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Noumena - Anima

Review von Rockmaster vom 28.09.2020 (4803 mal gelesen)
Noumena - Anima NOUMENAs Album "Anima" ist wie der tief melancholische Soundtrack zum Platz am Kaminfeuer, von dem aus man durch das kleine Fenster in die eingeschneite Landschaft schauen könnte, würde nicht der leichte, aber stete Schneefall die Sichtweite nach einigen Metern enden lassen. Sehnsuchtsvoll gleitet der Blick nach draußen, verirren sich die Gedanken in der lebensfeindlichen, weißen Pracht, und klingt das Knirschen des Schnees unter den Füßen in den Ohren, während alle anderen Geräusche von der Landschaft schier aufgesaugt werden. So wie die meterdicke Schneeschicht scheinbar alles Leben unter sich begräbt, so handeln die finnischen Texte auf "Anima" von Tod und Verlust. "Anima", das ist hier der Seelenvogel Sielulintu aus der finnischen Mythologie, der uns bei Geburt eine Seele gibt, um sie bei unserem Dahinscheiden wieder mit ins Jenseits zu nehmen. Gleichzeitig verhindert er, dass unsere Seelen im Traum verloren gehen.

Seit inzwischen zwanzig Jahren liefern die Finnen soliden Melodeath, der in die gleiche Kerbe schlägt wie die Kollegen und Landsleute von INSOMNIUM. Ganz zufällig hilft seit 2018 auch deren Drummer Markus Hirvonen an der dritten (!) Gitarre aus. Die bemerkenswerte Saitenmacht bedient dabei in erster Linie nicht die Anhänger krachender Riffs, sondern wird in schöne, fast poppige Melodien investiert. Wer schon von dem Stil an sich angetan ist, die vergleichsweise ruhige Gangart mag und die Mischung aus Growls und klarem Gesang, der hat schon mal drei Gründe hier zuzugreifen. Allen anderen seien zwei alternative Gründe an die Hand gegeben, warum eine Hörprobe sich lohnen könnte: Suvi und 'Totuus'.

Während Antti Haapanens Growls so eiseskalt klingen wie die Traumlandschaft aus Schnee, dreht sich die Musik ansonsten stets um die wundervolle, warme Stimme von Suvi Uura. Die Kompositionen sind nicht durch die Bank fesselnd, aber Suvi ist großartig. Und so freut man sich auf jede einzelne Textzeile, so, wie man sich nach tristem Blick aus dem Fenster auch irgendwann an den Kamin zurücksetzen würde. Auf der anderen Seite kommt dann der episch lange Titel 'Totuus' - "Wahrheit" - für den die Band, hat man das Gefühl, ihr gesamtes Kompositionstalent aufgespart hat. Mehr als einmal denkt man, man höre gerade das Outro von "Anima", und dann kommt doch noch einmal eine Wendung, bis der Titel nach langsamem Aufbau und Steigerung dann doch seinen Höhepunkt hat. Bei aller Ruhe und Melancholie eine Wucht.

Unterm Strich könnte man gut und gerne behaupten, dass "Anima" näher am Folk ist als am Death Metal. Da verwundert es wenig, dass der Schlusstitel des Albums 'Joutsen' ("Schwan") noch einmal so richtig aus der Reihe fällt. Suvi wird hier rein akustisch nur von einem Klavier (könnte sie selber sein, aber das gibt der Beipackzettel nicht her) und einem Cello begleitet. Da steigt vermutlich der letzte beinharte Metalfan aus - was dem Titel meiner Meinung nach aber nicht gerecht würde, denn ich finde ihn stark.

Gesamtwertung: 7.0 Punkte
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Trackliste Album-Info
01. Kaiku
02. Saatto
03. Murtuneet
04. Seula
05. Ajaton
06. Totuus
07. Anima
08. Joutsen
Band Website: www.noumena.info
Medium: CD
Spieldauer: 56:41 Minuten
VÖ: 04.09.2020

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