Livebericht Sammy Hagar & The Best of All Worlds Ban (mit Jayler ) |
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| Ein Livebericht von Elvis aus London (British Airways ARC) - 12.07.2026 (544 mal gelesen) |
| Auch 40 Jahre danach scheiden sich die Geister, Gelehrten und Bandmitglieder daran, ob VAN HALEN nach dem Ausstieg von David Lee Roth immer noch dieselbe Band waren oder überhaupt noch Relevanz besaßen. Fakt ist, der Einstieg von Sammy Hagar am Mikrofon war zweifellos eine Zäsur und sicherlich waren VAN HALEN danach eine andere Band als vorher. Dem Erfolg tat dies jedoch keinen Abbruch, eher wurde dieser sogar größer. Im Gegensatz zu den ersten sechs Alben mit David Lee Roth gingen alle vier Alben mit Sammy Hagar auf Platz 1 der US-Billboard-Charts, auch wenn 'Jump' der einzige Nummer 1-Hit der Band blieb. Über die Zeit verkaufte die erste Version von VAN HALEN mit insgesamt sieben Studioalben zirka 56 Millionen Alben, demgegenüber stehen immer noch 27 bis 30 Millionen Alben mit Sammy Hagar am Mikrofon, bei allerdings eben nur vier Studioalben. Da sich an der grundsätzlichen Frage eben die Geister scheiden, dürfte es zumindest sicher sein zu sagen, dass VAN HALEN mit beiden Sängern (Gary Cherone Ende der 90er lassen wir mal beiseite - wenngleich zirka 1,16 Millionen von nur einem Album auch kein kompletter Reinfall waren) immens erfolgreich waren. Hinzu kommt, dass der nicht zu leugnende stilistische Wandel im Klang von VAN HALEN letztlich nicht allein auf Sammy Hagar zurückzuführen ist, sondern auch stark auf die Wünsche von Eddie Van Halen selbst zurückging, also so oder so gekommen wäre. Doch genug der langen Vorrede und der Zahlenspiele, entweder man liebt VAN HALEN auch oder gerade mit Sammy Hagar oder eben nicht. Wer das tut, durfte seit Jahren im Grunde mehr neidisch in die Staaten schielen, wo Sammy Hagar regelmäßig tourt. Nachdem er zwischenzeitlich nicht nur solo, sondern auch mit CHICKENFOOT fleißig war, ist seit einigen Jahren mit den Konzerten das Motto "The Best Of All Worlds" und seiner gleichnamigen Band verbunden. Sprich, es gibt einiges aus seiner Zeit bei VAN HALEN zu hören und eben auch Songs aus seiner durchaus mehr als nur erfolgreichen Solo-Karriere. Die Besetzung ist dabei ebenso All Star-haft, wie man es erwarten darf. Neben Sammy selbst gibt es natürlich am Bass zwangsläufig seinen alten Kumpel Michael Anthony aus VAN HALEN-Tagen, der seit seinem Aus dort immer mit Mr. Hagar am Start ist und auch bei CHICKENFOOT dabei war. Ebenso auch aus dieser Zeit bekannt ist der Mann an der Gitarre, nämlich niemand Geringerer als Joe Satriani. An den Drums ist mit Kenny Aronoff auch ein Virtuose dabei. Allein seine Beteiligungen lesen sich mit JOHN COUGAR MELLENCAMP, MEAT LOAF, BELINDA CARLISLE, JON BON JOVI, CINDERELLA, ROD STEWART, ELTON JOHN, ANASTACIA, ALICE COOPER oder JOHN FOGERTY ebenso vielfältig wie prominent. Wie man sieht also eine mehr als fähige Truppe und wenn diese nun nach Ewigkeiten der Abwesenheit aus Europa (CHICKENFOOT vor rund 15 Jahren mal ausgenommen - da gab es nämlich im Grunde nur deren Songs), Sammy spricht von über 30 Jahren, endlich noch mal den Weg hierher findet, ist das natürlich mehr als interessant. Hierher ist allerdings relativ, denn es handelt sich "nur" um eine kurze England-Tour. Ursprünglich für große Hallen geplant, hat man sich dann doch umentschieden und das Ganze in intimere Locations gepackt, was an sich sogar angenehmer ist. Der zunächst für die O2-Arena in London geplante Gig wurde dabei auf drei Konzertabende im neuen British Airways ARC aufgesplittet, eine neue Konzertlocation, die erst im Juni 2026 eröffnet hat. Das macht die Entscheidung am Ende im Grunde nur noch einfacher und so wird es dann der dritte Abend am 12. Juli, bei dem ich mir das Spektakel letztlich gebe. Die Anreise zur Location gestaltet sich erfreulich unkompliziert und man kann dieser definitiv anmerken, dass sie noch brandneu ist. Der ein oder andere Sitzplatz in der maximal 3.800 Leute fassenden Halle ist zwar noch frei, aber am Ende ist es doch ordentlich voll. Sowohl die sanitäre Versorgung als auch die mit Getränken funktioniert problemlos und was sehr positiv auffällt, ist die sehr gute Sicht von allen Bereichen, seien es die Sitzplätze vor der Bühne oder auch die Stehplätze dahinter (die Ränge oben dürften ebenfalls nicht enttäuschen). Obwohl es sich nur um eine Handvoll Termine handelt, gibt es reichlich Merch zu erwerben. Klar, mit 40 Pfund sind die Shirts kein Schnapper, sehen aber immerhin gut aus und finden einen regen Zuspruch. Der Support ist heute JAYLER aus den englischen Midlands, die Ende Mai ihr Debütalbum veröffentlicht haben und auch schon mit DEEP PURPLE unterwegs waren. Die tatsächlich auch alterstechnisch noch sehr junge Band beschreibt sich selbst mit High Energy Rock und macht in der Summe einen guten Job, insbesondere für ihr Alter. Sowohl visuell als auch klanglich hat das mehr als nur ein paar Vibes von LED ZEPPELIN und die insgesamt sechs Songs, die die Jungs heute performen, kommen gut rüber. Mal schauen, wohin ihr Weg sie noch führen wird. Was schon hier auffällig wird, ist die für mein Empfinden hervorragende Akustik der Halle, die einen phantastischen Klang bietet. Set List JAYLER 01. Down Below 02. No Woman 03. Riverboat Queen 04. Lovemaker 05. Over The Mountain 06. The Rinsk Nichtsdestotrotz ist das Publikum heute weiterhin im Wesentlichen für Sammy Hagar hier. Nach einer verschmerzbaren Umbaupause kommen die Protagonisten des Abends relativ schnell auf die Bühne und steigen mal eben ganz locker mit dem dicksten VAN HALEN-Hit der Hagar-Phase ein, nämlich 'Why Can't This Be Love', der in USA immerhin Platz 3 packte. Sammy merkt man seine mittlerweile 78 Lenze weder optisch noch stimmlich nennenswert an. Erwartungsgemäß ist die Band ein ebensolcher Reißer, entsprechend ist die Stimmung in der Halle direkt voll da. Joe Satriani, der schon in den 80ern als absoluter Ausnahmegitarrist galt, hat für diese Konzerte stilistisch Eddie Van Halen einstudiert und das merkt man auch, denn die Gitarrenarbeit bei den VAN HALEN-Klassikern ist durch die Bank grandios und sehr nah am Original. Mit 'Top Of The World' gibt es gleich den nächsten Reißer vom "For Unlawful Carnal Knowledge"-Album hinterher. Selbst die David Lee Roth-Zeit kommt heute zu Ehren, denn Sammy selbst verkündet, dass er 'Panama' weiterhin sehr gerne spielt. Was soll man sagen, der Song funktionierte früher schon sehr gut mit Sammy und tut es auch heute noch. Um den hammerharten VAN HALEN-Einstieg abzuschließen, gibt es passend zum Namen der Band und Tour als auch zum 40. Jubiläum des ersten Albums mit Sammy auch 'Best Of Both Worlds' zu hören. Was ein Einstieg! Klanglich ist das sowohl von der Band als auch der Akustik absolutes Top-Niveau. Vor seinen Solo-Erfolgen und VAN HALEN war Sammy bekanntlich mal der Sänger bei MONTROSE. Auch diese Phase soll gewürdigt werden, denn mit 'Rock Candy' und 'Bad Motor Scooter' gibt es nun zwei feine Klassiker aus dieser Zeit zu hören, die stimmungstechnisch auch keinen Abbruch tun. Nach dieser kleinen Erfrischung geht es aber direkt mit dicken Geschützen weiter, denn mit '5150' und 'Love Walks In' gibt es wiederum zwei Kracher von "5150". Nicht vergessen sollte man an dieser Stelle auch den englischen Keyboarder Nathan Mercado, den die Band mittlerweile auf der Bühne hat. Im Vergleich zum Rest der Band, die komplett über 70 ist, macht er ebenfalls einen tollen Job bei den teils doch sehr keyboardlastigen Songs. Wer sich ein bisschen mit Sammy Hagar beschäftigt hat, weiß, dass der Red Rocker auch im Tequila-Business aktiv ist. Passend zum Song 'Cabo Wabo' von "OU812" schenkt er deshalb nicht nur den Bandmitgliedern, sondern auch dem Publikum munter eine ganze Flasche seiner beliebten Spirituose aus. Welcher Song würde danach besser passen als 'Mas Tequila'? Keine Frage, der Track animiert zum Mitsingen. Nun ist es Zeit für einen der dicksten Solo-Hits, denn 'There's Only One Way To Rock' ist immer noch ein Stimmungsgarant. Auch die 90er-Phase bei VAN HALEN kommt erneut zu Ehren, denn die Powerballade 'Right Now' war durchaus so was wie ein Hit damals. Da Sammy sich auch mal ein bisschen erholen muss (und dabei und auch sonst zwischendrin im Bühnenrand fleißig Autogramme schreibt), darf heute Michael Anthony den David Lee Roth-Klassiker 'Ain't Talkin' 'bout Love' zum Besten geben. Nicht nur beim Harmoniegesang, für den der Bassist berühmt-berüchtigt ist, macht er eine gute Figur - eine mehr als solide Gesangsperformance! Da aber natürlich auch Joe Satriani zu Ehren kommen darf, gibt es heute mit 'Satch Boogie' eines seiner bekanntesten Instrumental-Stücke zu hören, währenddessen sich Sammy fürs Finale erholen darf. 'Good Enough' ist wohl der Song auf "5150" gewesen, der am stärksten noch an die Roth-Zeiten erinnert und somit sind es dann heute 5 von 9 Songs des Albums, die live ausgepackt worden sind. Da es sich bei diesem Album um einen meiner All-Time-Favoriten handelt, ein schöner Wert, wie ich finde. Wer sich noch an den Film "Heavy Metal" erinnern kann, bekommt danach den gleichnamigen starken Soundtrack-Beitrag zu hören. Klar, der vorerst letzte Song kann natürlich nur 'I Can't Drive 55' sein, und auch mit Ende 70 nimmt man dem Autofanatiker Sammy ab, dass er keinen Sinn fürs Schleichen auf der Autobahn mehr entwickeln wird. Zum Abschluss gibt es mit 'Eagles Fly' noch eine starke Ballade mit tiefer persönlicher Bedeutung und als allerletzten Song 'Encore, Thank You, Goodnight', ein Song, den Sammy nach Eddies Tod inspiriert von einem Traum über ihn geschrieben hat. So endet ein fantastischer, hochklassiger Gig in einer hervorragenden Location mit einer Band in absoluter Top-Form. Die hammerstarke Set List, die wenig Wünsche offen lässt, versüßt den Auftritt und auch wenn ich mir persönlich natürlich wünschen würde, dass 'Dreams' auch noch im Set gewesen wäre, so wäre das Meckern auf extrem hohem Niveau. Den Song performt Sammy tatsächlich seit Langem schon nicht mehr live, da er mittlerweile schlichtweg zu schwierig zu singen sei. So viel Ehrlichkeit gilt es zu respektieren anstatt eine vermurkste Version abgeliefert zu bekommen. Denn was die Herren über 70 hier heute abgeliefert haben, war definitiv Weltklasse und eine Demonstration, warum allesamt so viele Platten verkauft haben. Hoffen wir, dass es nicht der letzte Besuch war, denn auf diesem Niveau spielen die Wenigsten. Set List SAMMY HAGAR 1. Why Can't This Be Love? (VAN HALEN Cover) 2. Top Of The World (VAN HALEN Cover) 3. Panama (VAN HALEN COVER) 4. Best Of Both Worlds (VAN HALEN Cover) 5. Rock Candy (MONTROSE Cover) 6. Bad Motor Scooter (MONTROSE COVER) 7. 5150 (VAN HALEN Cover) 8. Love Walks In (VAN HALEN Cover) 9. Cabo Wabo (VAN HALEN COVER) 10. Mas Tequila 11. There's Only One Way To Rock 12. Right Now (VAN HALEN Cover) 13. Ain't Talkin' 'bout Love (VAN HALEN Cover) 14. Satch Boogie (JOE SATRIANI Cover) 15. Good Enough (VAN HALEN Cover) 16. Heavy Metal 17. I Can't Drive 55 18. Eagles Fly 19. Encore, Thank You, Goodnight Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle meinem englischen Freund und Kollegen Andy Nathan, der mir freundlicherweise die Verwendung der Fotos gestattet hat. Das Copyright liegt selbstverständlich bei ihm. |
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