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40 Jahre Rebellion - Happy Birthday BÖHSE ONKELZ

Ein Artikel von T.Roxx vom 23.04.2020 (412 mal gelesen)

Vorwort


In diesem Jahr feiern die BÖHSEN ONKELZ ihr 40jähriges Bandjubiläum. Das ist ein willkommener Anlass, die in dieser Form beispiellose Karriere der Band in Form eines Specials zu würdigen, da man - unabhängig wie man zu dieser Band steht - ihre Relevanz für die harte Rockmusik nicht ignorieren kann; zumindest, wenn man die Karriere der ONKELZ einigermaßen objektiv betrachtet. Dass die Band bis heute immer noch polarisiert, weiß vermutlich jeder. Mir ist allerdings mehrfach aufgefallen, dass von vielen Gegnern der Band nicht nur sehr emotional, sondern oft auch mit Halb- oder sogar Unwahrheiten argumentiert wird. Deshalb soll dieses Special natürlich einerseits die durchaus zweifelhaften Anfänge der Band nicht aussparen, aber gleichzeitig die Entwicklung der Band im Laufe von vier Jahrzehnten nachzeichnen. Mein erster Versuch, ein solches Special relativ überschaubar zu halten, ist kläglich gescheitert. Wenig verwunderlich, denn 40 Jahre sind eine lange Zeit. Als Grundlagen für meine Recherche dienten mir der History-Eintrag bei Wikipedia.org, (nebst den zugrundeliegenden Quellen) die Biographie "Danke Für Nichts", die Dokumentationen "Böhse Für's Leben" und "Memento - Gegen die Zeit", sowie die Diskographie der BÖHSEN ONKELZ. Da die Gründungszeiten bis weit in die Vor-Internet-Zeit zurückreichen, orientiert sich dieser erste Teil dicht an der Wikipedia, da weitere Recherchemöglichkeiten über die genannten Medien hinaus recht schwierig sind.

I. Wie alles begann


Inspiriert durch Bands wie THE CLASH oder THE STRANGLERS gründeten Stephan Weidner, Kevin Richard Russell und Peter "Pe" Schorowsky - die teils unter schwierigen Verhältnissen aufwuchsen - 1979/80 die Band. Den Bandnamen gaben ihnen einige Kids aus der Nachbarschaft, als sie ihre jüngeren Geschwister mit den Worten: "Vorsicht, da sind die bösen Onkels!" davor warnten, dass diese ihnen den Schlitten wegnehmen würden. 1981 trat Matthias "Gonzo" Röhr der Band bei. Er hatte zuvor in der Frankfurter Punk-Gruppe ANTIKÖRPER Gitarre gespielt und brachte somit Erfahrung in die Band, deren musikalischer Erfahrungsschatz zu dem Zeitpunkt doch recht überschaubar war. Zunächst übernahm Röhr den Bass und Weidner spielte die Gitarre. Erste Konzerte fanden im Laufe des Jahres 1981 in Frankfurt am Main im Jugendclub "Juz Bockenheim", in der "Batschkapp" und im türkischen Familienzentrum am Wiesenhüttenplatz in der Nähe des Hauptbahnhofs statt, wo man zusammen mit anderen jugendlichen Punkbands spielte. Anfänglich waren die BÖHSEN ONKELZ damals also in der Punk-Szene beheimatet.

II. 1981 bis 1992: von der Punk- über die Skinhead-Szene und Indizierung bis zur ersten öffentlichen Wahrnehmung


Nach der ersten Demoaufnahme von 1981, die das zu recht umstrittene Lied 'Türken Raus' enthielt, nahm die Band noch im selben Jahr ihre erste Single 'Kill the Hippies – Oi' auf und steuerte zwei Lieder zum politisch eher linken Punk-Sampler "Soundtracks zum Untergang Vol. II" ('Hippies' und 'Religion' - beide Songs demonstrieren die zu diesem Zeitpunkt noch sehr ausbaufähigen lyrischen und musikalischen Fähigkeiten) bei, der 1982 erschien. Kurz vor der Aufnahmen zu dem Sampler tauschten Röhr und Weidner die Instrumente. Als die ursprünglich weitgehend unpolitische Punk-Szene zunehmend politischer wurde und gleichzeitig (recht erfolgreich) versucht wurde, den ursprünglich unangepassten, rebellischen Punk zu einem reinen Modetrend zu kommerzialisieren, verloren die ONKELZ das Interesse an dieser Subkultur und orientierten sich immer mehr an der Oi!-Bewegung, die gleichsam unpolitisch startete und anfänglich als Gegenbewegung zur immer kommerzieller werdenden Punk Szene verstanden wurde. Dort sahen die ONKELZ die Möglichkeit, weiterhin unangepasste, rebellische Musik zu machen, ohne sich politisch vereinnahmen zu lassen.

1983 erschien das zweite Demo (natürlich noch auf Kassette) in einer Auflage von etwa 100 Stück. Das Demo enthielt den zweiten Song mit ausländerfeindlichem Inhalt, 'Deutschland den Deutschen'. Das Demo verbreitete sich schnell durch Kopieren innerhalb der Skinhead-Szene. Im Sommer '83 fand das erste Konzert der Band vor Skinhead-Publikum in einem alten Fabrikgebäude in Berlin statt. Bei diesem Auftritt vor ungefähr 50 Zuschauern wurde das Lied 'Türken Raus' zum letzten und das Lied 'Deutschland den Deutschen' zum einzigen Mal live gespielt.

Im Mai 1984 folgte die Veröffentlichung des ersten Studioalbums "Der Nette Mann" über das Label Rock-O-Rama, dessen Fokus zu diesem Zeitpunkt noch auf Punk- und New-Wave-Musik lag. Auf diesem Album sind auch die Songs 'Stolz' und 'Deutschland' enthalten, die den ONKELZ einen verstärkten Kultstatus in der Skinhead-Szene einbrachten. Am 15. August 1986 wurde das Album von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjS) indiziert. Im Indizierungsbericht des Albums werden einzelne Textstellen allerdings fehlerhaft wiedergegeben, im Song 'Der Nette Mann' etwa wurde "Teint" anstelle des Wortes "Schrei" verstanden, was vermutlich der schlechten Tonqualität des Albums geschuldet ist, die auch den Gesang teilweise sehr undeutlich klingen lässt. Kurze Zeit später wurde durch das Amtsgericht Brühl das Album bundesweit wegen Gewaltverherrlichung (§ 131 Abs. 1 StGB) beschlagnahmt, was ein Totalverbot der Verbreitung bedeutete. Das Album hatte sich bis zu dem Verbot mäßig verkauft, die Anfangsauflage betrug 1.000 Exemplare, verbreitete sich nun jedoch schnell durch Schwarzkopien in der Oi!-Szene. Erst nach dem Verbot wurde die breitere Öffentlichkeit auf das Album aufmerksam. Natürlich kommt man bei einer Recherche nicht umhin, sich mit den Begründungen für die Indizierung der einzelnen Lieder auseinanderzusetzen. Und diese sind - aus heutiger Sicht - größtenteils fragwürdig; zumindest wenn man beispielsweise aktuelle Songtexte von RAMMSTEIN als Vergleich heranzieht, die wiederum nicht auf dem Index stehen. Trotzdem muss man festhalten, dass das Album "Der Nette Mann" das vermutlich einflussreichste Skinhead-Album der Rechtsrock-Szene war, was auch der Politikwissenschaftler Henning Flad feststellte. Gleichzeitig schrieb er jedoch in einem Artikel vom 21.07.2008 für den Blog "Bell Tower News" der Amadeu-Antonio-Stiftung, dass das Lied 'Deutschland‘ zwar einerseits Textzeilen beinhalte, die wesentliche Elemente extrem rechten Denkens darstellten, jedoch gleichzeitig mit der Formulierung "zwölf dunkle Jahre" eine auffallende Distanzierung zum Nationalsozialismus enthalte. Außerdem sei in dem Lied mit "schwarz-rot-gold, wir stehn zu dir“ ein klares Bekenntnis zu diesen Nationalfarben und damit zu den demokratischen deutschen Traditionen enthalten. In rechtsextremen Kreisen werden diese Farben abgelehnt, dort bezieht man sich lieber auf die schwarz-weiß-rote Nationalflagge. Weiterhin stellt er in diesem Artikel fest: "Das Hauptcharakteristikum der frühen BÖHSEN ONKELZ war im Gegensatz zu späteren NS-Bands nicht etwa eine ausgefeilte politische Ideologie, sondern eine hohe persönliche Gewaltbereitschaft gegenüber allen und allem, was ihnen nicht passte." Mit dieser Einschätzung bestätigt Flad die immer wieder von der Band geradezu gebetsmühlenartig wiederholte Aussage, dass die sich die BÖHSEN ONKELZ keiner politischen Richtung oder Ideologie zugehörig fühlen. Dass die Mitglieder der BÖHSEN ONKELZ in punkto Gewalt gerade in jungen Jahren keine Heiligen waren, haben sie sowohl in diversen Interviews, späteren Liedern und auch in ihrer Biographie hinreichend thematisiert. Über die Gründe dafür kann spekuliert werden, aber das Umfeld, in dem die vier aufgewachsen sind, war sicher nicht unschuldig an der anfänglichen Entwicklung.

Andere Personen, wie der Aktivist und Publizist Klaus Farin und die Diplom Sozialpädagogen und Autoren Jens Raabe und Martin Langebach (letzterer publizierte längere Zeit unter dem Pseudonym Christian Dornbusch), beurteilten das Lied 'Deutschland‘ nicht so objektiv wie Henning Flad, was aufgrund ihres persönlichen Backgroundes allerdings auch nicht überrascht. Aber auch diese drei Personen kamen zu keinem eindeutigen Ergebnis in ihrer Beurteilung. Während Klaus Farin den Titel 'Deutschland' als extrem nationalistisch einstufte, stuften Raabe und Langebach den Titel als "moderat deutsch-national" ein. Insofern kann man - zumindest aus damaliger Sicht - die Indizierung verstehen. Nachdem die ONKELZ jahrzehntelang erfolglos versucht haben, gegen die Indizierung einiger Songtitel juristisch vorzugehen, gelang ihnen vor dem Jahreswechsel 2019/2020 ein juristischer Teilerfolg. Neben dem Song 'Der Nette Mann' sind ferner 'Mädchen' und 'Böhse Onkelz' rehabilitiert worden. Das gilt jedoch nicht für das Album; für dieses und für alle unautorisierten Nachveröffentlichungen unter anderem Namen (zum Beispiel "Häßlich") gelten genauso weiterhin ein uneingeschränktes Verkaufsverbot gemäß Listenteil B der jugendgefährdenden Trägermedien, wie auch für diverse Live-Bootlegs von Konzerten, auf denen die Songs zu hören sind.

Im Herbst des Jahres 1984 wirkten die ONKELZ im Rahmen eines Live-Auftritts im Berliner Loft in dem Fernsehfilm "Zagarbata" von Tabea Blumenschein mit. Der Film beschäftigt sich mit der frühen Skinhead- und Punkbewegung der 80er in der Bundesrepublik und wurde am 19. Mai 1985 veröffentlicht. Ende des Jahres 1984 begannen Weidner, Röhr und Schorowsky sich langsam von der Skinhead-Szene zu distanzieren, da sie sich zu sehr in ihrer Freiheit zum Beispiel durch bestimmte Dresscodes eingeschränkt fühlten. Zudem wies Weidner 1986 rückblickend darauf hin, dass es Vorfälle gegeben habe, mit denen sich die Band nicht identifizieren kann und die Band keine Lust mehr darauf gehabt habe, sich in eine Ecke drängen zu lassen, aus der sie nicht mehr herauskommt. Russell dagegen identifizierte sich noch bis zum Ende des Jahres 1985 stark mit der Skinheadkultur. Gleichzeitig wurde auch die Trennung vom Label Rock-O-Rama beschlossen, da dieses Label immer mehr durch neonazistische Veröffentlichungen auffiel. Darüberhinaus gab es finanzielle Differenzen zwischen den ONKELZ und dem Label-Chef Herbert Egoldt. Trotzdem musste die Band ihren Plattenvertrag über insgesamt drei Alben erfüllen und veröffentlichte also 1985 noch "Böse Menschen – Böse Lieder". Schon auf diesem Album begannen die ONKELZ, sich sowohl musikalisch als auch optisch von der Oi!-Bewegung abzugrenzen; musikalisch können nur noch drei von insgesamt zehn Titel dieser Bewegung zugerechnet werden. Das Album verkaufte sich zur Erscheinungszeit etwas 4.000 mal. Die nachfolgende EP "Mexiko" war der letzte Tonträger für Rock-O-Rama. Von der EP wurden in der Zeit nach ihrem Erscheinen 8.000 Tonträger verkauft.

Abgesehen von der Indizierung des Albums "Der Nette Mann" im Jahr 1986 wurde es nach dem Ausstieg aus der Skinhead-Szene zunächst ruhig um die Band. Nach einem Auftritt bei einem von Manfred Sexauer organisierten Benefiz-Konzert in der Nähe von Frankfurt/Main für das SOS-Kinderdorf im selben Jahr trat die Band bis 1989 nicht mehr live auf.
1987 veröffentlichte die Band mit "Onkelz Wie Wir…" ein neues Album über das Label Metal Enterprises. Zu dem Tonträger, der sich bis Ende des Jahres etwa 15.000 Mal verkauft hatte, wurde erstmals eine Rezension in einem bundesweit publizierten Musikmagazin (dem "Metal Hammer") veröffentlicht. Musikalisch war hier der Bruch mit der Oi!-Bewegung vollendet.

1988 wurde das vierte Album "Kneipenterroristen" veröffentlicht. Die Songs des Albums drehen sich zum Teil noch immer um Alkohol und Gewalt, allerdings wurden Texte und Musik komplexer. Dazu kamen neue lyrische Themen wie Götzenverehrung in 'Falsche Propheten' oder psychische Störungen wie Paranoia in 'Tanz Der Teufel' beziehungsweise Albträume in 'Freddy Krüger'. Trotz der musikalischen Weiterentwicklung und der langsam zunehmenden Anerkennung innerhalb der Metal-Szene bekam die Band interne Probleme aufgrund schwerer Schicksalsschläge (zum Beispiel der Tod enger Freunde, die Alkohol- sowie Heroinabhängigkeit von Kevin). Das Interesse an den ONKELZ wuchs mit stetig steigenden Verkaufszahlen der Folgealben "Es Ist Soweit", "Wir Ham' Noch Lange Nicht Genug" und "Heilige Lieder" kontinuierlich. "Heilige Lieder" erreichte Platz 5 der deutschen Albumcharts und brachte der Band 1995 ihre erste Goldene Schallplatte ein. Im Zuge dieses Erfolgs wurden die Vergangenheit der ONKELZ und die Forderung nach einer Namensänderung wiederholt öffentlich thematisiert.

Als es in den frühen 1990er Jahren zu verschiedenen rassistischen Übergriffen (zum Beispiel die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen oder der Mordanschlag von Mölln) kam, wurden die ONKELZ häufig im Zusammenhang mit rechtsextremer Gewalt erwähnt. Die Band sah sich mit massiver Kritik konfrontiert, die unter anderem dazu führte, dass sich mehrere Radio- und später auch Fernsehsender (MTV und VIVA) weigerten, Songs der ONKELZ zu spielen - außerdem verkauften die großen Einzelhandelsketten die Tonträger der ONKELZ nicht. Darüber hinaus weigerten sich verschiedene Stadtverwaltungen und bekannte Konzertveranstalter, die Band live auftreten zu lassen. Dagegen versuchte das Plattenlabel Metal Enterprises, bei dem die ONKELZ unter Vertrag standen, bis sie es 1990 aufgrund der auch bei diesem Label immer größer werdenden neonazistischen Tendenzen verließen, gerade mit der Vergangenheit der Band neonazistisches Publikum anzusprechen. 1994 konnte die Band aber erfolgreich eine "Best-of"-Veröffentlichung des Labels mit dem Titel "Könige Für Einen Tag" stoppen, da das Cover aus Sicht der Band und zahlreicher anderer Betrachter einen nationalistischen Eindruck vermittelte.

...to be continued.

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