Azadi Festival

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Take off: 22.05.2026 - Review (646 mal gelesen)
Das Azadi Metalfestival findet inzwischen das zweite Mal im Kulturpalast in Wiesbaden statt. Der Festivalname leitet sich ab vom Slogan "Women, Life, Freedom", oder eben "Jin, Jiyan, Azadi". Das Ganze wird auf Benefizbasis veranstaltet, alle Organisatoren und Helfer stemmen die Arbeit ehrenamtlich, die Erlöse werden gespendet. Wie der Festivalname nahelegt ist es außerdem ein politisches Festival. Dinge wie Tanzen, nicht-religiöse Musik, insbesondere sämtliche Metalvarianten, werden im Iran unterdrückt und damit ist das Veranstalten eines Metalfestivals an sich bereits ein Zeichen des Protests. Zwei Tage lang setzten daher Bands und Fans ein wichtiges Zeichen für Freiheit und Menschenrechte.

Freitag


imgleftDen Anfang macht am ersten Tag ab 17 Uhr der Fronter der Band TRIVAX, Shayan, welche aus Exiliranern in London besteht. Shayan bietet allerdings keine Musik dar, sondern zeichnete über eine Stunde Live-Podcast auf und gibt einen Abriss über die jüngere Geschichte des Iran seit der islamischen Revolution. Eindrücklich schildert er Eindrücke von Demonstrationen, wie dabei Menschen durch das Regime umgebracht wurden und die Umstände, warum er aus politischen Gründen das Land verlassen musste. Er zeigt dadurch intensiv auf, wie Kunst, Kultur und Andersdenkende unterdrückt, verfolgt und getötet werden. Die bereits stehende Bühnendenko der ersten Band APOSTASIE mit ihren Totenköpfen gab dem Podcast einen leider sehr passenden Rahmen.

Den kompletten Podcast könnt ihr hier anschauen

Die dann folgende Pause gab Raum zur Besinnung und Verarbeitung des eben Gehörten. Einmal mehr kann man froh sein, in diesem Teil der Welt geboren worden zu sein, in dem man leben, lieben und lachen kann, wie man will. Und gleichzeitig muss man solche Momente des Einblicks in ein Terrorregime nehmen als Warnung, dass unsere Freiheit nicht selbstverständlich ist und verteidigt werden muss.

imgrightMit APOSTASIE folgt der erste musikalische Act. Die Anzahl der Zuschauer hat noch Potenzial nach oben, was angesichts des Wetters auch wenig erstaunlich ist - das Azadi Metalfestival findet nämlich indoor statt. Die Band gibt dafür alles. Die Bühnendeko ist unglaublich stimmungsvoll mit Kerzenständern, Totenköpfen, Weihrauchschwaden und Goldschmuckdeko. Die Band ist entsprechend stilvoll gewandet, Drehleierspielerin Batseba trägt einen die untere Gesichtshälfte verhüllenden Schleier, wie man es sich bei 1001 Nacht vorstellt. Der eher aggressive Blackmetal mit Folkeinflüssen ist auf den Punkt. Das Publikum wird durch diesen atmosphärischen Auftritt schnell eingenommen und feiert die Band entsprechend.

Danach erfolgt mit DARCY'S FAULT ein harter Schnitt. Mit ihrem Indierock, dem Hawaii-Hemd von Gitarrist Mario und der entsprechend eher lockeren Stimmung bilden sie einen harten Kontrast. Nichts desto trotz liefern sie eine gute Performance ab. Sängerin Stephanie kokettiert ein wenig mit der Außenseiterrolle und hat das Publikum mit ihrem Charme schnell auf ihrer Seite. Die Zuschauer werden auch fleißig eingebunden, ob nun durch einen ersten kleine Circle Pit oder wie bei den 'Pirates Of The WWW', bei dem sich alle zum Rudern hinsetzen dürfen. Stephanies starke Stimme tun ihr Übriges, so dass die gute Stimmung trotz des starken Musikwechsels weiter gut bleibt.

imgleftDie Lokalmatadoren SPILLFLOWER aus Darmstadt bringen anschließend mit ihrem Metalcore wieder etwas mehr Würze auf die Bühne. Auf einen Schlag wird das Publikum durch die eigene Fanbase zahlenmäßig verstärkt und die Stimmung geht nochmal um einiges nach oben. Trotz der bereits guten Auftritte - SPILLFLOWER legen die Messlatte nochmal höher: Der Sound ist besser, das Songwriting ausgefeilter. Das Duett aus Sänger Lukas und Sängerin Ivonne bildet eine super Kombination, das Riffing ist auf den Punkt. In der Folge wird gemosht, gebangt und gefeiert. Definitiv ein würdiger Co-Headliner des ersten Tages.

Anschließend sollte eigentlich ein Secret Act die Bühne betreten. Dieser musste aber krankheitsbedingt absagen, weswegen die Hanauer LYCANIA als Abschluss des Tages in die Bresche sprangen. Mit ihrem Symphonic Metal setzen sie einen kleinen Kontrapunkt zu SPILLFLOWER, können aber auch qualitativ nicht ganz an SPILLFLOWER anknüpfen. Während sie auf Platte durchaus überzeugen mit stimmungsvollen Arrangements und Soprangesang, wirkt die Musik im Kulturpalast ein wenig unpräzise, unter anderem weil nicht alle Töne hundertprozentig sitzen. Die Show selbst ist allerdings mit vollem Engagement und voller Hingabe, weswegen die Zuschauer die Band dennoch feiern und mit guter Stimmung weiter anheizen.

Samstag


imgrightAn Tag zwei machen CEPHYRE aus Herborn den Anfang. Auch hier zeigt sich, dass die Indoorveranstaltung in harter Konkurrenz zum Wetter steht und die Zuschauer sich nach und nach erst einfinden. Die hartgesottenen, die sich bereits vor der Bühne eingefunden haben, werden durch Extreme Melodic Metal mitgerissen. Alles in allem ein solider Auftritt, nur sollte Sänger Johannes auf seine Growls vertrauen. Zumindest live kann mich der klare Gesang nicht von den Socken hauen. Hervorhebenswert ist allerdings das Cover von 'Eleanor Rigby'

Mit LORRAINE betritt eine Band die Bühne, die wieder eine solide Fanbase mitgebracht hat, so dass sich der Kulturpalast deutlich füllt. Sie selbst betiteln ihre Musik mit Melodic Alternative Postcore Metal, am Ende würde ich sagen: Hauptsache Core. Sänger Patric Puppet versucht ein wenig in die Fußstapfen von Ronnie Radke (FALLING IN REVERSE) zu treten, vor allem auch, was das Bühnenoutfit angeht, verhebt sich daran allerdings unter Umständen ein wenig. Dennoch insgesamt ein guter Auftritt mit professioneller Attitüde.

imgleftNach einer weiteren kurzen Umbaupause, in der man das Wetter genießen kann und den eigenen Hunger mit Bier und dem Essen von Food That's Left stillt, geht es dann auch schon weiter mit ROOTS OF UNREST. Mit ihrem geradlinigen klassischen Death Metal geben sie alles und holen aus den Zuschauern alles raus. Die Band legt einen extrem tighten Auftritt hin, der einen die gesamte Spielzeit die Haare kreisen lässt. Es stimmt einfach alles: Sound, Performance, Ansagen. Wie die anderen Bands mit mehr als drei Mitgliedern haben auch sie mit den etwas beengten Verhältnissen auf der Bühne zu kämpfen, machen aber das beste daraus. Das Publikum goutiert es mit mehreren Circle Pits und einer ausgelassenen Stimmung.

Obwohl das Azadi Metalfestival eher klein ist, schafft es das Booking immer wieder, ausländische Acts an Land zu ziehen. So wie PHAT PROBLEM aus Großbritannien. Der ehrliche und auf-die-Schnauze englische Streetpunk bietet eine gute Abwechslung, ist aber an der einen oder anderen Stelle auch ein wenig gewöhnungsbedürftig. Abwechslungsreich ist auch der Auftritt selbst, da die Lieder sehr kurz und knackig gehalten sind. Dass der Sound eher dem Musikstil entspricht, macht die Sache nicht unbedingt besser. Das alles passiert aber mit unglaublich viel Energie und Authentizität, so dass man sich fast nicht dagegen wehren kann, mitgerissen zu werden.

imgrightLANCESTER MERRIN aus Hildesheim sorgen mit ihrem Melodic Metal dann für deinen harten Stilwechsel. Sängerin Cat Rogers hat von Anfang an einen engen Draht zum Publikum und versprüht eine unglaubliche positive Energie. Die überträgt sich, auch Dank der mitreißenden Lieder, auf das immer zahlreicher werdende Publikum. Am Ende werden daher nicht nur die Haare geschüttelt, sondern auch so alberne Dinge wie eine "Circle Pit" um die Sitzecke vor der Bar gemacht. Ein wirklich überzeugender Auftritt!

ELVENPATH sind im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus eine feste Größe und bereichern die Metalszene nun bereits seit über 20 Jahren. Sie dürfen als Headliner des zweiten Tages ran und strahlen ihre Routine vom ersten Moment an aus. Die Zuschauer von LANCESTER MERRIN zuvor kommen auch bei dieser Band voll auf ihre Kosten. Die Band hat eine beeindruckende Bühnenpräsenz und schafft es, live noch besser rüberzukommen als auf Platte, insbesondere was die Vocals betrifft. Die Power Metal-typischen Melodien kratzen auch die letzten Energiereserven der Zuschauer hervor. Selbst die der Power Metal-Szene zumindest optisch nicht ganz so zuzurechnenden PHAT PROBLEM feiern die Band ab. Ein absolut würdiges Ende des musikalischen Teils des Festivals.

Fazit über das Festival


Insgesamt war es ein tolles Festival mit toller Stimmung. Lange Zeit war der Kulturpalast auf Grund von Renovierungsarbeiten geschlossen, hat nun aber seit 2024 wieder geöffnet. Insgesamt eine eher kleine, gemütliche Location, die mit einer Sitzecke im Bereich vor der Bar und dem direkt angrenzenden Bereich um die kleine Bühne eine familiäre Atmosphäre vermittelt.

Neben den Bands gab es noch weitere Aktionen: Im Außenbereich gab es einen Tisch mit der Möglichkeit, Brettspiele zu zocken, in den Pausen wurden Leinwände mit Merch-Motiven für den guten Zweck versteigert und das Catering am zweiten Tag wurde durch Food That's Left übernommen. Diese bieten gastronomischen Service aus Lebensmitteln an, die durch Firmen ansonsten weggeschmissen worden wären. Für das Essen wurde kein Festpreis berechnet, sondern man konnte eine empfohlene Spende leisten. Der Kulturpalast ist eine tolle Location, vor allem das Vorhandensein der Sitzecke dem Ganzen einen sehr chilligen Touch gegeben.

Am Ende hat man für 35€ zwei Metal-Tage für den guten Zweck gehabt. Preis und Leistung waren damit definitiv fair, zumal es wenig - oder eher nichts - zu meckern gibt. Die Atmosphäre, die gute Orga und nicht zuletzt die Zuschauer verhalfen dazu, dass das Azadi Metalfestival zu einem tollen Ereignis wurde.

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Billing
ELVENPATH, LANKESTER MERIN, DARCY'S FAULT, SPILLFLOWER, ROOTS OF UNREST, APOSTASIE, SPILLFLOWER, PHAT PROBLEM, CEPHYRE, LORRAINE

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