12 Jahre ist es her, dass die letzte TRIOSPHERE-Scheibe erschien. Der lang ersehnte Nachfolger "Oceans Above, Stars Below" konnte aber direkt wieder an die hohen Bewertungen von damals anküpfen. Wir trafen die gut gelaunte Frontfrau Ida per Zoom und führten ein tolles Gespräch über die vergangenen Jahre und die neue Scheibe.
12 Jahre ist es her, dass die letzte TRIOSPHERE-Scheibe erschien. Der lang ersehnte Nachfolger "Oceans Above, Stars Below" konnte aber direkt wieder an die hohen Bewertungen von damals anküpfen. Wir trafen die gut gelaunte Frontfrau Ida per Zoom und führten ein tolles Gespräch über die vergangenen Jahre und die neue Scheibe.
Hallo Ida, schön, dass du Zeit für unser Interview hast!
Ida Haukland: Ich freue mich sehr, hier zu sein. Wirklich schön, dass ihr mit uns quatschen wollt!
Aber gerne! Das hier ist übrigens unser drittes Interview - die ersten beiden waren noch per Mail, umso mehr freue ich mich, dass wir jetzt Zeit für ein richtiges Gespräch haben. Schließlich kenne ich euch schon, seit ich den ersten Auftritt damals im JUZ Liveclub Andernach gesehen habe!
Ida Haukland: Wirklich? Da warst du?
Tatsächlich! Das erste Mal mit W.A.S.P. und das zweite Mal müsste mit ARCH ENEMY gewesen sein.
Ida Haukland: Ja, ja, das ist korrekt. Ich wollte gerade sagen, dass ich diesen Ort fast vergessen hätte, aber das wäre eine Lüge, denn Andernach ist einer der Orte, an denen es wirklich am coolsten war, überhaupt zu spielen! Unglaublich! Ein unglaubliches Publikum, eine unglaubliche Energie! Es ist viel zu lange her, dass wir dort waren! Vielleicht können wir das nächstes Jahr ändern!
Das wäre toll! Und das ist ein guter Übergang zu meiner ersten Frage: Warum war es so lange still um euch? Es waren immerhin 12 Jahre ...
Ida Haukland: Ja, ich beginne gerne mit dieser Frage. Zunächst: Wir waren immer eine Band und waren nie aufgelöst oder pausierten. Ich merke, wenn ich diese Frage beantworte, dass ich eine andere Wahrnehmung der vergangenen Jahre habe als vielleicht viele andere. Ja, wir waren bis zur Pandemie unterwegs und haben gespielt. Und das fühlt sich nicht so lange her an, aber es ist sechs Jahre her, 2020, als es passierte. Es war also auch eine ziemlich lange Zeit zwischen damals und heute. Aber wie auch immer, wir waren bis 2020 unterwegs. Wir machten Touren. Wir hatten auch schon ein Konzept für eine neue Tour im Frühjahr 2020. Und wir hatten definitiv auch Pläne, das Album im Frühling oder Sommer 2020 aufzunehmen. Aber natürlich wurde alles runtergefahren und wir fanden uns einfach in einer Warteposition wieder, um zu sehen, was passieren würde, wie es die meisten Menschen auf der Welt taten. Wir machten zwar kleine Vorproduktionen, aber in Norwegen war es wirklich, wirklich streng. Wir hatten Schwierigkeiten, uns zu treffen, besonders unseren Schlagzeuger, der 600 km entfernt wohnt. Es war also eine Herausforderung, sich im Proberaum zu treffen und weiterzuarbeiten. Aber wie auch immer, im Sommer 2022 begannen wir mit den Aufnahmen mit Schlagzeug und Gesang. Wir machten weiter in unseren Heimstudios mit Gitarre und Bass. Und dann ... (macht eine Pause und lacht) ... kam zwischendrin Nachwuchs hinzu, was alles deutlich verzögerte. Und dann waren wir Ende 2024 endlich mit der gesamten Aufnahme und dem Mix fertig. Aber dann wurde uns von unserem Label AFM gesagt, dass sie keine neuen Alben veröffentlichen würden. Sie würden sich nur auf den Backkatalog konzentrieren. Das war ehrlich gesagt ein ziemlicher Schlag ins Gesicht für uns, weil wir so sicher waren, dass wir endlich am Ziel sind. Aber dann mussten wir anfangen, ein neues Label zu finden. Und das kann selbst unter besten Umständen ein ziemlich beängstigender Prozess sein. Aber wir haben unseren ehemaligen AFM-Kontakt Timo Hoffmann kontaktiert und er hat uns mit Frontiers zusammengebracht. Bei den Gesprächen bekamen wir das Gefühl, dass das eine wirklich gute Zusammenarbeit sein könnte. Also haben wir im Sommer 2025 bei ihnen unterschrieben. Aber wie das bei einem Label dieser Größenordnung ist, mussten wir noch ein weiteres Jahr warten, bis das Album tatsächlich veröffentlicht werden konnte.

Was sind die Herausforderungen, mit einem neuen Label weiterzumachen?
Ida Haukland: Wir wussten wirklich nicht, was das für uns bedeuten würde. Wir haben aber schnell gesehen, dass Frontiers ein sehr ernsthaftes Label ist und sie haben eine klare Strategie, was getan werden muss. Auch wenn wir immer aktiv waren, musste der Labelwechsel natürlich als Comeback behandelt werden. Das ist nur fair. Es bedeutet ja auch Arbeit, die Hörer und Fans wieder zu erreichen. Aber bislang ist mein Eindruck wirklich sehr positiv. Eigentlich ist es ein unerwarteter Segen, denn so können wir komplett frisch starten.
Also wurde am Ende alles gut!
Ida Haukland: Ja, das kann man so sagen. (lacht)
Das klingt doch sehr gut! Dies war auch euer drittes Album, das ich rezensieren durfte, und wieder einmal gab es eine fantastische Bewertung, nämlich 9/10 Blutstropfen.
Ida Haukland: (strahlt übers ganze Gesicht) Ja, das habe ich gesehen! Danke!
Wie waren die Reaktionen sonst so?
Ida Haukland: Bisher war es wirklich toll. Wir hatten auf jeden Fall viele Top-Bewertungen und auch die Kommentarbereiche überall waren wirklich schön, sogar schon nach der Veröffentlichung der ersten Single. Auch nach der Veröffentlichung des gesamten Albums. Das Feedback war wirklich toll. Wir haben das Glück, auch schon vorher sehr gute Bewertungen bekommen zu haben. Aber wir waren nach der langen Zeit sehr gespannt darauf, wie die Reaktionen ausfallen würden. Aber es lief wirklich gut. Jetzt hoffen wir natürlich, dass wir auch gute Chancen haben, was die Buchung bei Shows, Festivals und so weiter angeht.
Für mich fühlt sich "Oceans Above ..." nach 100 Prozent TRIOSPHERE an: Starke Melodien, viel Power und hohe Qualität. War es Absicht, innerhalb dieser Trademarks zu bleiben, oder wolltet ihr irgendetwas ändern?
Ida Haukland: Insgesamt habe ich definitiv das Gefühl, dass die Songs auf diesem Album durchgehend eine sehr starke TRIOSPHERE-Handschrift haben. Wir wissen mittlerweile, wie unser Sound sein soll. Aber wenn wir Songs machen, beginnen wir nicht mit einer ganz klaren Absicht. Wir nehmen uns für die einzelnen Songs nichts Spezielles vor. Wir haben uns als Band und Musiker dahin entwickelt, ohne jetzt Dinge zu sehr zu verändern. Und bei "Oceans ..." wollen wir immer die bestmöglichen Songs nach unserer Vorstellung machen. Marius bringt die Riffs und zu einem großen Teil auch die Arrangements mit und hat oft auch die volle Vision des Songs. Aber natürlich arbeiten wir bei den Proben als volle Band zusammen. Das Endprodukt jedes Songs ist also immer das Ergebnis der Zusammenarbeit der gesamten Band und wir besprechen Lösungen, Arrangements, Teile innerhalb eines Songs, ob sie herausgeschnitten, hinzugefügt oder verlängert werden sollten.
Wenn die Songs ohne speziellen Plan entstehen, wie sieht es mit dem Konzept für das Gesamtalbum aus?
Ida Haukland: Wenn wir ein Album machen, haben wir natürlich einige Gedanken dazu. Das kann die Diskussionen beeinflussen, wenn wir die Songs schreiben, ob bewusst oder unbewusst. Gleichzeitig haben wir, wie gesagt, keine sehr strengen Vorstellungen, wie die Songs sein sollen, bevor wir mit der Produktion beginnen. Aber ja, es ist eine sehr interessante Frage und schwer zu kommentieren, da es Weile her ist, seit wir viele dieser Songs gemacht haben. Aber natürlich machen wir immer einen Schritt zurück und schauen uns an, was wir jetzt haben, welche Art von Songs es sind, wie klingt das alles zusammen? Und besonders was die Texte angeht, versuche ich natürlich bis zu einem gewissen Grad, eine Verbindung zwischen ihnen herzustellen, auch wenn die auf diesem Album nicht besonders stark ist.
Okay. Und was kannst du über den Albumtitel erzählen? Ozeane oben, Sterne unten. Was bedeutet das?
Ida Haukland: Ja, nun, das fing damit an, dass ich "The Witcher" des polnischen Autors Sapkowski gelesen habe. Und es gibt einen Satz, der zumindest in ein paar Büchern wiederholt wird, der besagt, dass man die Sterne, die nachts in einem Teich gespiegelt werden, mit denen am Himmel verwechselt hat. Und das kann auf viele Arten interpretiert werden, aber im Grunde verwechselt man Realität und Illusion. Und ich mochte diesen Satz und die Bilder, die man davon im Kopf hat. Und ich habe eine Weile über diese Sache nachgedacht, und dann über Ozeane, das Wasser, den Fluss ... dieses Element war für mich immer eine große Inspiration, wenn ich Texte schreibe, besonders über die Seele und das Herz. Als sich das alles im Kopf verband, entstand dieser Titel: "Oceans Above, Stars Below". Wenn man es wörtlich nimmt, steht alles Kopf. Aber vielmehr geht es darum, dass es nicht das ist, was du glaubst. Wenn man es ein bisschen wörtlich nimmt, kann man sagen, dass alles auf den Kopf steht, aber vielmehr geht es darum, dass Dinge nicht so sind, wie es scheint. Sie sind nicht das, was du erwartest oder glaubst. Wir alle erleben im Laufe unseres Lebens Situationen, in denen alles fremd ist, nichts mehr Sinn ergibt. Oder eben eine Herausforderung. Und manchmal kann das etwas Gutes sein, aber oft eine sehr schwierige Sache. Und dann ist das Ziel, einen Weg durch diese Situationen zu finden und das Beste daraus zu machen.
Ich glaube, das ist euer erstes Album mit Kenneth am Schlagzeug, oder?
Ida Haukland: Ja, das ist es. (lacht)
Nach wie vielen Jahren?
Ida Haukland: Wir sind sehr froh, dass er noch bei uns ist ... (lacht) ... er kam in die Band, bevor wir "The Heart Of The Matter" veröffentlicht haben - im Frühjahr 2014, als das Schlagzeug bereits aufgenommen war, aber das Album wurde erst im November 2014 veröffentlicht. Er war also während der gesamten Zeit dieses Albums bei uns. Und natürlich dachten wir alle, dass das erste Album mit ihm viel früher erscheinen würde. Deshalb war er sehr geduldig. Gott sei Dank. Endlich können wir zeigen, was für ein großartiger Schlagzeuger er ist. Der Wechsel von unserem vorherigen Schlagzeuger zu Kenneth war völlig problemlos. Für mich als Bassistin lief es super mit dem Timing und seinem Anschlag. Er ist ein unglaublicher Schlagzeuger und natürlich auch ein toller Typ. Also ist er endlich auf seinem ersten vollständigen Album.
Ich kann mich erinnern, dass ihr teilweise mit einem Sessiondrummer auf Tour wart. Ich glaube, er hieß Anders, oder?
Ida Haukland: Ja! Absolut korrekt!
Habt ihr jetzt ein stabiles Line-up mit Kenneth?
Ida Haukland: Also das hoffe ich doch! Wir mussten nie einen Ersatz für ihn haben. Er war die ganze Zeit hier. Aber es gab eine Phase von ein paar Jahren vor dem Wechsel, als wir öfter einen Ersatz brauchten. Und Anders war einer von denen, die sich uns anschlossen. Er hat großartige Arbeit geleistet. Und wir hatten auch einen weiteren Schlagzeuger, der uns auf Tour mit KAMELOT begleitete - er hieß Vidar Lehman. Er ist inzwischen selbst in mehreren Bands. So konnten wir spielen, obwohl unser damaliger Schlagzeuger Schwierigkeiten hatte, uns auf Tour zu begleiten. Diese Instabilitäten im Line-up zu haben, ist auf jeden Fall eine Herausforderung, das haben wir in dieser Zeit gespürt. Ein stabiles Line-up ist sehr wichtig.
Nachdem ich eure bisherigen Touren bereits genossen habe: Wann können wir euch wieder in Deutschland sehen?
Ida Haukland: (lacht) Ich hoffe es auf jeden Fall nächstes Jahr. Wir arbeiten zum ersten Mal mit einer professionellen Booking-Agentur zusammen. Wir haben gerade bei Dragon Productions unterschrieben und hoffen wirklich, dass uns das hilft, auf mehr Bühnen Europas zu gehen, weil das Live-Spielen definitiv am meisten Spaß macht. Inzwischen haben wir alle Kinder, die noch ziemlich jung sind, daher müssen die langen Touren noch etwas warten. Aber ab und zu zwei oder drei Shows hintereinander sollte nächstes Jahr klappen. Unsere wunderbare Agentin Nanda arbeitet daran. Schauen wir also, was wir erreichen können. Und ich werde ihr sofort eine Mail schicken, dass sie Andernach nicht vergessen soll! (lacht)
Cool. Das waren meine Fragen an dich und ich möchte mich herzlich für deine Zeit bedanken. Die letzten Worte für unsere Leser gehören dir, was auch immer du mit ihnen teilen möchtest!
Ida Haukland: Nun, zunächst einmal muss ich dir noch mal sehr, sehr danken, dass du uns hier eingeladen hast. Promo ist das "A" und "O", dass wir hier sind und Alben machen und all das. Und ein aufrichtiger Dank an alle, die uns im Laufe der Jahre gehört haben und geduldig gewartet haben und trotz dieser sehr langen Pause bei uns geblieben sind. Und schließlich an alle, die neu bei TRIOSPHERE sind: Wir freuen uns sehr, dass ihr uns gefunden habt, und wir hoffen, dass uns alle helfen, unsere Musik bekannt zu machen und dass unser Album weiter gestreamt und gekauft wird. Und wir tun alles, was wir können, um auf einer Bühne in eurer Nähe zu spielen, und wir sind einfach super dankbar für das tolle Feedback. Also danke euch allen.
Das sind wunderbare abschließende Worte. Vielen Dank und dir einen schönen Abend und ein schönes Wochenende!
Ida Haukland: Vielen Dank. Und ich drücke wirklich die Daumen, dass wir uns irgendwo auf der Show treffen - wenn nicht Andernach, dann woanders! |