Letzte Reviews





Festival Previews
Festival Reviews 2021
Headbangers Open Air 2021 (Corona Edition)

Ironhammer Festival 2021

Stam1na - Taival

Review von Humppathetic vom 24.07.2019 (2891 mal gelesen)
Stam1na - Taival Vorweg: Zum besseren Verständnis des Reviews lohnt es sich, die beiden Kritiken von Opa Steve zu "Elokuutio" und "SLK" zu lesen.

Ich war Ende Mai dieses Jahres mit meinem Cousin aus der Grafschaft Lancashire in meiner Lieblingsmetalkneipe in Hamburg, da er ein netter Mensch ist, aber leider Techno hört. Also rein da, zur Theken-Frau gegangen und gesagt:"Hey! Mach mal STAM1NA an!" - "Wen?" - "STAM1NA!" - "Kenne ich nicht." Den Rest erspare ich euch. Fazit war aber: STAM1NA waren gänzlich unbekannt und auch nicht im System vorhanden. Warum erzähle ich euch das jetzt aber? Nun, Opa Steve stellte in seiner Kritik zu "Elokuutio" von 2016 die berechtigte Frage, warum die Finnen hier immer noch nicht in der Oberliga spielen würden. Drei Jahre ist das jetzt her. Und was hat sich getan? Nichts, möchte ich meinen. Zwei Alben sind herausgebracht worden, aber Notiz scheint niemand zu nehmen. Na klar, sie spielten jüngst auf dem Rock Harz, allerdings als erste Band des Tages noch vor 13 Uhr. Im Winter werden sie auf Tour kommen, aber auch da nur den Opener geben für die bekannteren INSOMNIUM und THE BLACK DAHLIA MURDER. Toll. Ergo wird man wieder mit einer halben Stunde abgespeist. Und da kann ich abermals nur Opa Steve nachplappern: Wie kann das sein? Liegt es daran, dass die Band seit ihren Demo-Tagen nicht mehr auf Englisch singt? Dass die Musik teils doch sehr verrückt-progressiv ist? Mehr Argumente, und es sind ja nicht mal gute, fallen mir nicht ein. Und ehrlich gesagt: Irgendwie habe ich die Faxen dicke. Diese Band gibt es seit 1995. Seit 2005 veröffentlichte man acht Alben. ACHT! In 14 Jahren! HALLO? Ist da jemand? Die Band kann außerdem auch gar nicht schlecht sein. Sie kommt aus einer Stadt namens Lemi, gesprochen: Lemmy! Aber gut, widmen wir uns dem wichtigeren Thema, nämlich der Musik.

Mit "Taival" (Finnisch für Passage) kommt nun also STAM1NAs achtes Album um die Ecke, und es ist ein großes geworden. Nach dem stimmungsvollen Intro 'Hyvää Yötä' (Gute Nacht) ballert man mit 'Solar' direkt nach vorne und man weiß: Das sind STAM1NA. Wuchtig, präzise wie ein Uhrwerk, thrasht man sich einen ab, dass ich nicht anders kann, als zu sagen: Ich war noch nie so froh, verprügelt zu werden. Wer jetzt aber denkt "Ja, klar. Das sind STAM1NA. Schön auf die Fresse", der irrt - natürlich. Denn STAM1NA halten sich nicht an bestehende Grenzen. Sie sprengen sie. Mit 'Elämänlanka' (Lebensfaden) bolzt man im Mid-Tempo und äußerst tiefen Gitarren daher, um im Refrain eine wunderschöne Melodie anzubieten. Zum Verlieben, und zumindest ich kriege dabei jedes Mal Gänsehaut. Danach folgt dann der als Video ausgekoppelte Song 'Enkelinmurskain' (Engelsbrecher), der, soweit ich das mit meinem brüchigen Finnisch beurteilen kann, von der Schönheit des Universums erzählt, einem Universum, das keine Götter braucht, denn "es ist intakt, es ist Liebe, es ist aus dem Chaos geborenes Land". Auch hier kommt abermals der phänomenale Gesang von Antti Hyyrynen zum Vorschein, der uns, sorry für die billige Analogie, engelsgleich in die Ohren säuselt, während wiederum in der Strophe der Abwechslungsreichtum der Band gewahr wird, wenn in Death Growls und tiefgestimmten Gitarren brutal die Kauleiste bearbeitet wird. Und am Ende wird das Lied mit dem finnischsten aller finnischen Gitarrensoli abgerundet. Wunderschön. Danach geht es dann in Richtung finnischen Power Metals, wenn in 'Gaian Lapsi' (Das Kind Gaias) melodisch und in Zusammenarbeit mit Anna Eriksson eine Halbballade im Duett zelebriert wird. Gefolgt wird das mit der 'Metsästäjä'-Trilogie, bei der im ersten Teil namens 'Metsästäjä' (Jäger) erst wieder die große Melodie ausgepackt wird, während in den anderen Teilen, 'Ero' (Unterschied) und 'Ylösalainen' (auf dem Kopf), weitaus ruhiger zu Werk gegangen wird. Wohl auch besser. Man muss dem Hörer auch mal eine Verschnaufpause gönnen. Aber 'Sudet Tulevat' (Die Wölfe kommen) geht gleich wieder nach vorne, diesmal mit einer rotzig-punkigen Attitüde und Björgvin Sigurðsson von SKÁLMÖLD als Gast, der dann in seiner prägnanten Art ins Mikro rülpst. Danach folgt in 'Merivälimatka' (Seedistanz) erneut der absolute Melodie-Overload, der mir sofort unter die Haut kriecht. Der irgendwie recht ironische Titel 'Kannoin Sinut Läpi Hiljaisen Huoneen' (Ich trug dich durch einen stillen Raum / Den Raum der Stille) ist das Gegenteil von dem, was er sagt - der Song thrasht nochmal ordentlich durch die Gegend und auch den Death Growls wird abermals gehuldigt. Das war es dann. Mit 'Kajo' (Schimmern) folgt ein ruhiges Stück, das eher als Outro dient, und dann ist nach 41 Minuten - die typische Länge eines STAM1NA-Albums - Schluss.

Ihr habt vielleicht gemerkt, wie begeistert ich von dem Album bin. Am Anfang fand ich es gut - jetzt ist es meines Erachtens in die Riege der Weltklasse aufgestiegen. In der Tat hat die "Taival" für mich den ersten Platz der besten Alben der Band aus Finnland erklommen - neben der "Nocebo" von 2012. Ja, man geht melodischer und zurückhaltender vor als früher; ganz verrückte Sachen erlebt man nicht. Man ist gewachsen, vielleicht erwachsen. Aber es braucht keine DEVIN TOWNSENDsche Verrücktheit, um zu begeistern. Mit proggigem Thrash und großen Melodien schafft man das auch. Und so stehen sich "Nocebo" und "Taival" diametral entgegen. Und sind doch beide großartig auf ihre eigene Weise.

Zuletzt möchte ich das Thema auf etwas anderes richten. Das Album und seine Lyrik haben in Teilen etwas Melancholisches, etwas, das sich wie Abschied anhört. Songtitel wie "Gute Nacht" oder "Schimmern", dazu der Titel des Albums. Zudem gibt es in 'Ero' die Zeile "Salaiseen Paikkaan, Jossa Alku On Loppu On Alku", was so viel bedeutet wie "In einem geheimen Platz, in dem der Anfang das Ende der Anfang ist". Vielleicht überinterpretiere ich das, aber zumindest die Frage möchte ich stellen: Ist "Taival" das letzte Album der Band? Wird man sich nach der Tour dieses Jahr vielleicht nächstes Jahr nochmal groß verabschieden und dann von dannen ziehen? Es würde passen, stellt 2020 doch das 25-jährige Jubiläum der Band dar. Wer weiß, wer weiß ...

Zum Ende möchte ich nur sagen: "Taival" ist wohl eines der Alben 2018 (ja, das Album ist schon aus dem letzten Jahr) und wäre ein würdiger Abschluss für diese tolle Band, die mir persönlich viel bedeutet.

Gesamtwertung: 9.5 Punkte
blood blood blood blood blood blood blood blood blood dry
Trackliste Album-Info
01. Hyvää yötä
02. Solar
03. Elämänlanka
04. Enkelinmurskain
05. Gaian Lapsi
06. Metsästäjä, I Metsästäjä
07. Metsästäjä, II Ero
08. Metsästäjä, III Ylösalainen
09. Sudet Tulevat
10. Merivälimatka
11. Kannoin Sinut Läpi Hiljaisen Huoneen
12. Kajo
Band Website: www.stam1na.com
Medium: CD
Spieldauer: 41:19 Minuten
VÖ: 12.10.2018

Besucher-Interaktion

Name:
Kommentar:
(optional)
Meine Bewertung:
(optional)
(Hinweis: IP-Adresse wird intern mitgespeichert; Spam und Verlinkungen sind nicht gestattet)

Artikel über soziale Netzwerke verbreiten



Reviews

01.06.2016 Elokuutio(8.5/10) von Opa Steve

23.10.2014 SLK(7.5/10) von Opa Steve

24.07.2019 Taival(9.5/10) von Humppathetic

13.12.2007 Uudet Kymmenen Käskyä(8.0/10) von Opa Steve

Album des Augenblicks
Volltextsuche
Heute veröffentlicht
The Electric Mud - Black Wool

Schaut mal!