gesamtwertung: 6.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Fascination
02. Dreams Of Your
03. Cold Lights
04. Stars And Satellites
05. One More Time
06. Like Fear, Like Love
07. Once Again
08. Precious Hearts
09. The End Of All Stories
Band Website: nothingandnowhere.com/
Medium: CD
Spieldauer: 38:00 Minuten
VÖ: 18.02.2022

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