Interview mit Ralf von Revel In Flesh

Ein Interview von Eddieson vom 15.09.2026 (1729 mal gelesen)
Sieben Jahre nach "The Hour Of The Avenger" melden sich REVEL IN FLESH mit ihrem neuen Line-up und natürlich neuem Album zurück. Grund genug, mal bei Sänger Ralf anzuklopfen. Dieser ließ nicht nur die letzten sieben Jahre Revue passieren, sondern erzählte noch ein bisschen über "Flesh For The Kult Of Death", KI und einiges mehr.

Moin Ralf. Wie geht es dir?

Ralf: Moin Jan, danke für das erneute Feature in bleeding4metal - schön, dass es Magazine gibt, die konstant am Ball bleiben und REVEL IN FLESH weiter verfolgen! Wir bereiten uns gerade für die Live-Premiere des neuen Albums auf der PARTY SAN Herbstoffensive am 19.09.2026 vor. The Deathkult rages on!

Jetzt gibt es nach zirka sieben Jahren der Ruhe ein neues Album und du hast neue Leute um dich geschart, um REVEL IN FLESH neues Leben einzuhauchen. Lass doch mal eben die letzten sieben Jahre Revue passieren.

Ralf: Nun ja, 2019 kam "The Hour Of The Avenger" auf den Markt. Das Album wurde im Zuge der Pandemie mehr oder minder verschlungen. Ich denke, auch die Entwicklung im Gesamtgeschehen hat gezeigt, dass sich das alte Line-up auseinandergelebt hat. Die Konflikte wurden in allen Belangen mehr und selbst der kleinste Schritt war nicht mehr ohne Debatte möglich. Am Ende erfolgte im April 2024 eine Trennung von den damaligen Gitarristen und dem Drummer aufgrund von kreativen, persönlichen und geschäftlichen Differenzen. Die geschäftlichen Verbindungen zueinander wurden aufgelöst. Die Rechte am Namen blieben bei mir. Ich hatte während dieser Zeit starke gesundheitliche Probleme, was einiges noch schwieriger gemacht hat. Es erfolgten viele Veränderungen und im September 2024 nahm ich seit langer Zeit wieder die Gitarre in die Hand. Ich hatte einige Fürsprecher in meiner Bubble, welche mich ermutigt haben, meine Vision zu verfolgen. Es gab auch viele Stimmen von außen, welche mir einfach gezeigt haben, dass es sich lohnt zu kämpfen! Zum neuen Line-up: Mit Jonny Pettersson arbeite ich auf freundschaftlicher Basis schon seit zirka 2015 oder 2016 zusammen. Wir machen HEADS FOR THE DEAD und ROTPIT zusammen. Er ist ein klasse Songwriter, welcher sich aber auch in die Rolle von Sänger und Drummer versetzen kann. Das ist für ein Gesamtverständnis super wichtig. Wir matchen super gut miteinander. Vom ersten Mitwirken hatte ich auch das Gefühl, dass er REVEL wieder dunkler und brutaler machen wird. Erik kenne ich von LEFT HAND SOLUTION bereits aus den 90ern. Er ist auch Teil von ROTPIT. Für mich ein echter Freund und auch einer der besten Drummer, mit welchen ich bisher gearbeitet habe. Es gibt viele Drummer, welche schnell spielen können oder möchten, aber nur wenige, welche grooven und vielschichtig agieren können. Vom Know-how her ist Erik auch aus professioneller Sicht ein echter Musiker. Simon ist ein langjähriger Freund, quasi noch aus der Metal-Clique der Schulzeiten. Er bringt auch einiges an Banderfahrung mit und ist ein sehr talentierter Gitarrist. Für Leads und Solo-Toppings ein super Teamplayer. Für mich ist es wichtig, dass Songs in der Gitarrenarbeit gezielte Höhepunkte haben, eine weitere Ebene. Das hat jetzt nichts mit Technik-Show-off zu tun, sondern es muss an der richtigen Stelle was passieren.

Wenn ich mir die Leute, die jetzt mit dir bei REVEL IN FLESH spielen, so ansehe, dann sind das ja alles Leute aus deinem Bekanntenkreis, was bedeutet, dass man sich kennt und vertraut?

Ralf: Es sind viele Dinge im alten Line-up passiert, die mir gezeigt haben, dass der Faktor Trust eine super wichtige Komponente ist. Es ist naheliegend, dass ich also auf Leute zurückgegriffen habe, welche a) diese Eigenschaft mitbringen und b) die Formula of Death von REVEL IN FLESH mit mir zusammen (!) prägen. Um es ganz einfach zu sagen, ich möchte eine gute Zeit mit Leuten haben, welche einem wohlgesonnen sind und mit welchen man produktiv an einem Ergebnis arbeiten kann. Ab einem gewissen Grad ist es wichtig, dass man organisatorisch auch zusammen harmoniert und liefert, vor allem weil eine Band auch unangenehme Aufgaben auf der To-do-Liste hat. Mit zunehmendem Alter ist Zeit zudem ein kostbares Gut - der Einsatz muss passen, sonst kann man es lassen!!!

Nachdem du mit den alten REVEL IN FLESH so ein bisschem mit dem letzten Album "The Hour Of The Avenger" in den Melodic Death Metal abgerutscht bist - ohne das negativ zu bewerten -, ist "Flesh For The Kult Of Death" wieder eher traditioneller Old School Death Metal. Wie lief da die Zusammenarbeit und das Songwriting zwischen euch?

Ralf: "The Hour Of The Avenger" was das Produkt vieler Köche in der Band zu dieser Zeit. Das Album hat seine Berechtigung in der Diskografie. Presse und Feedback waren damals gut bis sehr gut - es war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Persönlich hatte ich - vor allem in den Songwriting-Versuchen mit dem alten Line-up nach Album Nummer 5 - das Gefühl, dass die Musik immer weiter von meinen Vorstellungen von REVEL IN FLESH wegdriftet. Die damaligen Gitarristen wollten die Mucke mehr und mehr in die Melo Death-Ecke mit einer glatteren, kommerzielleren Produktion treiben. Gefühlt wurden dem Death Metal die Haare abgeschnitten. Die Vocals fühlten sich brutaler an als die Mucke dazu! Der Line-up-Clash gab mir somit die Möglichkeit, für mich die Ausrichtung neu zu sortieren. "Flesh For The Kult Of Death" hatte einen sehr wilden Entstehungsprozess. Wir hatten anfänglich Titel, Texte und zum Teil auch Gesangslinien und haben darauf die Songs aufgebaut. Jonny und ich haben uns auf Homerecording-Basis Riffs hin- und her geschickt. Wir waren zwar auf Distanz, aber es hat sich angefühlt, wie wenn man sich im Proberaum die neuen Riffs vorspielt. Daraus wurden Songstrukturen und Demos. Für die weitere Ausarbeitung kam dann Erik ins Boot, welcher zunächst auch Demo-Versionen der Drums ausgearbeitet hat. Simon nahm seine Beiträge - Leads, Toppings und Solos - auch auf Homerecording-Basis auf und Jonny hat in seinem UNBOUND Studio die Produktion ko-ordiniert. Klar, der Marschplan war, den Vibe von Alben wie "Deathevokation" und vor allem "Death Kult Legions" wieder aufzugreifen und mit den neuen Mitgliedern eine eigene Note zu setzen. Es ging um griffige Songs, bei welchen du das Riff und die Energie spürst. Sowie Texte und Titel, welche der waschechte Death Metal-Fan einfach mitschreien möchte, sprich, es ging um den Song als Ganzes!

Euer Haus-und-Hof-Artworker Juanjo Castellano Rosado hat wieder einen fantastischen Job gemacht. Wie ist das Artwork entstanden?

Ralf: Ja, Juanjo ist unser Dan Seagrave - er ist der Architekt der Deathkult-Unterwelt. Er hat den Look der REVEL IN FLESH-Alben geprägt und ich mag den Wiedererkennungswert unserer Alben auch in visueller Weise. Das Cover selbst war ursprünglich ein älteres Werk von Juanjo; es unterscheidet sich auch etwas von seinen neueren Werken. Wir haben angefangen, ab zirka 2023 über das Cover zu diskutieren. Es gab viele Änderungen und als ich dann Entschluss gefasst habe, weiter zu machen, haben wir nochmals kleinere Anpassungen gemacht. Für mich ist es sehr wichtig, dass man den Künstler auch in Bezug auf die Meinung mit ins Boot holt und seinen Rat auch respektiert. Es gibt nix Schlimmeres als wenn fünf Bandmitglieder in so einem Prozess mit komplett anderen Ansichten mitmischen und man das dann noch mit dem Künstler kommunizieren muss. Für mich als Sänger und Texter ist der visuelle Aspekt wichtig! REVEL IN FLESH stehen jetzt zwar nicht für hohe Lyrik, aber trotzdem soll die Welt ja schließlich mit Style zu Grunde gehen. [lacht] Abschließend sei noch gesagt, dass es mir wichtig war, dass wir farblich mit diesem nächtlichen Blau in eine frische Richtung gehen, welche doch anders ist als die der Vorgänger-Artworks.

Ich gehe mal schwer davon aus, dass KI-Cover für euch absolut kein Thema sind?

Ralf: Ich glaube schon, dass der "Hand Made Touch" für eine Band mit der Ausrichtung von REVEL IN FLESH wichtig für das gesunde Maß an Echtheit ist. Fakt ist jedoch, dass KI in vielen Bereichen, was Layout und Design betrifft, auf dem Vormarsch ist. KI kann ein Hilfsmittel sein, um Previews, Layouts, Erklärungen und so weiter zu machen, aber im Detail ist das alles noch im Reifeprozess. Ein Künstler wie Juanjo Castellano hat jahrelange Erfahrung, entwickelt sich weiter und auch seine Technik, Software und so weiter reift. Ich denke, man erkennt aktuell noch den Unterschied zwischen echt und annähernd so gemacht. Keiner kann die Zeit stoppen. Anfang bis Mitte 2000 waren alle Photoshop-Cover "the hottest shit", dann kam wieder eine traditionelle Phase. Da ist immer Bewegung im Spiel - ich denke, eine Band muss ihren Weg gehen und auch die erforderlichen Mittel in die Optik stecken!

Nehmen wir mal den Song 'Death Kult Maniacs'. Für mich einer der dreckigsten Songs von REVEL IN FLESH bisher. Er klingt irgendwie wie ein Abrechnung mit irgendjemanden. Worum geht es?

Ralf: Es gibt in dieser Szene einige Dinge, welche mich sprichwörtlich ankotzen, vor allem auch Teile der "elitären Trueness-Fraktion". Die Lyrics haben auch Referenzen zu gewissen Personen, welche sich darin vielleicht wiedererkennen. Generell sehe ich die "Death Kult Maniacs", sprich die REVEL IN FLESH-Supporter, als Death Metal-Fans, welchen es um die Mucke geht! Wir leben heute jedoch auch in einer Zeit, welche Haltung erfordert und es ist mir auch wichtig mit Leuten Musik zu machen, welche meine Ethik in wichtigen Belangen teilen! Dasselbe gilt auch für Geschäftspartner, welche in dem Sinne die Band vertreten. Ich komme aus der 90er-Underground-Szene und es gibt gewisse Ideale, welche man sich behalten sollte!

Sieben Jahre ist das letzte Album her und irgendwie war lange nicht klar, was nun mit REVEL IN FLESH passiert. Verspürst du als Bandkopf und Lenker der Band diesmal einen anderen, vielleicht größeren Druck als bei den bisherigen Veröffentlichungen?

Ralf: "Flesh For The Kult Of Death" steht für mich für Weitermachen und vor allem nicht aufgeben! Die Symbolwirkung ist für mich viel wichtiger als alles andere. Das Album bietet für mich die Vision von meiner "Formula of Death" von REVEL IN FLESH. Es ist zudem ein Werk, bei welchem alle vier Mitglieder des aktuellen Line-ups auf guter und wertschätzender Basis zusammen geholfen haben. Das Album gibt mir ein gutes Bauchgefühl! Generell gilt, wer schlecht über dich reden und schreiben will, wird es ohnehin tun - das ist der übliche Weg, was eben auch für diese Szene spricht. Wer selbst diese Erfahrungen gemacht hat, weiß Bescheid! imgright

Sieben Jahre sind eine lange Zeit und wir leben in einer schnelllebigen Welt. Natürlich hat die Konkurrenz nicht geschlafen. Hast du eine Idee, wie es um den Status der Band in der Metalszene steht oder hast du sogar auch mal bedenken gehabt, dass REVEL IN FLESH vielleicht niemanden mehr interessieren könnten?

Ralf: Mit Blick aufs Ganze sehe ich es so, dass in der Zeit, wo REVEL IN FLESH quasi inaktiv war, sich viele deutsche Bands aus zuvor dritter Reihe weiter nach oben gespielt haben oder von Bookern oder emsigen Geschäftsleuten gedrückt wurden. Ich will hierbei keine Leistung einer Band mindern, jede Band, welche heute was reißt, arbeitet in der Regel auch dafür. Was im Endeffekt Hype oder überbewertet ist, bleibt Ansichtssache. Das ist alles ein bisschen "Eat or be eaten" - REVEL IN FLESH haben nach wie vor ein starkes Following und der Name ist ein Begriff, aber wenn du bestehen willst, musst du weiterhin liefern! Wir sind bereit - alles Weitere wird sich zeigen! Es gab einige Enttäuschungen, vor allem von Leuten, welche auch lange Zeit vom Namen REVEL IN FLESH profitiert haben, aber man lernt in solchen Prozessen die Leute eben doch richtig kennen. Für mich ist es wichtig, dass es um die Basis geht, das sind für mich die Supporter, Sammler, Metal-Maniacs, Death Metal-Freunde, welche sich gefreut haben, dass es weiter geht und vor allem, dass neue Musik kommt! Ich sehe mich selbst IMMER als Fan der Musik und das ist auch ein essenzieller Teil der Metal-Community für mich. Du musst die Scheiße wirklich wollen und dein Ding machen, auch wenn es manchmal deswegen schlaflose Nächte gibt!

Gibt es etwas auf "Flesh For The Kult Of Death" zu hören, was es vielleicht auf früheren Alben noch nicht zu hören gab?

Ralf: Ja, der Teufel liegt im Detail! Mit Simon haben wir nun einen Lead- und Solo-Gitarristen, welcher an den richtigen Akzenten die Höhepunkte setzt. Mir fehlte das im Songwriting davor total. Richtiges Freispielen der Gitarren! Zum Teil hatte ich das Gefühl, dass die Vocals den Song auffüllen müssen. Nächster Punkt ist die Drumarbeit und vor allem die Schlagzeug-Produktion. Erik ist der erste Drummer in REVEL IN FLESH, welcher im Studio wirklich das liefern konnte, was gefordert war. Er arbeitet super verbissen in der Vorbereitung und die Drumproduktion war in zweieinhalb Tagen eingespielt. Es wurde nahezu kaum was editiert. Das Schlagzeug wurde sehr natürlich gehalten. Es klingt einfach Echt! "Flesh For The Kult Of Death" hat im Detail einige Elemente drin, welche davor so nicht möglich waren. Es ist nicht meine Aufgabe, die Früher-war-alles-besser-Fraktion zu überzeugen. Ich denke, wir haben mutig geliefert. Das Album hat runde und griffige Songs. Take it or leave it!

Wenn ich das richtig im Kopf habe, habt ihr selbst für den Sound des Albums gesorgt und der Swanö hat dann das Mastering übernommen. Was war euch wichtig für den Sound des Albums?

Ralf: Ja, das war für mich ein wichtiger Schritt. Jonny Petterson ist mit seinem UNBOUND Studio sehr gut aufgestellt und mir war es wichtig, dass wir Selbstbewusstsein zeigen! Sprich, wir suchen unseren Gitarrensound. Ebenso der Aspekt Drums. Erik hat so gut geliefert. Die Studio Files waren prima, sodass wir wirklich einen sehr natürlichen Drumsound fahren konnten. Es wurde jetzt nichts bis ins Detail zu Tode "geputzt". Da ist Echtheit und auch Schmutz drin. Wir haben uns lange mit den Songs auseinandergesetzt und wussten auch, was wir wollten. Dan Swanö war und ist eine wichtige Schlüsselfigur in der REVEL IN FLESH-Geschichte, sodass wir ihn dennoch im Boot behalten wollten. Dieses Mal jedoch nur für den Aspekt Endveredelung des Produktes, sprich Mastering. Er hat hierfür einfach das bessere Equipment und vor allem das Know-how. Ebenso wollte ich, dass das Element Gesang mit dem Hall als was Ganzes betrachtet wird. Auf den anderen Alben war der Gesang wesentlich trockener. Jetzt ist es mehr ein Guss! Wir können hier stundenlang darüber philosophieren - wir haben hier einen Schritt gewagt, welchen sich "alten" REVEL IN FLESH, vor allem bei so einem Album, nicht getraut hätten! Take it or leave it!

Als Coverversion gibt es diesmal 'All I Had (I Gave)' von CROWBAR. Warum gerade den Song und welche Songs standen noch zur Debatte?

Ralf: CROWBAR ist eine der "most heaviest" Bands in der Szenerie und deren Gitarrenarbeit funktioniert auch sehr gut in einem HM2 Sound Setting. Ich mochte den Song 'All I Had (I Gave)' schon zu seligen MTV Headbanger’s Ball-Zeiten. Unsere Version hat eine eigene REVEL IN FLESH-Handschrift und mir ist aktuell auch keine Death Metal-Band bekannt, welche sich an ein Cover hiervon herangetraut hat! Für mich rundet der Track das Album auch mit einer klaren Message ab: Hier wurde nichts mit dem halben Arsch gemacht! Dieser Song war meine erste Wahl. Alternativ hätte ich mir auch einen Song von ALICE IN CHAINS vorstellen können, da haben GRAVE schon mal ein tolles Cover geliefert!

Ralf, vielen Dank für deine Zeit und das Interview. Ich wünsche euch für das Album viel Erfolg und hoffe euch bald wieder live sehen zu können. Dir gehören die letzten Worte.

Ralf: Danke, Jan, für das interessante Interview! Holt Euch "Flesh For The Kult Of Death" von unserem Label War Anthem Records. Wir arbeiten aktuell an Bookings für 2027 und es sind für Deutschland bereits ein paar Clubshows sowie Festivals in Planung. Stay tuned! DEATH by METAL! Cheerz, Ralf & REVEL IN FLESH

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